Ein verlassenes Hotelrestaurant – die Luisenhöhe

Verlassene Häuser, vor allem alte Hotels, ziehen mich magisch an und so musste ich mal wieder umherstromern, das Gebäude umschleichen und hinter jede Ecke, in jeden versteckten Winkel schauen, ein wenig Grusel inbegriffen… Eigentlich hatte ich aber erhofft, ein lebendiges Haus vorzufinden…

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Doch seit ein paar Jahren schon steht es nun verwaist da, das 1897 erbaute und wunderschön gelegene, wenn auch etwas streng wirkende (wie ein sehr großes Forsthaus oder ein überdimensioniertes Hexenhaus), ehemalige Hotel-Restaurant Luisenhöhe in Horben bei Freiburg. Benannt wurde es nach Großherzogin Luise von Baden.

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Ein paar Tische und Stühle findet man noch auf der Terrasse, doch der Biergarten ist schon lange unmöbliert und verlassen. Das Glas einiger Gartenlaternen ist zerbrochen. Nur das schöne Tor zum Biergarten und zur Terrasse wirkt noch unversehrt.

Der neue Eigentümer wollte die Luisenhöhe zu einem Vier-Sterne-Hotel machen. Trotzdem sollte es aber auch – vor allem der Biergarten – für spontane Ausflügler offen bleiben. Doch bislang ist daraus nichts geworden. Erst sollte in nur 500 Metern eine größere Windkraftanlage entstehen, wie die Badische Zeitung berichtete, aber der Wind im Hexental reichte dann wohl doch nicht aus für die optische Umweltverschmutzung, hihi. Und nun heißt es, weil das Hotel aus dem 19. Jahrhundert kernsaniert wurde, gilt es plötzlich ein Neubau. Und das bedeutet, dass es außen angebrachte Fluchttreppen geben muss. Die gibt es sogar, habe sie selbst gesehen! Doch sie entsprechen nicht den Vorschriften. Und warum? Es sind Wendeltreppen, doch nach den neuesten Regelungen müssen es Treppen mit Plattformen sein! Was soll man zu all dem Behördenbürokratiekram sagen? Würde das Haus noch als Altbau gelten, hätte es diese Auflage nicht gegeben. Es erscheint mir völlig absurd und willkürlich! Und das ist kein Aprilscherz!

Wer weiß, vielleicht verfällt das Hotel irgendwann und niemand mehr wird sich dort auf ein Bier, auf Kaffee und Kuchen oder ein Mittags- oder Abendmahl niederlassen dürfen. Das wäre wirklich schade, habe ich doch dort ein paarmal gern gesessen, die lauschige Stille im Baumschatten genossen und dazu denk- bis merkwürdige Gespräche an Nachbartischen mitbekommen. Doch heute keine Bedienung… Stattdessen hatten es sich mehrere Menschen auf den Wiesen rund ums ehemalige Hotel gemütlich gemacht und blickten in die Weite – die Lage auf 650 Metern Höhe ist eben ein Anziehungspunkt. bei guter Sicht kann man hier bis ins Rheintal, den Kaiserstuhl und zu den Vogesen schauen.

Hier – und nicht das erste Mal – frage ich mich: Warum konnte man nicht einfach alles lassen, wie es war – „gutbürgerlich“ die Küche, schmackhaft, der Service freundlich? Warum bloß wollte man nach den (vier) Sternen greifen? Die Hotelzimmer kenne ich nicht, aber In das frühere Restaurant kamen Spaziergänger, sportlich gekleidete Radfahrer, die unterwegs Rast machen, aber auch Familien und Paare im Sonntagsstaat sowie ein paar Individualisten – eine schöne bunte Mischung. Doch angeblich verlangt der anspruchsvolle Gast heute anderes, Moderneres. Daher hielten auch viele Menschen, die für einen Abriss und Neubau waren, den neuen Eigentümer Toni F. Schlegel für verrückt, weil der nur sanieren will – wenn er noch will. Es ist wie verhext…

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Obwohl das Haus (das ich heute nicht fotografieren mochte, alles sträubte sich) noch nicht verfallen ist, wirkt es doch wie eingeschlafen, auf immer oder zumindest noch lange Zeit. Ob ein Prinz kommt, der…? Dornenhecken gibt es zwar nicht, aber der schwarze Wald drum herum ist noch ziemlich abweisend. Nur ein paar Wiesen und Bäume schmücken sich hier schon mit Grün und Blüten.

Ich wünsche der Luisenhöhe, dass sie überlebt. Und wenn sie schon saniert werden soll, dann behutsam, so wie Herr Schlegel sicherlich seine auf den Namen „Luise“ getaufte Tochter behandelt. Und außerdem wünsche ich dem Haus, dass dort nicht nur Herzoginnen, sondern auch ganz normales Fußfolg weiterhin zum Speisen willkommen sein werden und von diesem schönen Platz profitieren dürfen.

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PS: Eigentlich wollte ich die Überschrift „Ein Hotelrestaurant im Dornröschenschlaf“ nennen, doch als ich ein wenig recherchierte, sah ich, dass schon die Badische Zeitung auf dieselbe Idee gekommen war… und klauen will ich ja nicht.

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14 Antworten zu Ein verlassenes Hotelrestaurant – die Luisenhöhe

  1. Sofasophia schreibt:

    und du hast es sozusagen wachgeküsst hier? 🙂 schööön!

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  2. traeumerleswelt schreibt:

    wäre wirklich schade, wenn dort oben alles verfallen würde ! So schöne Plätze sollten erhalten bleiben ! 🙂

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  3. zeilentiger schreibt:

    Ein spannender Bericht! Da habe ich mich im Geiste gern mit um die halbgespenstischen Ecken herumgeschlichen – und hoffe, der Ort belebt sich wieder für das ganz normale, bunte „Fußvolk“.

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    • rotewelt schreibt:

      Ja, hoffen wir das beste für die Luisenhöhe und die Gäste! Ich habe dort beim Umherschleichen keinen (Zeilen)tiger gesehen, aber der verwunschene Ort eignet sich sicher hervorragend für Katzen. 😉

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  4. Ulli schreibt:

    ja, es wäre doch schön, wenn die vier sterne am himmel blieben und die luisenhöhe auch für fahrradfahrerInnen und wanderInnen erhalten bliebe …
    ein feiner bericht, liebe rotewelt!!!

    herzlichst ulli

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  5. Sylvia Kemming schreibt:

    Um die Luisenhöhe habe ich auch schon getrauert… Schade bloß, dass drumherum so viel gebaut wurde. Lieber rotewelt – hast Du diese Seite schon an die Gemeinde Freiburg geschickt?

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    • rotewelt schreibt:

      Da bin ich wenigstens nicht allein, danke, Sylvia. Ich war seit April 2014 nicht dort, vielleicht gucke ich mal, wurde seitdem noch gebaut in der Gegend? Nein, ich habe meinen Text nicht an die Gemeinde Freiburg geschickt – sollte ich vielleicht…?

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  6. Serge aus Frankreich schreibt:

    Wir hatten mehrere angenehmen Aufenthalt im Hotel und natürlich in das Restaurant ! Wenn ich Millionär wäre restaurirte ich neu gleich wie es ist … unterzeichnet: ein Französisch sicherlich traurig …

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  7. Serge aus Frankreich schreibt:

    Vielen Dank für Ihre Grüsse ! Gibt es was neues ?… Bestes Gedächtnis und von mir Auch Grüsse.

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