Le Moulin de la Wantzenau

Von Weinen, einer Wassermühle, wilden Tieren und so

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Vorsicht, lange Einleitung!

Madame Peitavy vom Weingut Mallemort in Puisserguier im Languedoc war wie immer gut drauf. Sie übernimmt meist die Kundengespräche, während ihr ebenso netter Mann eher im Hintergrund bleibt und sich um die Kartons kümmert. Diesmal schmeckten uns deren Merlot sowie der Rosé am besten. Monsieur Devillaire vom Château Candeley im Bordelais, der einen zuverlässig guten Entre deux Mers und auch meist guten Bordeaux supérieur anbaut, saß diesmal und war ungewöhnlich still, während seine Frau aktiver war.

Natürlich kamen wir auch auf das Wetter in diesem harten Spätwinter zu sprechen und erfuhren von mehreren eingefrorenen Wasserleitungen und ausgefallenen Heizungen (sofern es nicht ohnehin nur ein paar rollende Elektroheizkörper vorhanden sind, an denen die EDF – Electricité de France – ziemlich gut verdient – Manche sagen ja, sie regiere das Land…) in den zumeist alten Winzerhäusern.

Madame und Monsieur Petit aus Saint Magne de Castillon posierten auch für ein Foto, das mir jedoch wie viele Bilder unscharf geriet, da ich nicht blitzen wollte. Na, wenigstens wollte ich auf deren gute Weine hinweisen, den Castillon côtes de Bordeaux sowie den Saint Emilion grand cru.

Wie fast jedes Jahr bin ich auch diesmal mit Freunden zum Salon des vins des vignerons indépendents nach Straßburg gefahren. Diesmal waren wir zu neunt. Es ist immer ein Erlebnis, „seine“ Winzer wiederzusehen, freundlich begrüßt zu werden und Neuigkeiten auszutauschen.

In drei Stunden hatten wir unsere Stammwinzer besucht, die Weine gekostet und unsere Bestellungen aufgeben. Wie immer hatten wir vor, noch Weine von anderen, uns unbekannten Winzern, zu probieren, doch ebenfalls wie immer ließen uns unsere Gaumen im Stich, jedenfalls meiner. Selbst der Bandol wollte nicht mehr degustiert werden – schade!

Stattdessen ging es an den lästigen Teil des Messebesuchs: Die zurückgelegten Weine abholen. Inzwischen sind wir gut ausgestattet und haben eigene Chariots dabei. Wer unvorbereitet kommt und mehr als einen Karton mit nach Hause nehmen will, für den gibt es die Karren zu erwerben. Und dann ging das übliche Fragespiel los: Wer geht an welchen Stand, holt man gleich für die Freunde die Kartons mit ab und lädt sie in den eigenen Kofferraum – das gibt später immer ein lustiges Umpacken auf dem Hotelparkplatz – oder wie oder was? Da gibt es die Strategen und die Chaoten, wer hatte noch welche Quittung, fängt man bei Gang A an und arbeitet sich vor oder wie oder was? Das ist immer lustig und ich habe gelernt, mich völlig rauszuhalten und die Kommandoführer sich selbst zu überlassen. Lieber unterhalte ich mich noch mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte. Zumal einem beim Gucken auf die Nummern und Schilder nach drei Stunde eh schwindelig wird. Alles verschwimmt, und das völlig ohne Rausch.

Themenfremder Einschub

passager

Roter Teppich
ausgerollt
nicht für sie
die dennoch geht
unerkannt
nicht mal gestreift.
Von Glück-Wunsch
ganz zu schweigen.

(das fiel mir spontan zu diesem Bild ein)

Und jetzt kommt der Hauptteil, die eigentliche „Bewertung des Platzes…“

Nach dem Messebesuch ging es ins Hotel, zur Moulin de la Wantzenau im Dorf La Wantzenau, nicht weit von Straßburg entfernt und das war auch gut wo, denn die Füße und Rücken taten weh, außerdem begannen die Mägen zu knurren.

Die Gebäude liegen ganz ruhig in der Pampa, an der Ill. Ursprünglich war dort einmal nur die Wassermühle, ein streng wirkendes großes Gebäude aus ebenso strengem grauen Stein. Doch sobald man das Innere betritt, fühlt man sich heimelig. Für Optimisten und Raucher standen Mitte Februar schon Sitzgelegenheiten unter dem Vordach bereit. Elsassgelb trägt das Restaurant direkt gegenüber, das wie ein Wohnhaus wirkt.

Schon war es auch Zeit, ins Restaurant zu gehen und sich erst einmal an einem Apéritif zu laben. Wir waren sehr erfreut, dass man für uns einen separaten Raum reserviert hatte, wir alle an einem großen Tisch sitzen konnten und die anderen Gäste nicht mit unserem Gequatsche störten.

Natürlich fielen wir wieder auf – in dieser Gruppenkonstellation geht es immer ein wenig verrückt zu (ich erinnere mich an einen schlimmen Lachkrampf und das war noch harmlos) –, weil , weil eine meiner Freundinnen die rosa Blumen vom Tisch nahm und gegen die roten von der Kommode dahinter auswechselte – das Pink tat ihrem Ästhetikgefühl nicht gut – peinlich, also wirklich… Kaum stellte sie den letzten Topf auf den Tisch, kam die männliche Bedienung, schüttelte den Kopf, tat empört und – nahm MIR den Fotoapparat aus der Hand; ich war gerade aufgestanden, um ein Gruppenbild machen. Na, was sollte das denn…, ich war doch unschuldig… Alle stutzten, doch er befahl dann nur, ich solle mich woanders hinstellen, er drückte ab und so kam ich auch mit aufs Bild.

Etwas seltsam war, dass es nicht genügend Speisekarten gab – nur vier standen für uns Neun zur Verfügung. Menüs gab es von 18 bis 51 Euro, wenn ich mich recht erinnere.

Die bestellten Vorspeisen schmeckten alle gut, ob Magret de Canard mit Salat, Schnecken, die Cremesuppe (von was, hab ich vergessen) mit frittierten Flusskrebsen und der Rest auch.

Als Hauptgericht wählte ich Ragout vom jungen Vogesenwildschwein, das butterzart war und von einer köstlichen Sauce begleitet wurde. Als Beilagen gab es Spinat, Spätzle und Topinambur. Vom Zander meiner Nachbarin zur Rechten hörte ich nur lobende Worte, ja sogar, es sei der beste Zander, den sie je in ihrem Leben gegessen habe. Das will schon was heißen, kann ich euch sagen! Meinem Nachbarn zur Linken war nach Stubenküken, das auch sehr gut mundete, obwohl oder weil es in einer – sehr guten – Sauce schwamm, allerdings war die Rustikalität des Tellers etwas verstörend: einfach ein Berg Pommes Frites auf der anderen Tellerhälfte und das war’s. Darüber hinaus schmeckten die Pommes nicht mal besonders gut – außen irgendwie hart-zäh und innen zu weich. Na, wenigstens hatte er genug Fleisch, der arme Mann. Auf anderen Tellern befanden sich Filets vom Lamm und vom Reh, jeweils in Pollock’scher Dripping-Manier auf dem Teller drapiert und – wie ich vernahm, war es vorzüglich.

Eigentlich war ich zu satt für ein Dessert, doch Teilen geht ja auch – und es kam nur La Trilogie de Chocolats noirs Alto el Sol in Frage, oui!!! Wenn es Schokokuchen gibt, muss ich ihn essen. Ein gar köstliches Küchlein mit flüssigem Schokokern war es zudem, ein Eis mit weißer Schokolade und eine Creme, die besser als jede Mousse schmeckte. Die Tarte aux pommes kam kalt auf den Tisch, was den beiden Esserinnen nicht behagte. Die Bedienung meinte, das gehöre so im Elsass – na, ich weiß nicht – und brachte dann doch Beides zum Aufwärmen herbei. Weiterhin gab’s Cappuccino von exotischen Früchten und keinerlei Beschwerden.

Schon vor dem Café wurden weitere köstliche Knabbereien gebracht, die das Schlachtfeld auf Hübscheste garnierten, aber kaum mehr in die Mägen fanden. Ja, ich hatte Bandol zum Essen, den ich auf dem Weinsalon nicht mehr kosten konnte, jedoch vom sehr guten Weingut Pibarnon, das ich schon von Besuchen vor Ort kenne.

Wir waren, auch wie üblich, die letzten Gäste, die das Servicepersonal in den Feierabend entließen. Noch dunkler als am Tag, doch exotisch angestrahlt, schaute uns das Hotel an. Nur, wir kamen nicht hinein, es gab nämlich einen Code und darüber hatte uns die Empfangsdame bei der Ankunft nicht informiert. Ich hatte mir nichts überzogen für den kurzen Weg und begann zu bibbern, bis mir ein gütiger Herr seine Jacke überwarf. Zum Glück kam noch jemand ins Restaurant, dort telefonierte jemand geschwind und wir kamen zu unserer Geheimzahl.

Erschöpft vom Messebesuch, dem Essen und dem vielen Reden schlief ich recht gut, trotz der Feng-shui-Chi-schädlichen Balken über meinem Kopf. Leise und beruhigend rauschte der Bach dazu. Weil die Fenster geschlossen waren… Öffnet man sie, glaubt man, der wilde Fluss würde direkt ins Zimmer branden! Es gibt aber auch Zimmer zur anderen Richtung, Geräuschempfindliche sollten bei der Reservierung um ein Zimmer zum Hof bitten.

Wir waren schon einmal in diesem Hotel, Anfang bis Mitte der 90er. Damals waren die Zimmer – es gibt sie von 15 bis 40 Quadratmeter – noch anders dekoriert, mir gefiel es damals besser, aber die meisten anderen mochten die neue Gestaltung lieber: Früher war jedes Zimmer in anderen Farben gestaltet, in Rot-, Blau-, Gelb- oder Grüntönen, auf eine eher kuschelige, doch nicht kitschige Art (die Fotos auf der Website scheinen sich noch auf früher zu beziehen). Nun waren die ersten zehn Zimmer frisch renoviert werden und wir waren die ersten Gäste, es roch noch neu. Etwas zu quietschig-grüner Teppichboden, jedoch schöne Vorhänge in Grün, Pink und Weiß, nur leider dazu noch eine gelbe Wand, autsch, das war mir zuviel. Trotzdem würde ich es nochmal wagen – der Rest stimmt einfach.

Das Frühstücksbuffet (Kaffee, Schokolade und Tee werden frisch gemacht an den Tisch gebracht) in einem kleinen freundlichfarbenen Raum war ausreichend (es gab auch Wurst und Käse, Müsli, frische Früchte) – für mich gab es, wie immer im Elsass, den obligatorischen Guglhupf mit Butter.

An den Frühstücksraum grenzt die Lounge mit Kamin und – ebenfalls modernisierter – Sitzecke in ziemlich mutigen Farbkombinationen; auch eine Bar gibt es.

Noch ein letzter Blick ins Gesträuch und Gebäum und auf den Fluss – noch romantischer muss es hier im Sommer sein, wenn alles grün ist, doch die Sicht aus dem Fenster ist auch so ansehnlich – und wir machten uns sternenförmig auf den Heimweg. Schön war’s wieder!

Nachspann

Nach einem kurzen Stop bei einem Bäcker (ein Guglhupf wollte mit nach Hause) döste ich so vor mich hin, ließ gedanklich alles nachklingen und – sah eine Fata Morgana. Sofort anhalten! Im winterlich verblassten Gras manifestierten sich vor milchigem Himmel und schwarzen Ästen einige Lamas und ein Dromedar. Alte Pferderassen weideten friedlich mit ihnen vor sich hin. Seltsam, seltsam. Strauße ist man ja schon gewohnt, aber sowas… Beim Weiterfahren entdeckten wir ein Schild: Ein Zirkus weilte im Ort.

Der Nachspann war doch kurz, oder?

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Eine Antwort zu Le Moulin de la Wantzenau

  1. rotewelt schreibt:

    2013 war ich nicht beim Weinsalon, sehr ungewöhnlich. Überhaupt waren diesmal nur zwei unserer Freunde dort. Und die hatten dann Trauriges zu erzählen bei ihrer Rückkehr: Monsieur Devillaire vom Château Candeley im Bordelais war nicht mehr da, er ist gestorben.

    Komisch, mit ihm verbinde ich den Anfang unserer Besuche dieser sympathischen Weinmesse, obwohl wir die erste Einladung von einem Winzer von der Rhone bekamen. Monsieur Devillaire war derjenige, der uns immer sofort erkannte und freudestrahlend begrüßte, der fragte, wo ich sei, wenn mein Begleiter mal allein kam; er war der, der uns immer seinen großen chariot lieh, damit wir mit unseren Freunden die Weinkartons von den verschiedenen Winzern einsammeln und zum Auto bringen konnten, er war der, der uns alljährlich handschriftliche Einladungen verschickte und uns auch zu sich auf sein Weingut einlud. Bisher hatte es nicht geklappt, wir waren schon länger nicht mehr in der Region, aber falls, hätten wir ihn und seine Frau selbstverständlich besucht.

    Im Februar 2014, mal wieder zu meinem Geburtstag, was bisher nur ein- oder zweimal vorkam, ist es wieder so weit, der Weinsalon findet statt, aber ich habe keine Lust, diesmal nach Strasbourg zu fahren, es würde mich schmerzen, Monsieur nicht zu sehen – und ich bin nicht die Einzige. Aber ich weiß nun auch, warum er 2012 so still war und fast immer auf seinem Stuhl saß.

    Er war für mich/uns die Seele dieser Wein-Messe.

    PS: All jenen, die keine schmwerzenden Erinnerungen mit diesem interessanten Weinsalon verknüpfen, sei ein Besuch nur empfohlen. Wo sonst kann man sich über die Weine aller französischen Anbaugebiete informieren, sie kosten und kaufen.

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