Las Casas de la Judería – Casco antiguo, Calle Santa María la Blanca 7, 41004 Sevilla

Nach je zwei Tagen in kleinstädtisch- idyllischem Ambiente in Granada und Cordoba graute mir, ehrlich gesagt, vor der Millionenstadt Sevilla und ich bedauerte, dass wir diesen Ort nicht zuerst besucht hatten.

Ohne Navi ist die Verkehrsführung ja auch nicht die einfachste, aber trotzdem schafften wir es irgendwie, anscheinend sogar ohne Umwege, die Straße unseres Hotels zu finden. Straße? Ähm, Gässchen. Mit superhohem Bordstein. Da konnte man nicht mal eben um die „Kurve“ biegen, auch nicht mit unserem knallroten Mini-Leih-Seat. Also nochmal zurück und ein bisschen vor und wieder zurück – schwitz, geschafft (ich, Beifahrerin, geriet auch ins Schwitzen – na ja, immerhin 37° im Mai…). Am Ende der Sackgasse (wo ist denn hier die angebliche Hotelgarage?!) ließen wir das Autochen stehen und checkten ein. Man nahm uns den Autoschlüssel ab mit den Worten, man würde sich um den Wagen kümmern. Prima!

Unser Zimmer befand sich im Erdgeschoss, mit direktem Zugang auf einen schönen großen Innenhof. Das Bett hatte, wie oft in Spanien üblich, vier martialisch anmutende, oben spitz zulaufende Bettpfosten, aber das kannten wir schon und fanden es lustig. Das Zimmer war nicht überragend, aber recht geräumig, geschmackvoll eingerichtet, angenehm und kühl und hatte ein schönes großes Bad. Das Beste: Im Innenhof, quasi vor unseren Füßen, gab es eine wunderbare Sitzecke, die außer uns nie jemand benutzte und wir hatten das Gefühl, in einem Privathaus zu wohnen – herrlich!

Dabei ist das Hotel recht groß, aber so verschachtelt, dass man sich wie in seinem kleinen Kokon fühlt. Das Hotel besteht aus mehreren Häusern – „las casas“ – mit mehreren Höfen auf verschiedenen Ebenen, sogar mit unterirdischen Verbindungsgängen, und bei unseren neugierigen Erkundungsgängen haben wir längst nicht alles entdeckt (danke an einen Vorschreiber, der die Kamera draufgehalten hat!).

Wir waren sehr angetan und zufrieden mit unserer Wahl, weil das Hotel so hübsch ist (es gibt auch einen schönen überdachten Patio mit Brunnen, wo man sich etwas zu trinken bestellen kann, siehe Foto) und besser als in diesem wunderschönen Altstadtviertel kann man kaum wohnen. Unser Mietauto haben wir völlig vergessen und alles zu Fuß unternommen und besichtigt.

Den Frühstücksraum mit für spanische Verhältnisse gutem Frühstücksangebot (Buffet) fand ich überraschend klein, aber es gab keinen Andrang. Abends, wenn es sich etwas abgekühlt hatte, haben wir in Restaurants der Umgebung gegessen – die sevillanische Küche hat seither einen Stein im Brett bei mir. Mittags waren wir beide Tage in dem Cafè, auf das man direkt zusteuert, wenn man aus dem Hotel tritt und das Quersträßchen überquert. Wir hatten u.a. sehr gute Gazpacho und das junge Bedienungspersonal war sehr freundlich.

Auch wenn wir im Hotel im Grunde nur nachts waren oder mal zwischendurch, um uns von den anstrengenden Fußmärschen in der glühenden Hitze etwas auszuruhen (ich sage nur: Blasen – und dann Pflaster – an den Fersen wegen der zu dieser Jahreszeit ungewohnten Sandaletten), hat sich der Aufenthalt für uns gelohnt.

Übrigens, als wir auscheckten, befand sich unser Mietwagen zu unserem Erstaunen nicht in der kleinen Tiefgarage des Hotels, sondern in einer öffentlichen, circa fünf Minuten Fußweg entfernt. Ein Angestellter des Hotels begleitete uns dorthin und wir bekamen unser Auto problemlos zurück.

Obwohl nach unserem Empfinden alles mehr als in Ordnung war und wir uns sehr wohl gefühlt haben, vermute ich, dass die Casas de la Juderia nichts für Menschen sind, die Wert auf absolute Perfektion legen. Es ist eher ein Haus für romantische Individualisten oder individuelle Romantiker. Ich gebe fünf Sterne für das Preis-/Leistungsverhältnis (Sevilla ist ohnehin nicht billig), die wunderbar zentrale und trotzdem ruhige Lage, die verschachtelte verwunschene Architektur, die eher an Privathäuser denn an ein Hotel denken lässt – und wenn ich das nächste Mal nach Sevilla komme und keine Ferienwohnung miete (das wäre für mich noch der Gipfel, lohnt sich gut für eine Woche), dann werde ich mich wieder hier einquartieren.

Vor Sevilla als Millionenstadt graut mir übrigens gar nicht mehr. Es ist meine liebste Großstadt geworden und hat Paris auf Platz zwei und Prag auf Platz drei verdrängt. Nur noch die Kleinstadt Venedig steht davor…

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