Aufgeschnappt: Private Verkehrskontrolle

Es regnet, auf dem Weg in die Innenstadt, ich bin ohne Schirm, die Monsterkapuze will ich noch nicht aufsetzen, mal abwarten. Unterwegs eine junge Frau, die mit einem jungen Mann, offenbar ein Freund, spricht. Er sagt ihr, sie dürfe ihr Auto auf seinen Parkplatz stellen, denn er müsse mit dem Auto weg. So muss sie nicht so lange ins Zentrum laufen und spart sich das Parkhaus, die Stadt heute ist wieder sehr voll, vor jedem Parkhaus lange Schlangen.

Ich komme aus einem Laden, in den ich kurz hineingesprungen bin. Da, auf gleicher Höhe, schon wieder die junge Frau, die nun in gleicher Richtung läuft wie ich. Plötzlich wird sie eingeholt von einer anderen, mittelalten, Frau, sie stoppt sie, stellt sich ihr fast in den Weg. Dann fragt sie forsch, beinahe drohend: „Wie ist es dazu gekommen, dass Sie auf unserem Parkplatz parken?“ Die junge Frau hebt lächelnd-gestikulierend zu Erklärungen an, aber was sie sagt, bekomme ich nicht mehr mit. Ich habe genug gesehen und gehört.

Während ich weiterlaufe und mir nun doch die Kapuze überziehe, will mir die Begebenheit nicht aus dem Kopf gehen. Wie hätte man auf diese Frage antworten können, um der blockwardesk-kontrollierenden Ego-Besitzerdreistigkeit und Unfreundlichkeit Paroli zu bieten? Man hätte sagen können: „Wie es dazu gekommen ist? Nun, ich bin von der Straße abgebogen auf das Parkgrundstück, habe mein Auto in die Lücke von Herrn X manövriert und den Motor ausgestellt. Möchten Sie noch mehr wissen?“ Aber ich weiß genau, wäre ich selbst in eine solche Situation geraten, wäre ich zunächst sprachlos gewesen, wie immer in solchen Momenten.

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9 Antworten zu Aufgeschnappt: Private Verkehrskontrolle

  1. kormoranflug schreibt:

    Seit ich Ihren Sohn kenne parke ich dort immer…..

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  2. Philipp Elph schreibt:

    Manchmal geht es mir schon mächtig auf den geist, wenn Leute sich frech und rücksichtslos auf private Parkplätze stellen. Da kann es schon mal passieren, dass die Höflichkeit flöten geht, wenn es mehrmals pro Woche passiert.

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    • rotewelt schreibt:

      Klar, mich würde es auch nerven, wenn mir jemand meinen Privatparkplatz klaut. Dass man da keine gute Laune hat, ist verständlich. Ich muss auch jedes Wochenende und in der gesamten Vorweihnachtszeit damit leben, dass mir mein Anwohnerparkausweis nicht viel nützt und lasse mein Auto deshalb zu solchen Zeiten meist stehen. Aber in diesem Fall hat sich die Frau ja vorübergehend auf den Parkplatz ihres Freundes gestellt und niemandem einen weggenommen. Was mich stört, ist die Vorverurteilung, erstmal wird verdächtigt, die Unschuldsvermutung gilt nicht.

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  3. Anhora schreibt:

    Missverständnisse gehören zum Leben. Wenn man freundlich darüber redet, ist es gar kein Problem. Abere wenn Menschen angestaut sind wegen ganz anderen Problemen, können sie’s halt nicht.

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    • rotewelt schreibt:

      Genau, mir sind die Art und der Ton, wie die Frau auf die andere losgegangen ist, aufgestoßen. Sicher kann es sein, dass sie nicht gut drauf war wegen anderer Dinge, das geht ja jedem mal so. Trotzdem erlebe ich dieses unfreundliche Angeblaffe in Deutschland zu oft, die Menschen tragen viel innere Spannung und Aggressionen mit sich, mehr als anderswo, das fällt mir immer besonders auf, wenn ich aus einem anderen Land zurückkomme.

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      • Anhora schreibt:

        Mir fällt es in unserer süddeutschen Kleinstadt selten auf. In Großstädten ist es aber anders. Meine Tochter lebt in München und sagt, man sei dort längst nicht so freundlich wie bei uns hier. Und die Menschen in Berlin finde ich recht kratzbürstig. Weiß nicht welche Läuse dort über Lebern krabbeln. 😉

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  4. Ulli schreibt:

    es ist ja nun die Frage offen, ob es wirklich ein öffentlicher oder ein privater Parkplatz war, aber in einem gebe ich dir Recht, ich kann diese blockwardesk-kontrollierenden Ego-Besitzerdreistigkeit auch nicht ab …

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    • rotewelt schreibt:

      Es ist ein privater Parkplatz für mehrere Fahrzeuge, Ulli, davon gibt es in dieser Ecke ein paar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Fremder so dreist ist, solche Parkplätze in fremden Hinterhöfen zu benutzen, denn es ginge nicht, ohne an entsprechenden Schildern vorbeizufahren und vor allem muss man dafür in Einfahrten einbiegen, die eindeutig privat aussehen. Deshalb fand ich die Art und Weise, wie die junge Frau angesprochen habe, sehr unangenehm und vorverurteilend.

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