Nur net uffrege

Viele kritisch denkende und/oder halbwegs intelligente Menschen schauen ja nicht mehr in die Glotze oder haben sie gleich ganz abgeschafft. Ich verstehe das schon, weil die Auswahl für diese Zielgruppe immer mehr eingeschränkt wird. Selbst schaue ich auch nur noch selektiv, was durchaus auch manche weniger anspruchsvolle Sendung nicht ausschließt, sofern sie mir gefällt, mich unterhält, inspiriert oder gut informiert. Inzwischen sehe ich am liebsten Tiersendungen. Doch vor allem eines mag ich mir schon lange kaum noch zumuten: die Nachrichten von ARD und ZDF, politische „Diskussionen“ oder so kenntlich gemachte Talkrunden und vermeintlich kritische Formate wie Report, Kontraste, Monitor etc. (von den Privaten rede ich hier gar nicht erst, obwohl sie womöglich in dieser Beziehung gar nicht mal schlimmer sind) – dabei gab es in den 80ern und sogar manchmal noch später durchaus anspruchsvolle und sehenswerte Reportagen. Ähm, ja, ist lange her.

Ich finde aber, dass man sich dieser Qual, wenn auch dosiert, ab und zu mal aussetzen muss. Denn nur so erfährt man, womit das willfährige Volk tagtäglich konfrontiert und wie es manipuliert wird. Nach so einem Einblick ist man zwar außer sich, wütend oder verzweifelt und kann schlecht einschlafen  wie ich gestern Abend – aber ich möchte auch nicht in einer Parallelwelt existieren, in einer Art kritischen Elfenbeinturms fern vom „Volk“. Entzieht man sich diesen Einflüssen vollkommen, grenzt das ja erstens an Arroganz und zweitens nützt es niemandem. Erst recht führt es nicht zu Veränderungen. Kurz: Ich will auf dem Stand sein über das, womit die Deutschen permanent überflutet werden.

Als eine der schlimmsten Polit-Talk-Sendungen empfand ich schon immer Mybrett Ill – oh, pardon,  Maybrit Illner, womit ich nicht sagen möchte, dass ich Sunny Heischberger alias Sandra Maischberger und Anne Will(kür) gut finde, oh nein, die gleiche Liga, die sich nur in Nuancen unterscheidet. Ach ja, ein Mann ist ja auch dabei, Smart oder leer heißt sein Talk am Stehpult, glaube ich – oder war es Hart, aber fair?

Gestern Abend jedenfalls habe ich mir – ausgerechnet – die Ill angeguckt, aber nicht bis zum Ende, das war mir dann doch unmöglich und nur krankmachend. Da saßen unser sowieso lächerlicher Außenminister Maas, die irgendwie total ungrüne, aber für ihre Partei dann eben doch typische Baerbock (waren die Grünen nicht mal links?), dazu ausgerechnet Edmund Stoiber (CSU), heute Ehrenvorsitzender der Partei sowie unter ferner liefen ein Russe und eine Französin. Es ging um das Thema „Geliebter Feind – braucht Europa Putin?“. Nun haben es ja inzwischen viele Deutsche bemerkt oder auch nicht, dass Putin hierzulande von Medien und den meisten Politikern als Grund allen außenpolitischen Übels und vor allem als Kriegsgefahr hin- und dargestellt wird. Dagegen wird Trump ja beinahe schonend behandelt, so weit es möglich ist angesichts „unserer“ absoluten Treue zur Nato.

Der Tenor des „Gesprächs“ war im Grunde, dass man Russland wegen der Gas-Pipelines braucht, aber das Land und vor allem den Mann mit großem Misstrauen beäugen muss. Die Grüne Baerbohm brachte es fertig, die Ukraine-Krise wieder mal allein Russland in die Schuhe zu schieben, aber man kennt es ja schon nicht mehr anders, nur hätte man bis vor ein paar Jahren von dieser Partei doch ein wenig mehr Nachdenken, Analysefähigkeit und weniger USA- und Nato-Gehorsam erwartet. Am schlimmsten aber war der tendenziöse Film-Einspieler, der zwar einerseits aussagte, die Menschen in Deutschland – nicht die Politiker – seien Russland eigentlich positiv gesonnen und wünschten sich eine entspannte Beziehung, das dann aber gleich negativ dadurch einzuschränken versuchte, dass ja vor allem der Osten und die böse Linke zu diesem Bild beitrügen.

Ich traue es mich ja kaum zu sagen, aber es war ausgerechnet Stoiber, der Russland gegenüber am nachsichtigsten war und sogar Fehler der deutschen Politik gegenüber Putin einräumte. Mir schien es so, als habe er das nicht nur wegen der russischen Energiequellen gesagt, von denen Deutschland zum Teil abhängt, sondern tatsächlich aus Einsicht. War das etwa Altersweisheit oder -milde? Wenn ja, ist sie mir mehr wert als das dumme Gequatsche der meisten jüngeren Politiker jeglicher Couleur, die eh keine eigene Meinung mehr haben. Selbst der kleine Kevin hat die Hosen voll.

Ansonsten reicht mir der Einblick in politische Talkrunden erstmal wieder für mindestens ein halbes Jahr. Muss mich erholen.

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5 Antworten zu Nur net uffrege

  1. gkazakou schreibt:

    herzlichen Dank, dass du das auf dich genommen hast! Ich bin vollkommen deiner Meinung. Wie kommt das nur? Benutzen wir etwa dieselben nicht-konformen Informationsquellen und lassen uns gegen-manipulieren? 😉 🙂

    Die Grünen haben es geschafft, für mich ein Brechmittel zu werden. Tja, leider. Denn einen ökologischen Schwerpunkt würde ich schon gern in der Politik gesetzt sehen.
    Vielleicht denkt Stoiber differenzierter zu Russland, weil er kein „Atlantiker“, sondern ein konservativer Bayer ist, der die Interessen der deutschen Wirtschaft nicht völlig aus dem Auge verloren hat.

    Gefällt 4 Personen

    • Danke gleichfalls. Ja, woher das wohl kommt…? 😉 Genau das, was du hinsichtlich Stoiber schreibst, kam mir auch in den Sinn: Er ist zwar ein konservativer Bayer, aber… Gestern dachte ich, er hat vielleicht nicht nur die deutsche Wirtschaft im Blick (das haben die anderen ja schon auch noch – na ja, sofern sie noch durchblicken), sondern denkt einfach politisch weiter, was ich ihm früher nie zugetraut hätte. Und was die Grünen betrifft, ja, die haben auch bei mir gründlich verschissen.

      Gefällt 2 Personen

  2. Publicviewer schreibt:

    Ja, man kann mit mach strammen CDU/CSU ler manchmal besser diskutieren als mit vermeintlich linken und grünen Genossen oder gar Leuten von der Verliererpartei…

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich sitze gerne in meinem Elfenbeinturm und bin auch gerne arrogant. Des-Informationssendungen sind seit 20 Jahren für mich tabu. Viele unserer Polit-Darsteller habe ich noch nie gesehen. Öffentlich-rechtlich „genügen“ mir die Sendungen des Deutschlandfunks, die auch allmählich narrativ unterwandert werden. Dieses Volk lässt sich, wir lassen uns mal wieder zu einer Stunde Null hintreiben und hoffentlich bleibt es dann bei dieser Null. – Wir Andersdenkenden haben das Erbe der Geschwister Scholl kläglich verspielt und den Zeitpunkt verpasst, den Herrschenden noch in den Arm zu greifen.

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    • Ich verstehe dich schon ein bischen bis gut, im Grunde mache ich es ja ähnlich. Nur ab und zu habe ich doch den Drang, mir nicht nur aus kritischen Medien, sondern eins zu eins anzuschauen, mit welcher Dreistigkeit das Volk verdummt wird und was aus den vormals linken Parteien geworden ist. Und dann ist auch wieder Schluss, das reichte mir jetzt auch wieder für die nächsten paar Jahre… Skandalös, dass man noch Zwangsgebühren für den Mist zahlen muss. Ich fürchte auch, mit nenneswerten geistigem Widerstand ist hierzulande nicht mehr zu rechnen…

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