Ach du dickes Ei

Es gibt sie schon ein paar Jahre lang, aber ich hörte erst jetzt davon: Die Eiersuch-App für Kinder, Eifinder genannt. Papa oder Mama (wahrscheinlich eher Papa) versteckt die Ostereier und markiert die Position der gelegten Eier per GPS. Das Kind kriegt das Eiphone in die Hand gedrückt und geht suchen. Die App zeigt ihm „warm“ und „kalt“ an, je nachdem, wie nah es den Ostereiern kommt.

Das Gelbe vom Ei? Die App soll das (Klein)Kind fördern. Aha! In der Bedienung einer App? Früh übt sich… Auch wird hervorgehoben, dass damit kein Ei mehr unentdeckt bleibt – bloß nix verschwenden, böse Konsumgesellschaft, lieber Geld für die App ausgeben, eieiei… Außerdem geht die Suche damit bestimmt schneller und Papa friert sich nicht mehr die Eier ab, denn zu Ostern ist es oft kühl. Also doch, wirklich überzeugend, diese Erfindung.

Besonders nett: Das Kind guckt nicht mehr um sich in die Natur und sucht aktiv auf eigene Faust und mit kleinen Winks von den Eltern, sondern wird zielgerichtet gelenkt, den Blick die ganze Zeit auf das Display des Ei-Phones geheftet und stolpert ansonsten blind durch die Gegend, sieht nichts von der Welt. Das ist wahrer Fortschritt, denn so lernt das Kind gleich fürs Leben. Das Ei des Columbus ist es aber trotzdem nicht, da geht bestimmt noch mehr.

Gibt’s den Eifinder eigentlich auch schon für Veganer? Dürfen vegan erzogene Kinder überhaupt Eier suchen? Na ja, da es ja auch Veggie-Schnitzel, -Frikadellen, -Würste und -Burger gibt, dürfte die App auch für Veggie-Abkömmlinge kein Problem sein, man bleibt ja erstaunlicherweise bei den alten böse besetzten Begriffen, ein bisschen schizophren ist das. Sicher gibt es längst Veggie-Schoko-Ostereier, eifrei sozusagen, in denen auch kein Milch(pulver) und auch sonst nichts von toten Tieren steckt (von lebendigen Tieren darf ja anscheinend immer was drin sein).

Aber in welch unlösbaren doppelten Konflikt stürzt man ein Veggie-Kind, wenn man ihm einen Schoko-Osterhasen schenkt? Erstens sind verbotene Zutaten drin, zweitens isst man sowieso keine toten Tiere, auch wenn sie in Stanniol verpackt daherkommen und drei Monate vorher noch Nikoläuse waren.

Vielleicht sollte man mal die Traditionen brechen und anstatt des Hasen und des Eis andere Symbole für unsere neuen gesellschaftlich-moralischen Gruppierungen erfinden. Aber das sind noch ungelegte Eier. Pardon… Ich brate mir ein Ei drauf.

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13 Antworten zu Ach du dickes Ei

  1. Xeniana schreibt:

    Ach ich fände so ne App ganz witzig:)))

  2. Xeniana schreibt:

    Ach doch:)) das würde die Teenies vielleicht noch mal zum suchen animieren:))

  3. Deine Christine! schreibt:

    das wäre doch lustig, frohe Ostern für Dich

  4. vilmoskörte schreibt:

    Was es nicht alles gibt. Ein Vorteil wäre ja vielleicht, dass der Papa die Eier in einem viel größeren Gebiet verstecken muss, denn das GPS ist so genau ja nicht.

  5. Ulli schreibt:

    Wie ich deine herrlich ironischen Artikel vermisst habe! Chapeau für diesen, wirklich, er lässt mich schmunzeln und gleichzeitig denke ich, meine Güte ist diese Welt so bekloppt!!!
    Herzliche Grüsse vom mir zu kühlen Berg ins Tal
    Ulli
    Mail folgt bald …

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