Mal wieder der mallorquinische Februar

Nun habe ich schon seit drei Jahren das Bedürfnis, dem hier verspäteten Frühling anderswo ein wenig zuvorzukommen. Vorher bin ich um diese Jahreszeit immer Ski gefahren und manchmal träume ich noch von weißen Pisten unter blauem Himmel (das Ideal, die letzten Skiurlaube waren so ganz anders), aber mittlerweile möchte ich im Februar und März lieber Grün und Blau und Gelb und Rosa sehen und vor allem nicht frieren. Mit dem Drang, mich auf die Pisten zu stürzen, ist es auch nicht mehr so weit her, die Angst nimmt zu – und die Kraft ab.

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Dann lieber auf Küstenpfaden spazierengehen, den Abgrund in sicherer Entfernung wissend, hier in der Cala Llombards im Südosten Mallorcas…

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…oder einfach von der Terrasse des kleinen Ferienhauses aus dämlich grinsend den Blick aufs Meer genießen. Sogar vom Esstisch aus konnte ich über den Laptop hinweg das Meer sehen, was meine Arbeitsgeschwindigkeit erhöht hat (Aussicht auf Draußensein, aber auch auf Tapas).  Zum Glück gab es eine Zentralheizung und einen Kamin, alles bitter nötig diesen „Vorfrühling“.

Wie schon im letzten Jahr habe ich aus Eigennutz (Farben, Meer und Licht gucken, nicht gleich alles vergessen) das Bedürfnis, meine aktuellen Mallorca-Erfahrungen postvakanziell zu verbildlichen. Es war der kälteste Februar dort seit – Menschengedenken? Das wohl nicht, aber seit langem, wie man mir versicherte. Trotzdem: Am kältesten Morgen hatten wir vier Grad plus und am wärmsten Nachmittag 17 Grad – dreimal mittags draußen essen war immerhin drin.

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„Von außen“ sah es wie der pure Frühling aus.

Am Tag der Rückkehr befanden sich die Temperaturen in Deutschland auf dem tiefsten Punkt dieses Winters – toller Zeitpunkt und so erheiternd. Tapas gibt’s hier auch nicht oder wenn, dann keine echten. So will mir auch nichts schmecken. Aber das ist nach italienischen Antipastiferien genauso.

Was noch anders war in diesem Februar, unter anderem: Der liebe alte Esel, den wir die letzten Jahre besucht und mit ein paar Knabbereien und Streicheleinheiten erfreut haben, ist wohl nicht mehr. Das Gelände, auf dem er sich aufhielt und auf dem er uns immer freudig schreiend und galoppierend entgegenkam, hat nun ein offenes Tor, das seit letztem Juni schon überwuchert ist. Heul. Die extra für ihn gekauften Möhren haben wir an Pferde verfüttert. Lustige Tiere, vor allem das Minipony, das sich immer im Schlepptau eines buckligen Schimmels aufhielt, der sich aber stetts vergewisserte, ob der Kleine auch folgte.

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Die pubertierenden rosaschwarzen Ibericoschweinchen waren der Knaller. Sie kamen sofort an den Zaun gerannt, um sich beim erstbesten Geräusch in der Macchia zu verstecken, das aber in Windeseile. Ein paar Sekunden später steckte das erste Tier auch schon wieder sein Schnäuzchen in die Luft. Der Besuchskater vom letzten Jahr war zunächst nicht da, ließ sich aber immerhin am vorletzten Tag blicken und richtete sich gleich in der windgeschützten Terrassenecke ein, natürlich nachdem ich einen Korbsessel mit Kissen präpariert hatte, und stand morgens gähnend und erwartungsvoll auf der Fußmatte. Der Abschied fiel schwer. Von allem.

Ein paar weitere unrepräsentative Bildimpressionen von Meer…

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…zwischen Cala Llobards, Cala Santanyi und Cala d’Or

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und von der Cala Figuera, von wo aus tatsächlich täglich noch ein paar Fischerboote in See stechen.

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Längst kein Geheimtipp mehr ist die Cala S’Almunia, obwohl sie zum Baden und auch zum Sonnen überhaupt nicht mehr lohnt, denn das Meer hat sich eines Großteils des Strands bemächtigt. Außerhalb der Saison ist es dort trotzdemm noch schön. Die Menschenmassen, die aber ab spätestens Anfang Juni wegen des mittlerweile verhängten Zufahrtsverbots für PKWs nun mit Sack und Pack zu Fuß über Straßen und durch das Dickicht des Küstenpfads dorthin aufbrecchen und das übriggebliebene Ministrändchen trotz GPS nicht finden, wirken wie aus einem Loriot-Sketch: Mutti, Mutti, wo ist denn das Meer?

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Weil in diesem Februar alles anders war, hatte sogar ein Strandlokal an der Cala Mondragó schon geöffnet.

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In Porto Colom ist der Strand nicht so gefragt, doch das Hafenstädtchen lohnt immer einen Besuch.

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Cala des Moro

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Und wer keine Lust auf Blau hat, kann sich um diese Jahreszeit an blühenden Wiesen ergötzen.

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6 Antworten zu Mal wieder der mallorquinische Februar

  1. Labby schreibt:

    Sehr schöne Bilder. Mallorca im Februar bestimmt ein bezauberndes Reiseziel

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    • rotewelt schreibt:

      Danke dir. Ja, im Februar und auch schon Januar finde ich die Insel am schönsten, weil sie dann am grünsten ist und die Wiesen voller Blumen sind. Vermutlich ist es im April auch noch so, doch zumindest am Ende Mai sind Felder und Wiesen schon trocken, dafür blühen alle Sommerblumen. Im Oktober wird es allmählich wieder grün. In der Hochsaison war ich dort noch nie und will auch nicht hin – zu heiß, zu voll.

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  2. Dina schreibt:

    Also deine traumhaften Eindrücke von meiner Lieblingsinsel weckt die Sehnsucht nach Frühling! ❤

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    • rotewelt schreibt:

      Ach, Dina, ich wusste gar nicht, dass Mallorca deine Lieblingsinsel ist! Dankeschön. England und die Cotswolds sind ja auch schön, aber um diese Zeit noch kahler und ich weiß ja auch gar nicht, wo du gerade weilst… Ich mag Korsika und Sardinien auch sehr, aber Mallorca finde ich zu meinem eigenen Erstaunen doch auch noch ein bisschen schöner.

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  3. traeumerleswelt schreibt:

    Tolle Bilder ! Kenne Mallorca nur im Sommer und auch da gab es auf den Erkundungstouren wunderschöne Ecken zu entdecken, aber bunt ist sie sicher noch um vieles schöner ! 🙂 Mal schauen, im nächsten Winter arbeite ich nicht mehr 😉

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    • rotewelt schreibt:

      Ich war nie im Sommer dort, das heißt, die erste Junihälfte kann man dort ja auch schon als Hochsommer bezeichnen mit gut 30 Grad, ansonsten kenne ich die Insel nur von Januar, Februar und Oktober, wo es schon wieder grün wird. Also, vwenn du in einem Jahr mehr Zeit hast, kannst du vielleicht auswählen… 😉

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