Es Cantonet – Santanyi

Bei diesem Restaurant handelt es sich um ein unscheinbares Eckhaus am Ortsrand des Landstädtchens Santanyi (im Grunde nur wegen des Wochenmarkts bekannt, im noch ziemlich ruhigen südöstlichen Zipfel Mallorcas gelegen, wenngleich sich auch dort schon viele Deutsche tummeln, aber eher die Kategorie zivilisierter Genuss- oder Natur- oder Kulturmensch als gröhlend-schwankende Bier-und-Sangria-aus-Eimern-mit-Strohhalm-Säufer), an dem man achtlos vorbeifahren würde, wüsste man nicht, dass sich hinter den beinahe abweisenden Mauern ein wunderbares Restaurant verbirgt. Wir haben es auch nur durch einen Reiseführer gefunden.

Leider sind wir erst an unserem letzten Mallorca-Abend dort eingekehrt, sonst wären wir Wiederholungstäter geworden.

Man wird freundlich empfangen und ebenso bedient, kann Spanisch, Deutsch oder Englisch sprechen und hat trotzdem nicht den Eindruck, in eine Touristenfalle gestolpert zu sein.

Die Räumlichkeiten wurden schlicht-schön gestaltet, mit viel Naturstein, unebenen Böden, dezenter Beleuchtung. Es gibt auch einen romantischen Patio mit Grünpflanzen. Hier hat für uns alles gestimmt: Atmosphäre, Service und vor allem die Qualität des Essens. Die Küche ist nicht immer genuin mallorquin, aber mediterran und teilweise mit kleinen internationalen Einflüssen gespickt.

Das Vergnügen begann beim gemischten Tapas-Teller,

,

setzte sich fort bei den leckeren Hauptgerichten (zartes Lamm und ebenso zartes, jedoch Deftigeres vom Schwein)

und endete mit dem variantenreichen Dessert.

Nur zu empfehlen und zu hoffen, dass daraus niemals ein Touristen-Nepplokal wird. Aber die Gefahr ist wohl nicht allzu groß, eben weil der Nichtwisser nicht ahnt, welches Kleinod sich in dem unauffälligen Eckhaus befindet und die fehlende Außenterrasse vor der Tür schreckt sicher viele Gäste ab. Also eigentlich ein Geheimtipp, den man nicht weitergeben sollte…


Ein paar Jahre später haben wir dieses Restaurant nun erneut besucht – es ist kein Nepplokal geworden!

Diesmal hatten wir Glück und konnten im Innenhof sitzen, was in der abendlichen Schwüle angenehmer war als drinnen.

Aber erst warf ich noch einen Blickk ins Innere. Dort warteten schon die “Amuse-Bouche-Teller”, appetitlich angerichtet. Die grüne Creme war noch viel besser als das weiße Aioli, zum Reinsetzen!

Der Service präsentierte sich ziemlich gut drauf, die männliche Bedienung, mit apartem Pferdeschwänzchen (vorn war es eine seriöse Kurzhaarfrisur) transportierte jede Flasche auf der flachen Hand zu den Tischen, in rasanter Geschwindigkeit! Als es mir plötzlich, wie so oft in Spanien, die Sprache verschlug (manchmal verstehe ich nur Spanisch… und kann nur auf Französisch oder Italienisch antworten und sogar das bisschen Portugiesisch fällt mir ein – nur kein Spanisch, geschweige denn Mallorquin) und ich ihm mitteilte, in meinem Hirn kämen gerade nur italienische Vokabeln vor, unterhielt er sich mit mir auf – Italienisch, bingo!

Wie beim ersten Besuch schmeckte der Tapasteller als Vorspeise deliziös, dabei waren natürlich die obligatorischen Pimientos, außerdem Feigen im Speckmantel, gebratene Pilze, ein feiner Gemüsekartoffelsalat und ein warmes Fischgericht.

Leider mussten wir diesmal sehr lange auf die Hauptgerichte warten und wurden schon etwas mürbe… Das Fleischstück (war es Kalb?) auf Tumbet meines Begleiters schmeckte sehr gut, während mein Kaninchengericht etwas zu trocken war, es war ziemlich wenig Sud im Teller und das Tierchen war reichlich kauintensiv (wäre es nur so mürbe gewesen wie wir!), ein wenig wie ein Gummiadler bzw. ein äußerst muskulöses Bressehuhn, das sich die Hacken auf den Wiesen abgelaufen hat… Schade. Aus diesen Gründen ziehe ich einen Stern ab und reduziere auf vier; weniger mag ich nicht geben, weil sonst alles stimmig war und man sich dort wirklich gut aufgehoben fühlt und sehr herzlich als Gast empfangen wird.

Mittlerweile hatte sich die Dunkelheit über Santanyi und den Patio gesenkt, der anheimelnd beleuchtet wurde. Zum Abschied gab es einen Hierbas auf Kosten des Hauses. Ich würde jederzeit wiederkommen. Adéu!

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