Il Refolo

Heiß, so heiß. Und trotzdem könnte der Magen eine klitzekleine Kleinigkeit vertragen. Am und rund um den Campo San Giacomo dall’Orio und seine engen beschatteten Ausläufergassen ist mitten in der Woche um die Mittagszeit alles belegt. Wie schade. Na dann, nochmal in Richtung der Pizzeria, die wir am Vortag schon gesehen haben. Sie liegt an einer Art Hinterhof des Campo, etwas versteckt, und der kleine Platz hat sogar einen eigenen Namen, der mir nicht mehr einfallen will und der nun auch aus dem Internet verschwunden zu sein scheint. Sonnenschirme gibt es hier, also warum nicht. Wenn der Mensch nur ein paar Tage in Venedig weilt, warum soll er dann klimatisierte Innenräume wählen? Phhh. Lieber leiden, dafür draußen sein und die Stadtansichten aufsaugen.

Ich weiß nicht, ob es die etwas zu lichten Sonnenschirme sind, die die Hitze durchlassen und das Haupthaar inklusive Hirn durchwärmen, wie sich später herausstellen wird, oder das fehlende „Kleinteilige“ und „Putzige“, jede überflüssige Dekoration, jedenfalls sind auf der „Terrasse“, die eigentlich ein Platz ist und nicht mal über einen einzigen Blumenkübel verfügt, was der Schönheit keinen Abbruch tut, nicht viele Tische belegt. Vielleicht ist das Essen nicht gut? Ach, wir wagen einen Versuch, keine Lust und Kraft mehr, noch weiter zu suchen.

Da war wohl jemand sehr pessimistisch und hat einen Tisch reserviert, dabei hätten die kurz danach eintreffenden Gäste noch genügend Auswahl gehabt.
Muss und sollte man in einer Pizzeria Pizza essen? Das Klima passt irgendwie nicht, auch wenn die Pizzen und Pastagerichte an den Nebentischen gut aussehen. Ich entscheide mich stattdessen, nur eine Portion Caprese zu mir nehmen; mehr als Mozzarella, Tomaten, Basilikum, Olivenöl und Pane geht nicht. Mein Begleiter braucht auch nur eine frische Kleinigkeit und wählt einen griechischen Salat. In Venedig. Na, was das wohl sein wird. Nun, der feinste griechische Salat, den ich jemals sah und kostete und ohne brutale Zwiebelringe: Hauchdünne Gurkenscheiben (wenn auch nicht entkernt, lach), superzarte Paprikaschotenstreifen, schmackhafter Fetakäse, köstliche Oliven… einfach, aber außerordentlich gut.

Das frische lockere italienische Brot dazu ist köstlich und gut geeignet, es mit überschüssigem Olivenöl zu benetzen. Dazu der Hauswein, einmal rot und nicht zu schwer, einmal weiß, langsam genossen, und das dringend notwendige Wasser – und der Juli-Venedig-Tourist überlebt und ist zufrieden.

Ah! Ist das ruhig hier. Außerdem sind die meisten Gäste – Italiener, Engländer und Deutsche, zumeist Paare – zu schlaff, um sich Worte abzuringen: alles so anstrengend! Also einfach nur sitzen. Und wirken lassen. Man muss ja nichts. Bloß abundzu kauen und schlucken. Und gucken, in die Stille.

Nur ein „Arbeitsboot“ schwebt lautlos vorbei. Aber da man ja weiß, dass es tuckern muss, erinnert man sich an das Geräusch und hört es mit dem inneren Ohr. Die armen Handwerker, die in der Hitze arbeiten müssen, tun mir leid.

Hier sitzt man gut fern von den Massen, wie schön. Aus einem Haus tritt eine Einwohnerin, vielleicht geht sie einkaufen. Ein Mann transportiert mit einem Karren Wasserkisten und muss sie über die Stufen der Ponte Ruga Vecchia wuchten. Ein Gast am Tisch schräg gegenüber befreit sich von seinen Mokassins.

Der träge gleitende Blick wird von einer Gondel eingefangen. Gondoliere und Insassen sind stumm.

Ein älteres Paar, offenbar überhitzt und geschafft von der Stadt, lässt sich links auf der Stufe vor einem Eingang nieder.

Flirrt die Luft oder wollte der Bildausschnitt nicht weiter vergrößert werden? Ach ja, das ist ja eine Kirche, über Eck an ein Wohnhaus grenzend! Als ich später wieder hinschaue, sehe ich gerade, dass die Tür von innen aufgestoßen wird und die Beiden fast vornüber fallen. Benommen schüttelt das wie aufgewachte Paar seine Federn, ist aber nicht zu indigniert, um nicht den Zufallsfund zu nutzen und im Innern der Kirche zu verschwinden. Später treten nach und nach Menschen aus der Kirche, die niemals hineingegangen sind. Wie ein Spuk. Sie müssen dort Ewigkeiten verweilt haben. Weil Kirchen kühlende Oasen sind?

Die Anwohner bevorzugen es wie alle Südländer, zur Sommerzeit innerhalb ihrer vier Wände im Dunkeln zu leben.

Sogar Denken strengt an, kann, wenn überhaupt, nur in Zeitlupe erfolgen. Die Kamera oder der Arm oder der Kopf ist zu langsam für den Spatz. Für die zweite Gondel reicht es noch. Die anderen Gäste sind plötzlich weg. Verdunstet ist sie, die Zeit.

Nein, man sollte hier nicht ewig sitzen und mit dem Stuhl verschmelzen zu einer Hitzeskulptur. Ein Schritt aus dem Schatten der Schirme und schon sticht die Sonne wieder richtig erbarmungslos. Aber nun muss sowieso erst mal ein Blick in die Kirche sein. Ach, dort wird Eintritt verlangt. Verweilt man vielleicht deshalb so lange?

Beim Anblick des bescheidenen Haupteingangs an diesem Campiello ahnt man nichts von der Größe des Baus. Noch dazu hält sich die Seite, die dem Campo San Giacomo zugewandt ist, derzeit mit einem „verplanten“ Gerüst versteckt. Eigentlich hätte ich dort den Haupteingang vermutet. Innen gibt es viel zu sehen in eingenartig diffusem Licht, neben einer Gemäldegalerie sogar Fossilien; die Deckenmalereien sind von Paolo Veronese.

So sieht die Rückseite aus, wenn sie unverhüllt ist. Die Kirche stammt aus dem neunten Jahrhundert und ist eine der ältesten Venedigs. Im dreizehnten Jahrhundert sie erneuert und dann über die Jahrhunderte durch Anbauten ergänzt und häufig renoviert; so enthält sie Stilelemente bis zum Barock. Durch die nachträglichen runden Anbauten wirkt das Gebäude ein wenig wie zusammengestückelt, auf jeden Fall strahlt es einen eigenwilligen Charme aus.

Beim Verlassen der Kirche verweilt der gefällige Blick noch ein wenig auf dem Ponte Ruga Vecchia

und dem reizenden Campiello mit dem Pozzo dahinter. Auch Andere suchen den Schatten. Vielleicht ist es ihnen sogar zum Streiten zu warm.

Noch einmal vorbeischlendern an den verwaisten Tischen des Refolo, wo sich an Sonntagen zahlreiche italienische Familien zum mittäglichen Pizzaessen versammeln sollen. Ich vermute stark, dass man dann echte Geräusche wahrnehmen wird, mit oder ohne Hitze, und dass das Parlando crescendo auch die in der Nähe liegenden Innenhöfe und Plätze erfüllen wird, böig aufwehend. Denn Il Refolo heißt Die Böe. An diesem Mittag hatte sie ihrem Namen keine Ehre gemacht.

Limoncina Ja, Witta und ManEater, immer wieder! Solange die Stadt noch steht, sollte man sie besuchen – langweilig wird es nie!

Tina Die Bilder sprechen für sich, Venedig ist einfach schön!

Al Bagolo – Venedig

Santa Croce 1584, Campo San Giacomo dell‘ Orio, 30135 Venezia

27.07.2011

Da ist man bereits zum vierten Mal in Venedig und entdeckt diesen Campo erst jetzt! Der sehr große Platz ist unterteilt und führt um die gleichnamige Kirche herum. Eine Seite des Campos fühlt sich sehr weit an und der kleine Brunnen in der Mitte kommt einem fast verloren vor.

Ein Einheimischer überprüft seinen Einkauf und der hechelnde Hund freut sich vielleicht über ein kleines Päuschen an diesem schwülen Abend.
Hier befindet sich, an der Mündung zu einer Gasse, das Lokal Al Bagolo . Geht man etwas weiter, ändert der Platz sein Gesicht: Platanen spenden Schatten und vermitteln das Gefühl, in Südfrankreich zu sein.

Der Campo San Giacomo dell’Orio ist einer der wenigen Plätze in Venedig mit Baumbestand. Links um die Ecke, an der Seitenfassade der Kirche vorbei, gelangt man zur Ponte Ruga Vecchia an einem stillen „Hinterhof“ des Campo mit dem Restaurant Il Refolo.

Vorher kommt man noch an einem Supermarkt vorbei, wie ein Juwel versteckt im Erdgeschoss eines Eckhauses mit spektakulärer wunderschön begrünter Terrasse darüber. Lebensmittel und Supermärkte sind rar in Venedig, deshalb tatsächlich wertvoll, und hier bekommt man wirklich alles. Entsprechend viele Einwohner, darunter viele ältere, trifft man dort und auf dem Weg mit ihren Einkaufswagen oder -taschen, oft begleitet von kleinen Hunden.

Auf diesem Platz gibt es keine Andenkenläden, hier vermischen sich die Touristen, ein gutes Stück weg von San Marco und Rialto, auf wohltuende Weise mit den Venezianern. Hier hat man das Gefühl, als Reisender ein wenig dazuzugehören, wenn auch nur für kurze Zeit, und bekommt einen Eindruck vom echten venezianischen Leben, ohne goldene Masken, Café Florian, Gritti Palace und Bellini.

Gleich bei der Ankunft gab uns die Vermieterin den Tipp, rund um den Campo ein Restaurant aufzusuchen, sie seien alle ganz in Ordnung oder gut. Am ersten Abend fand hier ein Tangoabend statt. Die Laternen tauchten den Platz unter den Platanen in magisches Licht, in dem sich Paare selbstvergessen zu Tangoklängen drehten – wunderschön!

Heute nehmen wir hier, Al Bagolo, einen Apéritif. Hier kann man essen, vom Panino bis zur Fischplatte, oder nur etwas trinken, auf jeden Fall aber gut „Leute gucken“. Da ist was los, laufend kommen Menschen um die Ecke, manche mit Rollkoffern vom Bahnhof aus, auf der Suche nach ihrer Unterkunft. Hmmm, die Oliven und die Chips sind gut! Am Nebentisch unterhalten sich zwei junge Männer aus Spaß in mehreren Sprachen, wir rätseln so lange, was für Landsleute es sein mögen, bis wir heraushören, dass sie in jeder Sprache einen Schweizer Akzent haben.

Eine ungefähr zehnköpfige Gruppe junger englischer Frauen und Männer will sich niederlassen. Der Ober stellt Tische zusammen und stibitzt freie Stühle von anderen Tischen, auch von unserem. Hektik kommt auf, die fast etwas ungemütlich wird. Dann wird es wieder ruhig. Unsere Nachbarn fixieren alle jungen hübschen Frauen, die vorbeigehen oder gerade Platz nehmen – „Her mit den kleinen Engländerinnen“? Erstaunlich ist an diesem Abend, dass alle Freundinnenpaare nicht wie Zwillinge oder Klone wirken, wie so oft, sondern wie Pat und Patachon, auf jeden Fall kontrastreich: eine hyperschlank, die andere äußerst üppig, eine platinblond, die andere rabenschwarz. Die zwei jungen Männer schauen und schauen, machen leise Bemerkungen. Ob sie wohl fündig werden? Oder wollen sie es beim Gucken bewenden lassen? Sehr amüsant, ich grinse vor mich hin.

Als wir die verlangte Rechnung sehen, vergeht mir das Schmunzeln, wir bekommen einen Schreck: 22 Euro für einen Aperol und einen Martini… Ach so, da ist ja noch ein Pollo aufgeführt, doch wir hatten kein Huhn! Die weibliche Bedienung, die il conto gebracht hat, zieht eine missmutige Miene, entschuldigt sich auch nicht, sondern rafft den Zettel mürrisch an sich und verschwindet, um danach die korrigierte Rechnung zu bringen. Die Schweizer amüsieren sich mit uns auf Deutsch über den merkwürdigen Irrtum. Als die Bedienung, immer noch ohne ein Wort und von einem Lächeln kann schon gar nicht die Rede sein, das Geld genommen hat, lässt sie versehentlich(?) ein Tablett zu Boden krachen, hebt es unwirsch auf und geht im Stechschritt zum Lokaleingang zurück. Na, gut dass wir beschlossen hatten, zum Essen ein anderes Restaurant aufzusuchen. Schade, soviel schlechte Laune an einem doch einladenden Ort! Obwohl, eigentlich herrscht nach meinem Empfinden an dieser Ecke sowieso zu viel Durchgangsverkehr, um hier in Ruhe zu essen und länger zu verweilen.

Sehr schade ist aber vor allem, dass wir am nächsten Abend schon abreisen, denn es gäbe noch so viel zu sehen. Unter den Platanen würde morgen zwar kein Tango getanzt werden, aber das Fest des San Giovanni Benedetto stattfinden. Die ersten „Zeltküchen“ sind bereits aufgebaut, verschwitztes Standpersonal zischt erst mal ein Bier. Auch Biertische und Bänke stehen schon parat – das Beten steht hier bestimmt nicht im Vordergrund. Eine junge Frau nutzt die Möblierung im Freien, um an ihrem Laptop zu arbeiten. Andere stellen spontan ihre Wasserflaschen ab und packen Panini aus, um zu picknicken in der einsetzenden Dämmerung. Und wir gehen weiter, um ein Restaurant zu suchen.

Lenz Sehr schöne Momentaufnahme.

Limoncina Danke, Lenz.

Abendankunft /Arrivare la sera – Venedig

San Polo 2508, Calle de Ca‘ Dona‘ O Del Spezier, 30125 Venezia

22.07.2011

Im unscharfen Venedig am Abend ankommen

mit der unscharfen Dämmerung

sich über die unscharfen Kanäle nähern

durch unscharfe Lichtfarben gleiten

hat einen ganz besonderen Zauber

Wieder weggespült, die unscharfen Tagestouristen

Wer jetzt noch unscharf kommt oder bleibt, ist leiser.

Manchmal finde ich Unschärfen schön, auch wenn oder weil sie nicht gewollt waren.

Auszeichnung für "Very Important Qyper", kurz "VIQs"

flifu Man sollte beim Fotografieren öfters mal bewusst Unschärfen einsetzen – das ergibt oft großartige Fotos.

Limoncina Ja, flifu, man kann gut damit spielen und schöne Effekte erzielen. Absichtlich mache ich das aber eher selten, bei abstrakten “Fotomalereien” oder zum Beispiel bei Detailaufnahmen, wenn der Hintergrund unscharf sein soll.

Giardino Storico di Palazzo Soranzo Cappello – Venedig

Rio Marin 770, Santa Croce, Venezia

20.07.2011

”Un Giardino Incantato
Forse che si, forse che no”

“Ein verzauberter Garten
Vielleicht, vielleicht nicht“

”Un jardin encorcelé
Peut-être, peut-être pas”

”An enchanted garden
Maybe, maybe not”

Wer auf die irrwitzige Idee kommt, Venedig im Hochsommer bei extrem schwüler Hitze zu besuchen, ist selber schuld. Die Wasserflasche wird sogar für Marsianer der A-Klasse und Wasserverschmäher wie mich zum notwendigen ständigen Begleiter, Schattensuchen (La ricerca dell’ombra/HUNTing for shadow, yes!/A la recherche d’ombre) eine neue sportliche Disziplin, doch nur in Zeitlupe ausgestrahlt, und sogar die SIESTA erweisen sich als INDISPENSABLE, oui, mes amis français! Je vous comprends! You understand? Versteht ihr? Avete capito? Io stupida. C’est la chaleur/It’s the heat/Es ist die Hitze/Sarà a causa dell’afa!

Manche kaufen sich einen Schirm gegen das Glühen von oben!

Am späten Vormittag findet mein Begleiter am späten Vormittag, wir sollten eine Grünfläche besuchen – wegen der Hitze und überhaupt! Gute Idee. Auf dem Stadtplan hat er, gar nicht weit von unserem Apartment, einen grünen Fleck ausgemacht, der jedoch namenlos ist. Auf dem Weg dorthin landen wir in einer Sackgasse und müssen umkehren.

Kein öffentlicher Park, nirgends. Jedenfalls nicht hier. Dann eben nicht.
Doch 20 Meter zurück, neben einem Palazzo (presse meine Nase gegen die Scheibe der Eingangstür und sehe eine große beeindruckende Halle), schimmert Grün durch einen schmalen Durchgang und, neugierig wie immer, luge ich hinein. Eher eine Wiese als ein Garten – in der Stadt, im Sestiere Santa Croce (wie schön ist es da!). Und eine junge lesende Frau, dort mitten auf einem Plattenweg auf einem Stuhl sitzend, hebt den Kopf, fragt, nachdem ich ein paar italienische Worte von mir gegeben habe, ob ich Spanierin sei (Oh! Mein Spanisch ist, ähm, so gut wie nicht vorhanden, jedenfalls sprechtechnisch gegenüber dem Italienischen, was hat das nun zu bedeuten? Egal) und, weil nicht der Fall, erklärt sie auf Italienisch, dass es sich um einen zum Palazzo gehörenden Garten handele, der sich nach hinten noch fortsetze und den wir gern besuchen könnten, gratis noch dazu. Ach. Also nichts wie rein.

Auf den ersten Blick sieht man nicht viel mehr außer einem bisschen frischem Wiesengrün, doch unausgesprochen erwartet man mehr.
Der Garten, der zum Palazzo Soranzo Capello gehört, ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Doch diesen Sommer ist er für sechs Wochen geöffnet. Während dieser Zeit fand eine Ausstellung zeitgenössischer Skulpturen und Installationen statt. Unser Besuch fällt zufällig in diese Zeit, drei Tage vor Schließung des Gartens – Glück muss man haben!

Der Palazzo wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Nachdem die wohlhabende Familie Soranzo hier gelebt hatte, wurde das großzügige Gebäude von weiteren Familien bewohnt, unter anderem der Familie Capello. Später befand sich im Palast vorübergehend eine Kaserne und im letzten Jahrhundert stand der Palast mehrere Jahrzehnte leer, bis es restauriert wurde. Heute ist der Palazzo Sitz der Soprintendenza per i beni architettonici et per il paesaggio per le province di Venezia, Belluno, Padova e Treviso, frei übersetzt, der Oberen Architektur- und Landschaftsaufsichtsbehörde für die Provinzen Venedig, Belluno, Padua und Treviso.

Die Skulpturen und Installationen der Ausstellung bilden einen interessanten Kontrast zu den alten Statuen, darunter vor allem Darstellungen römischer Herrscher.

Kurz hinter dem Eingang steht diese Skulptur, mit dem Rücken zum Eingang, in die Weite des ersten Gartenteils blickend. Meiner Erinnerung nach heißt sie „Burning Man“.

Leider sind die Namen der Werke von gestern bis heute aus dem Internet verschwunden. Für die, die es interessiert, hier die Namen der Künstler: Matteo Basile, Corrado Bonomi, Jessica Carroll, Aron Demetz, Marco Fantini, Giovanni Frangi, Michelangelo Galliani, Paolo Grassino, Andrea Salvetti, Wainer Vaccari, Nicola Verlato und Velasco Vitali.

Die Ausstellungsmacher gaben den Künstlern Folgendes auf den Weg:

“Gli artisti sono invitati a confrontarsi in questo contesto di altro pregio, sono giunti a risultati artistici del tutto personali, cogliendo in vario modo gli aspetti più interessanti della relazione tra scultura e natura.”

“The artists are invited to confront themselves with this peculiar background taking the most interesting aspects of the relationships between artworks and nature.”

Ich empfinde es als sehr gelungen, welche Plätze sich die Künstler für ihre Werke ausgesucht hatten. Mal ergibt sich ein spannender Kontrast zwischen Kunst und Natur, mal ist die Skulptur oder Installation in die Natur integriert, wie mit ihr verwachsen.

Der Hund hat seinen Platz unter einem grünen Laubengang gefunden.

Von der offenen Wiese, die eine Nutzgartenecke enthält, geht es durch einen Durchgang in den hinteren Gartenteil, der wiederum aufgeteilt ist, auch ein kleines schattiges Wäldchen gibt es.

Aus dem Nest gefallene oder gesprungene Eier, manche haben es nicht überlebt…

Herausgerissen?

Am Ende des Gartens befindet sich ein Tempel im griechischen Stil, seine Rückseite wird von der Einfriedungsmauer gebildet. Der Tempel diente den früheren Bewohnern als Theaterbühne.

Zu den alten Statuen haben sich vorübergehend neue gesellt.

Ich glaube, der antike Held blickt etwas missbilligend auf das glänzende verfettete Medialwesen…

Ihm geht es nicht so gut.

Die beiden da oben ziehen es vor, über alles hinwegzuschauen.

Wie wär’s mit einer kleinen Pause?

Ach, ich beneide die Mitarbeiter der Behörde, die während der Pausen das Privileg genießen dürfen, diesen parkähnlichen Garten ganz für sich allein zu haben!

Was für ein Blick von den Fenstern und dem Hintereingang aus!

Etwas versteckt an einer Seite geht es durch ein kleines Tor in einen Innenhof, der ebenfalls Skulpturen enthält.

Dort entdecke ich direkt hinter der Eingangstür lauter Zigarettenstummel. Kommen sie nicht weiter als bis dorthin, die Beamten? Sehen sie den Charme dieses wundervollen Gartens nicht mehr? Aber vielleicht muss es ja schnell gehen und die Pausen sind kurz oder sie sind einfach respektvoll und erledigen das Rauchen hier, bevor sie ausschwärmen und sich am Grün delektieren? Wer weiß.

Hier ist etwas „korrodiert“, die menschlichen Beziehungen, wenn ich mich recht an den Titel erinnere.

Langsam schlendern wir zurück, obwohl das Verlassen der grünen Oase schwer fällt. Ein kleines Café wäre nett gewesen, um den Durst zu löschen und noch ein wenig zu verweilen.

Wasser! In der Nutzpflanzenecke befindet sich diese blumenbunte Gießkanneninstallation.

Ein Naturwerk, ohne Künstlerbeteiligung.

Erfrischend war er, der Besuch des Gartens, in der Stille – wieder so ein Kleinod in dieser ohnehin immer auf‘s Neue faszinierenden Stadt. Und überhaupt ist es doch lohnend, sich beim Flanieren dem Zufall des Augenblicks zu überlassen.

Ob der Garten verzaubert war, wie das Motto der Ausstellung nahelegte? Auf jeden Fall durchaus bezaubernd! Mit und ohne Ausstellung.

PS: Übrigens stellte sich später heraus, dass es sich um die anonyme Grünfläche im Stadtplan handelt…

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