Mein rechter Fuß

Nein, mit Fußball und Kicken hat das nun gar nichts zu tun, was ich gleich anfangs sage, um vornherein möglichen Leserenttäuschungen zuvorzukommen. Auch nicht mit linkslastigerer Literatur und deren Verfilmung.

Vorgestern, ich saß gerade lässig auf dem Sofa und tat werweißwas (die Erinnerung darüber ist mir abhandengekommen), blickte ich zufällig auf mein halb herunterbaumelndes rechtes Bein und den nackten Fuß am Ende, denn trotz Regens draußen war es gerade mild in der Wohnung. OH Schreck! Das war nicht mein Fuß, den musste jemand heimlich ausgetauscht haben. Keine Ader/Vene, keine Sehne, kein Knöchelchen mehr war zu sehen, stattdessen prall-glatte faltenfreieste beneidenswerteste und überaus gut unterpolsterte Babyhaut, wie frisch geboren. Alles war irgendwie „voller“, bis kurz über den Knöchel hinaus. Patschfüßchen. Nun ist meine rechte Fessel seit jeher etwas schmaler als die linke, wer weiß, warum, denn mein rechtes Bein ist mein Sprungbein, doch es lebe die Asymmetrie, aber nun war das Gegenteil der Fall, die rechte Fessel ließ die linke volumenmäßig ein gutes Stück hinter sich. Darüber hinaus hatte der mutierte Teil aber auch eine viel schönere etwas bräunlichere und gleichmäßigere Hautfarbe als der linke, bis zum Knie, vollkommen makellos. Nur eben geschwollen auf das Ungesündeste. Wie tot irgendwie. Dabei tat nichts weh, aber das ist ja meist das Heimtückischste.

Später, am nächsten Morgen, begann ich dann doch zu googeln. Einseitige Fuß- und Knöchelschwellungen verhießen nichts Gutes, ich las von tief liegenden Thrombosen, akuter Emboliegefahr mit Todesfolge, Herz-, Leber- und anderen Störungen. Hoppla, waren meine Blutwerte doch noch vor kurzem absolut prima? Was konnte sich denn in so kurzer Zeit ereignet haben? Ratlosigkeit, aber auch Tatenlosigkeit, was die Vereinbarung eines Arzttermins betraf. Denn: Beginnt es nun, das Alter? Ist das der Anfang der Zipperlein? Fragte ich mich. Zum Einkaufen zog ich mir ein Paar meiner Sandaletten an, nachdem ich ein paar andere Schuhe ausprobiert hatte, die allesamt zu eng schienen, obwohl mir die meisten Schuhe normalerweise zu weit sind. Riemchen wurden zu Bedenkenträgern. Alles war irgendwie zu eng und an der Kasse glaubte ich, jeder würde die überquellende Obszönität erblicken, die vermutlich nur ich wahrnahm. Scham mischte sich dazwischen: Ich doch nicht! Noch nicht. Wie sollte ich das meinem gleichaltrig-dynamischen Dok erklären nach dem letzten erfolgreichen Gesundheitscheck, ohne im Erdboden zu versinken? Würde ich mich auch bald per Rollator oder im Rollstuhl bewegen wie all die Menschen, die ich täglich von meinen Fenstern aus erblicke? Würde ich künftig nur noch lange Hosen tragen?

Nein, noch nicht, bitte. Also beschränkte ich mich weiterhin auf das Beobachten und legte das Bein hoch, soweit möglich. Was eben kaum möglich war, wie soll man so leben? Am Abend dann bemerkte ich trotzdem Fortschritte, ich erkannte wieder Äderchen und freute mich darüber, ja, das kann vorkommen. Allzu Glattes mag ich ja sowieso nicht, auch an Händen, wenngleich manche Männer sicher… Vielleicht könnte ich den Arztbesuch doch vermeiden?

Nun hat sich die Schwellung seit heute Morgen wieder zurückgebildet, ich lebe noch. Mein Herz klopft noch, ziemlich gleichmäßig sogar. Dieser kleine Kratzer auf dem rechten Fußrücken sieht nun plötzlich wie ein Stich aus, ganz schwach hell umrandet. Er befindet sich mitten auf einer Ader. Und dann ist da noch ein weiterer kleiner roter Punkt, der deutlicher von einem weißen Rand umgeben ist. Wer war das, die eingeschleppte Tigermücke? Schmerzen und jucken die neuzeitlichen Stiche nicht mehr und führen stattdessen zu unerhörten Schwellungen? Vielleicht muss ich morgen wegen Denguefiebers ins Krankenhaus eingeliefert werden, aber immerhin ist mein rechter Fuß nicht mehr dick.

Ähnlichkeiten zu Buch- und Filmtiteln sind rein zufällig und haben mit den dort geschilderten Inhalten nichts gemein, zumal sie (meine) wesentlich flacher daherkommen.

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11 Antworten zu Mein rechter Fuß

  1. Sofasophia schreibt:

    uiui, das ist ja unheimlich!
    gute restbesserung!!!!

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  2. ja, finde ich auch (unheimlich)…..
    Ich weiß nicht, ob ich es so cool hingenommen hätte, liebe Ute. Irgendwas war ja nicht richtig und vielleicht ist es das immernoch nicht. Meinst du nicht, du solltest es mal von einem Fachmann untersuchen lassen? Nur mal so? Zur Berruhigung?
    Oder wenigstens von einer Apothekerin oder Arzthelferin? (ich hab für solche Fälle immer meine Freundin zur Hand, die Arzthelferin ist).

    Da es ja nun besser geworden ist (und du überlebt hast, kicher), kann es ja nicht schaden.
    Gute Besserung und liebe Grüße,
    Suse (die bald wieder ins geliebte Griechenland fliegt!)

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  3. Ulli schreibt:

    ich dachte sofort an einen Stich, aber seltsam ist es schon, wenn es nicht juckt … ich hätte das wohl abklären lassen, aber wenn er nun einfach wieder abschwillt und es dir auch sonst gut geht, dann war das ein Intermezzo, das immerhin für einen guten text gesorgt hat 😉
    herzliche Besserungswünsche und schöne Sommertage
    Ulli

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    • rotewelt schreibt:

      Danke dir, liebe Ulli. Anfangs bin ich nicht auf einen Stich gekommen, eben weil nichts juckte und schmerzte. Und es fing Sonntag an, also hätte ich in die Notfallaufnahme der Uniklinik fahren müssen, ähm, lieber wartete ich ab. Wenn dieses seltsame Intermezzo immerhin dafür gesorgt hat, dass der Text gelesen wurde, ist ja alles gut, lach!
      Liebe Grüße, Ute

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  4. karu02 schreibt:

    Schön, dass es nichts Schlimmes war. Erfolgreiches Abschwellen wünsche ich.

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