Hotel Le Maréchal – 5 Place Six Montagnes Noires, 68000 Colmar

Vor ein paar Jahren verbrachten wir hier zu viert ein paar Tage über Sylvester. Es war sehr nasskalt, so dass wir die Wärme – bedingt durch das viele Gebälk und das plüschig-verwinkelte Bunt des extrem romantisch gelegenen Hotels sehr genossen haben.
von unserem Zimmerfenster konnten wir direkt auf die Lauch blicken.

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Empfangen wurden wir freundlich, obwohl Madame Bomo sich ein bisschen zu sehr ins Zeug legte und wie ein aufgeregtes buntes Vögelchen vor uns herflatterte.

Die Zimmer sind mit alten/antiken Möbeln eingerichtet und alle unterschiedlich hinsichtlich Größe und Gestaltung. Es ist kuschelig, aber Einiges könnte erneuert werden und die alten dicken Teppichböden fand ich irgendwie überholt und verdächtig. Unser sehr großes Bad – mit Fenster ebenfalls zum Flüsschen – war auch kuschelig, hätte aber auch etwas Modernisierung verdient. Das Preis-/Leistungsverhältnis des Hotels finde ich deshalb nicht ganz in Ordnung, aber das Haus lebt von seiner einzigartigen Lage im wunderschön-kitschigen Viertel La petite Venise. Dennoch fühlten wir uns wohl, würden aber beim nächsten Mal ein anderes Hotel wählen, auch gern alt, aber etwas aufgefrischter.

Im Restaurant haben wir am ersten Abend gegessen (sehr fein, von der Vorspeise bis zum Dessert) und am Sylvesterabend. Dem Preis des Sylvestermenüs empfanden wir alle als sehr überhöht. Die Tatsache allein, dass auch ein paar Austern dazugehörten (sie waren gratiniert und schmeckten nach nichts, aber wenigstens auch nicht nach Salzwasser, worüber ich froh war, denn mehr als zwei rohe Austern kriege ich trotz mehrfacher Versuche nicht runter) und etwas Gänsestopfleber (die ich sowieso nicht mag), riss uns nicht vom Hocker. Die meisten der sechs Gänge waren gut, aber weniger gut als das „normale“ Essen außerhalb der Feier. Das Dessert war vor allem sehr bunt und als einzige Geschmacksnote fanden wir „zuckersüß“ heraus. Da lobe ich mir doch stattdessen eine einfache, aber geschmackvolle Crème brûlée oder einen Flan caramel!


Der Service war in Ordnung und freundlich, die Atmosphäre war gut und pünktlich um null Uhr hatten die drei Paare am Tisch hinter uns aus dem Rheinland – gut gelaunt und kommunikativ, wie es dem Klischee entspricht – das starke Bedürfnis, mit uns anzustoßen und sich mit uns zu verbrüdern.
Den Digestif nahmen wir im Salon. Ich bin zwar nicht so ein Digestif-Fan, aber da ich so satt war, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte, bestellte ich auch einen, und zwar einen Myrtilles (Eau de vie von Blaubeeren/Heidelbeeren). Die Bedienung sah mich erstaunt an und verstand nicht: „Mirrti???“ fragte sie mehrfach nach, es klang Schweizerisch, wie von Emil, obwohl ihre sonstige Aussprache wie die einer Französin klang. Ich wiederholte im bestmöglichen Französisch „Myrtilles“, aber es dauerte. Meine Begleitungen bestätigten, dass es nicht an meinem Französisch gelegen hatte, aber es war doch sehr merkwürdig. Schließlich bekamm ich meinen Blaubeerschnaps, der wenigstens ein bisschen wirkte.

Ich empfehle dieses Hotelrestaurant Menschen, die gern zentral in einem romantischen Eck wohnen und es bürgerlich-plüschig-kuschelig-warm-überladen bis kitschig mögen (inzwischen, so sah ich auf der Website, wurde in den Essräumen einiges Mobiliar ersetzt oder mit neuen Polsterstoffen überzogen). An ungemütlichen Wintertagen kann das durchaus angenehm sein, sofern man nicht Purist ist.

Das normale Restaurantessen war, wie gesagt, gut, aber auch etwas überteuert. die anderen Abende aßen wir tradionell elsässisch im Maison des Têtes (sehr schönes altes Haus, das inzwischen auch Hotelzimmer besitzt), superguten Fisch im „Aux trois Poissons“ und deftig-gute elsässische Küche in der Winstub À la ville de Paris, die aber noch einen etwas anderen Namen hatte (sParisser Stöffele oder so) mit super Crème brûlee (auch dabei gibt es Unterschiede!) und womöglich Besitzer und/oder Koch gewechselt hat – alle drei Restaurants in Fußnähe. Bon appetit!

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