Bleu des Iles, Baden

Der letzte Urlaustag macht mich rastlos, ich will noch neue Eindrücke sammeln, bevor ich die Bretagne verlasse, vor allem das Meer will ich sehen, auskosten, genießen, auch wenn es zum Schwimmen zu kalt ist diesmal. In Larmor Baden, wieder so ein Dorf am Golfe de Morbihan, war ich, die zugezogene Badenerin in D., noch nicht.

Im Zentrum von Larmor Baden zwingen kontrastreiche Farben zum Anhalten. Blau ist auch dabei. Unvermeidlich.

Der Ort mit Segel- und Tauchschule zieht auch Touristen an, die sich lieber rumschippern lassen.

Andere verlegen sich aufs Stehen und Warten, in der Gruppe fällt’s leichter, auch wenn niemand spricht.

Es ist so windig, dass ich nichts sehe, nur mein Haar, das ich ständig hinter die Ohren streiche, erfolglos. Die Sonne verbrennt die Haut, die gleichzeitig eisgekühlt wird von den kalten Böen, fast mistralartig.
Einmal um die Kurve und es wird ruhiger. Bänke, halbkreisartig aufgestellt, sind wohl extra für all jene Touristen platziert worden, die sich verabschieden wollen von der Bretagne und mit dem Blick auf ein Privatinselchen ihren Späturlaubsgedanken nachhängen möchten. Ein idealer Ort dafür.

Selbst darf man nicht rübersetzen auf die Île de Berder, so ohne Grund und Einladung und Anwohnerausweis, aber man darf schauen und sich vorstellen, wie sich Tage und Nächte auf so einem winzigen Stück Bretagne gestalten könnten oder wie man es gern hätte dort. Und sich vielleicht die Telefonnummer notieren.

Notfalls könnte man rüberschwimmen im Dunkeln.

Auf der Weiterfahrt erhasche ich, zurückgelegen von der Straße und ein bisschen versteckt, einen kleinen Laden. Blau, Türkis, Smaragd, mit Weiß natürlich. Bretonische Farben wie an der Côte d’Eméraude im Norden.

Magisch angezogen, lasse ich das Auto stehen und laufe zurück. Nach dem Eintreten in das Minilädchen und der Begrüßung durch die Inhaberin ist klar, dass ich nicht hinausgehen werde, ohne etwas gekauft zu haben. Schon allein Madame zuliebe.

Urlaubsmitbringsel mit Bretagnebezug gibt es dort, in vielen Preiskategorien. Fast alles in Meeres-, Himmels- und Sandfarben. Schön. Etwas Kitsch dazwischen, aber nicht schlimm, eher der witzigen Art. Alles da, auch für den Fall, dass man, O-Ton Madame, viele Menschen zu beschenken hat. In Ruhe umschauen soll ich mich. Ich spüre, dass es in ihr arbeitet. Sie will herausfinden, wer ich bin, für wen und wie viele Menschen ich etwas suche und macht ein paar vorsichtige Anläufe. Eine gute Verkäuferin ist sie, wirkt dabei aber dennoch sympathisch untaktisch. Sie hat ein Gespür für Menschen, ist empathisch, hat Humor, ist kommunikativ. Die Art von Mensch, der man, wenn man nicht aufpasst, sein ganzes Leben erzählen könnte. Aber damit nicht ins Leere laufen würde, nein, sie würde ihre Geschichte auch preisgeben.
Schließlich entscheide ich mich für zwei Teelichthalter aus hellen, wie ausgebleicht scheinendem Holz, einen in Muschel-, einen in Seesternform. Schön für heimische Badewannenfreuden. Und, sie weiß es: Damit mache ich mir selbst ein Geschenk! Recht haben Sie, sich etwas zu gönnen, bestärkt sie mich.

Sie hat nichts dagegen, dass ich sie fotografiere, wirft aber ein, sie sei nicht fotogen. Stimmt nicht, aber wie ich öfter macht auch sie die Augen zu und gestikuliert linkisch, wenn sich ein Objektiv ohne lange Vorwarnung auf sie richtet. Ich will sie nicht mit weiteren Fotos in Verlegenheit bringen, weiß ja, wie das ist.

Auf der Rückfahrt nach Vannes zeigt sich der Juli spätsommerlich und lässt den Herbst ahnen. La terre et la mer – wieviel doch ein Kilometer ausmachen kann, den man sich von der Küste entfernt.

Aber ich habe ja noch den Abend. La grande Bleue vielleicht? Oder doch einfach nur le bleu? Auch schön.

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