Eine kleine Spende bitte!!!

Ich hasse die Spendenaufrufe zu Weihnachten, auf die Tränenrüsen drückend, die Post, die meinen Briefkasten verstopft, ab Ende November, von grünlinks bis erzkonservativ, das ganze vorweihnachtliche Geseiher: „Ach, sei doch bitte einmal im Jahr ein guter Mensch, spende wenigstens ein bisschen (dass oft vor allem die (Non)Profit-Organisationen davon profitieren und weder Geld- noch Sachspenden da ankommen, wo sie am nötigsten gebraucht werden, wird natürlich tunlichst verschwiegen; erst recht, dass das alles nichts an den Zuständen ändert).

Spende, spende, spende und zwar jetzt, denn sonst bist du ein schlechter Mensch, jawohl! Verhungernde Kinder da, Fuß- oder Mundmalerei dort, all die Armen auf der Welt, plötzlich, ach?! Und die Boat-People, die von Januar bis Dezember vor Folter und Mord flüchten? Zählen die nicht? Zählen die nicht? Und all die anderen Notleidenden? Sondern nur im Dezember, weil Weihnachten ist? Ich finde das einfach nur widerlich. Warum wird nur anlässlich dieses ach so christlichen Festes der Armen der Welt gedacht (die ja übrigens oft oder meist anderen Glaubensrichtungen angehören) an unsere Hilfsbereitschaft appelliert?

Na ja, auch die Hilfe ist schon lange zum Geschäft mutiert, ist ja bekannt. Und überhaupt liegt die Lösung woanders. Unsere paar Kröten sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und ändern fast nichts. Die Verantwortung für das Elend wird verlagert. Und wir sollen uns schuldig fühlen, wenn wir nicht für jeden Aufruf und jeden Bettler am Straßenrand Geld übrig haben. Ironie der Gegenwart.

Elend ist immer und überall, unabhängig von Jahreszeiten.

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14 Antworten zu Eine kleine Spende bitte!!!

  1. iris schreibt:

    Und für den Rest des Jahres ist Geiz wieder geil…

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  2. eckisoap schreibt:

    ja und Ja und JA !!! dem ist nichts hinzuzufügen.
    danke!

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  3. Sofasophia schreibt:

    Das ist in der Schweiz ähnlich. Bei uns gibt es zum Glück ein Label für jene NPO, die nachweislich wirksam helfen (habe selbst bei einem solchen gearbeitet). In der Schweiz bekommen die meisten Festangestellten im
    Nov. oder Dez. ihren „Dreizehnten“, ein zusätzliches Monatsgehalt. Vermutlich kommt daher das grössere Interesse der Hilfswerke? Ich oute mich als eine, die jeden Monat etwas spendet – oft eben an Hilfswerke, die Frieden, Bildung und Flüchtlinge fördern. Nenn mich naiv, aber ich hoffe, dass ich damit etwas Gutes tun kann.
    Warum ich so denke? Weil ich diese Geschichte hier kenne: http://www.lebenswertvoll.ch/umweltbewusst/umweltbewusst_leben.html
    Mitnichten helfen die Organisationen, die ich unterstütze, Menschen nur zu Weihnachten.
    Was nicht heisst, dass es viele schwarze Schafe gibt. Wähle weise und mit Verstand aus. 😀

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    • rotewelt schreibt:

      Ich weiß gar nicht, ob es in D auch so ein Label gibt, Soso. Aber meines Wissens gibt es „Testberichte“ über Organisationen, bei denen man spenden kann in dem Wissen, dass das Gespendete auch ankommt. Aber hier bekommen die meisten auch ein zusätzliches Weihnachtsgehalt. Ich finde es nicht naiv, wenn du Geld an Hilfswerke spendest, die seriös sind, und die nicht nur zu Weihnachten helfen, Respekt! Aber man muss das Geld dafür ja auch übrig haben. Danke dir auch für den Link!

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  4. Ulli schreibt:

    dem gibt es nichts hinzuzufügen … danke, dass du es noch einmal sagst
    herzliche Grüsse Ulli vom grauen Berg

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  5. Lakritze schreibt:

    Ich denke, daß man übers Jahr mehr Gutes anrichten kann, wenn man halt nicht gar so geizig ist, als mit dem Einmalsegen zum Jahresende. (Und ändern darf sich bloß nichts!)

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