Cala Llombards und Umgebung

Impressionen aus dem Südosten der Insel

Cala Llombards ist eigentlich ein Dorf, gehört zur Gemeinde Santanyi und hat nur 400 Einwohner. Es gibt einen Minimarkt, der immer geöffnet hat und in dem man alles bekommt, was man braucht, außerdem ein kleines Hotel mit einfachem Restaurant und eine Eckkneipe, in der sich Touristen und Dorfbewohner einfinden auf ein Getränk oder um – wie anlässlich der EM im Juni – gemeinsam auf der Terrasse Fußball zu schauen. Ansonsten befinden sich hier vor allem Einfamilienhäuser, Villen, die sich gut ins Grün integrieren. Viele davon sind Ferienhäuser, die zum Teil nur an den Wochenenden oder in der Saison bewohnt werden, von Spaniern aus Palma oder vom Festland und natürlich von ein paar, hauptsächlich deutschen, Touristen.

Pflanzen in „unserem“ Garten

Fast alle Häuser haben eine Dachterrasse.

Von oben kann man gut in die Ferne schauen, auf die höchste Erhebung hier in diesem Eck, den circa 500 Meter hohen Puig de Sant Salvador bei Felanitx; auf dem Berg befindet sich ein Kloster. In Cala Llombards kann man über teilweise abenteuerlich schmale und Erd- und Felspfade direkt entlang der plateauähnlichen Steilküste entlangspazieren (nur für Schwindelfreie und nicht Stolperanfällige anzuraten!) oder auch mal Stufen bis zum Meer hinunterkraxeln. Von manchen Stellen aus ist der berühmte natürliche Felsbogen Es Pontas direkt vor der Küste von Cala Santanyi zu sehen – von der anderen Seite wirkt er allerdings viel spektakulärer.

Hauptmerkmal von Cala Llombards sind die wunderschöne Küstenlandschaft – der Ort wurde ja auch nach seiner Bucht benannt – mit den zwischen Felsen geschmiegten Stränden – und die Ruhe. Mir gefällt es hier sehr gut zum Entspannen, Spazierengehen, Fahrradfahren und als Ausgangsort für Ausflüge. Die Inselhauptstadt ist nur 45 Minuten entfernt.

Fast nichts ist schöner, als morgens vor dem Frühstück in der Cala zu schwimmen, bis zur Boje (sofern die Wellen noch die maximale Rotewelt-Höhe – ist nicht viel, sonst sofort Panik! – haben) und zurück. Dann, wenn sich nur zwei bis zehn Menschen am Strand befinden und der feuchte Sand am Meeressaum noch jungfräulich ist. Der Strand ist – für Jene, die das interessiert – 55 Meter lang und 150 Meter breit, also ein kleineres Exemplar (so wie ich es mag, sofern nicht übervölkert, wie ich es aber bisher nicht erlebt habe, war nur im Mai, Juni und Oktober dort).

Wer immer schon da ist, das ist der Barmann – es könnte ja jemand um acht Uhr morgens auf die Idee kommen, an der Strandbar, die Füße im Sand, einen Kaffee oder etwas Erfrischendes zu trinken.

Gegen zehn kommen ein paar mehr Leute (ich spreche von Mitte Juni), die ihre Handtücher und Sonnenschirme ausbreiten. Diese Bucht ist wirklich sehr schön, von bewachsenen Felsen (auf denen sich Pfade befinden) geschützt. Links befinden sich ein paar alte Bootsschuppen und Fischerhütten, von denen sich eine am Wochenende belebte und als traumhaft gelegene Ferienwohnung genutzt wurde.

Aber auch die, wenngleich flache (man kann so weit schauen, keine schwarzen Tannen versperren den Horizont…), Landschaft ein paar Meter abseits der Küste ist einladend. Sie blüht auf im Februar, mit den Mandelbäumen, und wird von einem grünen Teppich überzogen, bevor sie im Mai trockener wird und Ende Oktober ein zweiter Frühling ausbricht.

Und auch die „Trockenzeit“, wenn die rote mallorquinische Erde sich zeigt, hat ihre Reize.

Wenn ich Jacarandabäume sehe, gerate ich ohnehin in Ekstase und…

…jeden Tag muss man vorbei an diesem Bougainvillae-Blütenmeer.

Besonders schön finde ich die nach alter Tradition hochgezogenen Trockenmauern, die marge. Sie dienen seit jeher als Windschutz und Weidebegrenzungen und wurden aus Feldsteinen und ganz ohne Mörtel errichtet. Zum Glück ist dieses alte Handwerk noch nicht ganz ausgestorben; manche wohlhabende Hausbesitzer lassen ihre Anwesen damit umfrieden, auch wenn auf ihren Rasen keine Schafe weiden…

Besser so als Betonwände, Maschendraht oder Jägerzäune, so bleibt das originäre Bild dieser Landschaft jedenfalls mehr erhalten! Und die Trichterwinde leuchtet im Wettstreit mit dem Stein besonders schön, auch wenn der Himmel sich schwül zeigt. Doch nun wieder zum Meer…

In ein paar Minuten kommt man von Cala Llombards zu zwei weiteren Stränden. Einfach die kleine und einzige Landstraße in Richtung Santanyi fahren und schon bald links in eine noch schmalere Straße abbiegen. Da, wo die Grundstücksmauer kürzlich geweißt und das rote Graffiti-Herz entfernt wurde, da, wo es scheinbar nirgendwohin geht. Denn das Hinweisschild, das auf die Bucht hinweist, wird offenbar immer wieder entfernt – kicher, nein, natürlich nicht von mir, aber ich finde es irgendwie sympathisch… Sollen doch Mäanderer wie wir die schönen Plätze von allein finden…, die anderen können sich ja unter die Massen mengen…

Wer das Meer ahnt, findet es auch, immer. Und, angekommen, lohnt schon allein der Blick von oben. Dann gilt es circa 90 Stufen bergab zu gehen (nicht schlimm, aber zurück, hinauf, in der Hitze!) – und ein kleines Paradies tut sich auf.

Wenn man die Cala s’Almunia zum ersten Mal sieht, glaubt man, in eine Filmkulisse geraten zu sein, denn diese Szenerie wirkt ein bisschen unwirklich. Ein paar Bootsschuppen, Fischerhäuschen… Das Meer präsentiert sich in vielfältigen Tönen, zwischen Blau, Türkis und Smaragd.

Rechts davon gibt’s noch den eigentlichen Minibadestrand, ganz ohne Häuschen (kleines Bild).

Aber das ist ja nicht alles..

Links von den Gebäuden führen Pfade in die Pampa. Und man glaubt – jedenfalls beim ersten Mal – sich schlicht in einer grünen Küstenlandschaft zu befinden. Hier könnte man stunden-, tagelang durch die Macchia streunen.

Umso überraschender für den uninformierten Neuling, jedenfalls ging es uns das erste Mal so, dass da ja noch eine weitere Bucht ist, zu der man hinuntersteigen kann, die Cala des Moro.

Was da vor einem liegt, nach ein paar Minuten Fußweg, erinnert doch sehr an karibische Verhältnisse, zumindest an die, die man sich vorstellt – glasklar und türkisblau ist das Wasser, fein und hell, fast weiß, der Sand. Ein kleiner Traumstrand, wieder inmitten von hohen Felsformationen, die wiederum von Pinienbäumen umrahmt sind.

Aber man kann ja nicht den ganzen Tag umherklettern, also wieder nach Hause. Da wartete ab dem drittletzten Urlaubstag schon das gewohnte temporäre Haustier… Zuerst kam die bunte Glückskatze in Begleitung einer Graugetigerten (vielleicht die Mutter?) und schrie laut nach Futter, während die Ältere sich ruhig verhielt und beobachtend am Rande blieb, aber weniger scheu. Ab dem nächsten Tag – die Mutter hatte sich wohl davon überzeugt, dass ihre Kleine bei uns in guten Händen war (sowas denkt Mensch jedenfalls) – kam nur noch die kleine Katze, abends immer um die gleiche Uhrzeit. Ich glaube, ich habe noch nie eine Katze so laut und eindringlich miauen gehört. Außerdem fauchte sie zuerst extrem viel und laut, aber irgendwie inkonsequent mit hochgestelltem Schwanz, es war schon amüsant.

Bald entspannte sie sich und wurde zutraulicher, Fauchen, Miauen und lautes Schnurren bildeten ein interessantes Theaterstück und Konzert. Am nächsten Tag ging es schon morgens los – ja, die Tierchen halten uns auf Trab! Futter besorgen hieß es da. Hoffentlich hat die kleine Katze auch nach unserem Urlaub wohlmeinende „Diener“ gefunden! Tagsüber blieb sie aus und wir waren ja auch oft unterwegs.

Wenigstens einmal wollte ich auch die Cala Santanyi wiedersehen, war ich doch auch dort vor Jahren schon in die ruhigen Fluten gestiegen. Die beiden letztgenannten Strände haben keinerlei „Serviceeinrichtungen“, doch hier gibt ein Cafe, Duschen und WCs und man gelangt direkt vom betonierten Parkplatz nach ein paar Metern an den Strand. Wahrscheinlich ist die Bucht deshalb sehr beliebt bei Familien mit Kleinkindern. Außerdem befinden sich ein paar Apartmenthäuser in direkter Strandnähe – vorteilhaft für Jene, die ihr Auto stehenlassen und direkt ins Meer fallen wollen. Auch einen Supermarkt mit recht gutem Angebot sowie weiter Läden erreicht man über ein paar Treppen. Mir gefällt die stille Bucht von Cala Llombards besser, auch wenn es dort keine Duschen gibt und man im allergrößten Notfall eines der beiden von Schilfmatten umkleideten Dixiklos benutzen müsste – grrr, zum Glück musste ich bisher nicht darauf zurückgreifen.

Wem Cala Santanyi zu „zivilisiert“ und „ausgestattet“ ist, Cala Llombards zu halbgar und Cala Aluminia sowie die Cala Almunia zu eng und gänzlich auf Selbstversorgung ausgerichtet, der kommt vielleicht im Naturschutzgebiet Cala Mondragó auf seine Kosten.

Hier befindet sich ein sehr großzügiger weiter Strand, der s’Amarador, angenehm von grünen Pinienwäldchen umgeben. Auch Duschen und WCs sowie ein Kiosk stehen bereit, vermutlich von Mai bis September. Es gibt einen sehr großen Parkplatz, im Juni noch gebührenfrei, im Oktober auch (dazwischen weiß ich nicht, aber sicher ist das Kassenhäuschen dann besetzt). Von dort aus geht man circa acht Minuten bis zum Strand. Wenn man will.

Es lohnt sich, auch mal die Nebenwege zu benutzen, die durch das Naturschutzgebiet führen. Hier ist es nicht nur angenehm schattig und so gut wie menschenleer, sondern es eröffnen sich aus dem sicheren Schutz der Bäume auch wunderbare Blicke auf die Küstenlinie und einen weiteren, kleineren Strand, der jedoch aufgrund seiner Infrastruktur bei Familien sehr beliebt ist, ses Fonts de n’Alís. Dort gibt es sogar ein Hotel. Man kann die Bucht namens Caló d’en Garrot mit dem Auto oder vom Strand s’Amarador über eine Felsenpromenade zu Fuß erreichen.

Es ist aber auch mal schön, alles mal nur vom lichten freundlichen Wald aus zu betrachten und die armen Sonnenanbeter zu bedauern.

An heißen Tagen steht mir nicht der Sinn danach, am Strand zu brutzeln, da schaue ich mir lieber die Landschaft an….

…und die Blüten.

Stilblüten… Jeden Tag schauen uns von einem Nachbarhaus Augen aus weißen Schleiern an…, ich rätsele über ein in den Müll geworfenes Kinderspielzeug, betrachte mehr oder weniger wohlwollend einen staubigen Nachtfalter und versuche, meine Mückenstiche „kleinzuhalten“. Nirgendo sonst außer auf Mallorca entwickeln sich die Mückenstiche so ekelhaft, ich will auf eine nähere Beschreibung verzichten, die Heilung bis zur völligen Unsichtbarkeit kann bis zu vier Wochen dauern. Nur in Venedig hatte ich mal einen schlimmeren bösartigeren Mückenstich, der mein Handgelenk monströs anschwellen und pochen ließ, sodass sogar der Apother mit den Worten „molto cattivo“ erschauerte. Na ja, diesmal waren es nur ein paar Stiche und das Mittel „After Bite“, von der freundlichen Apothekerin empfohlen, amüsierte mich sehr – es half sogar.

An den stillen Abenden auf der Terrasse sah und hörte man keine gmeinen Mücken. Und sogar die altmodischen oberirdischen Stromleitungen sahen attraktiv aus.

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4 Antworten zu Cala Llombards und Umgebung

  1. Uffnik schreibt:

    Fernweh – (stöhn..)
    Toll in Szene gesetzt und -wie immer- zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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  2. karu02 schreibt:

    Ach, schön, die Fotos und die Beschreibung. Danke fürs Zeigen. Stimmt, die Stromleitungen müssen unbedingt dort sein im Bild.

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