Like an Alien

Manche Menschen fühlen sich auf der guten alten Erde wie ein Alien. Ich zum Beispiel. Manchmal. Gar nicht so selten. Immer öfter. Na ja, eigentlich schon immer, aber das ist eine andere Sache.

Bin ich mit Freunden in diesem oder jeden Punkt noch einer Meinung, gehen die Ansichten in anderen Punkten immer mehr auseinander. Mittlerweile bin ich wohl vielen zu radikal oder zu anders und traue mich manchmal schon nur noch vorsichtig, mich offen zu äußern, denn ich will ja meine Freunde nicht verlieren. Okay, ich sage meine Meinung natürlich trotzdem, weil ich mich nicht verbiegen will, und irgendeinen Konsens gibt’s ja zum Glück immer noch, dazu sowieso die gegenseitige langjährige Sympathie. Trotzdem, es hat sich was geändert die letzten Jahre, ich habe den Eindruck, hier manchmal nicht mehr mehrheitsfähig zu sein. Die Parteien, die ich, als ich durfte, zum ersten Mal gewählt hatte, erst die SPD und danach die Grünen, sind für mich inzwischen genauso indiskutabel wie die konservativen Parteien, von den (extremen) Rechten will ich gar nicht erst reden; die Liberalen klingen meist nur vom Namen her gut und auch die Linke spricht mir nicht hundertprozentig aus dem Herzen. Der Neoliberalismus ist aber für viele Menschen in meinem Bekanntenkreis komischerweise kein ernst zunehmendes Thema, das verstört mich. Bin ich zur Extremistin geworden (dabei bin ich doch eher das Gegenteil, weil ich mich keiner „Linie“ wirklich anschließen kann) oder sind meine alten ideologischen Mitstreiter stehengeblieben? Tja, das wird jeder auf seine Weise sehen… Ich erlaube mir jedoch, selbst über meine früheren gedanklichen Grenzen und Ansichten hinaus zu denken und meine, dass man nie auslernt. Auch auf die Gefahr, sich bisweilen einsam zu fühlen. Hey, aber ich bin doch sonst noch die alte!

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11 Antworten zu Like an Alien

  1. aquasdemarco schreibt:

    Denke du bist voll okay, es gibt immer Vordenker, die Anderen folgen etwas später.
    Trotzdem lohnt ab und an die Bauchatmung, die Welt geht nicht sofort unter😉😀🐝🌻☀️

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    • rotewelt schreibt:

      Na, dankeschön. 😉 Nö, die Welt geht nicht gleich unter und wieder einmal muss ich aber sagen, dass ich froh bin, nicht mehr jung zu sein, denn dann würde ich wohl verzweifeln bei all dem Leben, dass ich in diesen Zeiten noch vor mir hätte. So versuche ich es hin und wieder mit autogenem Training und demnächst wieder mit Yoga.

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      • aquasdemarco schreibt:

        Also meine Kinder sind jung, die sind froh jung zu sein und schauen optimistisch in die Zukunft, ebenso die Kinder mit denen ich arbeite und das ist gut so👍😀
        Womöglich liegt es an der jeweiligen Sichtweise, oder deine Weltsicht ist womöglich ein Stellvertreterthema.

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        • rotewelt schreibt:

          Mit dem Stellvertreterthema hast du’s aber. 😉 Damit kann man alles abbügeln. Aber das wäre ja gar nicht nötig, denn ich habe ja nur meine persönliche Meinung geäußert, die keiner Wertung bedarf.

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  2. kormoranflug schreibt:

    Du bist so geblieben wie schon immer, die anderen haben sich angepasst.

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    • rotewelt schreibt:

      Jein. Ich habe meine Meinung in den letzten Jahren zu einigen gesellschaftlichen und politischen Themen stark geändert und denke heute, dass ich ein wenig naiv war, aber es hat sich ja auch tatsächlich viel geändert. Kritisch oder skeptisch beobachtend und fragend war ich aber schon immer, insofern nehme ich dein „Kompliment“ an.

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  3. Publicviewer schreibt:

    Was soll ich denn da erst sagen…??? 😉

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  4. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ein Fremder unter Freunden, ein Fremder im eigenen Land. Ein Rufer in der Wüste. Die drei Affen haben Hochkonjunktur. Liebe Grüße, Bernd

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    • rotewelt schreibt:

      Tja, und wie verhält man sich da am besten? Manchmal beneide ich die Menschen, die es schaffen, sich ihr vertrautes Weltbild zu bewahren, denn sie leben mit Sicherheit unbeschwerter und denken weniger nach. Fragen stellen, auch mal zweifeln, das ist viel anstrengender und wenn man sich dann auch noch tiefgehender über Hintergründe informiert, kann das schon zu Ernüchterung und teilweise auch zu Desorientiertheit führen. Ich denke, dass sich diejenigen, die immer noch daran glauben, dass die offiziellen Medien uns die Wahrheit erzählen (wundert sich denn keiner mehr, dass sie alle das Gleiche sagen und dass die Pluralität und konstruktive Kontroversen verschwunden sind?) gern sicher fühlen möchten. Auch Angst spielt eine Rolle, dass bestimmte Gewissheiten und Glaubensgrundsätze plötzlich einfach so zusammenbrechen könnten, da geht man lieber auf Abwehr. Aber was ist mir lieber – stumpf und gutgläubig vor mich hin zu leben oder wach durch die Welt zu gehen? Letzteres, auch wenn es bisweilen einsam machen und zu Bauchschmerzen führen kann.

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      • Haben vielleicht sehr viele Menschen in ihrer Kindheit erleben müssen, dass sie nicht selbstwirksam sind? Tragen sie einen Glaubenssatz mit sich herum, der so „ich kann doch nichts bewirken“ oder ähnlich klingt? Oder ist es ein Mangel an Fantasie, der die Einsicht verhindert, dass die Menschen gelenkt werden? Oder sind die meisten Menschen von Natur aus so ängstlich, dass die Angstmache sie lähmt (siehe z.B. The Village von M. Night Shyamalan)?

        Die Sehenden, die Mutigen, die nicht mit dem Strom Schwimmenden müssen damit leben, dass sie von der Masse als Geisterfahrer betrachtet werden und es aushalten. Nichts hören, nichts sehen und nichts sagen ist keine Alternative.

        Ja, Vereinzelung (ich spreche lieber davon als von Vereinsamung) und Bauchschmerzen, das trifft es.

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        • rotewelt schreibt:

          Stimmt, vielen Kindern wurde geradezu eingetrichtert, dass sie machtlos sind und nichts beeinflussen können. Ich bin das beste Beispiel dafür: „Der kleine Mann hat doch nichts zu sagen und kann sowieso nichts ändern“ – O-Ton mein Vater. Also müsste ich eigentlich auch so denken. Doch diesen Glaubenssatz habe ich nicht übernommen – im Gegenteil. Ich empfand es immer als Schwäche, dass er so dachte. Es hat aber auch bewirkt, dass es für mich ein Konflikt war, „was aus mir zu machen“, denn mein Vater sagte auch, man müsse bescheiden bleiben.
          Was bei Menschen dazu führt, ihren kritischen Verstand auszuschalten, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür gibt es sicher viele Ursachen. Ja, vielleicht auch den Mangel an Fantasie. Die anderen, wenigen, müssen es irgendwie aushalten, stimmt, ist aber nicht einfach.

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