In eigener Sache

Viele meiner bisherigen langjährigen Leser schauen meine Beiträge vermutlich nicht mehr an (habe die Statistik nicht angeschaut), jedenfalls gibt es deutlich weniger Resonanz und einigen Kommentaren entnehme ich, dass ihr meine Gedanken nicht nachvollziehen oder teilen könnt. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Doch ich vermute, dass etliche Bloggerkollegen denken, ich hätte mich geändert oder ich sei womöglich sogar verrückt geworden. Jenen unter euch möchte ich sagen: Nein, ich habe mich nicht geändert, nur weil ich momentan keine Reiseartikel oder ähnlich Erbauliches schreibe.

Ich war und bleibe ein wacher kritischer Mensch und ich kann gut beobachten und analysieren, Zusammenhänge erkennen und ich habe eine gute Intuition (fast muss ich sagen, dass das alles leider der Fall ist, und das ist keineswegs ein Eigenlob) sowie eine große Neugier und einen ziemlichen Informationsbedarf, weshalb ich mich in möglichst vielen (Leit- und Alternativ-)Medien informiere. Und ich fühle ich mich geradezu moralisch verpflichtet, anderen meine Besorgnis und Erkenntnisse (die sich durchaus ändern können und selbst bin ich auch eine große kritische Zweiflerin, auch was meine eigenen Einschätzungen betrifft) in diesen sich extrem wandelnden Zeiten mitzuteilen. Ich kann nicht einfach so im stillen Kämmerlein dabei zusehen, was hier gerade abläuft, und ich hätte ein sehr schlechtes Gewissen, wenn ich schweigen würde. Ich will nicht zu jenen gehören, die sich später vorwerfen müssen oder denen vorgeworfen wrd, nichts gesehen haben.

Oft fühle ich mich kraft- und mutlos, weil ich fast ausschließlich gegen Wände anschreibe und rede und will es aufgeben. Dann wieder MUSS ich trotzdem weitermachen und sei es nur, um mir die Dinge von der Seele zu schreiben. Auf jeden Fall bin ich die geblieben, die ich war. Was sich geändert hat, sind meine Erkenntnisse, ist meine Sicht der Welt. Im letzten Dreivierteljahr habe ich soviel gelernt und begriffen wie nie zuvor in so kurzer Zeit und was ich gelernt habe über die Gesellschaft und die Menschen, ist schmerzhaft. Es ist natürlich vollkommen okay, wenn ihr mich für abgedreht halten, damit kann ich leben. 😉 Und ich schreibe das nicht, um Kommentare zu bekommen, bitte betrachtet es einfach als Statement, das man nicht kommentieren muss (ich weiß auch nicht, ob und wie man die Kommentarfunktion ausschalten kann, sonst würde ich es an dieser Stelle tun), aber natürlich darf.

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14 Antworten zu In eigener Sache

  1. Der Emil schreibt:

    (Im klassischen Editor geht das unter dem Texteingabefeld im Modul „Diskussion“.)

    Gefällt 1 Person

  2. gkazakou schreibt:

    Liebe Ute, ich fühle wie du und mit dir. Obgleich es so sinnos ist, versuche auch ich tagtäglich in meinem Umfeld zu sagen, was ich fühle und meine erkannt zu haben. Auch ich fürchte, mehr Intuition zu haben als mir gut tut. Andere nennen es Fantasie, Einbildung und Schwarzseherei, andere ideologische Verblendung. Aber ich sehe eben, was ich sehe und wie ich es sehe und kann es nicht anders sehen. Zugleich merke ich, dass andere meine Sicht nicht teilen können. Und so kam ich auf das Vexierbild. Du kennst das? Es gibt dort einen Riesen, auf dem fröhliche Ausflügler herummarschieren, ihre Sonnenschirme ausbreiten etc. Jeden Moment kann er sich erheben und sie abschütteln. Viele sehen nur diese fröhlichen Ausflügler und eine harmlose Landschaft, den Riesen sehen sie nicht. Andere wiederum sehen nur den Riesen und sonst nichts. Zwei weitere bekannte Vexierbilder: der eine sieht eine alte hässliche Frau, der andere eine Junge Hübsche. Und soviel der eine dem anderen auch sagt: ja, siehst du denn nicht…., sagt der andere, nein, ich sehe…. Und beide finden den Umschaltpunkt nicht. Oder das mit Marilin Monroe und Einstein: je nach Abstand siehst du den einen oder die andere, es ist wie verhext.
    Kurzum, es kommt auf die Nähe und Ferne zum Bild und auf die innere Bereitschaft an, zwischen verschiedenen Seinsvorstellungen zu switchen. Dann kann man damit leben, dass sich andere nicht überzeugen können von dem, was für dich sonnenklar ist. Ich sage das jetzt so ruhig, aber grad habe ich mal wieder verzweifelt versucht, meinem Liebsten „die Augen zu öffnen“. Oft macht es mich fertig, wenn man mich nicht versteht (ja, bist du denn mit Blindheit geschlagen?), und es macht mich glücklich, wenn jemand versteht, was ich sage, auch wenn das von mir wahrgenommene Bild einem Alptraum gleicht. Nicht, weil ich recht haben will, sondern weil ich meine, dass man nicht richtig handeln kann, wenn man die wahre Beschaffenheit der Verhältnisse nicht erkennt.
    Und so ist mein Rat an dich und mich: ja, weitersuchen, den Rahmen erweitern und innerlich ruhiger, entspannter werden, dann sieht man beides und ist näher an der Wahrheit, die nicht nur aus den Tatsachen, sondern auch aus der unterschiedlichen Wahrnehmung der Tatsachen besteht. Dann kann es vielleicht doch eine Verständigung geben.
    Ganz herzliche Grüße! Gerda

    Gefällt 4 Personen

    • rotewelt schreibt:

      Danke, liebe Gerda, für deine Worte. Mir kommen fast die Tränen, denn es ist so schön und wichtig, verstanden zu werden von jemandem, der auch so fühlt und tickt. Ja, ich kann auch nicht anders als so zu sehen, wie ich sehe. So bin ich nun einmal. Das mit dem Schwarzsehen oder zuviel Fantasie habe ich mir auch schon oft anhören müssen, übrigens seit der Kindheit. Und das mit der Intuition ist wirklich oft nicht einfach. Im März, nachdem ich die Panik, am Virus zu sterben, verloren hatte, sagte ich zu einem mir wichtigen Menschen, dass es böse ausgehen wird, nicht wegen des Virus, sondern weil unsere Freiheit, unser ganzes Leben bald eingeschränkt werden wird und dass es Versorgungsengpässe geben würde (okay, es waren nur Nudeln, Mehl, Hefe, Konserven – und Klopapier). Er hielt meine Befürchtung für übertrieben. Ich kann auch deine Verzweiflung gut verstehen beim Versuch, deinem Liebsten die Augen zu öffnen. Der Mensch, von dem ich eben sprach, denkt auch immer noch, die Regierung(en?) sei einfach nur dumm, unfähig, unprofessionell. Da kann frau nichts machen und ich denke, der Grund ist wie bei den meisten Menschen Angst, dass das ganze bisherige Weltbild einstürzen könnte.
      Ich verstehe diese Angst ja, jedenfalls in gewisser Weise, weil ich aufgrund meiner persönlichen Entwicklung und Erfahrung der letzten vielleicht zehn Jahre selbst öfter erlebt habe, wie mein bisheriges Weltbild immer mehr einstürzte. Doch weil ich immer mehr aus meiner trotz Kritikfähigkeit immer noch bestehenden gewissen Gutgläubigkeit oder Naivität erwacht bin, breche ich in der aktuellen Situation nicht vollständig zusammen, weil ich mittlerweile alles Unvorstellbare für vorstellbar halte. Aber ich bin trotzdem schwer geschockt und auch immer noch fassungslos und fürchte, dass der Rest meines Lebens kein guter wird wie erhofft, sondern habe Angst um den letzten Verlust von Wahrheit, Ehrlichkeit, Objektivität, Menschlichkeit und Freiheit insgesamt und persönlich. Insofern kann ich beim Vexierbild (schönes passendes Symbol) schon noch umschalten und mich in die Sichtweise der anderen hineinversetzen. Aber ich vermisse deren Umschaltfähigkeit und vor allem deren grundlegende Bereitschaft dafür und bald verliere ich auch die Geduld, muss ich zugeben.
      Ganz lieben Dank nochmal, dein Mitempfinden und die moralische Unterstützung tun mir so gut. Herzliche Grüße, Ute

      Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Von meiner Seite aus gilt das nicht. Ich lese deins nach wie vor (sofern ich überhaupt Zurzeit in Bloghausen unterwegs bin – was erst seit dieser Woche wieder etwas regelmäßiger geworden ist). Nur dikutiere ich gerade nicht mehr. Es gibt in schriftlicher Form sehr schnell Missverständnisse und genau dazu fehlt mir gerade die Energie – dagegen oder dafür anzuschreiben.
    Ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden, was du vertrittst, aber das ändert nichts an meinem Blick auf dich, nämlich, dass du eine kritische Frau bist und nicht jedem und jeder aus der Hand frisst, das ehrt dich – aus meiner Sicht.
    Auch muss ich nicht immer alle Meinungen teilen, um den Menschen zugewandt zu bleiben. Dazu kommt, dass ich in manchen Feldern selbst nicht klar bin, also auch dann lieber nichts sage.
    Ich habe eh die Phantasie, dass es eher die Unklarheiten sind, die hier einige still werden lassen. Andere teilen deine Meinung nicht, aber ich glaube nicht, dass dich jemand für verrückt hält. Und wenn, dann ist das eher das Problem derjenigen oder desjenigen und nicht deins.
    Liebe Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • rotewelt schreibt:

      Danke dir, Ulli. An deiner Vermutung, warum viele hier zum derzeitigen Hauptthema schweigen, ist sicher etwas dran. So mancher muss sich vielleicht erst sortieren, daran dachte ich auch schon. Liebe Grüße, Ute

      Gefällt 1 Person

  4. aquasdemarco schreibt:

    Ich lese mit, aber Kommentare entstehen ja aus einem Gefühl heraus, wie jetzt gerade.
    Meistens hatte ich das Gefühl, ach lass es🤷‍♂️
    Und auf meine Intuition kann ich mich verlassen🙂

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  5. sunflower22a schreibt:

    Liebe rotewelt, verzweifeln Sie nicht. ich fühle wie Sie. ich merke wie ich immer aggressiver werde gegen diese Leute die hysterisch überall mit Masken rumlaufen und wirklich glauben überall lauert das Killervirus. Ich habe auch schon viele Freunde deshalb verloren, aber egal, ich habe auch andere gewonnen. ich blogge nicht mehr viel und habe Ihre Texte erst jetzt gelesen. Gratuliere!!! Stay strong! here is what I have written https://sunflower22a.wordpress.com/2020/10/03/beruhrung/

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