Frankophiles im Schwarzwald

Auch wenn man nicht zum Zuge kommt, kann man sich amüsieren…

Leider öffnet das Waldgasthaus St. Barbara wochentags erst um 15 Uhr, ich war zu früh…. Das erfuhr ich zum Glück schon unten am Parkplatz, aber leise Hoffnung schwang mit – umsonst. Doch so ein kleiner Spaziergang kann ja auch seine Reize haben…

Ich überholte eine deutsch-französisch parlierende Mütter-Kind-Fraktion, ziemlich alternativ, wie es sich für Freiburg gehört, und musste mir ob der Hitze (ja! Heute ist Sommer!) die Jacke ausziehen – na, hoffentlich habe ich mich nicht erkältet!

Dann kam ich an laut gackernden Hühnern vorbei. Falsch: Allein der Hahn gab Laute von sich und machte seine – erhöhte – Stellung klar. Der Besucher wurde im Übrigen per Schild mehrfach deutlich darauf hingewiesen, das Federvieh nicht zu füttern.

Oben angekommen, fand ich die Tür zum Lokal offen, doch die nette Madame erschien nur, um mir meine Illusionen zu nehmen (dann würde ich halt doch anderswo essen). Aber auch ohne Speis und Trank war die Aussicht lohnenswert.

Die Galgenlampen, die die abendliche Szenerie sicherlich flackerhaft erleuchten, sind irgendwie schräg.

Dann der Bouleplatz mit dem Slogan „Grand Malheur“…, was geht hier vör? Ich glaube, hier leben Anhänger der Guillotine, der Todesstrafe, oh, pardon, oder einfach… frankophile Witzbolde?

Ja, so wird es sein, denn da hat sich jemand einen Scherz erlaubt und einen Grenzstein aus Südfrankreich, aus den Alpes de Haute Provence, hierher verpflanzt, haha, Digne 50 Km! Und sooo hoch ist der Forêt Noire hier auch nicht…

Während ich vor mich hin schmunzelte und bergab gehend weiter fotografierte, kam mir ein schmunzelnder Mann entgegen, der ebenfalls fotografierte – lustige Begegnung!

Erst lichtete ich die eingewachsene, schön verwunschene und vielleicht längst nicht mehr benutzte romantische Sitzecke ab, während er ein Bild von den Hühnern machte, und dann umgekehrt – beidseitiges Hallo und lach!

Derweil der Hahn sich in Positur stellte, aber doch mit französischer Raffinesse, weil ganz individuell: Als ich auf den Auslöser drückte, sprang er vom Digne-Stein, ganz in Würde, aber dann erwischte ich ihn doch auf einem namenlosen grauen Felsstein. Schräg von der Seite schaute er mich an.

Zwar kein gallischer Hahn (oder doch, eingeflogen?) und kein gallo nero, doch ein beeindruckendes Exemplar! Aber ich scheue die Konfrontation ja nicht immer, also: „Na, mon coq, geht es dir gut, darf ich eine Nahaufnahme von dir machen? Kommst auch nicht in die Suppe oder den vin!“

„Oui“, krähte er und hielt still, Glück gehabt, uff. „Merci bien.“

Habt ihr sein Haupthaar, ähm, seine wüsten „Augenbrauen“ gesehen?

Und wenn sie nicht gestorben sind…

PS: Zum Essen komm ich dann später mal her.

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14 Antworten zu Frankophiles im Schwarzwald

  1. Uffnik schreibt:

    Gut, daß Dein Französisch so perfekt ist. Sonst hätte womöglich der Hahn Dich gar nicht verstanden.
    Man darf gar nicht weiter denken. Wie das wohl ausgegangen wäre…..

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  2. richensa schreibt:

    Gehst du dann zum Coq au vin-Essen?? 😉

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  3. rotewelt schreibt:

    Ich weiß, richensa. 😉 Meine Eltern hatten Hühner und Stallhasen, die ich eifrig gefüttert habe, aber gegessen habe ich sie doch, wobei ich bei den Kaninchen leichte Probleme hatte.

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  4. kormoranflug schreibt:

    Der Hahn sieht ja sehr herrisch in die Kamera. Der wollte Dir zeigen wer am Hof etwas zu sagen hat.

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  5. haushundhirschblog schreibt:

    Der Grenzstein aus Frankreich erinnert mich an ein Kartenspiel, das ich aus Frankreich kenne:
    Mille Bornes.
    Kennst Du es?

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  6. cablee schreibt:

    Der Hanh ist aber auch ein Prachtexemplar…

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  7. Lakritze schreibt:

    Ja, sieht ausgesprochen lecker aus. ,)

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