Le Café Valmer

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Bis vor ein paar Jahren war das Café Valmer, am Hauptplatz von La Croix Valmer mit plätscherndem Brunnen strategisch günstig gelegen, eine Mischung aus Café-Bar und Crèperie. Schon Mitte der 90 saßen wir dort, im damals noch rustikal-einfachen Ambiente mit netter Chefin und freundlicher schwarzer Hauskatze. Das neue junge Eigentümerpaar hat alles modernisiert und „verfeinert“, sowohl die Räumlichkeiten als auch die Speisekarte.

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Das Urige ist verschwunden, doch unkompliziert wird man dort immer noch bedient, zum Glück! Der blonde Franzose und seine blondierte polnische Frau, die außer Französisch und Englisch nun auch Deutsch lernt, empfangen den Gast auf hemdsärmelig-lässige Art (er mit etwas wärmerem Lächeln als sie, sie dafür im Super-Mini, während eine junge Servicedame ein Tattoo zwischen Jeans und Pulli hervorblitzen lässt)…,

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… obwohl das Lokal, das sich bescheiden Brasserie nennt, inzwischen auch eine Adresse für Liebhaber von Austern und anderen Meeresfrüchten (zum Mitnehmen oder dort essen) geworden ist.

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Und – so vergrault man auch die örtlichen früheren Crèperie-Stammgäste nicht: Auf der Speisekarte findet man noch Galettes, zwar nur drei paar Füllungen zur Auswahl, aber immerhin. Auch drei Sorten Pasta gibt es, ansonsten bilden Fischspezialitäten und ein paar wenige Fleischgerichte den Schwerpunkt. Die Devise des Café lautet: „fraîcheur, qualité, produits de saison, pour tous les prix et pour tous les goûts“ – Frische, Qualität, saisonale Produkte, in allen Preislagen und für alle Geschmäcker – und so ist es auch. Ein sympathisches Konzept!

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Seltener Anblick: kaum Gäste im bevorzugten „Wintergarten“, das lag jedoch nicht an der Jahreszeit (um Weihnachten herum, wie man an der unvermeidlichen Deko sieht), sondern an der Uhrzeit, wir waren spät gekommen und gingen quasi als Letzte am Nachmittag.

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Beim vorigen Besuch hatte ich Jakobsmuscheln auf provenzalische Art gewählt, eine Vorspeise, mit vier Muscheln großzügig portioniert, bestellt. Ich musste nur noch ein paar Bissen vom Salade de chèvre chaud und den Galettes meines Begleiters stibitzen, schon war ich satt. Ein Dessert wollten wir nicht, doch was da unter anderem auf der flugs herbeigebrachten Tafel stand – moelleux de chocolat – warf unsere Entscheidung über den Haufen und wir teilten uns ein Exemplar.

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Der lauwarme Kuchen mit köstlich flüssigem Schokokern, dazu schmackhaftes Vanilleeis und Sahne, war so verlockend und gut, dass ich vergaß, es zu fotografieren… 😉

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Hier lässt es sich aushalten. Und, wichtig, gute Weine gibt es auch, sowohl der offene Hauswein schmeckt als auch einer meiner Lieblingsroten der Gegend, der Château de Chausse (natürlich muss in den Ferien jedesmal auch ein Besuch des Weinguts sein, es soll ja zuhause noch etwas an den Urlaub erinnern…), ein hervorragender Côtes de Provence.

Übrigens hat auch niemand etwas dagegen, wenn man sich zwecks Wifi (so heißt das französische WLAN) in eine ruhige Ecke im Innern des Restaurants verkrümelt und sich stundenlang bei einem Tee aufhält. Da ich zwischendurch arbeiten musste und am gewohnten Ort keine Internetverbindung bekam, floh ich hierher.

Ein wenig Familiarität hat sich das Café Valmer schon auch bewahrt, auch wenn die Katze fehlt. Der Sohn der Eigentümer, blond wie die Eltern, stapfte auf unseren Tisch zu, nahm meinen Begleiter in Augenschein und beschwerte sich, dass der auf „seinem“ Stuhl saß. Später erklärte mir seine Mutter, er habe dort gerade selbst gegessen, augenscheinlich ist das sein Stammplatz.

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9 Antworten zu Le Café Valmer

  1. traeumerleswelt schreibt:

    klingt einladend ! Habe Südfrankreich bisher immer nur gestreift, wird wohl wirklich Zeit mal länger dort zu verweilen…

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  2. richensa schreibt:

    Hört sich wirklich nett an, auch für mich gilt: eine Ecke, die ich bisher noch nicht gesehen habe. Als ich vor einigen Jahren bei Fayence Urlaub gemacht habe, hat mir zwar der Garten mit den Bäumen voll reifer Feigen sehr wohl gefallen, die Umgebung nicht besonders (Müllhalden im Wald, nervigstes Saint-Tropez, Abzockerei allenthalben am Mittelmeer). Aber deine kleinen Perlen lassen doch etwas Hoffnung keimen…

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    • richensa schreibt:

      Jetzt hast du mich (oder besser dein Beitrag) dazu gebracht, mit g***le Straßen-Ansicht rund um Tourette und Fayence zu kurven, damit ich das damalige Domizil wiederfinde!
      Ha! Wiedergefunden: http://goo.gl/maps/Hii92

      🙂

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      • rotewelt schreibt:

        Ha, fündig geworden? 😉 Fayence und Seillans habe ich mal vor langer Zeit einen kurzen Besuch abgestattet, ansonsten kenne ich die Orte westlich, östlich und südlich davon besser (und nordöstlich den Lubéron). Zur Hochsaison ist es schlimm, die Küstenstraßen entlangzufahren, da ist auch St. Tropez überfüllt. Aber ich fand es ganz nett, wenigstens einmal die riesigen Yachten zu sehen – zu komisch, wie die Besitzer nach unten auf den Pöbel schauten, der wiederum mit Kameras bewaffnet zu ihnen hochschaute!
        Bei La Croix-Valmer befindet sich ein Naturschutzgebiet am Cap Lardier, von dort kann man über wunderschöne Küstenpfade und/oder Pinienwald bis nach St. Tropez gehen. Dort in der Natur spürt man nichts von Schickeria und Abzocke.

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  3. cablee schreibt:

    Also durch die abgebildeten Speisen würde ich mich jetzt auch gerne futtern, rotewelt 😉

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