Goodbye Johnny

Wie immer ab November nimmt das Sterben seinen Lauf. Unter den Promis hat es nun Johnny Hallyday erwischt, er wurde 74 Jahre alt. Ich kann nicht sagen, dass ich ein Fan von ihm war, dazu war mir seine Musik meist zu rockig, aber einige seiner Balladen mochte ich sehr. Zweifellos hatte Johnny eine unverwechselbare Stimme, dazu diese Augen, er war schon besonders. Wie sagt man: Er hatte was und ich mochte ihn.

Nun bin ich aber doch überrascht, dass er fast ein Staatsbegräbnis bekam, mit Trauerzug auf den Champs Elysées und 700 Harleys. Macron, Hollande und Sarkozy saßen in der Kirche in einer Reihe, seine Exfrauen Sylvie Vartan und Nathalie Baye auch, die Menschen in Frankreich feiern ihn posthum wie verrückt und auf TF1 befasste sich das Journal, die Abendnachrichten, fast nur mit Johnny, der mit richtigem Namen Jean-Philippe Smet hieß. Überall im Land Sonderveranstaltungen. Und sogar in Deutschland wird über ihn berichtet, dabei dachte ich, hier würden ihn nur wenige kennen.

Ich wusste nicht, dass er quasi ein Nationalheiligtum war, anscheinend so wie die Piaf.  Bei Charles Aznavour könnte ich mir diese kollektive Trauer und diese pompöse Zeremonie vorstellen, beim französischen Rocker Hallyday wundert sie mich, denn schließlich war er kein Chansonnier und auch seine Texte hat er nicht selbst geschrieben, auch hatte er bei einigen wohl den Ruf, etwas „einfach gestrickt“ zu sein. Er kam nicht aus der französischen Bourgeoisie, sondern wurde offenbar auf der Straße geboren und bald von der Mutter verlassen, wuchs bei deren Schwester auf und übernahm später den Nachnahmen ihres amerikanischen Mannes als Künstlernamen. Und wenn man bedenkt, dass er als Kind nicht auf Rosen gebettet war, kommen einem schon Parallelen zu Edith Piaf in den Sinn und vielleicht verehrt man dann doch die, die es nicht leicht hatten, was ja für die Franzosen spricht.

Künstlerblut hatte Johnny von seiner Familie geerbt. die aus Schauspielern, Tänzern und Sängern bestand. Er wurde der französische Rocker par excellence und offenbar hat er das Leben vieler Franzosen über Jahrzehnte musikalisch begleitet.  Jetzt fehlt er ihnen, ein Stück Geschichte ist gestorben. Ich bin sicher, ihm, Johnny, hätte gefallen, wie man ihn ehrt, auch wenn er als schüchtern und bescheiden galt.

Adieu, Johnny. Hier ist mein Lieblingsong von dir, „Marie“:

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4 Antworten zu Goodbye Johnny

  1. Ulli schreibt:

    Ich las es gerde bei einer Schreibefreundin, die aufrichtig trauerte, nun bei dir, er ging in meinem Leben vollkommen an mir vorbei, ist nicht mein Genre und nun höre ich, während ich dies schreibe diesen Song und weiss warum nicht, also kann ich nicht wirklich trauern, aber ich kann immer würdigen, wenn ein Mensch geht, der vielen anderen Menschen etwas bedeutet hat.
    In diesem Sinne, herzliche Grüsse aus dem Rheintal an dich,
    Ulli

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  2. rotewelt schreibt:

    Aber wir wissen doch, dass die Geschmäcker verschieden sind, liebe Ulli. Nicht dein genre, pas ton genre oder pas ta tasse de thé, wie die Franzosen sagen, nicht deine Teetasse. Wie ich schrieb, war ich auch kein Fan, aber ich mochte ihn, irgendwie. Er hatte was, was mich berührt, kann es nicht erklären. Wäre ja langweilig, wenn wir alle gleich empfinden würden. Ich wünsche dir eine gute Restzeit im Rheintal, Ute

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  3. kormoranflug schreibt:

    Er gehörte zum Zeitgefühl.

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