Die 52. Woche, 2014

Einst weilte ich ein paar Tage im Fränkischen in einem „Fremdenzimmer mit eigener Schlachtung“. Ich überlebte. Vielleicht, weil ich mich abends an die blauen Zipfel wagte, ein Gericht der Ureinwohner. Doch am nächsten Morgen wurde ich auf der Straße von einem solchen etwas grob begrüßt mit den Worten „Bist a Preiß?!“ Insgesamt war es aber einladend dort, Essen und Trinken inbegriffen.

Noch immer laden Hotels und Pensionen in ländlichen deutschen Regionen in „Fremdenzimmer“ ein. Viele der Schilder wurden nie ausgewechselt. Sind Fremdenzimmer dasselbe wie Gästezimmer?

DSCF0525a

(Bildmotiv entdeckt am 25. Dezember 2014 in Burkheim am Kaiserstuhl)

————————————————————————————————————

Wo der Gast König ist, sollte das Personal aus Prinzen und Prinzessinnen bestehen.
(Wilhelm Ludwig Wekhrlin)

Welche Schwelle du auch immer betrittst,
es möge jemand da sein,
der dich willkommen heißt
(Altirischer Segenswunsch)

Wärme wünscht, der vom Wege kommt
Mit erkaltetem Knie;
Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer,
Der über Felsen fuhr.
(Edda, eine Sammlung isländischer Skaldenpoetik)

Wer sich selbst nährt, dem armen und freudlosen Fremdling aber die nötige Gastfreundschaft verweigert, der geht zu Hölle. Ein Hausvater soll seinen Gast ehren, ohne nach seinen Studien, seiner Schule, seinen Fähigkeiten und seiner Abkunft zu fragen.
(Aus Indien)

Wahre Gastfreundschaft besteht darin,
Gedanken bei sich zu empfangen.
(Peter Cerwenka)

Dieser Beitrag wurde unter Aphorismus der Woche abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Die 52. Woche, 2014

  1. Ulli schreibt:

    eine schöne Sammlung zur Gastfreundschaft ist das, liebe Rotewelt, aber ich fürchte fast, das gilt heute nur noch für zahlende Gäste, das Fremde läasst man vor der Türe?!

    herzliche Grüsse vom Schneeberg Ulli

  2. karu02 schreibt:

    Auch als Gast bleibe ich eine Fremde; die Andere im Gewohnten. Außerdem muss ich zahlen fürs Geduldetwerden, bin also eher eine Kundin?

    • rotewelt schreibt:

      Aber auch wenn man die Andere im Gewohnten ist, müsste man ja nicht fremd bleiben. Doch anscheinend ist es so. Jedenfalls wenn man kein Geld mitbringt… Und dann wäre man wirklich eher Kunde. Danke für’s Weiterspinnen, Karu.

  3. richensa schreibt:

    Ja, die Erfindung des „Gastes“ scheint noch nicht so lange zurückzuliegen. Karu hat da ganz recht: der aus der Fremde Hinzugekommene bleibt fremd, egal, ob er für einige Tage zahlend verweilt oder in die meist kleine Gemeinschaft eines Dorfes einzieht.

    • rotewelt schreibt:

      Das kann auch in Städten so sein, vor allem, wenn man nicht den ortsüblichen Dialekt oder gar gar keinen spricht. Schade ist das. Ich schrieb ja mal, dass eine Bielefelderin es in Freiburg acht Jahre versucht hat und dann zurückging, weil sie weder privat noch beruflich hier ein Bein auf die Erde bekommen hat. Damals musste ich lachen, da zog ich her. Und nun nach fast sieben Jahren – ein Zyklus geht vorbei – bin ich zwar immer noch hier, aber warm geworden bin ich hier auch nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s