Vorfrühling im Stadtgarten – Freiburg

20. März 2011, ein Tag vor dem astronomischen Frühlingsbeginn

Schüchtern kleinweißer Flaum, umrahmt von dunkler Jahreszeit, deutet von weitem den Frühling an. Immerhin.

Beim Nähertreten wundere ich mich, denn dieser Baum ist nur ein Vorbote zu mehr buntem floralem Treiben und humaner Triebigkeit. Ganz Freiburg schoss hinaus, platzte aus den erdigen Wohnhöhlen, wie die Halme und Knospen. Alle Bänke besetzt. Als Passant, ob jung oder alt, schön oder nicht ganz schön, spielt man Laufstegmodel, ohne Honorar, dafür darf man die Kleidung selbst auswählen, die irgendwo zwischen Wollschal und T-Shirt spielt. Röcke, frische Farben, Auffälliges oder gar Exzentrisches scheinen bei der humanen Spezies Friburgensis jedoch nicht heimisch zu sein, gedeckt sind die Töne, schlicht die Schnitte bei Jung und Alt, sicher ist es Respekt vor der Natur, man lässt ihr farblich den Vortritt…

So tritt der Mensch nicht in Konkurrenz zum knalligen Märzgrün, das sich dreist wie Maigrün gebärdet.

Und erst recht nicht zum Rosa, Frühlingsrosa, das doch immer vergeht. Wie die Kondensstreifen. Und immer wiederkehrt. Mal früher, mal später als erwartet.

Sogar schlichtes Weiß leuchtet. Blütenweiß. Wie frisch gewaschen. Rebellierend gegen den blauen Himmel, wie Ariel – Paradise lost…?

Ach nein. Doch abgehärtet sind sie schon, die Freiburger, lagern lümmelnd auf dem Rasen, als hätte er schon Betriebstemperatur.

Zart Besaitete flüchten wie die Hörnchen in die Bäume.

Verstehe ich, zwischen Magnolienknospen lässt es sich bestimmt gut aushalten.

Andere versuchen es mit Bewegung. Jemand hat den Freiburger Rasen gar schon mit sommerheißen Gefilden verwechselt, doch die erstaunten Blicke wärmen sicher Herz und Nieren.

Luftig ist‘s in jedem Fall, wie in den Seifen-Blasen. Fang sie, fang sie dir, fang sie ein, aber sei behutsam, lass sie nicht platzen, die schillernden Träume! Warte, bis sie sich ganz von allein auflösen, hab nur ein wenig Geduld und schau ihnen solange zu, genieße die schwebende Buntheit und zehre von ihr, solange du kannst.

Noch ist alles rosa. Gleißend schön. Und, der gefühlte Frühling kommt ja erst noch.

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