Guter Service macht glücklich

Hiermit rufe ich den heutigen Tag zum Tag des Kundenservice aus, ganz offiziell-privat!

Wie ist das möglich? Ich traf nur auf gut gelaunte, freundliche, zugewandte, hilfsbereite Verkäuferinnen! In mehreren Freiburger Geschäften. Bin noch ganz fassungslos. Das muss ich noch sacken lassen, aber ich finde, es ist auf der Stelle einen Bericht wert – und ein großes Danke!

Ich hatte mehrere Dinge auf der To-do-Liste für heute, doch mein oberstes Ziel war, mir einen BH zu kaufen, in meinem Lieblingswäschegeschäft, da, wo immer ein virtueller Papagei einen Bauarbeiterpfeifton abgibt, sobald man sich dem Schaufenster nähert und wo die Verkäuferin einem frech an die Brust greift und daraufhin sofort die passenden Modelle bringt. Aber, ach, wie schade – wegen Umbauarbeiten geschlossen. Der Anfang war schlecht. Dann besuchte ich erstmals ein zweites Dessousgeschäft in Freiburg, über das ich nur positive Bewertungen gelesen hatte. Die freundliche Dame tat, was sie konnte, aber meine Farbe (ich suchte einen Rotton, passend zu einigen Pullis und Shirts) war nicht vertreten bzw. das einzige Exemplar, das in Frage gekommen wäre, kostete… 200 Euro! Oh! Das probierte ich gar nicht erst an.

Schon halb frustriert beschloss ich, dann eben nur den Rest der Liste abzuhaken und kehrte bei Douglas ein, wo ich seit Neuestem eine Kundenkarte habe, obwohl ich Kundenkarten hasse. Der Laden war voll, dennoch fand ich oder fand mich eine Verkäuferin, die sich supernett, doch angenehm unaufdringlich um mich kümmerte. Sie suchte für mich heraus, was ich wünschte (na ja, fast alles, Manches war gerade nicht auf Lager). Endlich eine Mitarbeiterin, die meinen hellen Teint nicht dunkler machen wollte, als er ist, mir auch nicht auf Teufel komm raus Glanzpartikel ins Gesicht zaubern wollte, die ach so schöne Reflexe geben und so frisch und jünger und lebendiger machen sollen, mir aber nicht stehen. Behaltet das Zeug! Dann sehe ich lieber tot aus. Elfenbein, ja bitte, ich bin eben kein Brathähnchen, will auch keins sein, und im Winter bin ich gefälligst nicht blass, sondern hell- bis porzellanhäutig, jawohl, ein Schneewittchentyp (klingt doch besser, oder? Phhh an euch alle, die mich der Norm anpassen wollen, jawohl!) und das ist gut so. Rouge könnt ihr auch vergessen und euren dämlichen Terracottapuder sowieso, was habe ich mir schon aufschwatzen lassen in dem fremden Kunstlicht und wie habe ich mich gerade kürzlich schon bis zur Unkenntlichkeit überschminken lassen, dass ich mich kaum noch nach Hause traute, nachdem ich mir in einem Schaufenster entgegenklatschte. Finito, das passt nicht zu mir, ich mag es reduzierter und klarer. So verließ ich den Laden zufrieden mit Ebony und Ivory.

Da mein erstrebter Lidschatten gerade nicht ohne Glitzerpartikel vorrätig war (hey, matt ist nicht gleich matt – wie man ja auch bei Jung von Matt sieht, na also) betrat ich schräg gegenüber die Freiburger Breuninger-Filiale. Gleich am ersten Kosmetikstand entdeckte ich da einen Farbton, der… Die junge schöne Frau dahinter, „zufällig“(?) selbst ein „Wintertyp“ wie ich, verstand sofort, was ich suchte. Und, nicht nur das, sie schlug vor, mir die ausgewählten Farben gleich aufzutragen – was sie mit Hingabe tat. Bingo, schon wieder ein Treffer! Ich bedankte mich herzlich und begab mich mit den frisch geschminkten Augenlidern in den Keller, wo sich unter anderem die Dessousabteilung befindet. Vielleicht würde es ja den roten BH geben?

Na ja, hier war es eine Frage der Größe, ich kannte meine aktuelle nicht mal, frau verändert sich ja auch schon ein wenig mit der Zeit, ach, und was früher mal passte, ist nun vielleicht plötzlich zu klein – wie ist das nur möglich? Huch! So konnte ich die Frage der jungen Verkäuferin (übrigens gehörte auch sie zu den Dunkelhaarigen und Hellhäutigen – ein Zufall?) gar nicht richtig beantworten, aber sie lächelte nur verständnisvoll, einigte sich mit mir auf zwei Größen und durchsuchte mit Inbru(n)st das rote Sortiment. Letztendlich probierte ich sieben Modelle an, nachdem ich überall die eingelegten doofen Kissen herausgenommen hatte, ich will auch nix hochpushen und mir die Schultern einschneiden lassen. Nur eines passte wirklich gut, sah aber unter dem Pulli blöd aus, ich fühlte mich wie ein Monstrum. Hey, soviel schiebe ich doch gar nicht vor mir her? Das war bestimmt ein Dirndl-BH für’s Oktoberfest – für Frauen, die besonders viel Holz vor der Hütte zu zeigen/vorzugeben gedenken! Ich bedankte mich herzlich bei der netten Verkäuferin, die nicht müde geworden war, mir neue Modelle und Größen zur Kabine zu bringen, ohne – wie es viele ihrer Kolleginnen tun – den Vorhang brutalst zur Seite zu reißen und die Kundin im gnadenlos ungünstigsten Licht aller Zeiten, wie es nur Umkleidekabinen hervorbringen können, zu „begutachten“. Sie antwortete, sie habe es gern getan und das kam von Herzen.

Obwohl ich die Abteilung unverrichteter Dinge verlassen musste, war ich doch beschwingt, so sehr, dass ich beinahe in einen Spiegel gelaufen wäre, dann aber doch zurückschreckte, weil ich meinte, die Person, die mir da entgegentrat, irgendwoher zu kennen.

Ich streifte weiter durch die Stadt, doch der Magen knurrte und die Arbeit rief (unselige Kombination übrigens). Schnell: Was fehlte mir noch? Ach ja, wenn Tuben und Tiegel und Stifte leer oder verbraucht sind, dann bekanntlich alle gleichzeitig, oder? Ist das nicht auch ein Murphy-Gesetz? Lipgloss brauchte ich noch, fiel mir ein, und Fleckentferner, denn wenn ich Tomatensoße verspritze oder Schwarztee und Rotwein verschütte, dann grundsätzlich auf Naturweiß, und so kehrte ich auf dem Nachhauseweg beim Drogeriemarkt Mueller ein. Oh, so viele Marken und Farben (nicht nur bei Flecken, sondern auch bei dekorativer Kosmetik), aber nicht die, die ich wollte… Flugs kam wieder eine Verkäuferin auf mich zu und fragte dezent, ob sie mir helfen könne. Daraufhin ergab sich eine ungeplante Farborgie, an deren Ende sie, die Verkäuferin, und ich, jede einen Handrücken voller Rottöne hatten. Ich glaube, es waren auch sieben. Leider war keiner der richtige… Entweder war das Rot zu warm, zu sehr ins Mauve (wie Loriot sagen würde), zu stark oder zu schwach. Ach. Fast traute ich mich nicht, nichts zu kaufen, doch warum unnütz Geld ausgeben, nur weil die Frau so nett war? Wieder bedankte ich mich und teilte der netten Verkäuferin mit, wie angenehm ich ihre Hilfe und Beratung fand und auch sie reagierte professionell und liebenswert.

Obwohl ich also das Wichtigste dessen, was ich besorgen wollte, nicht gefunden hatte, stiefelte ich beschwingt nach Hause. Unterwegs traf ich noch auf zwei Jungen zwischen zehn und dreizehn (bei Jungens weiß man ja nie, wie alt sie sind), schon äußerlich als ausländisch zu erkennen, die sich Fußbälle zukickten. Als sie mich sahen, hielten sie sofort ein, der eine lächelte mich an und bat den anderen, kurz aufzuhören, bis die… (und da fehlte ihm das Wort, keine Ahnung, wie ich das nun interpretieren soll, grübel) vorbei gegangen sei. Ich strahlte zurück, bedankte mich wieder (wann begegnen einem schon so zuvorkommende Kids oder Jugendliche?!) und war glücklich. Was für ein Tag, ich bin nur netten Menschen begegnet!

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8 Antworten zu Guter Service macht glücklich

  1. sonnenzauber schreibt:

    Vielleicht war heute „der Tag der gut gelaunten Verkäufer“ ?
    Ein *roter BH* rotewelt? Da gibt es doch bestimmt bei Wolford das richtige Modell.
    Ich fragte heute in einem Bekleidungsgeschäft nach einer Winterjacke, der Verkäufer lächelte: „so gern ich ihnen auch was verkaufen würde, bei uns fangen die Größen erst bei 58 an!“
    „Na Gott sei Dank passe ich da noch nicht rein,“ erwiderte ich und verließ schmunzelnd den Laden. Danke für die Einkaufstour mit dir rotewelt.
    Liebe Grüße aus Münster von Sonnenzauber.

  2. rotewelt schreibt:

    Hm, ich würde sagen, in deinem Fall war es eher „der Tag der gut gelaunten Kunden“, Sonnenzauber!
    Ansonsten, Wolford ist ja gut und schön, aber nicht alle Artikel, die sie haben, gibt es hier zu kaufen.
    Liebe Grüße aus der roten Welt (na, ich kenne ja deine Lieblingsfarbe)!

  3. karu02 schreibt:

    Das sind die Tage, an denen die Venus im günstigen Verhältnis zum Mond steht. 😉

    • rotewelt schreibt:

      Wahrscheinlich… 😉
      Übrigens dachte ich dir, wenn ich dir und oanderenllowe, bekomme ich automatisch Nachricht über neue Aktivitäten, doch das ist nicht der Fall! Ich muss wohl irgendwo meine Mailadresse angeben. Nur komme ich nicht auf dein Profil, wenn ich es anklicke, merkwürdig… Das ist bei jedem hier anders.

  4. 6kraska6 schreibt:

    Das Leben von Frauen ist soo kompliziert! Ich würd das nicht bringen! Aschfahl: Mag. Kraska

  5. rotewelt schreibt:

    Haha, na einem Magister steht Aschfahl sowieso am besten, lach!

  6. kormoranflug schreibt:

    Diese schönen Einkaufstouren machen die Frauen alleine, am schönsten.
    Soviel Last hat ein schwarzer Vogel nicht.

  7. Lakritze schreibt:

    Was da glücklich gemacht hat, war offenbar nicht der Konsum, sondern alles andere. 🙂

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