Oh Paris

Macron und  Bürgermeisterin Hidalgo zum Trotz, die die alten schönen Kioske ersetzen lässt, hält sich doch ein Stück des alten Paris. Oft sicher nur,  solange es dem touristischen Weltbürger dient, aber besser so als ganz ausgelöscht.

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Notre Dame sieht nach dem Brand wirklich traurig aus, doch man hat den Eindruck, dass jetzt keinesfalls weniger Touristen kommen.

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Kennt man ja.

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Gut für die Individualisten, dass die Massen eben ticken wie Massen – nur eine Parallelstraße entfernt hat man seine Ruhe und spürt, dass die Stadt trotzdem noch eine menschliche Dimension bewahrt (okay, ich weiß nicht, wie es am Tour Eiffel aussieht, auf Nebenwegen sicher ähnlich).

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Es gibt Gassen und Fassaden, die seit Jahrhunderten unverändert sind oder fast.

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Selbst die Smartphone-Generation gerät bisweilen auf Nebenwege, auch wenn sie nicht darauf achtet, wo sie ist.

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Manchmal glaubt man sogar Rehe im ersten Stock zu erkennen.

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Auch sehen die Patrons der vielen kleinen Restaurants im fünften Arrondissement, also an der berühmten Rive Gauche, oft noch so aus wie vor 30 Jahren.

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Hier ist noch einer. Und sage hier jemand, Paris sei ein unbezahlbares Pflaster (okay, was die Mieten betrifft, schon!).

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Überhaupt hat das alte Paris immer noch das…,

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…was den Charme der Stadt ausmacht. Nun ja, ganz in der Nähe sah ich in einem kleinen Park einen Mann im Gras liegen, der – auf der Seite liegend – an seiner Hose nestelte. Bevor ich mich versah, hatte er sein Ding rausgeholt und urinierte vor sich hin.  Eine neue Erfahrung, auf die ich auch hätte verzichten können. Umschalten, wegdenken, vergessen. Trotzdem: Musste er das denn ausgerechnet vor der gebeutelten ehrwürdigen Notre Dame machen? Kein Respekt vor nichts und niemandem. Aber in Paris heißt es ja “Un pays sans clochards est un pays malheureux!“ (Ein Land ohne Clochards ist ein unglückliches Land). Hmmm. Ich glaube, das ist zu bezweifeln. Andererseits: Wenn Regierungen keinen Respekt mehr vor der Bevölkerung haben, wieso soll letztere dann respektvoll sein, ob sie nun in Wohnungen oder auf der Straße lebt.

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Aber da war ja auch die Dame, die die alten Häuser malte und die Entgleisung nicht sehen konnte, die Glückliche. Besser doch weg von all den „Attraktionen“ und menschlichen Auswüchsen.

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Der Blick in einen nicht weit entfernten versteckten lauschigen Hinterhof kann da schon etwas ablenken.

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Und auch die alte Metrostation vermag es, ein wenig  zu versöhnen mit all den gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen.

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Entfernt man sich noch weiter vom Stadtzentrum, etwa gar ins 13. Arrondissement, das sogenannte Chinesenviertel, muss man auch nur ein paar Gassen hinaufsteigen und fühlt sich wie vor hundert Jahren oder gar wie einem Pariser Dorf.

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Auf der Butte aux Cailles lebten mal die Armen, außerhalb der Stadt, und auch jetzt wirkt das Leben dort bescheiden. Ich frage mich, wie sich die oft sehr einfach ausehenden Menschen die Mieten leisten können – 800 Euro für ein 10-Quadratmeter-Studio sind in der Stadt inzwischen normal. Vielleicht hatten sie Glück und ihre Miete wurde nicht erhöht.

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Bei diesem Anblick musste ich an Pessoa denken, keine Ahnung, warum.

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Diese Dame verdient ihr Geld sicher nicht mit Diamanten. Das sympathische Café, das sowohl von Studenten als auch von den Männern des Quartiers und von anderen Menschen besucht wird, führt übrigens ein Araber.

Ansonsten ist das 13me auch bekannt durch seine Grafitti, vor allem die von Miss Tic. Bei meinem letzten Besuch sah ich von ihr jedoch nichts Neues. Stattdessen eher lieblich-ästhetische Klebearbeiten anderer Straßenkünstler wie diese:

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Der Stadtteil wirkt ein wenig wie außerhalb der Zeit. Was ihn extrem sympathisch macht.  Nur nicht zu empfehlen: eine Karaffe Wasser zu bestellen. Nirgendwo in Paris schmeckt das Wasser derart gechlort wie dort. Eau de Javel pur. Ansonsten wünschte mir die kessen Graffiti von Miss Tic zurück.

Mit 15 habe ich mal für diesen Mann geschwärmt.

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6 Antworten zu Oh Paris

  1. cablee schreibt:

    Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass da tatsächlich ein gehörnter Kopf – von welchem Tier auch immer – an der Wand hängt!
    Schöne Eindrücke von einer (noch immer) wunderschönen Stadt.

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  2. traeumerleswelt schreibt:

    Sehr schöne Bilder von Paris! Dankeschön! Es ist Jahrzehnte her, dass ich dort war…

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  3. Jürgen EHRE schreibt:

    Ach, ja…das ewige Paris, und die schönen Erinnerungen! 🙂

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  4. eimaeckel schreibt:

    Madame, wo ist das moderne Paris? Die dicken, schwarzen Motorroller, die die Velosolex abgelöst haben? Die Leihfahrräder? Die Typen mit den Sonnenbrillen? An den Füßen der Handy-Mädchen kann ich erkennen, dass jetzt die Pariserin nicht mehr Pfennigabsatz sondern Birkenstock trägt. Incroyable!

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  5. Ulli schreibt:

    Altes bewahren und würdigen, das ist eins und dann eben all das Neue daneben und drumherum, das du allerdings kaum zeigst, es zeigt sich bei den jungen Frauen, die in ihr Smartphone vertieft sind. Respekt vor dem Alten ist ein anderes Thema, aber wie soll ein Mensch Respekt entwickeln, wenn ihm keiner entgegengebracht wird? Respekt ist eine gegenseitige Angelegenheit und daran hapert es aus meiner Sicht (auch) ganz besonders.
    Liebe Ute, ich habe deine Bilder sehr genossen, zumal ich erst gestern mit einer Freundin über Paris schwadroniert habe und wie gerne ich mal wieder hinfahren würde.
    Die Mieten in den Metropolen sind „disgusting“, ich habe mich schon oft gefragt, ob nun in Berlin, in Rom oder in Athen wie das die Menschen wuppen, wie überlebt ein altes „Mütterchen“, ein altes „Väterchen“ dort? Wie andere Menschen, die wenig verdienen oder auf Sozialunterstützung angewiesen sind?
    Liebe Grüsse
    Ulli

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