Giardino Storico di Palazzo Soranzo Cappello

”Un Giardino Incantato
Forse che si, forse che no”

“Ein verzauberter Garten
Vielleicht, vielleicht nicht“

”Un jardin encorcelé
Peut-être, peut-être pas”

”An enchanted garden
Maybe, maybe not”

Wer auf die irrwitzige Idee kommt, Venedig im Hochsommer bei extrem schwüler Hitze zu besuchen, ist selber schuld. Die Wasserflasche wird sogar für Marsianer der A-Klasse und Wasserverschmäher wie mich zum notwendigen ständigen Begleiter, Schattensuchen (La ricerca dell’ombra/HUNTing for shadow, yes!/A la recherche d’ombre) eine neue sportliche Disziplin, doch nur in Zeitlupe ausgestrahlt, und sogar die SIESTA erweisen sich als INDISPENSABLE, oui, mes amis français! Je vous comprends! You understand? Versteht ihr? Avete capito? Io stupida. C’est la chaleur/It’s the heat/Es ist die Hitze/Sarà a causa dell’afa!

Manche kaufen sich einen Schirm gegen das Glühen von oben!

Am späten Vormittag findet mein Begleiter am späten Vormittag, wir sollten eine Grünfläche besuchen – wegen der Hitze und überhaupt! Gute Idee. Auf dem Stadtplan hat er, gar nicht weit von unserem Apartment, einen grünen Fleck ausgemacht, der jedoch namenlos ist. Auf dem Weg dorthin landen wir in einer Sackgasse und müssen umkehren.

Kein öffentlicher Park, nirgends. Jedenfalls nicht hier. Dann eben nicht.
Doch 20 Meter zurück, neben einem Palazzo (presse meine Nase gegen die Scheibe der Eingangstür und sehe eine große beeindruckende Halle), schimmert Grün durch einen schmalen Durchgang und, neugierig wie immer, luge ich hinein. Eher eine Wiese als ein Garten – in der Stadt, im Sestiere Santa Croce (wie schön ist es da!). Und eine junge lesende Frau, dort mitten auf einem Plattenweg auf einem Stuhl sitzend, hebt den Kopf, fragt, nachdem ich ein paar italienische Worte von mir gegeben habe, ob ich Spanierin sei (Oh! Mein Spanisch ist, ähm, so gut wie nicht vorhanden, jedenfalls sprechtechnisch gegenüber dem Italienischen, was hat das nun zu bedeuten? Egal) und, weil nicht der Fall, erklärt sie auf Italienisch, dass es sich um einen zum Palazzo gehörenden Garten handele, der sich nach hinten noch fortsetze und den wir gern besuchen könnten, gratis noch dazu. Ach. Also nichts wie rein.

Auf den ersten Blick sieht man nicht viel mehr außer einem bisschen frischem Wiesengrün, doch unausgesprochen erwartet man mehr.
Der Garten, der zum Palazzo Soranzo Capello gehört, ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch diesen Sommer ist er für sechs Wochen geöffnet. Während dieser Zeit fand eine Ausstellung zeitgenössischer Skulpturen und Installationen statt. Unser Besuch fällt zufällig in diese Zeit, drei Tage vor Schließung des Gartens – Glück muss man haben!

Der Palazzo wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Nachdem die wohlhabende Familie Soranzo hier gelebt hatte, wurde das großzügige Gebäude von weiteren Familien bewohnt, unter anderem der Familie Capello. Später befand sich im Palast vorübergehend eine Kaserne und im letzten Jahrhundert stand der Palast mehrere Jahrzehnte leer, bis es restauriert wurde. Heute ist der Palazzo Sitz der Soprintendenza per i beni architettonici et per il paesaggio per le province di Venezia, Belluno, Padova e Treviso, frei übersetzt, der Oberen Architektur- und Landschaftsaufsichtsbehörde für die Provinzen Venedig, Belluno, Padua und Treviso.

Die Skulpturen und Installationen der Ausstellung bilden einen interessanten Kontrast zu den alten Statuen, darunter vor allem Darstellungen römischer Herrscher.

Kurz hinter dem Eingang steht diese Skulptur, mit dem Rücken zum Eingang, in die Weite des ersten Gartenteils blickend. Meiner Erinnerung nach heißt sie „Burning Man“.

Leider sind die Namen der Werke von gestern bis heute aus dem Internet verschwunden. Für die, die es interessiert, hier die Namen der Künstler: Matteo Basile, Corrado Bonomi, Jessica Carroll, Aron Demetz, Marco Fantini, Giovanni Frangi, Michelangelo Galliani, Paolo Grassino, Andrea Salvetti, Wainer Vaccari, Nicola Verlato und Velasco Vitali.

Die Ausstellungsmacher gaben den Künstlern Folgendes auf den Weg:

“Gli artisti sono invitati a confrontarsi in questo contesto di altro pregio, sono giunti a risultati artistici del tutto personali, cogliendo in vario modo gli aspetti più interessanti della relazione tra scultura e natura.”

“The artists are invited to confront themselves with this peculiar background taking the most interesting aspects of the relationships between artworks and nature.”

Ich empfinde es als sehr gelungen, welche Plätze sich die Künstler für ihre Werke ausgesucht hatten. Mal ergibt sich ein spannender Kontrast zwischen Kunst und Natur, mal ist die Skulptur oder Installation in die Natur integriert, wie mit ihr verwachsen.

Der Hund hat seinen Platz unter einem grünen Laubengang gefunden.

Von der offenen Wiese, die eine Nutzgartenecke enthält, geht es durch einen Durchgang in den hinteren Gartenteil, der wiederum aufgeteilt ist, auch ein kleines schattiges Wäldchen gibt es.

Aus dem Nest gefallene oder gesprungene Eier, manche haben es nicht überlebt…

Herausgerissen?

Am Ende des Gartens befindet sich ein Tempel im griechischen Stil, seine Rückseite wird von der Einfriedungsmauer gebildet. Der Tempel diente den früheren Bewohnern als Theaterbühne.

Zu den alten Statuen haben sich vorübergehend neue gesellt.

Ich glaube, der antike Held blickt etwas missbilligend auf das glänzende verfettete Medialwesen…

Ihm geht es nicht so gut.

Die beiden da oben ziehen es vor, über alles hinwegzuschauen.

Wie wär’s mit einer kleinen Pause?

Ach, ich beneide die Mitarbeiter der Behörde, die während der Pausen das Privileg genießen dürfen, diesen parkähnlichen Garten ganz für sich allein zu haben!

Was für ein Blick von den Fenstern und dem Hintereingang aus!

Etwas versteckt an einer Seite geht es durch ein kleines Tor in einen Innenhof, der ebenfalls Skulpturen enthält.

Dort entdecke ich direkt hinter der Eingangstür lauter Zigarettenstummel. Kommen sie nicht weiter als bis dorthin, die Beamten? Sehen sie den Charme dieses wundervollen Gartens nicht mehr? Aber vielleicht muss es ja schnell gehen und die Pausen sind kurz oder sie sind einfach respektvoll und erledigen das Rauchen hier, bevor sie ausschwärmen und sich am Grün delektieren? Wer weiß.

Hier ist etwas „korrodiert“, die menschlichen Beziehungen, wenn ich mich recht an den Titel erinnere.

Langsam schlendern wir zurück, obwohl das Verlassen der grünen Oase schwer fällt. Ein kleines Café wäre nett gewesen, um den Durst zu löschen und noch ein wenig zu verweilen.

Wasser! In der Nutzpflanzenecke befindet sich diese blumenbunte Gießkanneninstallation.

Ein Naturwerk, ohne Künstlerbeteiligung.

Erfrischend war er, der Besuch des Gartens, in der Stille – wieder so ein Kleinod in dieser ohnehin immer auf‘s Neue faszinierenden Stadt. Und überhaupt ist es doch lohnend, sich beim Flanieren dem Zufall des Augenblicks zu überlassen.

Ob der Garten verzaubert war, wie das Motto der Ausstellung nahelegte? Auf jeden Fall durchaus bezaubernd! Mit und ohne Ausstellung.

PS: Übrigens stellte sich später heraus, dass es sich um die anonyme Grünfläche im Stadtplan handelt…

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