Allein auf grüner Flur

Au petit matin

La forêt m’appelle

Au-dessous des sapins

Elle est belle

Et pas noire

Viens voir

M’appâte-elle.

 

Elle me plait, la nature

Sous ce ciel

Guère obscure

Elle est douce et paisible

Ma défense manque sa cible.

 

Quand tu te montres comme ça

Je te fuis pas

Forêt Noire.

 

Um fünf Uhr morgens weckten mich die Vögel, und das am Sonntag, noch dazu zu Pfingsten – was für eine unchristliche Zeit! Doch dann machte ich das Beste aus der Situation, indem ich mir sagte „Früher Vogel fängt den Wurm“ und fuhr nach dem Frühstück in die Natur. Wenn alle anderen noch schlafen, ist es am schönsten, so wunderbar still.

Tatsächlich war niemand unterwegs, weder in der Stadt noch auf der Landstraße. Ein Taubenpärchen spazierte in aller Seelenruhe mitten über eine Ampelkreuzung und machte keine Anstalten, davonzutrippeln oder zu fliegen, wie es Tauben normalerweise tun, wenn sich ein Auto nähert. Erst als ich direkt vor ihnen hielt, machten sie sich von dannen. Das nächste Lebewesen, das mir begegnete, war ein großer Igel. Er lief geschäftig am Straßenrand entlang, in Zickzackbewegungen, als würde er auf diese Weise schneller an seine Frühstückshäppchen kommen.

In etwas erhöhter Lage machte ich Halt. Ein Mäusebussard drehte seine Runden; seine spitzen Schreie waren das einzige Geräusch weit und weit.

Vor einem Schuppen oder Unterstand warteten ein paar Rosen auf die Sonne, die sich noch nicht richtig hervortraute, da der Schwarzwald sich ihr entgegenstellte.

An jeder Ecke sah der Himmel anders aus, bisweilen fast dräuend. Auch ein Kreuz mahnte dunkel vor sich hin, ein Begrenzungspfosten forderte Aufmerksamkeit und auch vor Hirschen wurde gewarnt. Doch alles blieb friedlich.

Zwei Kühe wunderten sich über mein Erscheinen, um diese Zeit waren sie offenbar keine Menschen gewohnt. Dann drehten sie sich wieder weg und setzten ihren stummen Dialog fort.

Wann immer ich an Seitenwegen anhielt, um ein paar Schritte zu gehen, empfand ich das Schließen der Autotür als viel zu laut.

In den niedrigeren Lagen, dort, wo noch Mischwald ist, aufgelockert und aufgehellt durch weite Wiesen, mag ich den Schwarzwald. Die Luft roch mal grün, mal modrig, mal süßlich und noch morgendlich frisch.

Das Gras war noch von Tau benetzt und auf diesem „Weg“, der mich sehr verlockte, holte ich mir nasse Füße, da ich Stoffturnschuhe trug, und auch meine Hosenbeine bekamen etwas ab.

Wenn ich in so schöner Natur bin, träume ich immer wieder von einem Haus auf dem Land, obwohl ich lieber in der Stadt lebe. Morgens aufzuwachen und in die Landschaft zu blicken, als erstes seinen Garten zu durchschreiten, stelle ich mir herrlich vor.

Zurzeit blüht und sprießt es heftig, überall Blumen, Gräser, Wildkräuter und Getreide, und obwohl ich nicht unter Heuschupfen leide, bekam ich ein paar Niesanfälle.

Da knackte es im Unterholz… Sollte ich mich tiefer in den Wald hineinwagen? Die Lichtstimmung war fast ein wenig märchenhaft; im Wald erschien das Grün noch blass und kühl…,

…am Rande schon kräftiger und brachte die Pflanzen zum Leuchten.

Stämme im Licht- und Schattenspiel…

Ich suchte doch lieber wieder die helleren Lagen auf…

Üppige Blattgewächse liegen den Bäumen zu Füßen…

Direkt am Straßenrand: Fast wie ein Bühnenbild!

Später entdeckte ich auf der Weiterfahrt die Spitze eines Kirchturms unterhalb der Straße, versteckt durch Gebüsch. Kurz danach ein Parkplatz und ich begab mich auf Entdeckungstour. Tatsächlich, hier in der Einsamkeit befindet sich eine Kirche, die Berghauser Kapelle, davor nichts als Natur mit frisch gemähtem Gras. Der Anblick und das Geräusch des Brunnenwassers verursachten mir Durst – leider kein Trinkwasser.

Die Berghauser Kapelle gehört zur Gemeinde Ebringen und wurde 1748 als Pfarrkirche erbaut und im 20. Jahrhundert renoviert.

Sicher würde die Kirchentür hier in der Pampa verschlossen sein, doch als ich auf die Klinke drückte, war da kein Widerstand. Zwar kam ich nicht weit, denn das bald folgende Eisentor war verschlossen, doch immerhin konnte ich einen Blick in das Innere werfen, das hell-luftig-heiter im Rokokostil gestimmt ist und einen prächtigen Altar aufweist.

Das Umherstreifen machte mich nun auch noch hungrig, ein zweites Frühstück wäre nicht schlecht. So folgte ich der Ausschilderung des Gasthauses Schönberghof, doch schon bevor ich dort ankam, wurde ich desillusioniert: Geöffnet erst ab halb elf… Dennoch folgte ich dem Weg weiter, vielleicht wäre das ein Gasthaus für ein anderes Mal.

Nachdem es eine Weile bergauf durch dunklen Wald ging, öffnete sich die Landschaft und gab den Blick auf eine Burgruine frei. Da war ich doch schon mal vor ein paar Jahren gewesen, im Winter! Aber diesmal habe ich mich von der anderen Seite genähert. Doch erst noch ein Blick auf das Gasthaus, das ich vom Sehen auch schon kannte.

Frischer Apfelkuchen wurde angekündigt für den Nachmittag, sicher würden wieder viele Ausflügler unterwegs sein, doch zu dieser Stunde war nur ich dort, hungrig und durstig… Am liebsten hätte ich geklopft und gefragt, ob sie nicht ein Tässchen Kaffee oder Tee und ein Stück Brot oder schon vom Apfelkuchen für mich hätten… Aber es war so still, alle schienen noch zu schlafen…

Na, dann stieg ich eben noch schnell zur Burg hinauf, wo ich schon mal da war. So viele Wegkreuze sah ich, hier steht wieder eins.

Ich nahm den steileren der beiden Wege hinauf und schnaufend kam ich oben an, doch zum Glück hörte es niemand! Die Burgruine Schneeburg liegt auf dem westlichen Ausläufer des Schönbergs auf 516 Metern Höhe. Erbaut wurde die Burg im 13. Jahrhundert von den Herren von Homberg. 1349 wurde sie in die Lehenshoheit des Klosters St. Gallen übergeben. Als Gegenleistung bekam Werner von Homberg die Herrschaft über Ebringen. Allerdings wurde die Schneeburg schon vor 1500 wieder verlassen und seitdem dem Verfall preisgegeben.

Alles hatte ich für mich alleine heute Morgen, sogar eine Ruine mit Aussicht – nicht schlecht!

Im Hintergrund sind die Vogesen zu sehen. Ob der Burgbrunnen für ein Feuer genutzt werden wollte? Ich schlich um Mauerecken und scheuchte doch nur ein paar Amseln auf, huch, etwas erschrocken war ich schon…

Hier blickt man hinaus und die Sonne fällt grafisch hinein in den Burghof.

Ach, so als Burgfräulein am Fenster zu sitzen, wäre auch nicht so übel gewesen, doch so eine Burg müsste schon gut geheizt sein und vor allem Fensterscheiben haben! Außerdem war kein Lautenspieler da, schade!

Nun wurde mir gänzlich flau vor Hunger und meine trockene Kehle verlangte dringend nach Flüssigkeit, also geschwind hinunterkraxeln und bloß nicht umknicken oder auf dem steilen Pfad abrutschen, hier würde ich nicht so schnell gefunden werden!

Im Wald kreuzte ein Fuchs meinen Weg und verschwand auf der Böschung. Es war lange her, dass ich ein solches Tier gesehen hatte. Dann erblickte ich eine rotgetigerte stattliche Katze, die wie eine Statue auf einem Baumstumpf im Vorgarten eines Hauses saß und die Umgebung inspizierte. Das nächste Lebewesen war… ein Mensch, in Gestalt eines älteren Mannes im weißen Unterhemd, der, die Hände in die Hüften gestemmt, steifbeinig ein paar kontrollierende Schritte vor seiner Behausung machte. Die Zivilisation hatte mich wieder. Ein paar Radrennfahrer tauchten auf, vereinzelte Menschen warteten an Bushaltestellen und auch ein paar Autos begegneten mir.

Zurück in Freiburg steuerte ich den elsässischen Bäcker an – und ich war nicht die Einzige, die vergeblich vor der Tür stand, denn am heutigen Pfingstsonntag war ausnahmsweise zu, erst morgen ist wieder geöffnet. Am Bahnhof wurde ich dann beim italienischen Feinkosthändler fündig, der hatte sogar echt französische Buttercroissants!

Ich glaube, solche frühen Ausflüge werde ich nun öfter unternehmen, allerdings mit Verpflegung – man weiß ja nie!

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8 Antworten zu Allein auf grüner Flur

  1. kormoranflug schreibt:

    Frühe Kormorane fangen Fische. Toll, Deine Ausflüge am frühen Morgen. Aber warum kannst Du nicht mehr schlafen?

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    • rotewelt schreibt:

      Dankeschön, kormoranflug. Ich wache immer auf, weil die Vögel so laut brüllen (sind aber keine Kormorane…)! Aber mittlerweile kann ich meist wieder einschlafen, wenn der Morgengesang vorbei ist.

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  2. haushundhirschblog schreibt:

    Wie immer, ein wunderbares Erlebnis mit Dir unterwegs sein zu dürfen. Wir können Dich nur bestärken, solche Ausflüge öfter zu unternehmen 😉

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  3. cablee schreibt:

    Ich kann dir zu 100 % zustimmen! Ein schöner Morgenspaziergang!
    Auch ich bin ein absoluter Morgenmensch und bin gerne früh draußen

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  4. Lakritze schreibt:

    Jetzt bin ich ein bißchen neidisch auf Freiburgs Umgebung. Es ist ein Weilchen her, daß ich so schön gewohnt habe (und zu Fuß in die Umgebung gelangen konnte). Natürlich wünsche ich Dir guten Schlaf, aber das ist doch auch nicht schlecht?!

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    • rotewelt schreibt:

      Ja, ab und zu so früh aufzuwachen, hat Vorteile! 🙂 Zu Fuß komme ich jedoch auch nicht in die abgebildete Umgebung, das heißt, ich müsste mindestens zehn Kilometer laufen.

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