Die zwölfte Woche, 2015

Gar zu leicht missbrauchen und vernachlässigen uns die Menschen, sobald wir mit ihnen in Vertraulichkeit verkehren. Um angenehm zu leben, muss man fast immer als ein Fremder unter den Leuten erscheinen. Dann wird man geschont, geehrt und aufgesucht.

(Adolph Freiherr von Knigge)

Gar nicht so falsch gedacht vom alten Knigge… Wen man kennt und wer einem zugetan ist, um den muss man sich ja – so wirkt es öfter – anscheinend weniger bemühen, weil man sich der Zuneigung dieser Menschen – zu – sicher fühlt. Andere dagegen umwirbt man, ist aufmerksam, macht ihnen eine Freude, zeigt Wertschätzung, beantwortet alle Post, ruft zurück und immer „zeitnah“ (wie ich das Wort hasse, ebenso wie „proaktiv“, aber ich finde, es passt hier)… Ähm, und ich nehme mich nicht vollkommen aus, wenn ich auch bei den Menschen, die mir wirklich am nächsten sind, na ja…

Ja, aber… wenn man mal die Flüchtlingsdebatte ansieht, ist es eher umgekehrt mit den Fremden. Ich  hatte vorgestern ein böses Erlebnis im Supermarkt: Ein Angestellter unterhielt sich mit einem Bekannten oder Freund, der als Kunde dort war, und machte abwertende Bemerkungen über „Asylanten“, die gerade etwas eingekauft hatten. Nach dem Motto „was wollen die in unserem ‚Dorf‘?!“ und „Wir lassen uns viel zuviel gefallen.“ Wie meistens in solchen Momenten war ich zuerst sprachlos vor Schreck und malte mir erst auf dem Heimweg aus, wie ich hätte eingreifen, was ich hätte sagen können oder gar müssen. Zum Beispiel: Sorgen diese Asylanten mit ihren Einkäufen nicht auch dafür, dass Sie hier bezahlt werden und arbeiten dürfen? Etc..

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2 Antworten zu Die zwölfte Woche, 2015

  1. zeffiretta schreibt:

    Genau! Das naechste Mal frag doch diese Angestellten mal, wo sie am liebsten essen gehen!
    Liebe Grüße

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