Feuchtgebiete – Ödnis auf weiter Flur

Das Buch von Charlotte Roche habe und hätte ich nie gelesen (obwohl die Frau nicht dumm ist, im Gegenteil, ich mochte ihre TV-Interviews mit diversen „Popgrößen“, aus denen sie mit ihren offenen Fragen und ihrer Art oft mehr herausholte als andere). Nur mag ich nicht per se die Bücher von aus anderen Genres bekannten Prominenten und auch will ich nicht jegliche Form des Gestörtseins wie auf dem Silbertablett präsentiert lesen, scham- und grenzenlos. Und auch nicht sehen.

Heute Abend also wurde im ZDF (da sieht man besser, haha!) der Film zum Buch gezeigt, für alle, die „sich nicht trauten, ins Kino zu gehen“, las ich, oder so ähnlich, irgendwo. Ach so. Eine Frage der Traute war es für mich allerdings nicht, mir den Kinobesuch und ein paar Euro zu ersparen. Ich hatte einfach keine Lust auf „feministischen“ Ekelkram.

Aber jetzt guckte ich doch mal rein, aus kleiner Neugier. Bah, wie widerlich und zum Würgen anregend das schon anfing, fast die ekligste Szene (von dem, was ich sah) und es riss nicht ab. Aber der Ekel war es nicht allein, der mich abschalten ließ. Eher noch die Langeweile. Meine Güte, was für ein „Inhalt“. Alles dazu ist hinreichend beschrieben worden, jede Wiederholung erspare ich mir. Der Inhalt ist ein Nichts, warum sollte eine junge Frau interessant sein, die sich inbrünstig für Ausscheidungen aller Art interessiert, vor allem die ihres eigenen Körpers? Und für sonst nichts?! Der Film erzählt nichts darüber, keine Geschichte. „Das Parfum“ ist das hier jedenfalls nicht! Vielleicht sollen Buch und Film provozieren, aber es ist doch schon alles bekannt. Manche Feministinnen finden Buch und Film gar toll, weil so natürlich und echt. Ach?! Interessant…

Dazu wirkt die in fast allen Medien hochgepriesene Hauptdarstellerin, obwohl sie sich jede Sekunde den Finger in die Muschi steckt und anschließend an den Haftungen riecht, sowas von hausbacken. Ich musste mehrfach an Filme der 60er denken. Fast wie Doris Day, nur ohne jeden Appeal (erotisch war die Day ja auch nicht). Dazu als Mutter Meret Becker, das passt irgendwie, aber diese sowieso immer (und meist ungangenehm) exaltierte Frau prägt man sich wenigstens ein, die Hauptdarstellerin nicht.

Überflüssig, der Film jedenfalls, wie auch immer er ausgehen mag. Und die aufgeplüscht-psychologische Familiengeschichte dahinter hätte man sich auch sparen können, denn sie erklärt – hier – nichts.

Gute Nacht!

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14 Antworten zu Feuchtgebiete – Ödnis auf weiter Flur

  1. aquasdemarco schreibt:

    Aber man redet halt drüber, so hat Frau Roche ihr Ziel erreicht.

  2. waldstern schreibt:

    Bekanntlich stehen weibliche Hemmungen hinsichtlich ihres eigenen Unterkörper ja einer erfüllten weibl. Sexualität nun mal im Wege. Wenn man zudem bedenkt, wieviele Frauen Probleme mit ihrer Muschi haben, da für viele Frauen der eigene Intimbereich immer noch mit Scham belegt ist etc, finde ich das Buch und die damit einhergehende Sensibilisierung für dieses Thema schon sehr gut.

    • rotewelt schreibt:

      So wird ja oft von feministischer Seite argumentiert. Für mich hat der Film bzw. die Ausschnitte, die ich ausgehalten habe, bis ich abschalten musste, aber gar nichts mit weiblicher Sensibilisierung zu tun, sondern nur mit Provokation und dem fast kindlichen (dazu passt die Off-Stimme!) Reden über Dinge, über die man als Erwachsener nicht öffentlich reden muss und zwar nicht aus Scham und Unsicherheit, sondern aus Diskretion , wegen der Bewahrung eigener Intimität und um anderen Menschen nicht den Appetit zu verderben. Ich glaube, Charlotte Roche ist ein bisschen gestört.

  3. Anhora schreibt:

    Ich persönlich würde diese Bilder wahrscheinlich nicht mehr aus dem Kopf bekommen, egal ob gelesen oder gesehen. Sie wären sicher nicht das, woran ich beim Sex denken will, denn die körperliche Liebe ist für mich schon ein bisschen mehr als der Austausch von Körperflüssigkeiten. Aber andere mögen es anders sehen, deshalb verkaufen sich solche Bücher und Filme, ist auch in Ordnung. Wer’s nicht mag, muss es ja nicht lesen oder anschaun.

    • rotewelt schreibt:

      Zum Glück blieben die Bilder relativ diskret, das meiste wird im Film nur angedeutet. Aber der Einstieg war schlimm, nein, ich erzähle es lieber nicht, damit sich dir das Bild nicht einprägt, jedenfalls geht es (da) nicht um Sex und überhaupt geht es im ganzen Film vor allem um laufende Überschreitungen des natürlichen Ekelgefühls – der „Rolle“, die sich darin aber meist wohlfühlt, und des Zuschauers.

      • Anhora schreibt:

        Okay … Dann ist das wohl eine Spielart beim Sex: Dinge tun, die eklig sind. Ganz neu ist das ja nicht, aber vielleicht bisher nicht so breitgetreten. Mein eigenes Sexleben wird mir Frau Roche jedenfalls nicht kaputtmachen. 😉
        Trotzdem sind deine Gedanken dazu ein spannender Beitrag zu den Facetten des Lebens. Wir haben moderne Medien und die Möglichkeit, mit Schockbildern im großen Stil Geld zu verdienen, also tun wir es auch. Solange ich mich davor schützen kann, solls mir gleich sein. Wäre ich noch sehr jung und bei meinem Freund würden dadurch bestimmte Erwartungen geweckt, hätte ich allerdings ein Problem. Glück gehabt! 😉

        • rotewelt schreibt:

          Verstehe. 🙂 Aber so, dass der Film eklige Spielarten beim Sex propagiert, ist es nun auch wieder nicht. Schwer zu beschreiben und der Sinn von Buch und Film erschließt sich mir nicht, allenfalls mit dem Ziel, wie du und André sagt, damit Geld zu verdienen. Ich habe aus Neugier in den Film geschaut, weil er im TV kam, niemals hätte ich dafür etwas bezahlt und ich wusste dann auch schnell, warum.

  4. kalypso schreibt:

    in freuchtgebiete habe ich mehrmals versucht reinzulesen…………….habe es jedesmal angeekelt und mit unglaublichen kopfschütteln wieder ins regal der buchhandlung gestellt. was für ein schrott!!!!
    ein kumpel drückte es in kurzen worten aus: die frau ist krank!

    letzte woche kam eine gute bekannte vorbei, drückte mir „shades of grey“ in die hand und lobte das buch in den allerhöchsten tönen. vor allem die story dahinter – sowas von gut. da ich ja auf „the mentalist“ stehe, wäre das was für mich. psychologie vom feinsten.
    also gut – ich versuchte es – es ging nicht. albern, unreif, und eine märchenhafte story und alles sowas von langweilig. puuuuuuhhhhhh!!!!! und psychologisch total unlogisch und vollkommen an den haaren herbeigezogen. das stimmt so manches – im wahrsten sinne des wortes – vorne und hinten nicht!
    und die sex-szenen ………………………naja, für den ders braucht ist es wohl das höchste 🙂

    • rotewelt schreibt:

      Shades of Grey ist ja auch so ein Phänomen. Nachdem ich die ersten Buchbesprechungen gelesen hatte, reichte es mir schon – das klingt wie die Träume gelangweilter Hausfrauen auf dem platten Land. 🙂 Und genauso langweilig scheint es ja auch tatsächlich zu sein. Also nicht mal Psychologie vom Feinsten, sondern eher… Küchentischpsychologie, wie es scheint! Doch sooo viele Frauen lieben es, seltsam. Jedenfalls scheinen Männer eh nicht die Zielgruppe von Buch und Film zu sein. 🙂

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