Blogger dir (d)einen (Umsatz)

Heutzutage kann jeder seinen eigenen Blog aufmachen. Ob er nun – wie hier bei WordPress einige, darunter ich – persönliche, politische, künstlerische oder andere Gedanken und Bilder veröffentlichen will, mit und ohne Hoffnung auf Entdecktwerden, oder…

Ja, oder… Das andere und erfolgreichere Bloggen ist schon lange zum Kommerz geworden. Man verkauft sich. Und das ohne Bedenken. Konsumkritik und Skrupel waren gestern. Hauptsache, man wird bekannt und oder ist eh schon bekannt und sahnt ab. Genauso wie im Fernsehen. Oh mann, ist der gut oder wahlweise dick. Die Gier überdeckt alles.

Aus Neu-Gier habe ich mal in Blogwalk geguckt, dafür wird ja im TV ununterbrochen geworben. Da sieht man dann ausnahmsweise schöne junge Frauen, die sich in Paris, Berlin oder auf Mallorca auf der Straße ablichten lassen und angeblich neue Modetrends präsentieren. Die neue Avantgarde, die auch schon mal auf der Fashion Week in der ersten Reihe neben C-Promis sitzen darf. Wer anzieht, was die Bloggerinnen anziehen, ist hip (oder wie heißt das heute?), ach nein, die ist stylish. Finde deinen Style oder so. Es geht nur um dich, weißt du, es geht about you, yes! Alles fern von Mainstream, you know.

Was man aber findet, ist Mode, die keine ist, weil nicht innovativ. Alles 0815, schon oft gesehen, selbst in der Provinz. Die hübschen Mädels tragen langweilige Straßenkleidung, die andere so ähnlich auch im Schrank haben und die man überall haben kann. Was daran toll sein soll? Nicht mal die Kombination der Einzelteile. Könnte oft auch aus dem Otto-Katalog oder sogar von Bonprix sein. Na ja, manche der oft banalen Teile (Ringelshirt, Trench und Jeans habe ich auch)  kann frau halt gleich kaufen. Auch wie bei Otto & Co. Da schließt sich der Kreis. Denn genau darum geht es. Das Ganze ist lediglich billige Werbung für Modefirmen. Anzeigen zu schalten ist wohl nicht ganz so preisgünstig und marktdurchdringend, wie willfährige narzisstische promidurstige junge Frauen in scheinbar persönlichen Blogs die käuflich zu erwerbenden Klamotten scheinbar freiwillig anbieten zu lassen. Und die Konsumentin soll glauben, das seien alles unabhängige neue Trends, frischer streetstyle sozusagen? Lach. Und alle haben die Kelly- oder Prada-Bag steif und unbequem am Knöchel des stylish angewinkelten Armes fixiert – die 50er lassen grüßen – oh my god! Das Gleiche in Grün, pardon, Rosa, gibt’s für Kosmetik-, pardon, Beauty-Blogs à la „Zeig mir deinen Lidstrich und ich kaufe das Produkt“ gegen/für kleine Augen, große Augen, Schlupflider and so on. Willige Mode- und Beauty-Bloggerinnen können aber durchaus gut daran verdienen, sich derart zu verkaufen. Kreier dir deinen Look, yeah! Unselige Vermischung von Privatem und fremdbestimmter Werbung. Hello, it’s me, for sale! Ist das just clever und die neue Emanzipation oder…?

Schöne neue (Schein)Welt und so hübsch verlogen. Na ja, für die, die’s nicht merken oder denen es egal ist. Da bleibe ich lieber auf meiner werbefreien Insel, in die mir keiner reinquatschen kann, und da würde ich auch bleiben, wäre ich erst süße 20. Jetzt ohne Neid. 😉

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15 Antworten zu Blogger dir (d)einen (Umsatz)

  1. Solminore schreibt:

    Und dann gibt es noch diejenigen, die in die Erzählung von der letzten Wanderung so nebenbei den Markennamen ihres neuen Rucksacks fallen lassen, derart nebenbei, daß nur ein argwöhnischer Griesgram auf den Gedanken kommen könnte, es hier mit werblicher Absicht zu tun zu haben. Wieder andere erzählen aus ihrem Studium und versäumen dabei nicht, eine Menge nützlicher Literaturtips zu geben — als Affliliate-Link direkt zum Online-Buchhändler mit dem Flußnamen, versteht sich, und zwar so, daß man beim Mouseover den Titel nicht einmal in der Vorschau-URL ausmachen, mithin das Buch nicht woanders aufrufen und begutachten kann. Man beachte, daß jeder Klick, nicht aber ein bloßes Mouseover den gewünschten Betrag in die Kasse spült. Oh ja, gewisse Leute wissen ganz genau, wo es herkommt, das liebe Geld.

    • rotewelt schreibt:

      Stimmt, das alles ist ja noch „subtiler“. Das was du du mit den Online-Buchhändler-Links sagst, wusste ich noch nicht bzw. habe die Erfahrung noch nicht gemacht und will es auch nicht. Tja, jeder Klick zählt. Ob es die Mehrheit ist, die aus Gier käuflich ist? Denn ich glaube nicht, dass die Not bei den meisten den Ausschlag gibt…

    • Arthurs Tochter schreibt:

      Nun, als Bloggerin, die vom Bloggen lebt und auch Affiliate-Links setzt, wohlgemerkt jedoch als solche gekennzeichnet, kann ich Dir versichern, dass der Klick allein kein Geld bringt, jedenfalls nicht bei Amazon. Da zählt nur die Verkaufsprovision. Und ob ich den Link nun „shorte“ oder nicht, in den wenigsten Fällen ist er in der Langversion so gestaltet, dass daraus der komplette Artikelname hervorgeht.

  2. epikur schreibt:

    Der Markt durchdringt alles. Das Verlogene dabei ist eben diese geheuchelte Authentizität, die schlicht nicht existiert. Authentisch und/oder „echt“ ist man nur insofern, wie es andere (primär diejenigen die zahlen) einen haben wollen. Beim Thema Werbung gibt es nur ein ganz oder gar nicht. Wer einmal den kleinen Finger nimmt, ist von der Hand abhängig, die einen füttert.

    Unternehmen und die Werbeindustrie haben Blogs schon lange für sich entdeckt. Aus vielerlei Gründen. Nicht nur weil sie billiger sind, als Werbung schalten oder Mitarbeiter einstellen, sondern auch weil sie als getarnte Reklame-U-Boote und Multiplikatoren gelten. Die „normale“ Werbung hat schon lange ausgedient. Im Zeitalter von Adblock sowieso. Also wird versucht, sie mit subversiven Methoden unters Volk zu schleusen. Via Facebook mit gesponserten Beiträgen, Advertorials in Print- und Onlinemedien, PR-Artikeln und so weiter. Seien es Hardware-Checks, Lebensmittel-Tests oder Reiseberichte- alles Werbung getarnt als journalistischer Beitrag.

  3. Shrek Shraube schreibt:

    Ich glaube, ein Problem liegt darin, dass viele Menschen eine romantisierende Vorstellung vom WWW haben. Am Anfang war das noch ein relativ anarchischer Raum für Technikaffine. Mit dem aufkommen von Web 2.0 dachte man, dass es das jetzt auch für die breite Masse würde. Jeder könnte sich frei entfalten, über alle Grenzen Wissen und Gedanken teilen, frei von Zensur und Hintergedanken. Das war naiv. Warum sollte in kapitalistischen Gesellschaften nicht auch das, was die Menschen im Web so treiben, von wirtschaftlichen Interessen durchdrungen sein? Es bietet sich förmlich an. Ich finde übrigens, das kann man erstmal den Leuten nicht ankreiden. Kapitalismus kann ich hier wie dort kritisieren, aber wenn ich mir einrede, im WWW wäre irgendein Backlink zufällig gesetzt oder alle Meinungen würden allein aus Mitteilungsbedürfnis gepostet, bin ich zumindest blauäugig. Ein Unternehmer oder Politiker, der sein Image im Web dem Zufall überlässt, handelt geradezu fahrlässig.
    Wünschenswert wäre natürlich eine deutlichere Markierung, was nun gekaufter Content ist. Letztlich merken aber inzwischen viele Leute schon ganz gut, wie der Hase läuft, und entweder es ist ihnen egal (weil sie auch so Spaß an Ihren Blogs, der Community und kostenlosen Produktproben haben) oder sie suchen sich Angebote, die ihnen mehr Integrität versprechen, z.B. in der Berichterstattung oder Produkttests. Das nennt man dann Medienkompetenz.
    Diese kann und sollte über Beiträge wie den obigen gefördert werden.

  4. kormoranflug schreibt:

    Ja, ich habe Dich im Netz gefunden.

  5. glumm schreibt:

    kleiner tipp: konsumblogs nicht aufsuchen. es ist so einfach. und funktioniert sogar.

  6. tikerscherk schreibt:

    Bin ein bisschen spät dran mit Kommentieren.
    Ich erinnere mich, dass manche Qyper zum Bloggen gewechselt haben mit der Begründung dass Qype mit uns Geld verdient, dass wir also schreiben und Werbung machen, ohne etwas dafür zu bekommen, dass man dann doch lieber bloggen sollte.
    Here we are.
    Ich finde es sehr legitim mit seiner Schreibarbeit Geld zu verdienen, solange es gekennzeichnet wird und nicht heimlich, z.B. durch name dropping geschieht, wie Solminore es weiter oben beschreibt.

    • rotewelt schreibt:

      Ja, Qype hat prima an uns verdient (nun Yelp an denen, die noch dabei sind), nur wir haben nichts vom Kuchen abbekommen. Wir haben zwar freiwillig und aus Spaß geschrieben, aber letztlich fühlte ich mich doch verarscht.
      Mit dem Schreiben/Bloggen Geld zu verdienen ist für die Autoren natürlich legitim, warum auch nicht? Aber eben nicht heimlich, wie du auch sagst, und das meinte ich ja, vielleicht kam das nicht rüber?

      • tikerscherk schreibt:

        Kam so nicht bei mir rüber.
        Mir ist es eigentlich egal, ob jemand heimlich oder ganz offen Geld mit seinem Blog verdient. Ich habe aber festgestellt, dass kommerzialisierte Blogs mich schlicht nicht mehr interessieren. Sie widersprechen dem, was ich mir vom Bloggen erwarte.

        Schöne Grüße in den Süden!

  7. rotewelt schreibt:

    Ich bedanke mich zunächst mal bei allen, die hier kommentiert haben und auf deren Worte ich noch nicht eingegangen bin.

  8. Lakritze schreibt:

    … einen Nachklapp noch: Irgendwer will immer Geld verdienen (bzw. muß Serverkosten und sonstige Infrastruktur tragen); das ist klar. WordPress schaltet ja Werbung auch bei Blogs, die nicht kommerziell sind. Ich kenne nur eine Plattform, bei der das anders ist, nämlich Antville aus Österreich; die leben von Spenden und freiwilliger Arbeit.
    Ansonsten kann ich nur, wie viele oben, sagen, daß mich Kommerz einfach müde macht – lese ich nicht. Punktum.

    • rotewelt schreibt:

      Ich habe mich vor ein paar Jahren für WordPress Premium entschieden, um Werbeung auf meinem Blog zu vermeiden. Nun ärgere ich mich darüber, weil auf den meisten WordPress-Blogs auch so keine Werbung erscheint – rausgeschmissenes Geld, ich werde das kündigen. Ansonsten stimme ich dir/euch zu, dass Kommerz langweilt, vielmehr eher lästig ist und nervt. Trotzdem kann es doch wohl mal passieren, dass man auf solchen Seiten landet, ohne vorher zu wissen, dass es sich um Kommerz handelt, denke ich…

  9. Anna-Sophie schreibt:

    Toller Beitrag. Ich finde es gut, dass das Agieren bekannter Blogger auch kritisch betrachtet wird. Gerade Kinder sind leider leichte „Opfer“ für Influencer, die durch Produktempfehlungen sehr viel Geld verdienen.

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