Palma de Mallorca – von Modernisme bis Sobrassada

Nicht nur für George Sand war Palma de Mallorca eine Stadt mit besonderem Charakter und ungewöhnlicher Schönheit. Allerdings hatten sie und ihr Geliebter Fréderic Chopin nicht geahnt, dass sie dort Probleme haben würden, eine Bleibe zu finden. So landeten sie an der Westküste in der Kartause von Valdemossa, wo sie in erhöhter Lage über dem Meer mehr frieren mussten als das in der Inselhauptstadt der Fall gewesen wäre.

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Ich dagegen hatte Glück und fand für ein paar Tage eine kleine Dachwohnung am Rande der Altstadt – und es gab sogar eine Heizung, die auch nötig war, denn es war Februar. Zu meinem Geburtstag hatte ich mir dieses Vergnügen als Flucht aus dem Grau einmal für ein paar Tage gegönnt. Man kann dann aber durchaus schon draußen sitzen und es gibt kaum Touristen. Der Blick von meinem Heim auf Zeit über die Terrasse hinaus verlockte dazu, möglichst viele Winkel vom Palma zu entdecken. Auch wenn die Terrasse selbst ausgekostet werden wollte, zum Beispiel, indem ich dort ein paar besorgte Tapas verschlang. Ich könnte ausschließlich von Tapas leben!!!

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Das Wetter war mir hold, der Himmel meist leuchtend blau und ich glaube, ich habe die dies calms erwischt, die ruhigen Tage! Zu gern spazierte ich an den schönen flatternden Sonnentüchern aus dicht gewebtem weißen Leinen vorbei, anscheinend lieben die Bewohner nicht zuviel Sonne. Diese „Laken“ sind schöner als Markisen. Und ein wenig geheimnisvoll.

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Einer meiner Lieblingsplätze, der mich ein wenig an Italien erinnert. Übrigens: Palma wurde schon 123 vor Christus gegründet. Sagt man jedenfalls, das Datum soll willkürlich festgelegt worden sein.

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Auf dem Weg ins Zentrum – ich wohnte am Rande der Altstadt – gab es in dekorativen Fenstern täglich andere Spiegelungen zu sehen.

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Auch kam ich immer an mindestens einer der vielen meist gotischen oder barocken Kirchen vorbei. Etwa an Sant Francesc, einer Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert.  Vor der Fassade steht das Denkmal von Fra Junéper Serra. Er war einer der Missionare, der den Indianern der „Neuen Welt“ im 18. Jahrhundert den katholischen Glauben „näherbrachte“. Aus den Gründungen seiner Missionsgesellschaften entstanden Städte wie Los Angeles, San Franciso und San Diega. Serra wurde daher der „Vater Kaliforniens“ genannt. Serra warf immer einen sehr scharfen Schatten und das schwarze Kreuz auf der Fassade wirkte auf mich fast wie eine Waffe, wenigstens wie eine Mahnung oder Drohung.

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Sehr schön gestaltet wurde die Rosette über dem ebenfalls reich verzierten Portal der Klosterkirche. Das nebenan liegende Kloster, das heute eine Schule beherbergt, wurde 1232 gegründet. Leider war die Tür immer verschlossen, wenn ich versuchte, den Kreuzgang mit dem Innenhof zu sehen.

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Nur ein paar Ecken weiter befindet sich die Kirche Santa Eulalia, eine der ältesten Kirchen der Stadt. Auch dieses neogotische Exemplar hat eine wunderschöne, aber weniger detailliert gearbeitete Fensterrosette.

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Direkt gegenüber an der Placa Eulalia, kann man in einem der Cafés einkehren. Eines Tages zur blauen Stunde trank ich dort einen Aperitif, als mir vor der Kirchenfassade eine Schar von prozessierenden Jünglingen in weißblauen Gewändern erschien, eine unwirkliche Angelegenheit in diesem Licht. Eigens zu diesem Zweck war die Straße für den Autoverkehr gesperrt worden, ich hatte mich schon über die Absperrung gewundert. Leider war es nicht mehr hell genug zum Fotografieren.

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Wem weniger nach Geistlichen noch nach Hochprozentigen ist, der mag vielleicht (Hoch)Geistiges. In Palma kommen Freunde von Antiquariaten voll auf ihre Kosten, in der Altstadt gibt es zahlreiche verschachtelte urige Läden und manche sehen tatsächlich wie ein Bazar oder eine Höhle Ali Babas aus. Auch altes Handwerk wird angeboten, ebenso wie Dekoratives und Nützliches für’s Haus, kurz nach dem Valentinstag noch mit Herzen verziert.

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Abseits der engen Gassen finden sich prachtvolle Jahrhundertwendebauten mit verglasten Erkern und wunderschönen schmiedeeisernen Balkongeländern.

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In der Fußgängerzone locken kleine Läden mit mallorquinischen Spezialitäten, zum Beispiel der berühmten roten luftgetrockneten Streichwurst Sobrassada. Daneben gibt es noch allerlei andere Würste und Delikatessen zu sehen…

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Und da naht schon der Hauptplatz, der belebteste Mittelpunkt von Palma, die Plaça Major.

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Der Weg dorthin wird gesäumt von einigen Bauten des Jugendstils, dessen mallorquinische Variante Modernisme genannt wird.

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Auch der Katalane Antoni Gaudí war in Palma tätig und hinterließ seine geschwungenen verspielten Spuren.

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Ich lasse die Bilder für sich sprechen…

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Und um die Ecke gibt es dann die neue Art „Jugendstil“ zu sehen…, nicht weniger dekorativ:

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Dazwischen Altes und Halbaltes.

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Und da ist sie, die Plaça Major, um diese Jahreszeit je zur Hälfte in Licht und Schatten getaucht.

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Kopflose Gesellen und andere Gaukler versuchen die wenigen Touristen für sich einzunehmen.

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Am meisten Erfolg haben noch die asiatischen Schriftzeichen und Namensmalereien, die zum Teil den Verzierungen ähneln, mit der die schon mutig angepriesene Eiscreme lockt.

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Auf einer Seite des Platzes sind die Cafés immer besucht, je nach Tageszeit.

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Dort kann man dem Treiben zuschauen. Und vor sich hin grinsen. Rosa ist eben nicht gleich Rosa, stelle ich fest. Zwischen verführerischen Dessous und einem Pink „Panther“ liegen Welten. Na ja, wer sich zum Affen machen will…

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Vielleicht erholt man seine Augen und guckt nach oben…

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Aber es gibt auch reale Waren, Hüte, Mützen, Schals, hübsch präsentiert, die das Auge erfreuen. Und der freundliche „Glücksverkäufer“ posiert gern für ein Foto.

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Hat man genug vom „Trubel“, reichen ein paar Schritte um die Ecke und wieder ein anderes Stück Palma beginnt. Hier fühlt man sich fast wie im Mittelalter.

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Und dann wieder Bilder, die – nicht nur wegen Gaudí – plötzlich an Barcelona erinnern. Dort habe ich auch so einen Schirm an einer Fassade gesehen.

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An anderen Plätzen, in anderen Gassen, findet noch mehr mallorquinisches Leben der Ureinwohner statt, zu dem natürlich auch der Winterschlussverkauf gehört, „50 Prozent weniger“ versprechen die Schilder. Und ich, ich lande nicht in Klamottenläden, sondern in einem winzigen Geschäft unterhalb der Treppe und erstehe einen Mini-Globus. In einem Fächerladen, in dem ich mich kaum entscheiden kann, werde ich auch fündig.

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Nicht weit von hier, in der Nähe des Born-Viertels, findet man Grün und Kanäle, die andalusisch anmuten. Der älteste Olivenbaum der Stadt steht allerdings eher Richtung Zentrum.

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Von hier aus wäre es nur noch einen Sprung weit ins Catalina-Viertel. Dort wird es noch ruhiger, obwohl es mittlerweile „in“ ist. Ich aber erfreue mich einfach des Grüns in den Bäumen, des werbenden Kellners und der ausgestellten Sonnenbrillen, die mich die Jahreszeit vergessen lassen.

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Wie gern würde ich in all die Patios eintreten und sie näher erkunden, doch die Tore sind verschlossen.

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Es gibt aber auch Innenhöfe, deren Existenz man von außen nicht ahnt. In einem kleinen Café wollte ich ein Stück Kuchen zum Mitnehmen kaufen, da sah ich eine Tür nach hinten hinaus und entdeckte einen romantischen grünen Garten für Gäste, sogar mit Katze. Außerdem gab es einen Weinkeller mit uraltem Gewölbe, den man mir zeigte. Denn eigentlich war das Café eine Weinbar. Die Leute waren sehr nett und kommunikativ. Leider fand ich dieses Kleinod erst am letzten Tag, da muss ich nochmal hin!

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Abseits der Hauptströme gibt es überall kleine Plätze mit Cafés, die zum Verweilen und Gucken einladen.

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Der Friseursalon Rosa Mari hat heute geschlossen. Hinter anderen Fenstern finden sich Spitzen- und Häkeldeckchen.

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Je weiter man sich vom Kern entfernt, umso mehr fühlt man sich „woanders“, in einer anderen Zeit. Wobei: Einer der Eingänge zu meiner Wohnung hatte auch so eine steile enge Treppe! Es gab noch einen zweiten Eingang, durch ein breites Tor in eine Diele mit matt leuchtenden andalusischen Lampen. Von da aus führte ein Fahrstuhl bis in die Etage unter mir und von dort ging es führten ebenso schmale hohe Stufen bis zu meinem Nest hinauf.

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Da meine Wohnung am Rand der Altstadt lag, sah ich auch das untouristische Palma.

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Hier konnte man für fünf Euro ein appetitliches Mittagsmahl bekommen oder für die Hälfte des Preises ein belegtes Sandwich.

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In der Nähe der alten Markthalle wirkt Palma noch älter. Verfall neben frischer Wäsche und etwas Jugendstil.

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Fast ohne einem Menschen zu begegnen, ging ich um Häuserecken und staunte über frische Knospen und Blüten. Noch trugen die Bäume Orangenfrüchte. Meine Schritte hallten in den Gassen, als sei ich allein auf der Welt.

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Einmal fühlte ich mich in die Mitte des 20. Jahrhunderts versetzt, wenigstens. Ob hier noch Hausfrauen Garn, Knöpfe kaufen und Profis ihre Berufskleidung?

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Spätestens hier, auf dem Heimweg, wusste ich, dass ich nicht mehr weit von meinem Feriendomizil entfernt war, nur noch ein paar Ecken. Ein paarmal kam ich an diesem Platz vorbei – und nahm doch zweimal das falsche Seitensträßchen.

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Vermutlich lag es daran, dass ich vom Anblick dieser Fassade abgelenkt war. Ein solches Gebäude hatte ich in diesem Winkel der Altstadt überhaupt nicht vermutet und war umso überraschter.

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Nochmal Modernisme! Wer dem Charme dieser Stadt nicht erliegt, auch im Winter, dem ist nicht zu helfen. Jean Cocteau sagte einst: „À Palma de Majorque tout le monde est heureux“ – „In Palma ist die ganze Welt glücklich“. Ich weiß nicht, ob das stimmt, im wirtschaftlich gebeutelten Spanien sicher nicht mehr. Trotzdem: Es ist eine wunderschöne Stadt, am Meer noch dazu.

Mitte/Ende im Februar ist die Mandelblüte übrigens fast schon vorbei… Wer die nebenbei auch auch sehen möchte, besucht die Insel besser Ende Januar/Anfang Februar. Das fand ich raus, als ich für einen Tag lang mit einem Mietwagen (für nicht mal zehn Euro!) durch die Landschaft fuhr. So grün und „verblümt“ wie im Januar und Februar ist Mallorca zu keiner anderen Jahreszeit.

Die Sängerin María Concepción Balboa Buika – Künstlername Concha Buika – ist 1972 in Palma de Mallorca geboren.

Über andere Viertel der Stadt und einen Nachtspaziergang durch Altstadtgassen habe ich in den Reiseimpressionen unter der Kategorie „Mallorca“ geschrieben.

Adéu (wie der Mallorquiner sagt und auch der Katalane an sich) denn auf Mallorca spricht man neben Spanisch/Kastilisch auch Katalanisch und vor allem auf dem Land auch die Variante Mallorquin.

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9 Antworten zu Palma de Mallorca – von Modernisme bis Sobrassada

  1. vilmoskörte schreibt:

    Wie immer wunderbar illustriert! Das Katalanische kommt dem Französisch oder Italienisch Sprechenden doch eher entgegen als das Kastilische, oder?

    • rotewelt schreibt:

      Muchas gracias, Vilmos. Ja, ich glaube, das Katalanische kommt dem Französisch Sprechenden ein bisschen eher entgegen als das Kastilische. Zum Italienischen in dieser Beziehung kann ich nichts sagen, nur, dass mir diese Sprache immer dazwischen kommt, wenn ich Spanisch sprechen will… (Das Spanische – ob Kastilisch oder Katalanisch – ist nicht sooo mein Ding, ich vermenge es ständig).

  2. sunflower22a schreibt:

    beautiful. So beautiful. I am tempted to book a flight right now 🙂

  3. Publicviewer schreibt:

    I book too to Timbuktoo…. 😉

  4. ehre9 schreibt:

    Von manchen Reisezielen kann man nur träumen… die Sonne lockt, sie macht das Leben leichter… Die schönen Fotos und Text machen die Orte verführerisch! Und mit ein wenig Imagination können wir uns vorstellen, wie die Dame den Urlaub genossen hat…lach 🙂

  5. rotewelt schreibt:

    Aber von Mallorca muss man nicht nur träumen, es ist ja nur ein Katzensprung! Und das Leben fühlt sich wirklich leichter an und wird gerne genossen. Danke für den Besuch! 🙂

  6. Pingback: Fremde Federn: Palma de Mallorcas schönste Seiten | sunflower22a

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