Heißer Sommer

Vor kurzem las ich hier von „Saetze & Schaetze“ einen Beitrag (ach nee, man muss ja jetzt Eintrag sagen wegen der DSGVO) über das Buch „Heißer Sommer“ von Uwe Timm, das ich Mitte der 70er auch verschlungen hatte. Leider war es mir wegen irgendwelcher Askimet-Dingens nicht vergönnt zu kommentieren. Wie auch immer, ich sehe heute auch Parallelen und das nicht wegen der äußeren Hitze, nur geht heute kaum jemand auf die Straße und wenn, meistens die Rechten. Dabei würde es wieder Zeit. Aber angeblich ist ja im reichen Deutschland alles in Ordnung (fragt sich nur, wo der Reichtum steckt bzw. wer davon profitiert), es ist nur zu heiß. Heute gab es erstmals Erfrischung, doch die war auch nur ein kurzes Intermezzo, wieder habe ich 26 Grad in der Bude – immerhin nicht die 29 Grad der letzten Tage und Nächte.

Nachdem nebenan auf dem wegen der Ferien verlassenen Schulhof die Stadtgärtner ihre elektrischen Heckenscheren wieder ausgeschaltet haben, erfreue ich mich gegenüber auf der Straßenseite meiner Wohnung anderer Geräusche. Momentan halten sich etwas Baulärm von der Großbaustelle und Schlagergeräusche vom Altenpflegeheim direkt daneben fast die Waage. Die Musik ist sogar lauter, die Bauarbeiter scheinen sich schon auf den Feierabend einzustimmen, doch morgen früh spätestens um sieben werden sie wieder alle Anwohner aus dem Schlaf reißen.

„Comment ça va?“, Wie geht’s,  unterhält ein Alleindarsteller mit Playback-Musik die alten Leute, die auf Stühlen im Halbkreis im Freien sitzen und andächtig lauschen, manche der wenigen überlebenden Männer haben zur Feier des Tages – sicher das jährliche Sommerfest – sogar Anzüge angezogen. Dazwischen die weißgewandeten Schwestern. Comme ci, comme ça, singt der für mich leider unsichtbare Interpret – so lala also. Ich kannte den Schlager gar nicht, nun lese ich, dass es sich um einen bekannten zweisprachiger Popsong der niederländischen Boygroup The Shorts aus dem Jahr 1983 handelt, abwechselnd auf Französisch und Deutsch gesungen, très chic. Zu der Zeit habe ich andere Musik gehört. Das Lied handelt von einem Holländer, der sich in Paris in ein französisches Mädchen verliebt hat. Der Schlager, von etwas Akkordeon unterlegt, hat den typischen Mitklatsch-heile-Welt-Rhythmus. Nun ist „Bella, bella Marie“ dran, mit Roy Black versinkt die Sonne  hinter den imaginären Fischern im imaginären Meer bei Capri – offenbar ein Sehnsuchtslied der alten Damen, die auf Kommando mitsingen. Die Bauarbeiter mit Blick auf die Szenerie haben vor Schreck ihre Werkzeuge weggelegt.

In den 80ern habe ich lieber sowas gehört, heute auch noch:

Cosa sarà – ja, was wird sein.

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3 Antworten zu Heißer Sommer

  1. Publicviewer schreibt:

    I am going downtown to buy me a 44…
    Aber die Temperaturen hast du exact wiedergegeben..

    Liken

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