Alles Müll

Nun regen mich derzeit ja viel wichtigere Dinge auf, vor allem politische, aber gerade packte mich wieder die Wut wegen eines banalen Themas, als ich unsere Restmülltonne aus dem Hof schob, da morgen die Müllabfuhr kommt. Immer mal wieder, wenn ich eine Tüte in die Restmülltonne werfen will, ist kein Platz mehr darin, oft ist die Tonne auch schon übervoll und der Deckel geht nicht mal zu. Drinnen finden sich des öfteren auch Biomüll und Abfall, der eigentlich in den gelben Sack gehört. Das sieht und riecht man schon beim Öffnen der Tonne.

Sicher gehöre ich nicht zu den Kontrollfreaks und Müll-Blockwarten, die es hierzulande zuhauf gibt und die jede einzelne Tüte rausnehmen und anhand verdächtiger Indizien versuchen, den Schuldigen herauszufinden. Darauf kommt es mir auch gar nicht an, denn ich finde unsere Mülltrennung eh Banane – darauf komme ich gleich noch. Mich nervt nur: Ich teile mir mit einer Nachbarin eine Restmülltonne und entsprechend die Kosten. Da wir nur zu zweit sind, haben wir nur eine halbe Tonne, also eine mit einem erhöhten Boden (wer denkt sich bloß überhaupt so einen Mist aus, die Herstellung der Tonne wird dadurch nicht billiger, eher teurer?!). Auch zu dritt oder gar zu viert hat uns der Platz meist gereicht. Wenn nicht…, ja wenn nicht, wie zurzeit wieder gehäuft, andere Miet- oder Eigentümerparteien ihren Dreck auch in unsere Tonne werfen würden, so dass wir selbst keinen Platz mehr für unseren Abfall haben. Da helfen auch persönliche Ansprachen und freundlich bis eindringliche Zettel auf der Tonne nicht, denn natürlich ist es nie jemand gewesen, alle unschuldig.

Dass unsere Tonne aber gekapert wird, ist eigentlich kein Wunder… Während wir uns zu zweit eine halbe Tonne teilen, teilen sich alle anderen Parteien – das sind insgesamt 13 Menschen! – eine einzige ganze Restmülltonne. Die kann ja kaum ausreichen… Sieht man ja! Aber die anderen sind offenbar zu faul und/oder zu geizig, sich selbst einen Abfallbehälter bei der Stadt zu bestellen und zu bezahlen. Gerechtigkeit geht anders!

Die andere Tonne hat übrigens ein Schloss. Das habe ich bisher nur hier, in BaWü, gesehen und erstmal laut gelacht. Aber nun bleibt mir das Lachen bald im Halse stecken. So verhindern die anderen, dass „Fremdmüll“ in ihre Tonne gelangt. Während sie, wenn diese voll ist, heimlich unsere benutzen. Grrr!

Aber so weit will ich nicht kommen, es ihnen gleichzutun und meinen Müll auch einzuschließen wie eine Kostbarkeit und vor den Blicken anderer zu schützen! Was ist das überhaupt für eine Mentalität, seine Abfalltonne mit einem Schlüssel zu sichern? In welchem Land lebe ich eigentlich?!

A propos Land. Das ganze deutsche angeblich so fortschrittliche Müllsystem stinkt. Die Mülltrennung sowieso. Letztens wollte ich Zeitschriften in die Papiertonne tun, doch sie war randvoll wegen eines riesigen Plastiksacks mit Plastikfüllmaterial. Das finde ich zwar ziemlich doof, aber mehr noch regt mich auf, dass wir dieses Mülltrennungssystem haben, das ja nicht nur im Einzelfall, sondern auch gesamt nicht wirklich funktioniert, denn wie man öfter lesen konnte, landen viele getrennte Dinge doch wieder in einem Verbrennungsofen oder der Inhalt gelber Säcke schwimmt in diversen Meeren umher. Ich glaube, das ist fast alles unnütz bis auf die Trennung von Papier und Plastikflaschen.

Dazu kommt die Verschandelung des Straßenbildes, die Hauseingänge in Deutschland werden optisch dominiert von Mülltonnen in Braun, Grau, Grün und an manchen Orten auch Gelb oder Blau. Eine Parade stinkender Zeitzeugen deutscher Lebens“kultur“ empfängt Bewohner wie Besucher. Im Hochsommer quellen bisweilen weiße Maden hervor oder widerliche Fliegen aus der Biotonne fallen den Öffner an. War für ein hübsches einladendes Spalier, wenn die Tonnen noch dazu dekorativ den Fußweg zum Eingang zieren! Und die gelben Säcke vor der Tür werden des öfteren von Krähen auf Nahrungssuche zerfetzt und der Inhalt auf dem Gehweg verteilt.

Warum können wir nicht dazu übergehen, dass Mülltonnen kein Privateigentum mehr sind wie der vorm Haus parkende PKW, sondern der Allgemeinheit gehören? Warum kann man nicht wie beispielsweise in der Schweiz, Frankreich oder Spanien kommunale Müllcontainer aufstellen, da, wo sie weder ästhetisch noch olfaktorisch die Anwohner stören? Das würde Unmengen von Einzeltonnen sparen und damit Geld, für die Gemeinden genauso wie für die Einwohner. In der Schweiz gibt es zum Teil sogar ansehnliche Blockhäuschen für den Müll. Ich habe jedenfalls keine Lust mehr, für etwas zu zahlen, das ich nicht mal nutzen kann. Und auch keine Lust mehr, gelbe Säcke in der Wohnung oder im Keller aufzubewahren bis zur nächsten Müllabfuhr. Altglas wird doch auch in separaten öffentlichen Behältern gesammelt, also warum nicht der Rest ebenso?

Und überhaupt: Solange selbst und gerade Bio-Salatgurken in Plastikfolie eingeschweißt wird, den wir Verbraucher bitteschön entsorgen sollen, sehe ich auch gar nicht mehr ein, dass ich meinen Müll trennen soll. Bald gehe ich zur Anarchie über und werfe wie andere alles überall rein, wo gerade Platz ist. So, Schluss mit dem Bürgergehorsam, der eh absurd ist, und wer mich anschwärzen will, der soll es tun.

Echt, mir stinkt’s.

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12 Antworten zu Alles Müll

  1. aquasdemarco schreibt:

    Ich weigere mich Bioapfal getrennt zu sammeln, das bringt Schimmel in die Küche, geht bei mir als Restmüll durch.

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  2. richensa schreibt:

    Liebe rotewelt, ich hatte gestern überlegt, ob ich meinen Unmut über die Müllerei meiner Mitbewohner auch in einem Post rauslassen sollte, habe mich aber dagegen entschieden.
    Der Rollcontainer war so vollgefüllt, dass der Deckel steil in die Luft ragte und ich seit Tagen meine kleine Restmülltüte nicht loswurde. Dann kamm der Müllmann, schmiss alle Beutel, die zuviel drin waren, raus, schob mit dem Container ab, kam mit einem leeren kurze Zeit später zurück, den er irgendwo im Durchganng stehen ließ, wie ich aus dem Küchenfenster sehen konnte. Ich schnappte mir den Besen und Gummihandschuhe, fegte erstmal den Schnee vom Weg zur Mülltonnenecke weg (dafür zahlen wir eigentlich auch), schob den Container an seinen Platz und packte die liegengelassenen Mülltüten in die Tonne, meine kleine dazu. Meinen Plastikmüll konnte ich auch loswerden, zog aber aus der Tonne zwei Tüten mit Kleintierstreu, Adventskranz und stinkendem Biomüll. Und das, wo ich so empfindlich bei Gerüchen bin *würg*!

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  3. traeumerleswelt schreibt:

    Wir haben hier in unserem Dorf im Elsass auch Einzeltonnen, eine grüne für Gartenabfälle und Obst- und Gemüseabfälle und eine braune für den Rest. Beide sind gross genug und es gibt nie Probleme. Gelbe Säcke und was in der Art gibt es nicht, dafür eine déchetterie, wo man wirklich alles kostenlos hinbringen kann.

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  4. zeilentiger schreibt:

    Schloss an der Mülltonne, diese bescheuerte Idee hatte mein Nachbar auch schon. Ja, in welchem Land leben wir eigentlich …

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