Mundlos

Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos, die Mörder… die beiden Männer sind tot und Beate Zschäpe wird wohl nicht reden über die sogenannten NSU-Morde (wobei NSU schon harmlos klingt, nämlich nach Wirtschaftswunder und Auto-Prinzen auf dem Weg nach bella Italia). Die Medien schreiben genug darüber, was bleibt zu sagen…? Nichts. Alles unvorstellbar, dann aber doch hinreichend bekannt: Halbwegs intelligente Menschen mit ausländerfeindlichen Scheuklappen vorm Kopf verschreiben sich dem rechten Fanatismus, ordnen Menschen in erwünscht und unerwünscht ein und werden zu mordenden Bestien.

Die Worte für solche Taten und fürs Wegsehen fehlen mir schon lange.

Nur eines will mir nicht aus dem Sinn gehen: der Name Uwe Mundlos. Mundlos…, was für ein Nach-Name. Fast ein Stigma. Wer möchte so heißen, wer würde sich freiwillig dafür entscheiden? Wie ist man, was tut man, wenn man mundlos heißt, ist? Nicht sprechen kann, nicht einmal mimisch Laute visualisieren wie ein Taubstummer, pardon, Gehörloser (political correctness wird mal übertrieben, mal genau da nicht gefragt, wo sie wichtig wäre) – nichts aufnehmen, nichts hereinlassen, verhungern an der eigenen Unfähigkeit. Mundlos, das lässt mich an Gefangene denken, die sich durch Kronzeugenaussagen freikaufen könnten, es aber lassen, weil ihnen der Mund fehlt, die Worte.

Name als Programm? Wenn ich darüber nachdenke, komme ich auf seltsame Ideen. Ein Mundloser hat sich hier nicht per Sprache geäußert. Er und seine Komplizen haben andere „Ausdrucksmöglichkeiten“ gewählt. Zuschlagen, hinterhältig töten. Und im trauten Heim stehen rosafarbene Hello Kitty-Pantoffeln für den harmlosen Auftritt.

Mundlos… Dieser Name erklärt selbstverständlich nicht die irrationale Ausländerfeindlichkeit. Doch ich bin und bleibe sprachlos angesichts solcher Taten. Das Grauen kann man nicht bis zum Schluss erklären und vielleicht ist das auch besser so. Uwe Mundlos ist seit einiger Zeit endgültig mundtot und mein Mitgefühl hat er nicht. Und auch wenn er sich – plötzlich wieder – mittels seines Mundes, der Sprache ausdrücken  könnte, so würde ich es nicht hören wollen, seine Erklärungen und seine Rechtfertigungen nicht, denn diese Mundlosen gleichen sich alle.

Hauptsache, wir halten nicht unseren Mund.

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PS: Ach ja, ich vergaß Herrn Wohlleben. Wohl bekomm’s, das Leben.

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6 Antworten zu Mundlos

  1. Sofasophia schreibt:

    das like-it meint natürlich nicht die fakten, über die du schreibst, sondern wie du die dinge beim namen nennst. ich hatte beim namen mundlos auch sehr ähnliche assoziationen.
    stigmata, die wir per geburt, durch familiären „fluch“ sozusagen, mit auf den weg bekommen, können eine last sein, aber es liegt in unserer hand, wie wir sie handhaben.
    danke, dass du den mund nicht gehalten hast …

    • rotewelt schreibt:

      Ja, ist das nicht seltsam, welche Assoziationen ein Name, ein Wort manchmal auslösen kann? Ein Name kann sicher auch ein Stigma sein, eine Last, da stimme ich dir zu, Soso. Aber es ist sicher nicht immer einfach, das abzulegen.

  2. Frau Blau schreibt:

    ein Thema, dass mich schon mehrfach sprachlos gemacht hat, ja auch lähmen kann, mich dann wieder aufrüttelt meiner Fassungslosigkeit Worte abzuringen und nicht wie die drei Affen zu werden, nur weil ich es an sich nicht aushalte, nicht begreife … nicht begreifen will-
    du hast das alles in diesem Beitrag wunderbar in zu Wort gebracht, dafür danke ich dir sehr!

    liebe Grüße
    Ulli

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