Institut du Monde Arabe (Ima)

Nachdem ich mich lange im Marais, auch jüdisches Viertel genannt, aufgehalten und mich dann beim Essen peripher mit griechischer Philosophie und Utopien beschäftigt hatte…, stand mir der Sinn danach, nun noch ein wenig in die arabische Welt einzutauchen. Na ja, eigentlich wollte ich nur einen Tee mit frischer Minze trinken und dabei von oben auf die Stadt blicken, um den Nachmittag ausklingen zu lassen. Müde war ich vom vielen Schauen und Gehen.

Trotzdem hatte ich keine Lust, lange Métro zu fahren und stieg am rechten Seine-Ufer aus. Der Weg war doch weiter, als ich ihn mir nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan vorgestellt hatte. Auch kam Wind auf, der das erste Herbstlaub hochwirbelte und zusammen mit dem Nachmittagslicht für eine sonderbar-besondere Stimmung sorgte.

Endlich erreichte ich die Seine und den Pont de Sully.

Am Himmel braute sich etwas zusammen, obwohl sich die Sonne noch blicken ließ.

Wo war das Institut du Monde Arabe nun noch? Es kann doch nicht weit hinter der Brücke liegen… Zu faul, den Plan hervorzukramen, fragte ich einen Passanten. Der schickte mich geradeaus weiter und meinte, es seien ungefähr zehn Minuten Fußweg. Na sowas? Das kann doch nicht sein. Nach ein paar Schritten kehrte ich skeptisch um. Sollte ich noch jemanden fragen?

Oder doch den Bus oder die Métro „nach Hause“ nehmen, immerhin hatte ich keinen Schirm dabei.
Dann schaute ich nach oben und was sah ich? Ich war nur einige Meter von meinem Ziel entfernt. Als ich den Passanten gefragt hatte, standen wir direkt davor, das Gebäude ist unübersehbar! Wie blind kann man sein?! Und wie unwissend (der Passant)!

Schon die Annäherung an das Gebäude über den weiten, mit freistehenden Wänden gestalteten Vorplatz ist hochinteressant und eröffnet großartige Blicke.

Das Institut, 1980 vom damaligen Staatspräsidenten Giscard D‘Estaing gegründet, soll die Verständigung zwischen Franzosen und der arabischen Welt fördern. François Mitterrand, Nachfolger von D’Estaing, erteilte dem Architekten Jean Nouvel den Auftrag, das Gebäude zu errichten. 1987 wurde es eingeweiht. Es enthält eine für das Publikum geöffnete Bibliothek und ein Sprachlabor, außerdem gibt es Dauer- und wechselnde Ausstellungen und Filmvorführungen zu sehen sowie Tanz- und Musik- und Literaturveranstaltungen. Für kulinarische arabische Freuden sorgt ein Restaurant mit Café- und Barbetrieb im neunten Stock.
Am Eingang wird man von zwei Wachmännern sehr aufmerksam beäugt und muss seine Tasche scannen lassen – ich fühlte mich wie in der Sicherheitsschleuse eines Flughafens. Hinauf ging’s mit dem gläsernen Fahrstuhl.

Bevor ich mich setzte, musste ich natürlich die Aussicht genießen.

Von hier oben eröffnen sich fantastische Blicke über die Stadt und Notre Dame.

Der Blick ins Innere ist nicht minder beeindruckend, im Gegenteil!
Die Außenfassade des Institut du Monde Arabe ist verglast. Hinter der Fassade wurden Irisblenden installiert, die das einfallende Sonnenlicht regulieren und wunderschöne Licht- und Schattenspiele zaubern. Die erzeugten Reflektionen wirken wie moderne Zitate maurischer Architektur.

Ich wandte mich wieder der Terrasse zu und entdeckte eine interessante Skulptur.

Ein Mann schickt sich an, ein Seil zu erklimmen, gen Himmel. Leider habe ich versäumt nachzusehen, ob es Informationen über die Statue gab und ob sie dort fest installiert ist oder Teil einer aktuellen Ausstellung war.

Nun wurde es Zeit, meinen Tee zu bestellen – gut, aber teuer, man bezahlt das Panorama mit! Nicht mal ein winziges Stück arabisches Gebäck dabei, schade…

Bald wurde es immer ungemütlicher und kühler, der Wind pfiff über die Terrasse und der Himmel verfinsterte sich zusehends und rapide, so dass ich mich lieber auf den Weg machte.

Ein strahlend blauer wolkenloser Himmel wäre jedoch beinahe langweilig gewesen und hätte längst nicht so interessante Blicke eröffnet.

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