Fragen und: Grazie Roma

Zum Jahresende werden wir mit Schenkbefehlen, Horoskopen und Programmen für gute Vorsätze überschüttet – ob wir wollen oder nicht. Man müsste schon als Einsiedler leben, um davon nichts mitzubekommen. Nachdenken sollen wir aber trotzdem. Uns besinnen. Aber warum ausgerechnet jetzt? Wer schreibt denn vor, dass das Kalenderjahr unser zeitlicher Maßstab ist?

Warum sollen wir uns ausgerechnet im Dezember darüber klar werden, was wir in den letzten zwölf Monaten erreicht oder nicht erreicht haben, dafür, ob wir glücklich waren oder nicht und was wir uns für die Zukunft vornehmen? Hat nicht jeder, alles, seine Zeit?

Woher kommt die Digitalisierung? Von wem wird sie uns aufgedrückt, als unabdingbar, mit Panikmache für die Wirtschaft (oh Schreck, VUCA-Welt, alles disruptiv, Hilfe, zeitnahes agiles Handeln dringend erforderlich, nein: überlebensnotwendig)? Warum hinterfragt das niemand? Wie naturgegeben schwappt der digitale Wandel, die Robotisierung über die Welt von irgendwoher und wir sollen es schlucken, Massenentlassungen inklusive, schon proaktiv, siehe Siemens. Hauptsache, den Managern geht es prima und sie bekommen weiter ihre Millionengehälter.

Warum gibt es keine unabhängigen kritischen Journalisten mehr? Warum darf man als Journalist nichts mehr kritisieren, ohne seinen Job loszusein?

Warum wird man in Deutschland angeschnauzt, wenn man es wagt, ein Taxi für zwei Kilometer zu nehmen? Ist nicht jeder Fahrer mal vorn in der Schlange und hat nur eine kurze Strecke, gleicht sich das nicht aus? Wieso kann der Busfahrer nicht ein einziges Wort sprechen außer „Einfach?“ und kommandiert sonst nur mit fuchtelnder Zeichensprache rum? Warum wird man im WordPress-Forum (!) beschimpft, wann man sachliche Fragen zum Fotospeicher stellt: „Vielleicht mal 5 Sekunden nachdenken anstatt hier solchen Rotz zu fabrizieren. Bitte … gerne“, „Nochmal für (die) ganz Dumme“ und „Na … dämmerts dir?“

Ja, ich bin dumm, weil unvorbereitet für die allgemeine neue Welt und speziell die rohe Welt der unzivilisierten respektlosen Barbaren hierzulande, die jeder Grundhöflichkeit entbehren. Wirklich, „Neue Männer braucht das Land“ – und mehr als vor 30 Jahren. Was ist bloß los hier? Soviel Aggression, vor allem von Männern gegen Frauen, aber nicht nur. Die allgemeine Grundstimmung ist mies. Gerade aus dem Ausland zurück, spüre ich das immer besonders hart. Ach ja, in Rom wird man noch als (Mit)mensch und auch als Frau behandelt.

Bin kein Fußballfan, trotzdem: Danke, Rom, für die entspannten heiteren Tage, deshalb mal was „Seichteres“:

 

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5 Antworten zu Fragen und: Grazie Roma

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Rotwelt, das alles klingt heftig! Und doch muss ich ein bisschen wiedersprechen, es gibt noch unabhängige Journalist*innen, die haben gerade mal wieder einen Finanzskandal aufgedeckt, erinnerst du dich? Es gibt „auch“ freundliche Taxifahrer *innen und Busfahrer *innen, vielleicht aber eher im ländlichen, als im städtischem Raum – überhaupt gibt es neben all den Griesgrämigen und rüpeligen Menschen auch jede Menge andere, wie ich gerade mal wieder hier in Bonn erleben darf – vielleicht liegt es auch daran wohin man schaut und wie man selbst in die Welt geht, neben dem, was wirklich nicht stimmt und kalt geworden ist?!
    Für heute wünsche ich dir viel Lächeln und einen schönen Tag,
    liebe Grüsse, Ulli

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    • rotewelt schreibt:

      Natürlich gibt es diese Menschen auch, liebe Ulli. Zum Glück darf ich aber in meinem Blog meine subjektive Sichtweise darstellen und auch mal momentanen Stimmungen nachgeben – ich muss hier nicht relativieren und differenzieren, wenn ich gerade nicht will. Genauso kann ich morgen über das Schöne schreiben, ohne ein einiges Wort über mögliche Schattenseiten zu verlieren. Denn das hier ist ganz allein mein Ding, und dieser Beitrag will keine journalistische Leitmedien-Reportage sein, die objektiv ist oder vorgibt, dies zu sein. Ich nehme mir hier einfach das Recht, mich frei auszudrücken. Übrigens mag ich es nicht, wenn jeder kritische Blick sofort an den Autor zurückgegeben wird nach dem Motto (überspitzt gesagt, aber nur ein wenig) „Guck doch mal, was bei dir selbst los ist, es liegt doch auch an dir, dass du dies und das so siehst oder diese bösen Erlebnisse hast und diese aggressiven Menschen triffst, arbeite gefälligst an dir und dann wirst du auch alles ganz ausgewogen finden – omm“. Dieses esoterisch-pseudopsychologische Gerede, das mit subtilen und wie ich finde dreisten Unterstellungen arbeitet – oft nett vorgetragen – und das man in Blogs zurzeit öfter mal findet, geht mir gehörig auf die Nerven. Ich finde so etwas übergriffig und deshalb reagiere ich auch so hart. Abgesehen davon bin ich sowieso ein selbstkritischer und reflektierter Mensch, der sich oft genug hinterfragt. Und wer mich kennt, weiß das auch.

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  2. Solminore schreibt:

    Engagierte Foren-Mitglieder scheinen einen Horror davor zu haben, Fragen mehrmals beantworten zu müssen. Die Reaktion, die Sie beschreiben, ist in Foren die Regel. Statt einer Antwort wird man angeranzt, sich nicht vorher informiert zu haben, und bekommt, wenn man Glück hat, einen Link vorgesetzt. Man fragt sich: Wenn es wirklich so viel Mühe macht, warum antwortet ihr dann überhaupt? Und ist nicht eine schnelle Antwort leichter geschrieben als ein Link mühsam herausgesucht?

    Es scheint mir da eher um Abgrenzung zu gehen. Wir Forenheilige, die wir wissen, wo’s langgeht gegen den Rest der unsäglich dummen Welt.

    Da kann man nur mit den Achseln zucken und unbeirrt weiter seine Fragen stellen.

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    • rotewelt schreibt:

      Ich hatte das bislang nur in reinen IT-Foren erlebt, hier auf WordPress hat es mich doch erstaunt. Tja, man fragt sich, warum… Es scheint unter anderem wirklich eine Art Arroganz dahinterzustecken und man kann nur mit den Achseln zucken. Aber Fragen zu stellen lohnt sich wohl nur in seltenen Fällen…

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