Gasthaus zur Linde – Ausflug ohne besondere Vorkommnisse – Oberried Feldbergstraße 14, Sankt Wilhelm Napf, 79254 Oberried

Wenn etwas schiefgegangen ist (ich berichtete gerade darüber), soll man sich ja schnell nochmal trauen, um keine Phobie (in diesem Fall die Barophobie oder Angst vor der Schwerkraft, hihi) zu entwickeln… Also machte ich gestern wieder einen Ausflug, denn mein letzter hatte unangenehm geendet, da ich beim Fotografieren in den Matsch fiel – vor Zeugen natürlich, die sich zudem stoffelig benahmen.

Schon während der Fahrt begutachtete ich prüfend den Straßenrand. Verdächtiges Blattwerk, das einen Bach versteckt, flirrend-verwirrendes Helldunkel über hinterlistigen Baumwurzeln – doch über allem wacht wie immer das Kreuz…

Für den Fall, dass ich wieder fallen sollte, dann bitte richtig, also umso tiefer, deshalb fuhr ich hoch hinauf, nach St. Wilhelm, das zur Gemeinde Oberried gehört und auf 828 Meter im Dreisamtal liegt, zu Füßen des 1.493 Meter hohen Feldbergs.

Der Namenszusatz „Napf“ kommt daher, dass sich hier das Bannwaldgebiet gleichen Namens befindet. Den Abschluss des St. Wilhelmer Tales, das vom Feldberg aus nach Nordwesten ausläuft, bildet ein Kar, dem die Menschen einst diesen Namen gaben. Ein Kar (Wiki sagt, es hieß im Althochdeutschen char, was soviel wie Trog oder Krug bedeutet) ist eine kesselförmige Vertiefung an einem Berghang, die an ein Amhitheater erinnert. Also warum nicht „Napf“?

Dort, im Napf, am Waldrand, am Ende der geteerten Straße, hatte ich einmal ein Gasthaus gesehen, als ich vor drei Jahren im Mai mit einem Hinterwäldler aus dem Hotzenwald dort spazieren ging und auf einer Bank im Wald saß, kicher. Diesmal war die Linde sogar geöffnet.

Ich quetschte mich an die Hauswand, um etwas Schatten zu bekommen. Das hatte den Vorteil, dass ich einen schönen Bildausschnitt ergatterte. Die freundlich-reservierte Bedienung im frischen Dirndl brachte zwei Speisekarten und die Wahl fiel mir schwer: Hier gibt es alles vom kalten Schwarzwaldvesper mit Schinken und Bibbeleskäs über Spargel mit Kratzete, diverse Salate, Maultaschen und Käsespätzle bis zu Forellen, Rumpsteaks mit Pommes oder Brägele und auch Reh steht auf der Karte. Ich bestellte den bunten Salat mit gebratenem Fisch.

Der rote Burgunder vom Kaiserstuhl (es gibt hier nur deutsche Weine) wurde bald serviert und großzügig über den Viertele-Rand hinaus eingeschenkt. Nach Weißwein war mir trotz Fisch nicht, doch ich hatte schon schlimmeren hiesigen Roten getrunken, er war gar nicht so wässrig.

Bis das Essen kam, schaute ich mich auf dem Gelände um. Hier stehen keine Kübel mit Oleander, nein, hier bilden Nadelbäume die Dekoration – wir sind schließlich im Schwarzwald!

Die Linde ist nicht nur ein Gasthaus mit Ferienwohnungen, sondern auch ein Bauernhof mit Viehzucht – was ich am Tisch riechen konnte, wenn ein Windhauch um die Häuserecke kam. Da ich aber quasi im Kuhstall aufgewachsen bin, machte mir das nichts aus. An diesem Mittag – nun, ich kam ja auch erst um halb zwei an und das ist ja nicht gerade typisch deutsch – war nicht viel los, nur ein paar Tische waren belegt.

Im Hintergrund Ziegen, davor Männer, die die Wiese mähten – ach, welch frischer Grasduft! Der Hofhund, der drei Meter gegen den Wind nach Hund roch, was ich dagegen nicht so mag, freundete sich gerade mit einem kleinen städtisch-affektiert aussehenden Kumpel an.

Und gegenüber der murmelnde Bach, nein, das wäre untertrieben: Dieser Bach plätschert zumindest, man könnte fast sagen, er rauscht! Oder er murmelt sehr laut, aber angenehm.

Als das Essen kam, befand sich mein Platz in der prallen Sonne und ich zog um unter einen Sonnenschirm. Der Teller war üppig bestückt: drei nicht kleine Fischportionen auf reichlich Salat, die unterste Schicht bildeten Karotten- und Krautsalat – nicht aus dem Glas! Der grüne Salat schmeckte erstaunlicherweise am besten, sicher frisch vom Hof, da ließ ich eher etwas Eisberg- und Radicchio liegen. Und die Tomaten.

Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahrzehnten in irgendeinem Lokal dieser Welt RICHTIG REIFE Tomaten als Salat oder Garnitur bekommen zu haben. Dabei sind unreife Tomaten nicht nur giftig, sondern schmecken nach nichts. Eine seltsame Unsitte, sogar beim Italiener. Die Salatmarinade war nicht schlecht, hatte aber einen kleinen Nebengeschmack, der vielleicht aus der Tüte oder Flasche kam. Da ich nie Fertigsoßen verwende, empfinde ich künstliche Beisätze manchmal sogar als richtig eklig, was aber hier zum Glück nicht der Fall war. Der Fisch war gut gebraten und schmackhaft. Insgesamt macht der Salat seiner Bezeichnung „bunt“ wirklich alle Ehre, auch wenn ich den Sinn der Orangenscheiben und Physalis nicht verstand. Ich würde dort durchaus nochmal essen und dann die regionalen Spezialitäten probieren.

Ob der Menge musste ich schließlich kapitulieren und schaffte kein Dessert mehr. Frische Erdbeeren hätten mich schon verlockt, aber womöglich wären sie auch – wie fast überall serviert – noch halb grün und unaromatisch gewesen? Der Espresso war stark und gut.

Ich machte mich von dannen, nicht ohne noch einmal die doch schöne Landschaft angeschaut zu haben. Im Hintergrund die von mir wenig geliebten dramatisch-strengen dunklen Tannenzacken diesmal vor Zirruswolkenhimmel.

Und der Bach rauschte immer noch…

Auf dem Rückweg fiel mir ein, dass ich noch einen Wiesenblumenstrauß pflücken wollte. Das hatte ich bei meinem Fallspaziergang auch getan, doch ich ließ die Blumen versehentlich im Auto vertrocknen, weil ich nur daran dachte, mein schmutziges Kleid loszuwerden. Hier waren die Blumen auch viel schöner! An einem knorrigen Brunnen, knorrig wie der Schwarzwälder an sich, kann man sich erfrischen. So etwas hätte ich vor ein paar Tagen gebraucht…

Seltsam, dass am Samstag so wenig los war, ich begegnete nur ein paar angestrengten Radfahrern in Tour-de-France-mäßigem Outfit und ein paar Wanderern – mit Nordic-Walking-Ausstattung, deren unerbittlicher Stockeinsatz manchmal fast Angst auslösend wirkt.

Wenn ich im Schwarzwald bin anlässlich eines Ausflugs, dann fühle ich mich wie eine Touristin und genieße die Natur und die Farben, sauge die frische Luft ein.

Für zwei Wochen könnte ich mir hier wohl einquartieren, in diesem Idyll. Nur leben würde ich in dieser Gegend nicht wollen, selbst die ständige Nähe des Tanns ist mir unten in Freiburg schon zuviel. Seltsam. Aber vom St. Wilhelmer Tal bis nach Freiburg sind es auch nur 15 Minuten Fahrt…

Bitte schön, ich habe euch den Strauß mitgebracht! Als Dank dafür, dass heute alles gutgegangen ist. 😉

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