Landgasthof zum Rössle – Dietenbach 1, 79199 Kirchzarten

Ich könnte jetzt kurz und bündig schreiben: Zweiter Besuch ebenso positiv verlaufen wie 2009. Aber…, na ja, ihr kennt mich… Sucht euch doch einfach aus, ob ihr die neue oder alte Version lesen wollt, lach!

Dieses Jahr gibt es viele letzte und nun wirklich allerletzte Sommertage, heute war auch wieder so einer. Also rein ins Auto und ab in den schwarzen Wald, denn in Flachlagen kann ich im Oktober auch noch draußen sitzen. Ich wollte nämlich etwas essen, im Grünen, mit Aus- und/oder Weitblick. Gegen Durchblicke habe ich aber auch nie was.

Vorbei an Hinweisen auf Himmel und Hölle, wie sie im schwarzen Wald häufig vorkommen, reihte ich mich ein in die Touristen-Autoschlange Richtung Titisee, einen Ort, den ich meide, außerdem wollte ich vorher abbiegen in Richtung Ravenna-Schlucht. Von dort war ich nämlich vor drei Jahren schon mal über eine hübsche Landstraße auf ein ganz entzückendes Restaurant mit noch schönerem, weil freien Blick gestoßen und genau diese Terrasse schwebte mir für heute wieder vor. Nur, die Straße war weg, ich landete in staubigen Sackgassen, wendete hier und dort – und gab auf.

Stattdessen beschloss ich dann, ins Wilhelmstal hinter Oberried zu fahren, denn dort gibt es am Waldrand ein paar sehr urige Bauernhofgaststuben. Doch: Straße gesperrt, Durchfahrt nur bis zum ersten Gasthaus. Das sah aber wenig wirtlich aus und außerdem gab es eine Familienfeier. Mist. Die Sonne war auch schon verschwunden. Die Lokale in Ried gefielen mir nicht, so direkt an der Straße, und dort standen ebenfalls Hochzeitsgesellschaften bis aufs Trottoir. Noch lange fahren wollte ich nicht wegen des Wetters – und meines Magens, der knurrte.

So beschloss ich, dem Rössle einen zweiten Besuch abzustatten, es lag fast auf dem Rückweg. Aber, was sollte das, eine Umleitung! Nun gut, also musste ich mich von der anderen Seite aus nähern.

Von weitem sah ich es schon, einen Bauernhof im Rücken (ich). Und die Bewohner auf der Gartenbank ebenso. Vor jedem Hof saßen sie. Schauten in die Landschaft, genug Holz für den Winter hatten sie schon vor den Hütten gestapelt. Sicher merkten sie sich jedes Auto, das die Umleitungsstraße hin- und wieder zurückfuhr. Nun, hoffentlich hatte das Lokal geöffnet! Es hatte. Uff! Anfahrt mit Hindernissen.

Am Haus nebenan, mit den Parkplätzen davor, verlockten mich wieder die Fenster.

Und dann wurde alles gut. Die meisten Mittagsgäste waren schon gegangen, so gab es viele freie Tische – und zum Glück immerhin noch die Nachmittagskarte mit ein paar pikanten Gerichten oder Kuchen.

Ach, auch wenn ich nicht in Höhenlagen gelandet bin, so habe ich doch einen wunderbaren Ausblick! Zwischendurch sogar mal ohne angelehnte Fahrräder. Denn laufend fielen diese Mutanten ein, unabhängig vom Alter mit so komischen durchlöcherten Helmen auf dem Kopf, damit noch Luft ans Hirn kommt, und Wurstpellen am Körper, allerdings nicht Naturdarm, sondern Synthetik, dafür aber schön bunt. Den anderen Teil der Gäste machten norddeutsche Touristen aus, groß, blond, zumeist alt und mit sichtbaren Gelenkproblemen. Eine Ausnahme bildete das nette Paar am Nebentisch.

Eigentlich stand mir der Sinn nach Maultaschen oder Käsespätzle, aber dafür war es mir zu schwülheiß, also bestellte ich einen Brotsalat mit Schafskäse, Rauke und Tomaten. Schmackhaft war er schon, wenn auch nicht gerade elegant zu essen… Rauke ist ja naturgemäß etwas sperrig und das geröstete Brot in ganzen Scheiben war es ebenso, noch dazu krachte es bei jedem Bissen, na ja, so nah stand der nächste Tisch ja nicht. Die Äpfel an den Schatten spendenden Bäumen waren diesmal, im September, natürlich reifer als vor zwei Jahren im Juli, bei meinem ersten Besuch. Während ich heute dort saß, fielen fünf dicke Exemplare von der Baumkrone über mir herab, mit dumpfem Aufprall, doch alle hübsch auf den Boden und nicht auf mich, den Teller oder ins Glas.

Schön ist es hier, ein beschaulicher Ort, un havre de paix, hier wird man ganz Zen. Wer dieses Gasthaus nicht mag – auch die charmante Dame vom Service hat eine unaufdringlich freundlich-ruhige Art –, dem ist nicht zu helfen.

Noch ein Blick in verbotene Bereiche des Grundstücks und über das kleine Paradies hinaus. Ein Garten Eden mit so vielen Äpfeln!

Bevor ich zurückfuhr, sah ich mir noch den Grund der Umleitung an. Oh, eine Brücke wurde abgebaut, das ehemalige Idyll sieht vorerst zerstört aus. Der Zufahrtsweg zum „Kernort“, wie seltsam, zurzeit nur für Radfahrer und Fußgänger erlaubt, soll wohl künftig über ein anderes kleines Sträßchen erfolgen – oder wird die Brücke vielleicht neu gebaut? Na ja, solange ein Kreuz über Allem wacht…! Auf jeden Fall liegt der Kernort entgegengesetzt vom Paradies.

Kaum saß ich im Auto, begann es zu regnen. Vorbei, der Sommertag – doch gut getimed! Und dass ich nicht dort gelandet bin, wo ich wollte, hatte auch sein Gutes, denn mag ich es nicht viel lieber, wenn es etwas lichter, heiterer und weniger streng aussieht? Nur zum Spazierengehen bin ich nicht mehr gekommen, egal.


(Erster Eindruck Juli 2009)

Was meine Erfahrungen mit idyllisch gelegenen Landgasthäusern betrifft, so handelt es sich um ein Auf und Ab… Hier, im Landgasthof Zum Rössle, habe ich gestern eines der Aufs erlebt. Ich bog von der sonntags viel befahrenen B31 auf Höhe von Kirchzarten in Richtung Dietenbach ab und folgte der schmalen Straße. Auf die Idee kam ich, weil ich der unübersehbaren Ausschilderung eines anderen Gasthauses folgte. Außerdem dachte ich mir, wenn die Wirtschaft mit dem Wegweiser nicht nach meinem Geschmack wäre, würde ich doch zumindestens ein neues Stück Landschaft entdecken.
Nach kurzer Zeit überquerte ich einen breiten, romantisch von Bäumen begrünten Bach, die Brugga, wie ich nun weiß.

Die Straße ist schmal, so dass man langsam fahren muss, außerdem befindet sich dort eine Kurve. Auf diese Weise wird man leicht auf das Gasthaus jenseits der Brücke aufmerksam.

Sofort erspähte ich dann, dass zum Haus ein Biergarten gehört, der lauschig aussieht mit den klassischen schönen Eisen-/Holzmöbeln. Ich vergaß das andere Lokal auf der Stelle, fand sogar einen schattigen Parkplatz am Straßenrand und setzte mich an einen freien Tisch am hinteren Rand, so dass ich den kompletten Biergarten im Blick hatte.

Neben Sonnenschirmen schützte vor der Hitze auch ein Blätterdach – die gekieste und ein bisschen mit Gras durchwachsene Terrasse wird von Apfelbäumen beschattet, was ich besonders hübsch fand! Ich weiß nicht, was passiert, wenn einer der Äpfel herunterfällt, aber ich hatte Glück und die anderen Gäste auch… 🙂

Auf jeden Fall fühlte ich mich sofort wohl in dem Garten und das ging neben den Stammgästen auch allen anderen so, die wie ich das Lokal vom Auto oder Fahrrad aus erspähten und einfach Halt machen mussten.

Die freundliche weibliche Bedienung ließ nicht lange auf sich warten. Es war nachmittags und ich musste mir, wie fast überall üblich, etwas von der Vesperkarte aussuchen. Wäre es doch nur schon 18 Uhr gewesen, dann häte ich mir eine Vorspeise einverleibt, und zwar die Kaninchenterrine… Ich bestellte einen “pikaten” Rindfleischsalat mit Radieschen und Brot und ein Viertel trockenen Spätburgunders.

Damit war ich allein auf weiter Flur, denn für die anderen waren Kaffee und Kuchen, Eis oder kühle Erfrischungsgetränke angesagt. Die Kuchen sahen übrigens sehr gut aus!
Das Pikante meines Salats bestand in erster Linie darin, dass der Koch, übrigens der Chef des Hauses, es etwas zu gut mit dem Pfeffer gemeint hatte (die Radieschen waren eher mild). Etwas mehr Salz hätte jedoch nicht geschadet – aber Salz- und Pfeffermühle wurden mir ohnehin gleich mit dem Essen auf den Tisch gestellt. Dem Lollo rosso auf dem Teller wäre etwas mehr Feuchtigkeit sprich Dressing, gut bekommen, er war aber in Ordnung. Insgesamt war das Gericht jedoch schmackhaft (die Küche bezieht übrigens die meisten Zutaten von den umliegenden Bergbauernhöfen). Etwas enttäuscht war ich auch von der halbierten Scheibe Landbrot, weil sie recht dünn geschnitten und wohl auch deshalb an der Grenze zum Trockenwerden war – in so einem Lokal, das etwas auf seine Küche hält und durchaus feinere Gerichte auf der Karte hat (siehe Website), müsste ein Brotkorb mit frisch geschnittenen Brot Standard sein.
Die vier Sterne gebe ich großzügig wegen des schönen friedlichen Ambientes, der netten aufmerksamen Bedienung und des Potenzials, das ich angesichts der Karte vermute. Am Nebentisch hörte ich nur Lob über das Essen, unter anderem über die ungewöhnliche Kombination von Erbsensuppe mit Jakobsmuscheln.

Das Publikum war sehr gemischt und wechselte häufiger: Familien mit Kindern – sowohl Eltern im einfachen T-Shirt mit Jeans als auch die Touristen aus dem Norden mit feineren Poloshirts und Sprösslingen namens Paulina und Klara in hübschen rosa Sommersonntagskleidern – waren ebenso vertreten wie ältere Ehepaare (ein Herr wie aus aus einem alten Riviera-Film mit langärmeligem zartrosa Hemd und hellem Sommerfrischen-Strohhut), ein paar Einzelwesen wie ich, aber auch die junge Frau mit kurzem Tigerlillykleid und älterem Galan, das Spät-Hippie-Pärchen in Jesuslatschen und einige Mountainbiker. Und alle fühlten sich wohl (die Fotos der Tische entstanden in der Pause zwischendurch, als kurz Leerlauf war).

Das Gasthaus verfügt auch über ein paar Zimmer. Der maritime Hutherr und Gattin, die dort eigentlich nur zufällig zum Kaffeetrinken dort waren, sahen sich Speisekarte und Zimmer an und quartierten sich spontan ein.

Für Städter, die ruhiges Landleben suchen, ist dieser Ort auch wirklich gut geeignet. Hinter dem Apfelbaumgarten fließt ein kleiner Bach, auf der anderen Seite des kleinen Stegs beginnen Wiesen, auf denen die Kinder umhertollen können und man hat einen schönen Blick ins Grüne und auf flachere Schwarzwaldausläufer.

Das ist ein Lokal, das ich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal besuchen werde. Innen gibt es zwei Gasträume, die ich mir aber nicht angesehen habe.

Übrigens, an dem ausgeschilderten Gasthaus bin ich, als ich später der kleinen Straße weiter folgte, auch noch vorbeigekommen. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass ich mit meiner spontanen Wahl besser gefahren war.

PS: Ich las gerade auf der Website des Gasthofs, dass er im Mai neu eröffnet hat. Vielleicht ist das der Grund, warum ich noch nicht davon gehört hatte.

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2 Antworten zu Landgasthof zum Rössle – Dietenbach 1, 79199 Kirchzarten

  1. cablee schreibt:

    Optisch sieht der Brotzeitteller köstlich aus!

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