La Courtine in Cluny

Letzten September habe ich in diesem B&B bzw. Chambres d’hôtes (wenn wir schon in Frankreich sind) in Cluny eine Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Südfrankreich gemacht und es nicht bereut. Das renovierte und umgebaute alte Bauernhaus direkt am Flussufer hat sehr viel Charme. Vom gekiesten Innenhof mit einem kleinen, von Pflanzen umsäumten Rasenstück und Sitzgelegenheiten geht es ein paar Stufen hinauf auf die lauschige, begrünte überdachte Terrasse. Das Haus, das offenbar ganz entspannt von einer jungen Familie geführt wird, mit Hunde- und Katzenanschluss, hat nur wenige Zimmer. Der Empfang der jungen Chefin war freundlich und unkompliziert.
Mein Zimmer lag im ersten Stock und war über eine schmale steile Holztreppe zu erreichen. Das Chambre Bleue war geräumig und kuschelig zugleich, liebevoll eingerichtet, mit Balken und einem niedrigen, bis auf den Boden reichenden Fenster mit Blick auf Brücke, Fluss und das dahinter gelegene Stadtzentrum. Auch das angrenzende Bad war sehr hübsch gestaltet, mit alten Armaturen am Waschbecken.
Man erreicht die wunderschöne Altstadt mit vielen kleinen Restaurants in fünf Minuten zu Fuß. Wer zum Essen in der Nähe bleiben will, findet gegenüber dem Haus im Innenhof ein italienisches Restaurant, dessen Qualität ich nicht beurteilen kann; es war gut besucht, vor allem von Familien.
Zufällig wurde abends irgendwo ein Feuerwerk veranstaltet, das ich von meinem Zimmer aus beobachten konnte – perfekt! Als ich am nächsten Morgen zum Frühstück wollte, nahm ich eine Tür zu früh von der Terrasse aus und stiefelte geradewegs in die große private Küche, in der gerade Familienbesuch saß – sowas sieht mir ähnlich, aber die Reaktion war sehr locker und ich wurde durch die Verbindungstür in den richtigen Frühstücksraum nebenan geleitet. Was heißt Frühstücksraum? Die Gäste frühstücken im privaten Wohnzimmer der Gastgeber gemeinsam an einem schönen großen alten Esstisch. Der Raum ist unkonventionell eingerichtet und sehr hübsch dekoriert mit einer Mischung aus provenzalischem Stil, Antiquitäten und Mitbringseln von Fernreisen. Man kann beim Essen in aller Ruhe den Blick durch den Raum schweifen lassen bis zur privaten Sofaecke. Die beiden Hunde schliefen derweil hinter mir in ihren Körbchen. Ich setzte mich auf einen freien Stuhl, zwei andere Gäste gingen gerade, und so unterhielt ich mich mit dem noch verbleibenden Tischnachbarn, einem Archäologen aus Paris, der gerade eine Art Arbeitsurlaub machte. Die Atmosphäre war sehr leger und weil netterweise nichts Abgepacktes und Portioniertes auf dem Tisch stand, hieß es dann schon mal “Reichen Sie mir bitte mal die Butter” oder “Oh, was für eine selbstgemachte Marmelade ist das denn, haben Sie sie schon probiert?” Als ich in der Küche zahlte, halfen die Kinder gerade beim Putzen und der kleine Sohn drückte mir einen Schwamm in die Hand, damit ich mitmache, süß! Am liebsten wäre ich noch eine Nacht geblieben, weil es so sympathisch war und auch, weil ich mir für die Stadt und die Abtei gern mehr Zeit genommen hätte. Das ist was für echte Frankreichfans und Menschen, die mehr Wert auf Atmosphäre als auf genormten hypermodernen Komfort und Anonymität legen, gut geeignet für Alleinreisende, die sich beim Frühstück bestimmt nicht langweilen oder einsam fühlen müssen.
Ich war sicher, Fotos gemacht zu haben, finde sie aber nicht. Fast vermute ich, die Bilder sind in meinem Kopf abgespeichert, denn ich glaube mich zu erinnern, dass es sich um einen der wenigen Urlaube handelte, in denen ich die Kamera bewusst zuhause gelassen habe.

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