Javea – der Hafenort

Die Costa Blanca gehört zu den Regionen, die mich früher eigentlich nicht interessiert hatten. Ich verband sie vor allem mit sehr viel Tourismus und deutschen sowie englischen Kolonien von Rentnerwohnsitzen. Aber dann flog ich doch hin… Irgendwie hatte ich nämlich im Herbst 2006 das Gefühl, keinen Sommer gehabt zu haben und ein bisschen Erholung brauchte ich auch.

Ich googelte ein bisschen und erfuhr, dass es Orangenhaine gibt, dass das Klima an der Costa Blanca zu den angenehmsten und gesündesten der Welt gehört und dass es im November noch recht warm und sonnig sein soll. Als Ort kam für mich von Vornherein nur Jàvea in Frage, kein reiner Touristenort, überschaubar, aber nicht winzig, mit Hafen und Altstadt und viel Natur drum herum. Wir kauften Billigflugtickets nach Alicante (man kann auch Valencia anfliegen, das südlich von Jàvea liegt), 100 Kilometer von Jàvea entfernt, reservierten übers Internet einen Mietwagen (in Spanien miete ich nur noch über doyouspain, preisgünstig, transparent, unkompliziert; man kann sich das lästige Volltanken vor der Rückgabe ersparen) und ergatterten auch noch ein wunderschönes Haus mit Garten und Pool in schöner Lage für 250 Euro die Woche.

Die Mietwagenübergabe am Flughafen von Alicante war dann aber doch etwas komplizierter und langwierig, weil wir erst mit anderen Fluggästen zusammen mit dem Wagen zur eigentlichen Anmietstation gefahren wurden. Als wir endlich im Dunkeln unser Ferienhaus gefunden hatten – es lag in einem Einfamilienhaus- und Villenviertel ein paar Kilometer vom Ortskern entfernt -, war es schon 21 Uhr. In Panik hatte ich vorher schon den Hausmeister angerufen, um ihn vorzuwarnen bzw. die Schlüsselübergabe zu regeln, aber ich verstand sein Spanisch nicht richtig. Mit typisch deutschem schlechten Gewissen (völlig umsonst) und etwas gestresst kamen wir an – und stellten fest, dass die Putzfrau und der Gärtner noch am Werke und längst nicht fertig waren… Wir sollten uns gedulden, wenn auch nicht bis mañana, sondern nur eine Stunde. Also stellten wir unser Gepäck ab und fuhren erstmal in den Ort, um an der Promenade des Hauptstrandes El Arenal erste Seeluft zu schnuppern. Dort herrschte tote Hose, die Promenade sah viel zu breit und überdimensioniert (wer weiß, vielleicht ist sie für den Sommeranstrom gerade breit genug?) und kahl aus, fast völlig unbegrünt oder sonst wie hübsch gestaltet, und es war zu allem Überfluss auch noch etwas nasskalt. Ich war müde und ich hätte mich am liebsten zurück nach Hause gebeamt, um mich auf mein Sofa zu kuscheln. In einer Kneipe trösteten wir uns mit einem Glas Wein und fragten uns, jeder für sich, ob wir es an diesem Ort wohl die gebuchten neun Tage aushalten würden. Doch, wir hielten es aus, sogar sehr gut.

Der Hafenort ist zwar, im Unterschied zur etwas im Landesinneren gelegenen Altstadt, architektonisch überhaupt kein Kleinod, sondern wirkt zu großen Teilen ziemlich lieblos und ungeplant hingeklotzt (und es wird rege weitergebaut, wenn auch mit weniger Beton – ich fotografiere aber lieber das Schöne…), doch wir fanden uns ab und ein. Bei dem unglaublichen Sonnenlicht dort, das die Farben intensiv leuchten lässt, konnte ich sogar der kargen Strandpromenade mit den etwas einsamen vereinzelten Palmen im Sand etwas abgewinnen. Es hat so eine reduzierte Ästhetik und wenn man in einer der Tapas-Bars sitzt, es sich gut gehen lässt und über die Promenade hinweg aufs weite Blau guckt, wird man ganz ruhig.

Okay, vielleicht war ich ja auch nur dankbar wegen des guten Wetters, das sich bald einstellte und bis zum Urlaubsende anhielt… Man kann dort auch mal ganz nett bummeln, obwohl die Geschäfte nicht so interessant sind und einige in der Nachsaison geschlossen sind. Dagegen fanden wir selbst in unserer Wohnsiedlung zwei kleine Supermärkte, die auch sonntags den ganzen Tag geöffnet hatten. Ein Laden hatte vorwiegend deutsche, der andere vor allem englische Kunden, die darauf hingewiesen wurden, dass sie bereits den Weihnachtsbraten bestellen konnten. Das bestätigt, dass sich dort viele Nordeuropäer niedergelassen haben, allerdings keineswegs nur Rentner: Zufällig kamen wir an einem englischen Kindergarten vorbei und ein Zettel am Gemeindehaus kündigte auf Englisch an, wann man sich zum Basteln der Weihnachtsdekoration treffen würde.
Offenbar das ganze Jahr über geöffnet haben wohl die meisten Kneipen und Cafés am Strand, von denen viele sehr hübsch eingerichtet sind und auch windgeschützte Plätze im Freien haben. Etwas netter als dort ist es aber am Ende des Strandes, vor dem Hafen, denn dort befindet sich auch ein Ministück Altstadt mit hübscheren Häusern. Sogar die Strandpromenade ist dort schöner, kein Beton, sondern…, ein paar Palmen mehr, man blickt auf den kleinen Hafen, der auf einer Seite durch das Ende der Bucht eingerahmt wird. Wir haben dort einmal sehr leckeren Fisch gegessen, vielleicht fällt mir der Name des Restaurants noch ein.

Sehr amüsant fand ich die Kleidungsgewohnheiten der Flaneure. Ich hatte im letzten Moment noch ein Sommerkleid eingepackt und konnte mein Glück kaum fassen, dass ich das nach Mitte November sogar mal tragen konnte. Die meist älteren Dauerresidenten aus dem Norden trugen gern beigefarbene Sommerhosen oder Shorts mit kurzärmeligem Hemd oder T-Shirt (von Socken mit Sandalen will ich hier gar nicht reden…). Die Spanier hingegen… führten beim Promenieren schon die neue Winterkollektion vor: Die Männer trugen Pullover trotz Sonne und die Señoras schicke Winterstiefel und -jacken. Alles zusammen ergab ein sehr kurioses Straßenbild.

Am allerbesten gefallen hat mir die Umgebung von Jávea, vor allem die wilde Steilküste im Süden Richtung Cabo de la Nau. Dort fuhren wir öfter zur schön gelegenen Bucht la Granadella, zwar mit Kieselstrand, aber idyllisch zwischen hohen Felsausläufern gelegen und fast menschenleer.

Das Wasser war noch sehr warm und zum Schwimmen gut geeignet. Zur Saison ist die Bucht aber bewirtschaftet, es gibt Restaurant und Kiosk sowie Erste-Hilfe-Station. Schon allein der Weg dorthin ist wunderschön, denn er führt, nachdem man eine hübsche Villensiedlung durchquert hat, über eine leicht geschlängelte Straße

am Rand des Parque Natural del Montgó (der Montgó ist ein Berg bis zu 753 Metern Höhe und das von weitem sichtbare Wahrzeichen der Stadt).

Im Nordwesten von Jávea liegen auf einer Anhöhe, schön exponiert, die Windmühlen(ruinen), die vom 14. bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren. von dort oben hat man einen weiten Blick auf Jávea und Umgebung. Interessanter als das Panorama fand ich jedoch die eigenartig schöne bis bizarre Atmosphäre dort oben, zwischen den Ruinen, Zypressen, Kakteen und Natursteinmauern.

Auch das Gelände, auf dem der Leuchtturm liegt, im Norden Jáveas Richtung Dénia, sollte man sich ansehen.

Der Leuchtturm liegt am Cabo San Antonio, 160 Meter über dem Meer. Von hier aus hat man wirklich einen schönen Rundumblick, muss nur vor lauter Begeisterung aufpassen, dass man nicht die Felsen hinabstürzt…
Auch ansonsten gibt es entlang des Küstenstreifens noch viele schöne Spazierwege mit Aussicht und kleine Nebenstraßen mit Traumblicken aufs Meer.

Mich hat überrascht, wie grün und farbenfroh, so ganz unherbstlich, dieses Fleckchen Erde im November im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Südeuropas, aussah. Am letzten Tag vor der Abreise habe ich so lange im Liegestuhl unter einem Orangenbaum gelegen und noch einmal die Farben und die Luft aufgesogen, dass ich nicht loszueisen war und wir fast zu spät zum Flughafen gekommen wären. Obwohl sich manche meiner Vorurteile oder Vorinformationen bestätigt hatten, überwog doch das Positive und ich werde dort vielleicht noch einmal Urlaub machen, wenn mich in Deutschland mal wieder die Novembertristesse überkommt.

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Eine Antwort zu Javea – der Hafenort

  1. Georg schreibt:

    Fein, einen wunderschönes Haus mit Pool suchen wir auch gerade…. :-))

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