Wortklauberei

Eine Zeit lang hatte ich beruflich auch mit Juristen zu tun – harte Zeit, harte Socken, diese Menschen, ähm, Männer, und sie waren ja sooo korinthenkackerisch, schwierige Spezies!

Ich bemühte mich, meine Texte normal, verständlich und leserfreundlich zu formulieren für Nichtjuristen und Normalmenschen, wie es meine Aufgabe war, und trotzdem juristisch korrekt, wurde aber immer wieder zur Raison gerufen und es gab etliche Wortklaubereien.

Wie ich schon öfter sagte, hier und anderswo, mag ich Rechthaberei ja überhaupt nicht, eher mag ich Gerechtigkeit (doch im Juristischen geht es ja sowieso nicht darum, sondern nur um bisweilen absurdes Recht und Recht haben – wie leider oft im Leben…). Aber trotzdem und gerade deswegen muss ich jetzt mal was sagen:

Wenn ich in dieser Phase auch durch eine harte nervige Schule ging, so haben mir die Juristen, mit denen ich persönlich zu tun hatte, doch wenigstens dies beigebracht bzw. mich davon überzeugt: Es heißt „Schadenersatz“ und nicht „Schadensersatz“.

Denn wenn es Schadensersatz hieße, würde ja ein Schaden durch einen anderen ersetzt! Und wer will das schon? Schlimmes durch Schlimmes ersetzen? Das wäre ja keine Wiedergutmachung, sondern eher eine Verschlimmbesserung, jedenfalls keine Entschädigung, kein Ausgleich!

Das leuchtete mir ein. Und seitdem zucke ich immer zusammen, wenn jemand Schadensersatz fordert! Mein Gott, wissen sie denn nicht, was sie (sich an)tun?!

Gerade eben im TV sprachen es nicht nur die Moderatoren, sondern selbst Juristen wieder selbst mit diesem S aus. Und als ich daraufhin im Internet googelte, fand ich auf Anhieb erboste Juristenartikel, die vehement das S für richtig halten, schließlich seien wir ja nicht in Österreich. Ach so, ein Landesproblem ist das jetzt also auch schon. Und Juristen, gegen die ich im übrigen nichts habe, sind vielleicht nicht primär für ihre Sprachgewandtheit bekannt.

Und der blöde Duden ist sich anscheinend nicht schlüssig, sagen wir, zu feige, und billigt beide Formen. Na ja, der duldet ja auch Spagetti und Tunfisch und aufwändig (Letzteres ist mir noch am eingängigsten).

Na ja, mir doch egal, ich habe andere Probleme, ob der Schaden nun ein S hat oder nicht, aber das wollte ich doch mal gesagt haben, grrr.

Und Fische tun sicher diverse Sachen, aber Tunfische gibt es genau so wenig wie Tunkatzen und Tunmenschen, selbst wenn sie beschäftigt sind. Sage ich, als Fischmensch.

Viel Spaß bei den wichtigeren Problemen unserer Zeit, beim Fußball. Gähn.

Dieser Beitrag wurde unter Alltägliches/Allgemeines, Skurriles abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Wortklauberei

  1. Sofasophia schreibt:

    hihi, fein gesponnen. 🙂

  2. zeilentiger schreibt:

    Och, Briten, Spanier, Norweger usw. dürfen das „h“ einfach so weglassen, aber wir nicht? 😉

    Das mit dem Schadenersatz werde ich mir merken.

  3. vilmoskörte schreibt:

    Sie ist nicht immer ganz einfach, die Sache mit dem Fugen-s.

    Bei „aufwändig“ bekomme ich regelmäßig die Krise, die Rechtschreibverderber wollen uns beibringen, das Wort sei von „Aufwand“ abgeleitet und die Schreibung mit ä wäre darum die einzig richtige. Das ist jedoch (wie so vieles an der NDR) falsch: es ist von „aufwenden“ abgeleitet (Zitat aus dem „Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart“ von Johann Christoph Adelung: „Daraus geht hervor, daß das Substantiv „Aufwand“ von dem Verb „aufwenden“ abgeleitet ist. Das Wort „aufwenden“ ist wiederum von „wenden“ abgeleitet, wie auch aus dem fünfbändigen „Volksthümlichen Wörterbuch der Deutschen Sprache“ von Theodor Heinsius (Hannover 1818) hervorgeht“).

    • rotewelt schreibt:

      Ja, das stimmt, trotzdem habe ich mich mittlerweile (fast) an die neue Schreibweise gewöhnt, aber nur, weil ich mir genau das einrede, dass es von Aufwand kommt, lach! Aber ich habe mich zuerst auch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt.

  4. vilmoskörte schreibt:

    In der Duden-Redaktion (das ist ein Wirtschaftsunternehmen und ganz anders als die Académie Française keine irgendwie geartete „offizielle Instanz“ für die deutsche Sprache) scheinen die Linguisten zu arbeiten, die anderswo keine Anstellung gekommen haben 😉

  5. Ulli schreibt:

    es ist schon eine wahre Krux mit der deutschen Rechtschreibung,seitdem sie reformiert wurde,komme ich oft ins Schleudern, schon immer viel mir die Frage auf die Tastatur der Gross- und Kleinschreibung und da ich ja nicht professionell schreibe, bin ich etwas nachsichtiger mit mir geworden … gleichzeitig habe ich soeben etwas von dir gelernt, danke dafür und hab eine gute Zeit …
    herzliche Grüsse Ulli

    • rotewelt schreibt:

      Ich musste mich ja beruflich von Anfang an an die neuen Rechtschreibungsregeln gewöhnen und es ist mir auch schwer gefallen, grrr! Privat halte ich mich auch nicht immer daran. Da könnnen wir ja nachsichtig sein, zum Glück! 🙂 Lieben Gruß auf den Berg, Ulli!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s