Portlligat

Portlligat oder Port Lligat ist ein winziger Hafenort, ganz in der Nähe von Cadaqués. Er liegt an einer engen Bucht auf der Halbinsel Cap de Creus an der Costa Brava in Katalonien.

Je nach Wetter und Lichtverhältnissen mutet die Fahrt dorthin jedes Mal anders an. Mal sind die Farben gedämpft, irgendwie erdig und die Landschaft wirkt surreal-unheimlich auf mich.

Dann wieder leuchtet das Meeresblau in Royal und Kobalt und das blasse Silbergrün der windgepeitschten Olivenblätter bildet einen aparten Kontrast dazu. An so einem Tag wird man vom strahlenden Weiß der Schiffe unten im Hafen fast geblendet.

Der Ort selbst wirkt recht unspektakulär, zu den alten kleineren Häusern haben sich auch ein paar neuere gesellt. Doch tatsächlich gibt es noch Fischer, die von dort aus ihrer Arbeit nachgehen. Am Nachmittag fühlt sich der Hafen wie ausgestorben an – ach ja, es ist ja Siestazeit…!

Einen gewissen Bekanntheitsgrad bekam Portlligat, weil Salvador Dalí mit seiner Frau Gala dort eine Zeit lang gelebt hat.

In seinem Wohnhaus wurde nach seinem Tod ein Museum eingerichtet, die Casa-Museu Salvador Dalí. Viel bekannter ist jedoch das große Dalí-Museum in Figueres.

Dali-PortLligat

Natürlich gibt es auch eines seiner berühmten Eier auf dem Dach seines ehemaligen Wohnhauses! (Foto aus Wiki)

The_Madonna_of_Port_Lligat

(Foto aus Wiki)

Dalí hat die Umgebung, die Bucht mit der Insel auf mehreren Gemälden als Hintergrund verewigt, etwa in Die Madonna von Portlligat von 1949…

dali-salvador-das-letzte-abendmahl

…oder auf dem Bild Das letzte Abendmahl, das 1955 entstand.

Auch wenn ich kein begeisterter Dalí-Fan (mehr) bin, hätte ich zu gern einen Blick in sein Haus geworfen, denn Wohnhäuser von Künstlern und ihre Ateliers finde ich zumeist viel spannender als Ausstellungen. Doch leider ist die Casa-Museu im Winter für einige Wochen geschlossen. Kein Wunder, es ist ja auch jetzt nichts los hier!

So stromere ich auf und ab, um die Häuser und den Hafen, in die Winkel und Gassen. Ständig begegnet mir ein französisches Paar, die einzigen Menschen weit und breit. Die Beiden sind auch enttäuscht, dass uns die Tür verschlossen bleibt.

Auch diese arme Dorfkatze klagt, sehr vernehmlich, so dass ich ihr eine Weile Gesellschaft leiste.

Später kann ich mir auf der Webseite des Museums wenigstens ein paar Eindrücke vom Innern des Dalí-Hauses machen. Aus dem Fenster seines Ateliers bietet sich ein beinahe unwirklich anmutender Postkartenblick. So eine Aussicht hätte ich auch gern.

Oder diese, die ist so ähnlich. Gegenüber dem Hafen befindet sich noch eine kleine Insel Portlligat. Sie ist vom Festland nur durch einen 30 Meter breiten Kanal getrennt.

Die pittoresk ruhenden Boote vor alten Fischerhäusern strahlen eine eigentümliche Magie aus, noch verstärkt durch die dunklen Zypressen. „Sa Rata“, die Ratte heißt dieses Boot. Eine Wasserratte? Komisch nur, dass es nicht „La“ Rata heißt, sondern „Sa“, das entspricht dem mallorquinischen Dialekt des Katalanischen.

Weiter kann ich der Frage nicht auf den Grund kommen. Genauso wie hier wohl niemand mehr Wasser vom Grund des alten Brunnens schöpft. Daneben ein morsches verwittertes Boot, aus dem eine Zypresse wächst, wie einem surrealistischen Gemälde entsprungen, von Dalí oder Magritte. Lange schon muss es dort liegen, das Boot. Es hat sich dort wie eine Skulptur eingenistet und wird sich im Lauf der Jahre weiter verändern, dem Salz, der Feuchtigkeit, dem Wind und der Sonne ausgesetzt.

Als hätte die Sonne darauf gewartet, dreht sie nochmal auf, nachdem ich den Hafen verlassen habe und mir das Meer von oben anschaue.

Und sie hat es sich inmitten dieser skurrilen Szenerie gemütlich gemacht, nutzt die nun windstille Januarwärme.

Für heute habe ich genug gesehen und mache mich auf den Heimweg nach Cadaqués.  Wieder zeigt mir Portlligat eine andere Seite. Etwas Geheimnisvolles liegt über diesem Ort.

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8 Antworten zu Portlligat

  1. wassily schreibt:

    Sehr schön…
    Die Aussicht auf die Fischerboote packe ich mir ein.

  2. karu02 schreibt:

    Auf dem ersten Foto: Ist das gewachsen oder gemacht, also Felsen oder Mauer? Schön diese Ecke.

  3. rotewelt schreibt:

    Wassily, zum Glück kann man solche Aussichten ja im Kopf speichern!

    Das Foto zeigt eine von Menschenhand gemachte Mauer, Karu. Das Licht war ganz eigentümlich in diesem Moment. Ja, schön ist diese Ecke wirklich.

  4. haushundhirschblog schreibt:

    Jetzt kränkeln wir … heftiges Reisefieber hat uns geschüttelt.
    Schöne, lustmachende Artikel!

  5. rotewelt schreibt:

    Oh, muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? 😉 Danke!

  6. max schreibt:

    Hin und weg.
    Oder besser weg und hin?
    Hätte jetzt auch gern so einen Fluchtpunkt. Im Januar.

  7. cablee schreibt:

    Ach, ja …. reisen… Besser ist das !

  8. rotewelt schreibt:

    Besser weg und hin, Max, und dann hin und weg sein! Vor allem in diesen grauen Tagen.

    Reisen ist besser, stimmt, cablee.

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