Streugut

Deutsche Sturmgewehre der Marke G36 haben angeblich Probleme mit der Treffsicherheit, Sie sollen ein wenig streuen. Das ist wahrlich ein Skandal! Wow, womöglich treffen sie keine Menschen, sondern einfach daneben oder nur zum Teil… Vor allem bei Hitze soll dieser Fehler auftreten. Aber die Soldaten in anderen sehr heißen Ländern, an die Deutschland die Waffe geliefert hat, etwa die kurdischen Peschmerga, haben keinerlei Probleme mit dem Ding, egal bei welchem Klima. Komisch, oder? Jedenfalls kamen Beschwerden nur aus Deutschland und nur von Leuten, die nie mit dem Gewehr geschossen haben.

Derweil verrecken Flüchtlinge weiter im Mittelmeer. Ein kleines Land wie der Libanon mit nur vier Millionen Einwohnern hat eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, aber in Europa tun die Politiker so, als sei der Kontinent zu klein für die Flüchtenden und würde vollkommen überschwemmt von Asylanten (ganz Afrika und Arabien kommen bestimmt rüber!!!) und dadurch untergehen. Andere sagen, Rettungsaktionen seien quasi gleichbedeutend mit der Unterstützung der gnadenlosen Schlepperbanden, was zwar teilweise stimmt, aber doch zynisch ist. Das ursächliche Problem in den Ursprungsländern der Flüchtlinge, das es eigentlich zu beheben gälte, wird wohl kaum je beseitigt werden angesichts der politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse in der Welt, doch das wäre die einzige langfristige Lösung. Aber da nicht damit zu rechnen ist, besteht doch wohl die verdammte moralische menschliche Verpflichtung, die Flüchtenden nicht krepieren zu lassen und sie aufzunehmen – und nicht vor allem Italien und auch den anderen acht aufnahmebereiten Ländern alles allein aufzubürden -, außerdem in Libyen, wo die meisten auf die unsichere Überfahrt warten, zu handeln und Asylanträge zügig zu bearbeiten und schon damit den Schleppern das Handwerk zu legen. Möglich ist das, wenn es denn gewollt wäre und nicht andere Interessen dagegen sprächen. Es gab ja übrigens schon andere Flüchtlingswellen in der Geschichte…

Mein Unwort des Jahres wäre übrigens „Flüchtlingssaison“. Ich hörte es im Radio und wie ich eben las, benutzen es verschiedene Medien, anscheinend, ohne sich weiter Gedanken darüber zu machen. Es bezieht sich darauf, dass in der kommenden warmen Jahreszeit noch mehr Menschen aus Krisenländern die Flucht übers Mittelmeer wagen, da die See dann ruhiger ist. „Flüchtlingssaison“ – klingt doch nett und nach Mittelmeerurlaub, oder? Ich buch schon mal ne Barke. Hey, nach Sizilien wollte ich schon immer mal – Catania, ich komme, nicht mit Easy Jet, sondern mit Difficult Boat named Fugitive Season!

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7 Antworten zu Streugut

  1. aquasdemarco schreibt:

    Würdest du einen Flüchtling bei dir aufnehmen, es gibt solche Initiativen hier in NRW?

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  2. menuchaprojekt schreibt:

    Und was sagt unser Bundesinnenminister? Er sagt: „Wir müssen die Schlepper härter verfolgen.“ Ja nur nicht an die Wurzel des Problems gehen.

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    • rotewelt schreibt:

      Genau. Die Ursachen der Massenflucht gehen uns ja anscheinend nichts an, lieber baut Europa sich weiter als Festung aus nach dem Motto „Was gehen uns diese Krisenländer an?!“, liefert aber weiter munter Waffen, Kriegsgeräte etc. oder guckt zu oder besser weg, wie die früher gelieferten Waffen dort genutzt werden, mal von dem, mal von jenem, je nachdem, wer sie in die Finger bekommt…

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      • menuchaprojekt schreibt:

        Zumindestens hat Gauck jetzt mal klare Worte gefunden und den Völkermord an den Armeniern klar benannt. Auf der anderen Seite war auch dies schon lange überfällig. Und leider haben wir Deutschen im ersten WK auch da mal wieder unsere Finger mit im Spiel gehabt.

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        • rotewelt schreibt:

          Ja, die meisten anderen Politiker haben sich aber hübsch zurückgehalten. Na ja, ist ja auch immer schwierig, wenn Deutschland sich zu anderen Völkermorgen äußert. Außerdem gibt es auch aktuell Völkermorde, über die man erst recht nicht spricht.
          Gerade habe ich übrgens auf EinsFestival einen guten Spielfilm über das Thema Flüchtlinge gesehen, „Die Farbe des Ozeans“, ein deutsch-spanischer Film von 2011. Er spielt auf den Kanaren, wo auch Boote aus Afrika anlanden, mitten zwischen Touristen am Strand. Wenn sie es denn bis ans Ufer schaffen. Im Mittelpunkt stehen die Widersprüche und unterschiedlichen Interessen, Ängste und Bedenken.

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