Kunterbuntes aus Mallorca

Die ersten Bilderjagden sind immer die spannendsten. Wenn man schon öfter an einen Ort oder in eine Region gereist ist, nimmt die Anzahl der Fotos bei weiteren Besuchen meist ab, jedenfalls habe ich das bei mir festgestellt.  Trotzdem sieht man manchmal auch das bereits Gesehene neu, entdeckt noch unbekannte Ecken oder neue Details oder macht unvermutet Schnappschüsse. Hier eine Auswahl der Bilder, die ich kürzlich in Mallorca gemacht habe.

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Bis auf die ersten zwei, drei Tage ließ sich täglich zuverlässig die Sonne sehen und zauberte Strukturen und Muster auf Hauswand und Fenster.

Sogar die Pflanzen wurden grafisch. Gegenüber, auf Peters Hausdach, waren es weniger die Strukturen die mich faszinierten, sondern der „Wäscheständer“, offenbar eine umfunktionierte Pergola, dessen Dach aufgrund des oben doch heftigeren Windes nicht gehalten hatte. Jedenfalls wusch Peter oft, eigentlich ständig, und zwar meist Bettwäsche und Handtücher. Ich wunderte mich und stellte mir komische Fragen, da er oft Besuch hatte von diversen schwulen Freunden, doch so viele waren es nicht, dass mann so oft die Betten neu beziehen müsste, außerdem wollte ich den Gedanken eh nicht weiter vertiefen und schließlich kam mein Begleiter zu dem Schluss, dass Peter offenbar für die Wäsche von Ferienhäusern zuständig war, die er betreute. Auf jeden Fall gaben die flatternden Teile ein interessantes Bild ab vor dem Himmelblau über dem Cremeweiß des Hauses. Im Abendrot hingegen wurde die „Leine“ auch pur eine Schönheit.

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Der Pool war vor allem interessant, um Spiegelungen darin abzulichten. Er war zu klein, um darin zu schwimmen, mein Reisebegleiter versuchte es erst gar nicht, sondern schätzte als ehemaliger Vereinsschwimmer auf einen Blick ab, dass er gerade mal zwei Züge bis zum anderen Ende bräuchte. Da ich ein Schwimmlaie bin, versuchte es wenigstens doch einmal und brauchte immerhin sechs Züge. Danach hielt ich nur noch meine Beine hinein, um mich hin und wieder abzukühlen. Das braucht man manchmal nicht nur wegen der Sonne.

Leider musste ich im „Urlaub“ arbeiten und täglich an den PC, schreiben und 148.000 Mails checken, bevor ich die Welt rette. Eine ziemlich ärgerliche Mail dazwischen kann einem schon mal die Laune verderben, einen fast vom Stuhl hauen oder einen Hexenschuss verursachen. Am besten, man schwimmt sich (das) weg, im Meer, oder man steigt aufs Dach und lässt sich eine frische Brise um die Nase wehen.

Das ist auch gut, um sich einen Überblick über die Dinge zu verschaffen oder dem überhysterischen Hochfrequenzgekläff von vier bis fünf Yorkshireterriern auf dem Nachbargrundstück minimalst zu entkommen. Ich mag Hunde, aber keine Yorkshireterrier, ich finde sie hässlich und außerdem sind es Wadenbeißer, unsere Hausbetreuerin nannte sie Ratten und ich gebe zu, dass ich ihr fast zugestimmt hätte, ich hieß sie Insekten, weil sie so schnell und nervös durch die Gegend wuseln, dachte an den Film „Ein Fisch namens Wanda“ und wünschte mir eine Riesendogge herbei, um dem Gezeter ein Ende zu bereiten. Ab der zweiten Woche bellten sie nicht mehr, wenn wir kamen oder gingen, dafür weiterhin bei allem anderen, was sich in der Nähe bewegte.

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Von unserer Dachterasse aus konnte man natürlich noch weitere andere Dachterrassen sehen, da sie dort ortsüblich sind und fast jeder eine hat. In gewissem Licht mutete die Umgebung fast arabisch an und ich musste an die Tunisreise von Macke denken. Nur die Stromleitungen, die sich hier noch oberirdisch befinden, störten manchmal die Gesamtästhetik, manchmal passten sie aber auch ganz gut und gaben dem Foto sogar einen Extrareiz.

Einen Extrareiz gab es auch, als ich einen Mann sah, der Wäsche aufhängte. Nicht, dass mir so ein Anblick unbekannt ist oder ich den Mann selbst reizend fand, aber ich musste darüber schmunzeln, dass er sich für die Arbeit ein Bier mit hochgenommen hatte und anschließend, mit dem verwegen um die Hüfte geschlungenen Badetuch wie Kaiser Nero auf sein Werk und dann hinunter auf sein Reich schaute.

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Zum Schwimmen gingen wir also ins richtige Wasser, ins Meer. Der nur wenige Minuten entfernte Strand von Cala Llombards war zu dieser Zeit nur morgens und abends so gut wie leer, so dass wir nur dann schwimmen gingen. Es ist einfach immer wieder herrlich, in die tief eingeschnittene Bucht hinauszuschwimmen, zwischen den sie einrahmenden bewachsenen Felsen mit ein paar alten Fischerhütten auf einer Seite. Oh, Letztere habe ich diesmal leider nicht aufgenommen, ich sagte es ja… Das hier ist eine Badebucht ohne Rummel, auch wenn es eine Strandbar gibt und man Liegen und Schirme mieten kann. Die Badegäste sind angenehme friedliche Zeitgenossen jeden Alters und gehören nicht zu dieser prolligen Mallorcafraktion (nein, gegen Proletarier habe ich nichts“), die man an anderen Orten sehen kann und die furchtbar peinlich ist und nervt (pardon, ebenso peinlich können die Haute Volée und die A- bis C-Promis sein! Der unsägliche Boris Becker soll ja dort auch irgendwo eine Finca besitzen und zusammen mit Oliver Pocher – wer das Jüngelchen nicht kennt, hat nichts versäumt und nieniemals versehentlich in Billigsender gezappt – ist er in meinen Augen der peinlichste unangenehmste und lachhafteste Mann, der mir bekannt ist).

Genug des Tratschs, in Cala Llombards und Umgebung hat man seine Ruhe. Promis sah ich nicht. Stimmt ja gar nicht: Auf dem Rückflug waren ja welche: Christine Neubauer und ihr Lover, wie heißt er noch, José Dingsbums oder so. Die muss man auch nicht kennen. Hihi, aber beim Friseur schaue ich tatsächlich mal in Gala oder Bunte, schließlich muss ich ja wissen, was die Mehrheit so interessiert, hahaha, und frage mich dann immer, warum es Menschen gibt, die für diese Kitschhefte Geld ausgeben. Die Neubauer habe ich auch schon mal im TV gesehen – und schnell umgeschaltet. In meinen Augen ist sie die Veronika Ferres in der dunkelhaarigen Variante, genauso eine mittelmäßige Schauspielerin, die mit Glotzen-Dauerpräsenz glänzt und mit einem Hang zu überdimensionierter Selbstvermarktung. Sie saß in Reihe eins. Natürlich in eins. Zuerst sprach sie – extralaut, so dass auch alle mithören konnten, mit ihrem komischen José auf Deutsch. Vor der Landung sprach sie wieder – extralaut, so dass alle mithören konnten, mit ihm auf Spanisch. Nein, sie sprach ZU ihm, denn es handelte sich hauptsächlich um Monologe. Am Gepäckband fanden sie doch tatsächlich Mitreisende, die sie ablichteten. Ihr Typ hat mich übrigens mehrfach von oben bis unten angeglotzt, aber den möchte ich nicht auf den Bauch gebunden bekommen.

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Ihr wundert euch? Ja, mein Niveau lässt nach, desculpe. Vielleicht bin ich auch gerade selbst ein bisschen bissig, schlechter Einfluss der „Kampfhunde“. Ach, es liegt eher daran, dass mir das Meer fehlt, glaube ich. Ich muss mich selbst zerstreuen und aufheitern. Außerdem sagte ich ja schon im Titel, es würde kunterbunt… Obwohl ich da noch keine Ahnung hatte, was ich schreiben würde.

Also: Auch nur ein paar Minuten entfernt von der Cala Llombards, aber außerhalb des Orts, gelangt man zu zwei weiteren Buchten, die vielleicht spektakulärer sind, die Cala Moro und die Cala S’Almunia. Wie auch in den letzten Jahren haben Anwohner wieder die Hinweisschilder zu den Buchten entfernt – solche Guerillaaktionen gefallen mir, dann findet wenigstens nicht jeder dorthin! Manche von denen, die den Weg trotzdem dorthin gefunden haben – und diesmal waren es so viele wie nie -, entdecken aber nur die erste Bucht, die Cala S’Almunia, die man direkt von oben sieht. Die junge Französin war schon erschöpft, als sie aus dem Auto stieg, dabei hatte sie noch mindestens die über hundert Stufen der alten Steintreppe hinabzugehen.

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An einer Seite der Cala S’Almunia gibt es keinen Strand, sondern nur Liegeflächen auf den Felsen unterhalb der ehemaligen Fischerhäuser. Aber dekorativ ist es auf jeden Fall anzuschauen.

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Manche legen sich gleich unterhalb der Treppe nieder und schlafen ein. Hier befindet sich auch ein ebenfalls dekoratives Loch in einem Felsen, durch das das Meer in immer anderen Farbnuancen hindurchschimmert. Biegt man links von den Fischerhütten links ab, kommt man durch eine geschützte wunderschöne Landschaft mit Pinien und erreicht über einen Pfad die zweite Bucht, die Cala Moro. Von oben mutet sie paradiesisch an, fast karibisch. Eine Gruppe junger gut gelaunter Französinnen und Franzosen brach hinter uns durch Dickicht. Offenbar das erste Mal hier, riefen sie alle nacheinander „Magnifique!“ und/oder „La vache!“ aus vor Begeisterung, als sie das Meer unter sich sahen. Unten am Strand herrschte diesmal regelrechter Trubel, jedes freie Sandplätzchen des Strandes, der nur 20 Meter breit und 30 Meter lang ist, war belegt.

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Dieses Paar hatte sich auf einen Felsen im seichten Meer geflüchtet und gaben auf ihrer kleinen Insel, ihrem privaten Rocher secret… ein derart entzückendes Bild ab, das ich nicht umhin konnte, diese Schönheit – Meerjungfrau und Wassermann – festzuhalten.

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Vom Meer auf den Berg gekommen… Auf sagenhafen 408 Metern Höhe steht das Castell de Santueri bei Felanitx, eine Burgruine mit imposanten Ausmaßen. Von oben hat man einen weiten Blick über die Ebene bis zum Meer.

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Für den Besuch der zu großen Teilen verfallenen Burg wurde zu meiner Überraschung Eintritt verlangt. Ein junger muffeliger wortkarger Mann zog die Kohle ein und ein Vergnügen war es ihm nicht, sicher, weil er es sich nicht selbst in die Tasche stecken kann und vermutlich nicht gut für seinen Job bezahlt wird. Schließlich musste er den Tag über in der Hitze auf einem Stuhl vor der Runine ausharren, aber immerhin hatte er einen Sonnenschirm dabei.

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Auf dem Gelände ein lustiges Schild, das vor multiplen Gefahren warnt. Vor allem die möglichen passierenden Schafe haben mich amüsiert – sind sie etwa gefährlich? Nun, es waren gerade keine da, aber die Warnung war wohl hauptsächlich für Hundebesitzer gedacht, die ihre Tiere an der Leine halten sollen.

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Vom Berg in die Kleinstadt… Das hübsche ländliche Santanyi ist immer einen Bummel wert. Hier herrscht gerade Ruhe vor dem (An)sturm. Vor allem an Markttagen ist hier jeder Stuhl besetzt und man kommt kaum durch die Gassen.

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Hübsche kleine Läden gibt es hier, die nicht nur Dekogegenstände und schöne duftige Kleider verkaufen, die es hierzulande nicht gibt, und in die ich auch einfach so gern hineinschaue.

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Denn die Boutiquen sind in den alten Dorfhäusern untergebracht und allein das Innere, die Mauern, die Böden und oft auch Fenster sind schön. Zudem haben die Besitzer sie meist sehr liebe- und geschmackvoll eingerichtet.

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In diesem Geschäft kann man – wie in anderen auch – in einen privaten Innenhof schauen. Der davor stehende Stuhl signalisierte deutlich, dass Kunden draußen- bzw. drinbleiben sollen… Aber der Patio reizte mich so und die Inhaberin verstand mich und meine Frage und gestattete uns hineinzugehen. Hier werden alte Fassaden durch Rahmen zu Bildern und alte getünchte Paletten mit Kissen zu fast opulenten Siesta-Lagern, dazwischen spielen Licht und Schatten um Hortensien herum, ein Genuss für die Augen.

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Und dann erst die mediterrane Blütenpracht überall. Selbst die schmucklosesten einfachsten Häuser und Mauern werden dadurch aufgewertet, überhaupt ist es oft gerade der Kontrast – leuchtende Farben gegen schlichtes Graubeige -, der wirkt.

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Oft rankt sich die blaue Trichterwände Mauern entlang und Masten hinauf. Ich verstehe immer noch nicht, wie mir eine Freundin einmal sagen konnte, das sei Unkraut und sie wolle es nicht in ihrem Garten haben.

Ansonsten sind im Mai die Wiesen schon wieder von der Sonne gebräunt oder gebleicht. Während die Schafe – jetzt ihrer Wolle entraubt – im Januar und Februar noch in blühenden Wiesen versanken, müssen sie nun tagsüber an trockenen Halmen kauen. Interessant, diese Herdentiere dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig Schatten spenden. Wenn sie nicht liegen, sondern stehen, senken sie alle ihre Köpfe nach unten, und schützen sich so vor der Sonne.

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Ich mag Ziegen lieber, weil sie so neugierig und zutraulich-frech sind, aber diese Schafe beeindruckten mich durch ihre unglaubliche Sanftheit.

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Übrigens habe ich mir auf Mallorca einen neuen Freund zugelegt, darf ich vorstellen? Es war nur eine kurze Bekanntschaft, ein Onedaystand sozusagen und tatsächlich habe ich vergessen, ihn nach seinem Namen zu fragen. Das soll ja durchaus üblich sein, hört man.

Auf der Suche nach dem schönen Schwarzen vom letzten Besuch begegnete mir dann – wie es der Zufall so will – ein Brünetter mit blonden Strähnen. Vielleicht hatte er nicht so schöne Augen und war auch nicht ganz so aus dem Ei gepellt wie der andere, eher der lässige Typ, ein Naturbursche. Auch war er nicht so sanft und verschmitzt-charmant wie der Letzte, sondern ziemlich fordernd und eigenwillig. Bis er mich näher an ihn ran ließ, musste ich ihm schon was bieten und ihn umschmeicheln. Na ja, er lebt ja auch etwas karg, mir scheint, kürzlich war sein Haus abgebrannt. So reichte ich ihm Delikatessen, die er gierig verschlang. Hörte ich auf, stampfte er bockig mit einem Bein auf, bis ich ihm noch mehr gab. Erst als er satt war, durfte ich ihn wieder streicheln. Ich glaube schon, dass ich sein Typ bin, der vor Aufregung zitterte er und schnaufte erregt. Na ja, immerhin habe ich noch sein Bild.

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Futter brauchte ich auch, regelmäßig. Es gab Tapas, Tapas und nochmal Tapas – gemischte Tapasteller – Tapas variadas, in klein, mittel oder groß sowie einzeln zusammengestellte Tapas – und zwischendurch Fischteller. War wäre das Leben ohne Tapas, wie kann man überhaupt ohne Tapas existieren? Ich könnte mich ausschließlich von Tapas ernähren, vielleicht noch ein paar italienische Antipasti zur Abwechslung, und bräuchte nichts anderes. Seit ich zurück bin, will mir nichts richtig schmecken. Auch das immer vorher gereichte köstliche Aioli mit Brot und Oliven fehlen mir.

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Neu entdeckt und spontan besucht: das Restaurant Es Clos, an der Dorfstraße des unscheinbaren S’Horta gelegen. Hinter dem Haus der lauschige Garten mit alten Mauerresten und Brunnen. Eine Oase der Kontemplation. Zum Essen wurde Musik von Van Morrison serviert – sehr stimmige Mischung.

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Überhaupt findet man oft die verwunschensten Patios in Restaurants, deren oft abweisend strenge Mauern nicht vermuten lassen, was sich dahinter verbirgt. Wenn dazu noch ein Brunnen plätschert, während man unterm Feigenbaumschatten das Essen genießt, ist das Urlaubsgefühl komplett.

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Das hier ist „nur“ ein Vorhof, von innen gesehen! Der „richtige“ Patio dahinter ist noch schöner und stiller (der auf dem Bild oben links).

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Und nochmal der Brunnen, zweimal hatten wir das Glück, direkt daneben einen freien Tisch zu ergattern.

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Die Mitarbeiter von Es Clos haben einen Fernseher aufgestellt und machen schon mal die Sender klar – für die WM! Gegenüber des Restaurants  Asador Es Teatro in Ses Salines konnte ich Ortsbewohner bei der Kehrwoche beobachten, hihi, während ich selbst mich an Tapas und Trägheit delektierte. Den Fisch- und Meeresfrüchteteller darunter (nicht oder kaum zu schaffen, es könnte auch ein Fisch weniger sein) gab’s im Arcada in Cala Figuera. Unbedingt zu empfehlen dort außer dem Fisch sind die Tapas variadas (sogar die beste Pizza der Insel soll es dort geben, obwohl ich die nicht bestelle, bin doch nicht in Italien), auch die Fleischgerichte sehen köstlich aus und duften auch so – und dann kommt noch die immer herzliche Bedienung dazu – wie wir es so gut wie immer auf Mallorca erlebt haben. Nach einem Jahr wird man von den Kellnern mit Handschlag begrüßt und nach dem werten Befinden gefragt! Sogar wenn man seltener kommt, wird man wiedererkannt, die merken sich Gesichter, die Menschen – und das ist keine Schauspielerei! In Deutschland wird diese Freundlichkeit und Aufmerksamkeit ja oft vergessen und leider sind viele Menschen hier missmutig bis unhöflich oder sogar (latent) aggressiv. In der Gastronomie und generell. Gestern gerade schlug mir ein Radfahrer heftig mit der Faust aufs Auto, obwohl ich ihn nicht übersehen hatte und beim Abbiegen in die Einfahrt rechtzeitig bremste, während er verbotenerweise über den Gehweg donnerte. Wie immer fühlte ich mich gleich wieder heimisch. Ich hätte heulen können, in solchen Momenten will ich einfach nur noch weg.

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Zurück nach Mallorca: Diesen Blick hat man von einer der Terrassen des L’Arcada aus.

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Oben links der Strand Agulla bei Cala Ratjada im Nordosten. Der Ausflug in diese Ecke hat wieder gezeigt, dass die Landschaft zwar auch dort traumhaft schön ist, der Strandort aber fest in deutscher Hand ist. Statt Tapas gibt es dort Kaffee und Kuchen, Currywurst und typisch teutonische Gerichte. Deutsche Kneipen reihen sich aneinander, deutsche Gestalten, wie sie Loriot nicht besser hätte darstellen können, wälzen sich an den Souvenirshops entlang und verursachen eine ästhetische Verschmutzung des paradieschen weißen Strands. Hier gibt es vor allem zwei Touristengruppen: Rentner und Jugendliche, letztere anscheinend in Form von jungen Männern. Die Rentner tragen Beige oder die abenteuerlustigsten bunten Spielhöschen und die Frauen öfter im wahrsten Sinne spannende Minikleidchen. Die Jugend trägt spiegelnde Brillen und Bierdosen und macht sich laut bemerkbar. Sicher noch lange kein Vergleich zum Ballermann, aber bloß weg hier! Nur noch schnell in ein (spanisches!) Schuhgeschäft, denn die haben die geschnürten Espadrilles, die ich will! Leider nicht in meiner Größe. Der nette Verkäufer ruft extra noch in einem anderen Laden an, um zu fragen, ob sie die Schuhe haben, leider vergeblich.

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Viel weniger Touristen und vor allem keine deutschen Horden findet man im Südosten, also bloß wieder – über Portochristo und Portocolom – zurück dorthin. In der in einem Naturschutzgebiet liegenden und wunderschönen Cala Mondragó (auf dem Bild drüber rechts unten) machen wir nur einen Spaziergang und atmen Pinienduft ein. Eine freche Möwe erregt meine Aufmerksamkeit – wie nah sie sich bei den Sonnenanbetern aufhält. Ich zoome sie heran, sehr hübsch auch die Blüten im Vordergrund, und… fühle mich wie eine Voyeurin! Konnte ich denn ahnen, dass die Dame oben ohne ist. Egal, es wird abgedrückt, pardon.

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Zum Tapasessen geht es nochmal nach Porto Colom. Hier trifft man eher Engländer, Schweizer und Österreicher als Deutsche, außerdem viele Einheimische, denn es ist ein Hafenort, in dem noch Fischer ihrer Arbeit nachgehen. Auch der Hässlichkeit der meisten Touristen entflieht man hier. An bestimmten Orten sieht man sie nämlich auch im Südosten, wie überall auf der Welt. Manchmal verschluckt man sich fast beim Essen und die Tapas bleiben im Halse stecken vor Schreck oder prustet man fast los vor Lachen. Gibt es eigentliche Spezialgeschäfte für unmögliche Urlaubskleidung? Unglaublich, was oder wie wenig manche Menschen anhaben und sich damit auf die Straße oder – schlimmer noch – in ein Restaurant trauen. Die Unzivilisiertesten sind fast durchweg Deutsche und Engländer. Und die Dicksten tragen die gewagtesten oder wenigsten Kleider. Hier dagegen, in Porto Colom, bieten drei Mädchen in Tüllröckchen, die auf dem Steg eine Art privater Perfomance abhalten, einen hübschen Anblick und die Augen werden nicht beleidigt.

Übrigens, das Café Florian in Porto Colom hatte wohl auch schon ungebetenen Besuch und daher dieses Schild aufgehängt (leider unscharf, aber mann sieht, worum’s geht)! 🙂

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Klasse Idee, finde ich. Ich verstehe sowieso nicht, warum manche Leute ihre Mitmenschen nicht respektieren und oben ohne oder im Bikini essen gehen (und das NICHT im Strandrestaurant).

Darauf zum Abschluss einen Hierbas dolces, por favor. Ha luego.

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11 Antworten zu Kunterbuntes aus Mallorca

  1. Sofasophia schreibt:

    klasse bildergrschichte, schön mit dir über mallorca zu plaudern. mir ist es damals ähnlich wie dir gegangen. wir haben orte aufgesucht, die eher von einheimischen frequentiert wurden. die insel ist schon grossartig! wie deine bilder ja bestens zeigen.

    • rotewelt schreibt:

      Muchas gracias, Soso. Ja, die Insel ist großartig und wunderschön! Und das haben sehr viele Menschen erkannt, aber ich darf mich nicht beklagen, bin ja einer davon. 😉

  2. traeumerleswelt schreibt:

    wunderschöne, vielfältige Eindrücke ! auch ich ziehe die Orte vor, die touristenmässig nicht so überlaufen sind.

    • rotewelt schreibt:

      Danke dir, Träumerle. In der Hochsaison ist es sicher überall überlaufen, aber da fahre ich meist nicht in Urlaub. In die Bretagne hingegen kann man auch im Juli/August fahren und nicht alles ist überfüllt.

      • traeumerleswelt schreibt:

        das stimmt, habe die Bretagne noch nie überfüllt erlebt,obwohl ich schon oft im Hochsommer dort war. Allgemein ist der Norden im Sommer nicht so überlaufen, auch deswegen liebe ich ihn.

  3. Ulli schreibt:

    ja wahrlich … ein kunterbunter Reisebericht, den ich sehr gerne gelesen und angeschaut habe- es sind sehr viele wunderbare Bilder dabei, aber das erste ist mein absoluter Favorit, einfach nur grossartig, liebe Ute …
    du zeigst (wieder) ein Mallorca, dass selbst ich gerne einmal anschauen möchte, danke dafür. Was du über die Beleidigungen der Augen schreibst, lässt mich an eigene Beobachtungen damals auf Gozo denken (lange ists her), damals beschloss ich, dass es noch hässlichere Menschen als die Deutschen gibt: die Engländer … pardon, eigentlich soll man ja nicht werten, aber in manchen Fällen komme ich nicht umhin-
    Das Licht des Südens … seufz … die Freundlichkeit und im Kontrast dazu die latente Aggressivität in deutschen Städten, ja, auch ich möchte in solchen Momenten einfach nur weg!

    herzliche Grüsse Ulli

    • rotewelt schreibt:

      Freut mich, dass dir das Kunterbunte gefallen hat, liebe Ulli, dankeschön. Irgendwann siehst du die Insel ja vielleicht auch mal… Ich sehe es auch so wie du, dass Deutsche und Engländer (und die Amis, aber denen begegne ich auf meinen Reisen kaum) die hässlichsten sind, auch wenn man nicht werten soll, wie du auch sagst, aber im Urlaub kommt es halt so deutlich raus, zusammen mit der Kleidung und dem Verhalten. Oft hat man ja auf Reisen den direkten Vergleich. Die Holländer etwa laufen selten mit Spielhöschen und Kindergartentäschchen rum, außerdem sind sie freundlicher und aufgeschlossener als viele Deutsche. Am schicksten und schönsten sehen die Italiener aus. Aber nun kommen ja auch vermehrt Touristen aus den östlichen Staaten, da sind die Frauen meist extrem geschminkt und sexiest aufgebrezelt.
      Ach ja, die lässigere Freundlichkeit im Süden, die fehlt mir wirklich. Bin immer froh, wenn andere das auch nachvollziehen können.

  4. richensa schreibt:

    Wunderbare bunte Bilder… danke für die Farben am heutigen grauen Sonntag!

  5. Claudia schreibt:

    Danke für die schönen Bilder. Ich liebe diese Insel einfach und ganz besonders die Farben, die sie hervor zaubert.

  6. rotewelt schreibt:

    Muchas gracias, Claudia! Ja, es ist allen Unkenrufen zum Trotz eine wunderschöne Insel!

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