Chateau d’Etoges

Zurzeit entrümpele ich meine Wohnung und schaue in diesem Zusammenhang auch alte Fotoalben durch, die dringend in den Keller müssen, weil ich Platz brauche. Dabei stoße ich öfter auf Fotos von sehr netten Hotelrestaurants, in denen ich aber vor längerer Zeit war. Hier, im Chateau d’Étoges in der Champagne, waren wir vor 13 Jahren…. Nichts für Qype, dachte ich. Aber nachdem ich ich festgestellt hatte, dass ein Franzose 2008 eine Bewertung geschrieben hat, dachte ich, nun traue ich mich mal was und schreibe eine Bewertung von 1996! 😉

Wir hatten über Weihnachten eine Woche in der Bretagne verbracht, mit sonnigen Spaziergängen am Strand. Auf dem Rückweg legten wir eine Zwischenübernachtung in der Champagne ein, im Chateau d’Etoges. Es war bitterkalt! Vom relativ milden Wetter in den Côtes d’Armor bis in die Champagne veränderte sich die Landschaft gewaltig. Sogar der Schlossgraben des Hotels war zugefroren.

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Wir wurden sehr freundlich empfangen. Da wir spät reserviert hatten, bekamen wir eines der Zimmer unterm Dach, das mit einer schmalen Holzstiege zu erreichen war. Aber der Raum war groß und – wenn auch längst nicht so pompös-plüschig wie die anderen Räume in den Hauptetagen des ehemaligen Schlosses eingerichtet – doch oder gerade deshalb sehr ansprechend und gemütlich. Das große helle Bad war so einladend, dass ich vor dem Abendessen erstmal in die Wanne musste.

Aber vorher stärkten wir uns mit einem heißen Tee im Salon. Der sah – kurz nach Weihnachten noch festlich dekoriert- wie das Wohnzimmer eines großzügigen Landsitzes aus. Zu uns auf die Sofas gesellte sich ein englisches Paar in typischer Landlord-Kleidung (Cordhosen, Tweedjacket, die Frau irgendwie unauffällig) und ein französisches, Paar in gedeckte Blaugrautöne gewandet (die Frau irgendwie unauffällig), alle offenbar aus besserem Hause, aber so, dass sie nicht damit protzen mussten. Sogar ein bisschen Small-talk kam zustande, während man in den ausliegenden Magazinen blätterte und das Hotelpersonal sich verzweifelt bemühte, durch permanentes Nachlegen von Holzscheiten im Kamin den riesigen und hohen Raum auf sowas wie Wohlfühltemperatur aufzuheizen.
Ja, das war schon was… Besonderes.

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Überhaupt bestach das großzügige Hotel durch wunderbare Gänge mit alten Truhen und Leuchtern, so dass man sich wie Schlossherren auf Zeit fühlte.

Es gab mehrere Speiseräume und wir durften uns einen Tisch aussuchen. Wie ich auf den aktuellen Fotos von 2008 sehe, wurde das Mobiliar, zumindestens zum Teil, ausgetauscht, aber ich nehme an, dass man ansonsten das Schlossflair bewahrt hat.
Leider entsprach die Küche nicht unseren Erwartungen, meine Kaninchenkeule (jawohl, ich habe ein Elefantengedächtnis und erinnere mich) war okay, aber nicht überragend und vor allem die Vorspeise, ein Salat mit Gambas, war nur mittelmäßig, weil lasch gewürzt. Diese Bewertung ist aber, im wahrsten Sinne des Wortes, nur mit Vorsicht zu genießen, weil unser Besuch so lange her ist.

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Spannend wurde es aber sowieso erst nach dem Essen. Ich weiß nicht, ob ich früher Jane Austen, Burgfräulein oder Schlossgeist war, aber alte Gemäuer machen mich extrem neugierig und ich öffne gern Türen, auch die verbotenen.

Nun, wir öffneten eine Tür, die angeblich, so ließen wir uns am Empfang sagen, „öffentlich“ war, denn sie führte zu einem Raum mit Billiardtisch (französisches Billard natürlich), den mein Begleiter sogleich in Beschlag nahm. Derweil sah ich mich ein wenig im Raum um, entdeckte interessante Bücher und wunderte mich über die zwei sofaartigen Einzelbetten – irgendwie sah der Raum wie ein Hotelzimmer aus – nur mit Billardtisch in der Mitte. Wir wollten gerade den Raum verlassen, als uns ein Paar entgegenkam. er im Hotelbademantel und mit Socken, sie ebenfalls ohne Schuhe, dafür aber im langen Abendkleid mit Nylonstrümpfen. Entschuldigend sagte sie zu uns „My husband is going to take a bath“. Wir stutzten und erschraken anschließend, weil wir dachten, wir hätten uns in deren Zimmer eingeschlichen. Aber dann ergänzte die Frau, dass aus den Armaturen der Badewanne in ihrem Zimmer kein heißes Wasser komme und ihr Mann deshalb das Bad des Billardzimmers nutzen wolle. So weit war ich bei meiner Recherche noch gar nicht gekommen, dass ich das angrenzende Bad bemerkt bzw. die Tür geöffnet hätte….

Das Bild des englischen Mannes im weißen Bademantel und mit dunklen Socken, der sich mit seiner ebenfalls schuhlosen Frau im Abendkleid in das freie Zimmer schlich, um ein heißes Bad zu nehmen, war zu komisch und ich werde es bestimmt nie vergessen. Erst hatten wir uns ertappt gefühlt und dann fühlten sich die beiden anderen ertappt und erschraken, als sie uns im Billardzimmer bemerkten. Es endete mit gemeinsamem Kichern!

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Sicher sind Hotel und Park im Sommer noch schöner als bei eisigen Temperaturen, aber unsere Zwischenübernachtung war auch im Winter schön, zumal es im Schloss soviel zu entdecken gibt.

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2 Antworten zu Chateau d’Etoges

  1. Anne Faucher schreibt:

    Bravo Ute, ton blog est magnifique, dommage que je ne sache pas l’allemand !

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