Toplader, gepflastert

Heute habe ich meinen Toplader verarztet. Aber erst einmal von vorn: Seit letztem Jahr habe ich eine Pechsträhne. Erst quittiert der Geschirrspüler seinen Dienst, dann fahre ich mein Auto kaputt, kurz danach verliere ich eine Kontaktlinse, schließlich stirbt die Festplatte meines PCs – alles mit Kosten und Stress verbunden – und nun ist auch noch die Waschmaschine defekt.

Copie de CCI00187

Vorgestern fand ich eine Überschwemmung in meiner Küche vor. Zum Glück kam ich nicht allzu spät und konnte das Schlimmste verhindern. Erst mal den Boden getrocknet, dann flugs die Bedienungsanleitung der Waschmaschine konsultiert unter „Aus der Maschine tritt Wasser“. Aha, das Flusensieb könnte falsch sitzen. Tat es auch, es saß locker. Voll war es außerdem, da ich kürzlich ein weißes Trägertop in der Trommeltür eingeklemmt hatte, das dann hübsch zerfetzt wurde, wodurch seltsamerweise noch die nachfolgende schwarze Wäsche weiß verfluste und von dem nicht unwesentliche Teile im Flusensieb gelandet waren. Vorsichtshalber testete ich die Maschine nun einmal leer im Kurzwaschgang, schaute alle paar Minuten nach und – siehe da, kein Tropfen Wasser trat mehr aus. Anschließend startete ich nochmal mit Ladung und schaute nicht mehr so oft nach. Doch dann, oh Graus, schon wieder eine Überschwemmung. Das Wasser schien von hinten zu kommen. Ob der Ablaufschlauch defekt war? Doch ich bekam die Maschine nicht hervorgezogen und konnte nicht nachschauen.

Also rief ich einen Elektriker herbei, der den Fehler anhand meiner lebhaften Beschreibung sofort fand, kaum hatte er den Deckel gelupft: In der Gummimanschette, auch Faltenbalg genannt, wie ich nun weiß, der sich um die Trommel herum befindet (ich habe eine Maschine, die man von oben befüllt, auf Neudeutsch Toplader) klafft ein Loch. Wie das Loch da hineingekommen ist, ist mir ein Rätsel. Das war sicher das blöde Balg selbst, hat Unsinn gemacht in einer unbeobachteten Minute unter geschlossenem Deckel… Jedenfalls hatte ich keine Schere mitgewaschen wie jemand, der dies in einem Waschmaschinenfehlersuchforum im Internet mitteilte.

Der freundliche Elektriker erklärte mir, Ersatz-Faltenbalg plus Ein- und Ausbau könnte durchaus über 250 Euro kosten. Ich solle mir überlegen, ob es mir das wert sei bei einer fünf Jahre alten Maschine oder ob ich mir ein neues Gerät kaufen wolle. Dann gab er mir sein Kärtchen für alle Fälle sowie den Tipp, ich solle doch mal versuchen, das Loch mit einem Flick zu schließen. Ich fragte, was ein Flick sei, er: Na, so ein Flick, wie für Fahrradreifen. Ach so, ich wusste nicht, dass man in BaWü Flick statt Flicken sagt. Oder ich solle in ein Geschäft für Taucherbedarf gehen, vielleicht könne man mir dort etwas Wasserfestes empfehlen.

Dann sah sich der Handwerker noch meinen Geschirrspüler an, der zickt, weil er kein Wasser mehr zieht, das Abpumpen aber noch schafft, schüttet man etwas hinein. Es war dennoch die Pumpe, leider gelang dem Elektriker der häufig angewandte Trick nicht, das Ding mit einem Schraubenzieher anzuschubsen und in Gang zu setzen. Tja, hier lohnt sich eine Reparatur auf gar keinen Fall, denn der Mann informierte mich nach Ansicht der Seriennummer über das wahre Alter des Geräts: Die zickende Dame befindet sich in der Pubertät, sie ist fünfzehn! Soso, ich hatte sie beim Einzug vor fünf Jahren von den Vormietern, die nur eineinhalb Jahre hier wohnten und sie von deren Vormietern übernommen hatten, die vier Jahre hier lebten. Wenn ich eins und eins zusammenzähle, müssen die die Maschine aber auch schon übernommen oder aus ihrer alten Wohnung mitgenommen haben. Tststs.

Jedenfalls bezahlte ich 60 Euro dafür, dass ein Loch gefunden wurde.

Heute war mir nach Experimentieren zumute. Nach Abenteuer im Vollwaschgang mit Schleudern. Also befüllte ich die Waschmaschine und setzte sie todesmutig in Gang. Nicht ohne sie vorher verarztet zu haben. In Ermangelung bzw. Unauffindbarkeit des Fahrradflickzeugs griff ich zum Pflaster, genauer gesagt zu wasserfestem Blasenpflaster, von dem ich immer viel im Haus habe für die ersten warmen Tage in Sandaletten. Zwei Schichten klebte ich hübsch übereinander. Der Boden blieb trocken. Nun muss ich nur noch ausrechnen, wie teuer das Pflaster wird, wenn ich es bei jeder Wäsche wechsele und soundsoviel Mal im Jahr wasche unter Berücksichtigung einer angenommenen Restlebensdauer der Maschine – und dann muss ich die Summe mit den möglichen Reparaturkosten oder dem Preis einer neuen Waschmaschine vergleichen – hihi!

PS: Zwischendurch habe ich meine PC-Daten brav auf der frischen externen Festplatte gesichert. Und wenn die WaMa läuft, darf ich nun nicht mehr aus dem Haus gehen. Man weiß ja nie.

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11 Antworten zu Toplader, gepflastert

  1. traeumerleswelt schreibt:

    ja, selbst ist die Frau ! 🙂
    das mit der Serie kenne ich, geht eines kaputt, dann folgt mit ziemlicher Sicherheit bald das nächste..wie ein Sog..dann drück ich dir mal die Daumen, dass bei dir nichts mehr nach kommt !!

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  2. ts schreibt:

    Sehr gut gelöst! ich empfehle immer Gaffaband. Es gibt nichts, was man damit nicht flicken könnte. Inzwischen gibt es das Wunderzeug in vielen Farben. Aktuell verwende ich weiss, silber und schwarz. Günstiger als eine neue Maschine ist das allemal. Spannender auch…:-)

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  3. Sofasophia schreibt:

    herzlich gelacht über deinen herrlich geschrieben text.
    blasenpflaster kenn ich erst seit dtld. und erst genau ein jahr – als ich damals in die schweiz zurückzog, hatte ich vorher schon etwa eine woche lang eine superschlimme blase (und die wurde an der mainzer kunstmesse auch nicht besser, weil ich immer am gehen war). da brachte mir mein liebster diese ganz tollen dinger aus der apotheke mit, die sich wie eine durchsichtige haut über die offene wunde legen und danach hatte ich kaum mehr schmerzen. und die heilung ging ruckzug.
    ich hoffe nun natürlich sehr, dass sie auf waschmaschinen die gleiche heilsame wirkung zeigen.
    wohl bekomms!

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  4. Dina schreibt:

    Wunderbarer Text! Das mit der Serie kenne ich auch. 🙂
    Schönes Wochenende dir!
    Liebe Grüße aus Norfolk
    Dina

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  5. haushundhirschblog schreibt:

    Hervorragend, liebe rotewelt, Deine Experimentierfreude. Hoffentlich hält das ne Weile …
    Ein feiner Text außerdem!
    (Jetzt muss ich aber mal schnell in den Keller … wie das ansteckt: die Waschmaschine hab ich heute zu großzügig bestückt, das weiß ich. Bis später dann … )

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  6. Frau Blau schreibt:

    ich staune, dass eine 5 Jahre alte Waschmaschine schon überholt sein soll, wenn eine Zehn davor stünde … okay, heutzutage ist das so, aber fünf? Du hast es erst einmal gut gelöst und das oben benannte Gaffaband fiel mir ebenfalls ein, aber Fahrradflickzeug ist nu och nich teuer und wenn das tut, so why not?!

    solche Serien sind fürchterlich, ich erinnere mich … ach nee, lieber doch nicht 🙂

    herzliche Grüße Ulli

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  7. rotewelt schreibt:

    Danke euch allen für euer Mitgefühl und fürs Mitlachen, denn komisch ist es ja schon auch. Das Blasenpflaster hält übrigens nur eine Wäsche lang, also werde ich mal Gaffaband oder Fahrrad- oder Taucherflicken testen.
    Übrigens ist gestern Abend, als ich kochen wollte, die Sicherung für den Herd rausgesprungen… 😉 Mal sehen, was noch alles kommt…
    Ulli, die WaMa war nicht sooo teuer und da wäre schon zu überlegen, ob man 250 Euro investiert.

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  8. Lakritze schreibt:

    Dafür gibt es doch bestimmt einen katholischen Schutzheiligen –!
    Wo auch immer her — alles Gute für Deinen Haushalt.

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  9. vilmoskörte schreibt:

    Wo hast du denn dieses grandiose „Schallen für bedienung“ gefunden?

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    • rotewelt schreibt:

      Auf einer französischen Autobahntankstelle. Letztes Jahr sah ich noch ein viel lustigeres an einer Zapfsäule, doch ich war zu faul zum Fotografieren und habe die komischen Worte vergessen. 😦

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