NSU-Prozess

Die „mutmaßliche“ Neonazifrau Beate Zschäpe entzieht ihren drei Verteidigern mit Namen Heer, Stahl und Sturm (honi soit qui mal y pense, was für ein skurriler Zufall!) – das Vertrauen.

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Sie hatten sie dazu bewogen, sich nicht zu äußern und so schwieg sie bislang beharrlich während des schon lange währenden Prozesses. Sie sagte kein einziges Wort. Aber womöglich kommt sie selbst mit dieser Auflage nicht zurecht. Bis 14 Uhr heute sollte sie sich äußern darüber, warum sie ihre Verteidiger – eine Frau, zwei Männer – nicht mehr will, doch sie tat es nicht und hat nun bis morgen Nacht Zeit.

Wenn ich die Verteidiger so sehe und höre…, darunter ein noch pickeliges Jüngelchen, pardon… Na ja, wenn ich Anwalt wäre, würde ich sorgfältig bei der Auswahl meiner Mandanten vorgehen und nur die verteidigen, von deren Unschuld ich überzeugt wäre oder denen offensichtlich oder wahrscheinlich Unrecht geschehen ist. Also hätte ich im Grunde keine Arbeit und müsste unter der Brücke schlafen und würde womöglich selbst straffällig werden – deshalb lieber keine „Verteidigerin“ sein und auch keine Staatsanwältin: Das Richteramt, wenngleich überaus schwierig, erschiene mir dann doch als die beste der Möglichkeiten.

Aber: Was sind das überhaupt für Verteidiger, die durch das Gebot an die „Klientin“, zu schweigen, bewusst die Aufklärung der Neonazimorde verhindern? Und warum ist das überhaupt gestattet? Bäh!

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(Stahl, Heer, Sturm)

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9 Antworten zu NSU-Prozess

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Ute, ein brisantes Thema ist das! Ich finde es klasse, dass du es hier ansprichst! Die Namen der Verteidiger und der Verteidigerin lese ich bei dir zum ersten Mal und muss fast schmunzeln … Nomen es Omen?!
    Mir geht es anders, als dir, ich wäre, wenn überhaupt, am ehesten Verteidigerin geworden, richten erscheint mir zu schwierig , so viele Komponenten machen eine Strafta möglich, wie will ich da sagen: schuldig? Ein Mensch, das glaube ich immer noch ist nicht von Anfang an schlecht, aber wie er sich entwickelt hat eben viel mit den Eltern, dem Umfeld etc. zu tun und was weiss ich, was eine oder einer schon hat einstecken müssen, um dann wirklich Übles zu tun? Und der Staatsanwalt hat irgendwie doch immer die A … Karte, oder nicht?! Aber wenn es um meine eigene Meinung geht, dann stelle ich die ganze Gerichtsbarkeit, plus dem Apparat in Frage. Das wäre jetzt ein seperates Thema.

    Im Falle Zschäpe handelt es sich ja um Pflichtverteidigung, das heisst, dass es erst einmal keinen und keine gab, die sie wirklich verteidigen wollte …

    Dieser ganze NSU-Prozess stinkt mir, ich komme nicht umhin immer wieder den Vergleich zu ziehen, wie die deutsche Gerichtsbarkeit mit sogenannten Linksradikalen umgeht und dann dies im Kontrast … hätte man einer Ingrid Strobl einen Tag Verlängerung gegeben, als sie wegen eines Weckers kriminalisiert wurde, wenn sie neue Anwälte hätte haben wollen? Ich glaube nicht … und damit beginnt für mich die Unsäglichkeit des deutschen Rechts, das mir immer noch viel zu rechts eingestimmt ist …

    soweit erst einmal …
    liebe Grüsse zur guten Nacht
    Ulli

    • rotewelt schreibt:

      Liebe Ulli, danke für deine Meinung zum Thema. Ja, früher fand ich den Beruf des Verteidigers auch ansprechender, des Anwalts der Schwachen, aber wenn ich so sehe, wen man so alles verteidigen muss, hätte ich da meine Probleme und ein Anwalt kann sich seine Klientel nicht immer aussuchen. Pflichtverteidiger in so einem Prozess etwa würde ich keinesfalls sein wollen. Auch wenn ich dir vollkommen zustimme, dass ein Mensch nicht von Anfang an schlecht ist, so ist ja zum Beispiel bekannt, was mancher Mörder, Amokläufer und Kinderschänder früher an Demütigungen und Gewalt ertragen musste und daran zerbrochen ist. Und was die Gerichtsbarkeit und den Apparat betrifft, so sehe ich das alles auch kritisch, es geht eben um Recht und nicht um Gerechtigkeit, was nicht immer das gleiche ist, auch werden monetäre Vergehen hierzulande oft stärker geahndet als Gewaltverbrechen, aber das wäre wirklich ein eigenes Thema. Den unterschiedlichen Umgang mit Neonazis und im Vergleich mit sogenannten Linksradikalen beobachte ich auch schon immer mit Argwohn und speziell im NSU-Prozess gibt es ja viele Ungereimtheiten, unter anderem die angeblich rein zufällige Anwesenheit eines Verfassungsschützers in einem Lokal, in dem einer der Morde stattfand… Ich glaube keineswegs, dass hier von „oben“ das größte Interesse an einer lückenlosen Aufklärung besteht… Lieben Gruß und einen schönen Tag wünsche ich dir, Ute

      • Ulli schreibt:

        ich habe gerade drei Staffeln Kommissarin Lund geschaut, auch dort ging es immer wieder um die Verquickung von Politik und Recht … ich hielt diese Staffeln schon für sehr realistisch und darum um so gruseliger …
        mein Problem bei der Geschichte ist die Rechtslastigkeit, die macht mir immer wieder Angst!

  2. ja wirklich, ein sehr brisantes Thema. Aber diese Gedanken hat wohl jeder von uns.
    Ich mag diesen Blick der Frau schon nicht. So kalt und so unbeteiligt. Sie wirkt herzlos, strahlt das auch aus.
    Nein, niemals würde ich als Rechtsanwalt diese Frau verteitigen – obwohl ich vom Sternzeichen her Waage bin und als waschechte Waage zudem auch generell für Gerechtigkeit und im Zweifel für den Unschuldigen.
    Aber hier ist es doch wohl sowas von offensichtlich……

  3. Sofasophia schreibt:

    *würg* — gut beobachtet!!!!!

  4. fleischfee schreibt:

    Gut geschrieben finde ich!

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