Ach, Hannelore…

Gerade gestern – oder war es vorgestern? – schrieb ich noch in einem Kommentar auf WordPress, dass Hannelore Elsner eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist. Nun stieß ich zufällig im Internet auf die Meldung, dass sie vorgestern gestorben ist, mit 76 Jahren. „Im Alter von“ vermag ich gar nicht zu schreiben. Komisch, für mich war sie zwar nicht unsterblich – das ist schließlich niemand –, aber doch so lebendig und präsent, dass ich mir für sie ein sehr langes Leben vorgestellt hatte.

Hannelore-elsner

Sie spielte in den 70ern auch im „Paukerschreck“ mit, doch um Gegensatz zu Uschi Glas und anderen Darstellerinnen der damaligen (und auch der heutigen) Zeit versank sie niemals im Kitschigen oder Banalen oder typisch deutsch „Komödiantischen“, sondern entwickelte sich weiter und zeigte sich, je älter sie wurde, in umso anspruchsvolleren Rollen. In „Kirschblüten-Hanami“ war sie zwar nicht so lange zu sehen, doch sie hatte Präsenz. Ansonsten überzeugte die Frau mit dem biederen Vornamen in Rollen wie „Die Unberührbare“ oder „Alles auf Zucker“, aber auch durch viele andere Produktionen der ansonsten immer weniger anspruchsvollen deutschen Filmszene. Sogar in vermeintlich kitschigen Rollen wie in „Liebe am Fjord – Zwei Sommer“ ließ sie vergessen, dass es sich um eine – wenn auch ebenso nur vermeintliche – Schmonzette handelte. Hätte sie in Frankreich oder Italien gelebt, wäre sie sicher ein Weltstar geworden und  Autoren, Regisseure und Produzenten hätten sich um sie gerissen.

Immer war sie auch sie selbst, niemals konventionell, manchmal rebellisch, auch ein bisschen frech, nie wirklich einzuordnen. Ich mochte sie sehr. Auch dafür, dass sie sich nicht glattspritzen und -liften ließ, was sie aber auch ohnehin nicht verschönt hätte, denn sie war und blieb schön, einfach so, von innen. So herrlich wach und natürlich frisch wie sie würde ich auch gern bis zum Schluss sein.

Traurig bin ich. Nun lese ich, dass sie in „Kirschblüten & Dämonen“, die Fortsetzung von „Kirschblüten-Hanami“ ihre letzte Rolle verkörperte. Den Film werde ich mir auf jeden Fall anschauen.

Und nein, sie war keine „Diva“, sondern einfach eine gute Schauspielerin.

Fotoquelle: https://www.discogs.com/de/artist/609355-Hannelore-Elsner

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14 Antworten zu Ach, Hannelore…

  1. kunstschaffende schreibt:

    Sie wird in der Riege der anspruchsvollen lebenden Schauspieler sehr fehlen!😪

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  2. kormoranflug schreibt:

    Eine meiner Lieblingsschauspielerinnen mit tollem Charakter.

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  3. gkazakou schreibt:

    Mein Jahrgang… Gestern (oder vorgestern) schrieb auch Ulli über diesen letzten Film und ich sah mir den Trailer an….

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    • rotewelt schreibt:

      Aber als Ulli den Artkel schrieb, war noch nicht bekannt, dass die Elsner gestorben war, oder habe ich das übersehen? Jedenfalls ein komischer „Zufall“… Wenn Hannelore Elsner auch dein Jahrgang war, so wünsche ich dir doch, dass dir noch viele schöne Jahre in Griechenland verbleiben, munter und wach bist du ja!

      Gefällt 2 Personen

      • gkazakou schreibt:

        Danke für die guten Wünsche. Wenn mal wieder jemand meines eigenen Jahrgangs stirbt, muss ich schon schlucken. Natürlich weiß ich auch so, dass das Leben nicht ewig dauert.
        Ulli erwähnt nichts von Hannelore Elsners Tod, war ja auch noch nicht bekannt.

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        • rotewelt schreibt:

          Ja, ich glaube, Ullis Artikel über den Film und der Tod von Hannelore Elsner überschnitten sich fast. Ich kann mir gut vorstellen, dass du schlucken musst, wenn jemand deines Alters stirbt. Es macht einem so deutlich, dass das Leben endlich ist. Das fängt aber auch schon vorher an…

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  4. Ulli schreibt:

    Ich finde es schon fast ein bisschen spooky, dass genau an dem Tag, als ich den Trailer einsetzte, und du auch kommentiert hast, dass dies ihr Todestag gewesen ist. Mich macht das aber auch traurig. Wieder ist eine großartige Frau und Schauspielerin nicht mehr unter uns.
    Liebe Grüße
    Ulli

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  5. Ich glaube es war beim Deutschen Filmpreis, den sie für ihre Rolle in ‚Die Unberührbare‘ bekam (beste Schauspielerin), da sagte sie in ihrer Dankesrede u.a. „Ich fühle mich erkannt.“ Gerecht wird man ihr wahrscheinlich erst posthum.

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    • rotewelt schreibt:

      Das denke ich auch. Es ist ja oft so, vor allem in Deutschland würdigt man gute Darsteller nicht besonders und macht ja auch nicht sooo viele richtig niveauvolle Kinofilme. Die flachen Komödien überwiegen. Ich bin sicher, dass Hannelore Elsner in Frankreich oder auch Italien wesentlich anerkannter geworden wäre als hier und sie die Chance zu mehr Kinofilmen gehabt hätte.

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