Gaststätte Buckhof – Münzenriedweg 5, D-79289 Horben

Wann war noch einer der wenigen lauen Sommerabende 2009? Etwa vorgestern? Da war ich jedenfalls abends im Gasthaus Buckhof. Ich wollte angesichts der schwülheißen Freiburger Luft etwas höher hinaus Richtung Schauinsland. Den Buckhof hatte mir vor ein paar Wochen ein – offenbar begütertes – Düsseldorfer Pensionärspaar empfohlen, das vor zehn Jahren nach Freiburg umgesiedelt war. Wir trafen uns zufällig beim Spazierengehen und unterhielten uns nett (die Rheinländer sind wohl die kommunikativsten Deutschen überhaupt, mit ihnen kommt man einfach immer und überall ins Gespräch!) über Restaurants und Ausflugslokale in und um Freiburg. Die beiden waren von allem hier sehr angetan und beurteilten die Düsseldorfer Gastronomie nicht besonders positiv.

Ich folgte also der Empfehlung. Der Buckhof liegt etwas oberhalb von Horben in grüner Alleinlage. Der große, anscheinend vor Jahrzehnten renovierte oder neu gebaute Hof hat eine Terrasse vorm Haus mit wenigen Tischen, die in eine große, am Ende von einer Hecke begrenzte, größere Grasfläche übergeht mit einigen Tischen und Stühlen. Da dort alles belegt war, setzte ich mich an den einzigen freien Tisch auf der Terrasse direkt am Haus. Nachdem ich Platz genommen hatte, vernahm ich lange nicht gehörte Geräusche: Direkt hinter mir befand sich der Schweinestall und das Stuhlrücken animierte die Schweine offenbar zu fröhlich-aufgeregtem Grunzen, das man hören konnte, obwohl das Stallfenster geschlossen war. Mir gefiel das. Im Gegensatz zum sonstigen Ambiente. Ländlich-einfach mag ich es schon sehr gern, sofern davon eine mir zusagende, wirklich bäuerlich-rustikale Ästhetik ausgeht. Aber wohin ich auch blickte – das Schönste war die Deko rund um das Schweinestallfenster;

meine Augen waren ansonsten etwas beleidigt. Aber über Geschmack lässt sich ja angeblich nicht streiten, also: Wer Jägerzaun- und Gartenzwergästhetik in Kombination mit Plastikmöbeln plus Blick auf hohe düstere Tannen (die dem Schwarzwald leider eigen sind, ich kann Tannen nicht leiden und suche meist die lichteren Lagen oder Mischwald auf) mag, dem empfehle ich diesen Ort. Gegen Jägerzäune habe ich aus unbestimmten Gründen seit jeher was. Einerseits sind sie kleinbürgerlich-spießig, andererseits haben sie durch die Spitzen, an denen schon so mancher mit schweren Verletzungen blutend hängenbeglieben ist wegen der niedrigen Höhe, etwas latent Aggressives.

Aber nun zum Essen: Die Karte ist für einen Bauernhof mit Viehzucht (unter anderem auch Rinder) recht umfangreich mit vielen rustikalen und preiswerten Vespergerichten wie Schinken- und Wurstplatten, aber auch Ripple von eigenen Rindern und Schäufele. Für Letztere entschied ich mich. Leider war der Kartoffelsalat, den ich gern dazu bestellt hätte, aus, aber dafür bekam ich statt der “Garnitur” einen Salat, zu dem zu meinem Entzücken doch noch ein Klecks Restkartoffelsalat gehörte. Die Fleischportion war recht üppig (und das für 5,80 Euro!), die Schäufele waren ganz gut, wenn auch nicht überragend lecker und hätten etwas saftiger sein können; der beiliegende Senf peppte es etwas auf (allerdings lag mir das Gericht die ganze Nacht schwer im Magen).

Der Kartoffelsalatrest schmeckte mir als Kartoffelsalatjunkie (er muss unbedingt mit Fleischbrühe und darf nicht wie in Norddeutschland oft, mit Mayonnaise angemacht sein) gut, obwohl er total matschig war. Der Blattsalat allerdings war zwar frisch, aber ich schmeckte deutlich ein Fertigprodukt raus. Diesem Geschmack bin ich lange Jahre zum Glück nirgendwo begegnet, das muss so ein Salatfixzeugs gewesen sein. Von diesem merkwürdigen künstlichen Geschmack, aus dem man weder Öl noch Essig noch andere Zutaten rausschmecken kann, schüttelt’s mich immer etwas. Und ich bin maßlos enttäuscht, wenn ich sowas in einem Lokal vorgesetzt bekommme, das mit lokalen Gerichten aus eigenem Anbau und eigener Zucht wirbt. Da erwarte ich eigentlich, dass alles “echt” und “natur” ist. Am trockenen Roten aus Sasbach hatte ich nichts auszusetzen.

Ihr könnt mich für affig halten oder nicht, aber Jägerzaun, Gartenzwerg, dunkle Tannen und Fertigdressing liegen mir nun mal gar nicht und ich gebe nur deshalb drei Sterne und nicht zwei, weil die Bedienung freundlich und aufmerksam war und man dort ruhig sitzen konnte in der schönen Luft. Der junge Bauer, der in der bäuerlichen Gaststube drinnen bediente und, wie ich las, selbst kocht, war auch nett. Ich fragte ihn, ob ich in den Schweinestall schauen könne, aber er meinte, es sei nicht die Zeit, besser wäre gegen 17 Uhr, wofür ich natürlich Verständnis habe – schließlich sind Schweine sensible Tiere! Er kam dann extra nochmal raus, nur um mir zu sagen, dass ich mir ja stattdessen die Hängebauchschweine hinterm Haus ansehen könne. Der Hof hat nämlich auch einen kleinen Streichelzoo, für Familien mit Kindern eine schöne Sache. Es gibt dort auch ein paar sehr preisgünstige Zimmer.

Das Publikum war übrigens recht gemischt, bestand jedoch überwiegend aus Paaren mittleren Alters, exotisch bereichert durch ein jüngeres Touristenpaar aus Spanien (das mich, nachdem wir ein paar Worte gewechselt hatten, aufgrund meines offenbar italienischem Akzents 😦 beim Spanischsprechversuch für eine Italienerin hielten) mit einem kleinen bebrillten süßen Sohn. Er betrachtete die Welt mit großen Augen, erst scheu, dann neugierig-forscher, und erinnerte mich an Harry Potter. Die Eltern holten Roller und ein kleines Tretauto aus dem Van und der Kleine konnte – und lautstark, aber in der Hinsicht waren alle Gäste entspannt genug – glücklich auf dem Parkplatz und Gelände umherfahren. Zum Schluss freundete er sich noch mit zwei Mädchen an, die offenbar zum Hof gehörten. Es war wieder schön zu sehen, dass Kinder keine Sprachbarrieren kennen und sich auch so verstehen. Verabschiedet haben sie sich dann auf Französisch mit “À toute-à-l’heure”, bis bald, weil die Mädchen und der Vater des Jungen diese Abschiedsfloskel kannten. Holà, Multikulti auf der Black Forest-Farm…

Also, auch wenn ich es bei dem einen Besuch bewenden lasse – gelangweilt habe ich mich auf dem Buckhof ganz bestimmt nicht. 🙂 Nachdem ich wieder zurück im immer noch sehr warmen Freiburg war, musste ich aber trotzdem unbedingt noch ein moderneres “jüngeres” und optisch luftigeres Ambiente aufsuchen, um den Abend ausklingen zu lassen.

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