Jammas

Ich kriege nur noch die Wut, wenn ich sehe, wie das Volk verdummt wird, weltweit. Uns soll weisgemacht werden, dass Griechenland ein schlimmes Land ist, in dem nur die Korruption regiert und wo die Menschen alle viel zu früh in Rente gehen und sonst nur in ihren Kafenions sitzen, mit ihren Kombolois spielen und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Und der Rest Europas, das sind die Guten, die Fleißigen, die Rechtschaffenen, die nicht Korrupten, nein, niemals, die alle auch immer brav ihre Steuern zahlen und niemals nicht Geld ins Ausland transportieren.

Aber vor allem wir Deutschen, wir sind die Guten, die Besseren, wir sind die, die wissen, wo’s langgeht, wir können Politik machen, wir können sparen, sparen, sparen, wir machen keine Schulden und sind überhaupt das Musterland der EU. Es sollen sich gefälligst alle uns als Beispiel nehmen, sich nach uns richten und es uns nachmachen, jawoll!

Warum sind sie uns denn bloß nicht dankbar, die Griechen? Wieso waren sie denn so vermessen, all die Kredite anzunehmen, die „wir“ ihnen zu überhöhten Zinsen angedient, ja geradezu aufgedrängt haben, hilfsbereit und selbstlos, wie „wir“ waren und natürlich immer noch sind? Na, ganz schön blöd, diese Griechen, also wirklich. Das haben sie nun davon. (Dass Deutschland davon profitiert hat und es immer noch tut, muss man ja nicht laut sagen.)

Also, Hacken zusammengeschlagen, aber dalli! Wenn ich Sauertopf-Schäuble und Merkel-Schulmeisterin, Typ strenge Gouvernante und selbsternannte Herrscherin Europas, sehe, wird mir nur noch schlecht. Aber das dumme manipulierte Volk hierzulande und ein großer Teil der Medien (zum Glück gibt’s aber doch auch kritische Töne) hängt ja an Muttis Schürzenzipfel und guckt nicht unter ihren nur scheinbar unschuldig-sauberen redlichen Rock, sondern schimpft über die dreisten frechen griechischen Politiker. Und selbst wenn sie einlenken, die Griechen, dann muss man sie noch weiter in Bedrängnis bringen, bis sie Angie die Füße lecken. Heuchelei, Verlogenheit, Diffamie, Machtsucht und arrogantes Gehabe nach Kolonialherrenmanier – ehrlich, mich kotzt das alles nur noch an.

Grexit wird sicher zum Wort des Jahres 2015 gekürt. Ich fände es angebrachter, wenn es Unwort des Jahres würde (wobei…, die EU ist ja ohnehin ein fragwürdiges Gebilde… ).

Το μεγάλο ψάρι τρώει το μικρό.
(Der große Fisch frisst den kleinen.)

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8 Antworten zu Jammas

    • Ulli schreibt:

      jawoll!!!

      aber zum Glück gibt es auch hier kritische Töne und zwar nicht zu knapp, die aber hört man weder in der Tagesshow, noch während der normalen Radionachrichten, zwischendrin in den Diskussionen aber durchaus.
      All diese Themen sind vielschichtig, die EU ein seltsames Konstrukt, das uns Normen aufzwängt, besonders auch den Bauern, die sich nur BürokratInnen ausdenken können. Menschen, die mit der Landwirtschaft und den Gemüsegärten gross hgeworden sind wissen, dass es keine Grössennorm geben kann, geben darf. Und was ich da gerade als kleines Beispiel ausgewählt habe, da ich wenigstens davon ein bisschen Ahnung habe, so scheint es mir ist es eben im Grossen auch. Für mich heisst die Überschrift: Gier, die Unterschrift heisst: Deutschland hat noch nie den Hals voll gekriegt … (wenigstens nicht in den letzten Jahrzehnten-)
      Ui, liebe Rotwelt, mir fällt immer mehr ein, darum höre ich lieber auf. Ich teile deinen Unmut!

      herzlichst Ulli

      • rotewelt schreibt:

        Danke. Ja, liebe Ulli, die kritischen Töne, vor allem auch gegen Schäuble, mehren sich, in Politik und Medien, und nicht nur in den sowieso „aufmüpfigen“. Und das ist gut so, finde ich. Auch wenn es sicher kaum etwas ändert.
        Die EU ist schon ein seltsames Konstrukt, sehe ich auch so. Danke für dein Beispiel, das auch Erinnerungen in mir weckt. Ich bin ja auf dem Land großgeworden mit vielen Bauernhöfen ringsum. Als Kind und Jugendliche habe ich aus Gesprächen hautnah mitbekommen, was die Landwirte umtrieb und gesehen, dass plötzlich nur noch „Groß“ etwas galt. Auf dem Hof gegenüber lebten die wohlhabendsten Bauern, sie konnten mit Brüssel mitziehen, als die damalige EWG Subventionen versprach. Sie konnten es sich leisten, ihren Hof noch zu vergrößern und machte richtig Geld mit den Quoten, ihnen ging es gut. Die Kleinbauern jedoch, nicht in der Lage, die verlangten Quoten zu bedienen, verarmten immer mehr, man konnte es bildlich sehen, schon allein daran, dass sie ihre Höfe und Häuser nicht mehr in Schuss halten konnten. Was für eine seltsame ungerechte Welt, in der denen, die schon haben, noch mehr in den Rachen geschoben wird…

        • Ulli schreibt:

          das ist das Prinzip, das anhält, die Fetten werden immer fetter und den Armen gibt man Chips und Cola, früher hiess das Zuckerbrot und Peitsche- aber die Armen stehen auch nicht zusammen und schon gar nicht zusammen auf, wenigstens und ganz besonders nicht in D, sie lassen sich, wie du so treffend schreibst, weiterhin verblöden und für dumm verkaufen- eine gefährliche Saat, wie ich finde …

    • rotewelt schreibt:

      Danke dir, pgeofrey!

  1. Anhora schreibt:

    Wenn du dein Land unerträglich findest und Empathie für Griechenland hast – könntest du dir denn vorstellen, nach Griechenland auszuwandern und dort zu leben? Auf jeden Fall könntest du dort lernen, wie man Steuern spart. Wusstest du, dass in Griechenland für ein Haus erst dann Grundsteuers gezahlt werden mus, wenn es fertiggestellt ist? Das heißt, in der Regel fehlt an Neubauten ein Balkon oder ein Fenster oder der Gartenzaun. Für immer.
    Schuld an der Misere ist nicht das dumme griechische Volk, so wenig wie die dummen deutschen Politiker. Schuld sind bzw. waren die dummen griechischen Regierungen, die wirtschaftliches Wachstum behindern, Korruption fördern und nicht in der Lage waren/sind, Steuern einzutreiben. Dazu noch die Tricksereien, um in die EU zu kommen – wenn sich das Deutschland erlaubt hätte!!

    • rotewelt schreibt:

      Auja, wenn ich Steuern sparen kann, gehe ich nach Griechenland, danke dir für deine lieb gemeinten Informationen und Auslegungen meiner Worte…, lach.
      Ich ärgere mich tatsächlich oft über die Höhe der Steuern, die ich als kleine Freiberuflerin abdrücken muss, während die ganz Reichen davonkommen und überhaupt in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird und die Mitte immer kleiner. Herr Schäuble will daran aber nichts ändern. http://www.sueddeutsche.de/geld/vermoegenssteuern-im-vergleich-reichenparadies-deutschland-1.1849026
      Oft frage ich mich, wie man Länder so unterschiedlicher Mentalitäten überhaupt in der Eurozone unter einen Hut bringen kann (darüber hinaus sollte man sich hüten, hier zu werten und das eine für richtig und fortschrittlich und das andere für falsch und rückständig zu halten – und ich rede jetzt nicht über Korruption, die es leider überall gibt und in noch viel größerem Stil als in Griechenland). Geld hält eben nicht alle/s zusammen. Und ich gehöre übrigens nicht zu jenen, denen Wirtschaftswachstum als die unantastbare Bibel der Neuzeit gilt, sondern zu jenen, die diese Prämisse kritisch hinterfragen oder sogar in Frage stellen.

  2. Anhora schreibt:

    Griechenland war 400 Jahre lang von der Türkei besetzt, bis ins 18. Jahrhundert. Dass die Menschen da vor allem darauf aus waren, um die von den Besatzern auferlegten Steuern herumzukommen, ist nachvollziehbar. Vielleicht hat das die Mentalität geprägt. Auf jeden Fall hat das Land ganz andere Strukturen aufgrund einer anderen Mentalität, und eine Folge davon ist der Staatsbankrott. Nicht der erste in Griechenland übrigens.
    Du ärgerst dich über Steuern – ich auch. Aber wir müssen sie halt zahlen, in Deutschland werden sie konsequent eingetrieben, und darum funktioniert unser Staat. In Griechenland zahlen viele Reiche wenig bis gar keine Steuern. Dann funktioniert ein Staat nicht.

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