Wieder mal Weihnachten

Auch dieses Weihnachten wird nicht eisig. So ganz offiziell-weltpolitisch jedenfalls, räusper, und Schnee wird’s ebenfalls kaum geben, jedenfalls nicht im Flachland.

Manchen erfreut’s, andere beängstigt’s. Wie auch immer, die Italienerinnen ziehen in diesen Tagen unverdrossen weiterhin rote Unterwäsche an, manche andere überall auf der Welt vielleicht rote Kleider, schließlich kann’s der Weihnachtsmann ja auch. An mir geht das alles vorbei, jedes Jahr ein Stück mehr, schließlich zähle ich nicht nur zu den Ungläubigen, sondern auch zu den Nichtweihnachtskonsumhektikern. Rot bleibt trotzdem meine Lieblingsfarbe.

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Hauptsache, im Innern bleibt’s irgendwie warm.

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Où va-t’on? Wohin geht’s?

In Frankreich gehen die Menschen wieder auf die Barrikaden. Gegen soziale Ungerechtigkeit. Nicht nur die gilets jaunes, sondern wie 68 nun auch die Studenten.

In den Medien ist dauernd vorrangig von der Gewalt auf den Straßen die Rede. Doch von wem geht  die Gewalt aus, die bekanntlich nicht nur physische Ausprägungen haben muss? Von den Gelbwesten oder nicht vielmehr von der Regierung? Ich lehne Gewalt ab, doch wie können die, die einfach nicht gehört, sondern arrogant ignoriert werden, sich sonst Gehör verschaffen (von den gewalttätigen Berufsrandalierern, die überall auf der Welt und an jedem Brennpunkt mitmischen und viel berechtigten Protest kaputtmachen, worauf sich viele Kritiker dann leider oft ausschließlich stürzen, rede ich hier nicht, die sind aber nicht in der Mehrheit)?

Warum muss es eine eher für Kurvenreichtum bekannte Schauspielerin aus den USA sein, die es auf den Punkt bringt, was in Frankreich passiert?

https://www.nachdenkseiten.de/?p=47676

Wie in Frankreich, so werden auch in Deutschland die Reichen immer reicher und die Armen und die Menschen mit mittleren Einkommen immer ärmer. In Deutschland gäbe es ebenfalls Gründe genug zu demonstrieren, das winzigste Beispiel ist auch hier noch die Diesel-Politik. Nur, die braven Bundesbürger zetteln keine Revolution an. Wer weiß, vielleicht wird sogar der reiche neoliberale Millionär Friedrich Merz neuer Bundeskanzler – perfekter Geistesbruder Macrons (sieht jetzt  aber eher nach AKK aus). Doch auch dann würde vermutlich höchstens die AfD auf die Straße gehen, deren Mitglieder – verlogener geht’s kaum – selbst oft zu den Reichen gehören. Wo bleibt ihr, ihr Kritiker, ihr (wirklichen) Linken? Warum zieht ihr den Schwanz ein? Ich höre nichts.

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Nach dem Friedhof der Stadtgarten

Vor gut zwei Wochen spazierte ich nicht nur über den alten Friedhof in  Freiburg, sondern auch durch den Stadtgarten.

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Dort bieten sich je nach Lichtverhältnissen im November oft wunderschöne Eindrücke.

Ich war etwas zu spät dran, in anderen Jahren war das Blätterrot noch roter, trotzdem beeindruckte mich die Farbenpracht. Gleichzeitig fragte ich mich, wieviel Kitsch erlaubt ist, doch können Naturfarben kitschig sein?

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Ich denke, nicht.

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Herrlich, dass seit den zehn Jahren, in denen ich hier lebe, der Turm des Freiburger Münsters erstmals nicht von Baugerüsten geziert ist.

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Und bevor der lange unbunte Winter kommt, speichere ich noch schnell dieses farbige Bild, das sich heute schon nicht mehr so präsentiert, auch wenn das Laub trotz des langen Sommers dieses Jahr viel später verblasst und fällt als gewöhnlich,

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Der Nominativ ist den Akkusativ sein Tod

Ich weiß gar nicht, ob es von dem sicken Mann, der „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ schrieb, inzwischen auch ein Buch zum Thema „Der Nominativ ist den Akkusativ sein Tod“ gibt. Wenn nicht, würde es Zeit. Es gibt da so Beispiele wie „Weil ich in ein Ball treten kann, bin noch lange kein Fussballer“ oder …. „Morgen geh ich in ein Tempel, um zu meditieren“. Im Internet liest man solche „Irrtümer“ ständig, was mich zugegebenermaßen beängstigt. Was ist bloß aus dem vierten Fall geworden?!

Macht euch aber kein Stress deswegen, das wird schon wieder.

Aber wehe, der Herr Bastian (habe in meiner frühen TV-Jugend ja von einem ganz anderen Gleichnamigen geträumt, nämlich „dem Bastian“, Idol meiner schlaflos früh- und spätpubertären Nächte, ach), klaut jetzt von mir, dann werde ich böse.

Ich mach mir jetzt ein Tee.

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Spätherbst

Wie oft habe ich schon den Alten Friedhof in Freiburg fotografiert und Bilder darüber veröffentlicht? Ich weiß es nicht. Dieser Ort ist einfach zu schön und besonders. Am meisten reizen mich die Besuche im Herbst und im Winter, obwohl es genau die Jahreszeiten sind, die ich am wenigsten mag. Doch vor allem im Oktober und November ist das Licht immer so bezaubernd.

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Vorgestern gab es hier die erste Frostnacht, worauf ein strahlend schöner Sonnentag folgte, da musste ich einfach raus.

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Das stets jahreszeitgemäß geschmückte Grab der schönen Caroline Christine Walter gehört immer zu meinen Zielen.

Doch wie so oft hatte ich auch diesmal das Gefühl, dass da auch sonst jemand am Werke ist – sicher derselbe unbekannte Grabschmücker –, der eine Freude daran hat, auch andere Grabsteine zu dekorieren, quasi beiläufig, so wie Fotografen es lieben. Wie auch immer, dankeschön, es wirkt! Eine frische oder verwelkte Rose hier, ein Kränzchen oder eine verschrumpelte Frucht da, alles passt.

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Manchmal ist es aber auch einfach nur die mehr oder weniger gestaltete Natur, die das Bühnenbild stellt.

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Sizilien, erste Annäherung

Sizilien ist nochmal ganz anders als das Süditalien des Festlands. Die berühmten Bauruinen gibt es dort in noch größerem Ausmaß als im restlichen Mezzogiorno, sie verschandeln die Landschaft quasi überall. Aber wenn man es schafft, das Hässliche auszublenden oder den süditalienischen Blick einzunehmen (einfach nur das Schöne sehen, über die Piazza spazieren – fare la passeggiata und una bella figura), ist alles gut. Dann und nicht nur dann kommen die außergewöhnlichen Barockstädte im Südosten zum Zuge, doch dazu später. Für heute sollen es ein paar alltägliche Impressionen tun, ganz normale Eindrücke, Straßenbilder sozusagen.

Übrigens, drei Kilometer von unserem Ferienort entfernt starben vor fünf Jahren elf Bootsflüchtlinge. Das erzählte uns Peppe, der Mann der Verwalterin unseres Ferienhauses. Peppe ist 100 Prozent Sizilianer, wie er sagte, geboren in Modica, aufgewachsen dort und in Noto. Wir waren uns einig über die Fluchtursachen, die Schuld auch und vor allem der westlichen Industrieländer, das kriegte ich mit meinem Italienisch gerade so noch hin, schwitz, ungewohntes Thema, und das tat gut, das Verstehen, das doch universell ist.

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Die folgenden Bilder schnappte ich auf in Scicli, Modica, Ragusa Ibla und Noto, in Sampieri, Marina di Ragusa und Marina di Modica:

Originales Stadtleben oder am Meer, da wo die getrennten Männer leben, wie wir erfuhren.

Fast immer war das Meer zu wild zum Schwimmen. Und lauter als die dröhnende Baustelle plus der Schulhoflärm hier zuhause, trotzdem schlaffördernder.

DeutscheTouristen, die es überall gibt (nein, nicht mal in Freiburg habe ich solche Hundekutschen gesehen), gab es selbst im südöstlichsten Zipfel Siziliens und das im Herbst. Von den hier harmlos erscheinenden Wellen des Medicanes ganz zu schweigen. Und die stets präsente Mulltonnenvielfalt stört nun auch so manches Fotomotiv im Süden. Tja, das nennt man Fortschritt…

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Dafür konnten wir dort zu unserem Erstaunen eine bretonische Galette essen. Da hatte sich ein Bretone eine Marktlücke erobert und in Marina di Ragusa eine Crêperie eröffnet mit Cidre aus dem Val de Rance und so. Schräg. Wegen akuter Bretagne-Sehnsucht und des Duftes kehrten wir dort spontan ein, obwohl es doch ein wenig pervers war… Egal, hat sich gelohnt. Antipasti, Pasta und Fisch gab’s  vorher und später noch zur Genüge und zum Vergnügen. Für die fremdelnden Sizilianer gab’s Galettes mit Kirschtomaten (ein halbes Pfund ist immer auf allen Gerichten), wahlweise auch getrockneten Tomaten, Oliven und den sizilianischen Käsesorten Provola, Cacciocavallo und natürlich all den hellen weißen Sorten. Schmeckte nicht schlecht, der Region angepasst. Ich bestellte übrigens reflexartig auf Französisch: Je voudrais une galette complète… 😦  Die Bedienung nahm’s mit Humor.

Klar kam auch gerade ein frisches Brautpaar aus dem Dom von Ragusa Ibla und drehte seine obligatorische passeggiata, der Mann mit stolzgeschwellter Brust und auch zu gern für ein Foto posierend.

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Das Gezuckerte ist überhaupt sehr zu empfehlen, all die Spezereien mit Mandelkern und Pistazien, vom gelato ganz abzusehen, das es auch mit Weingeschmack gab. Wie sagen die Loriot-Familien immer: Wir kommen wieder! Ja, vielleicht, vermutlich, mit Ausdehnungen des Radius(ses?).

Die Parkplätze in den engen Altstädten fanden wir übrigens (natürlich hatte der Reisebegleiter kein Auto mit Navi gebucht) meistens spontan und zufällig. Und das mitgeführte Tomtom – darüber will ich jetzt lieber nicht reden, was nicht nur am Tomtom lag… Aber gehört es auf Sizilien nicht dazu, temperamentvoll zu diskutieren?

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Kriegsspiele

Da mir selbst momentan die Zeit und die Worte fehlen, einen Artikel darüber zu schreiben, was mich gerade politisch am allermeisten bewegt und ängstigt, lasse ich andere sprechen:

https://neue-debatte.com/2018/09/11/ein-putsch-jagt-den-anderen/

https://www.nachdenkseiten.de/?p=45930

https://gerdakazakou.com/2018/09/11/11-9-das-grosse-spiel-spitzt-sich-zu-was-tun-sag-nein/

https://redskiesoverparadise.wordpress.com/2018/09/11/nichteinmischung-nichteinmischung-nichteinmischung-nichteinmischung-nicht-einmischen/

Macht- und einflusslos fühle ich mich, aber wenigstens möchte ich auf diese Weise meine Meinung sagen zu dem, was gerade in der Welt geschieht.

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Die 36. Woche, 2018

Frühling, Sommer und dahinter
gleich der Herbst und bald der Winter –
ach, verehrteste Mamsell,
mit dem Leben geht es schnell.
(Wilhelm Busch)

Eigentlich ist alles soso,
heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
ach es ist nicht viel dahinter.
(Theodor Fontane)

Den Frühling habe ich verpasst, im Sommer hatte ich keine Zeit, der Herbst brachte mir die Angst vor dem Winter, im Winter träume ich vom Frühling.
(Stefan Rogal)

Wenn ihr ein Jahr gelebt und den Wechsel der Jahreszeiten erlebt habt: Winter, Frühling, Sommer, Herbst, dann habt ihr alles gesehen und nichts Neues werdet ihr mehr erblicken.
(Michel de Montaigne)

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Gestrige Notiz vom Wegesrand, gesehen an der Dreisam (die nicht mehr so ausgetrocknet ist wie vor ein paar Wochen) bei Freiburg Richtung Kirchzarten. Endlich war mal entspanntes Radfahren möglich, zwischen Gluthitze und Regen. Nur, warum setzt sich die junge Frau an dieses schönes Fleckchen Erde, um auf ihr Smartphone zu schauen? Ein lieber Mitleser gab den Tipp,  das Bild „Einsam an der Dreisam“ zu nennen, finde ich passend, danke!

Selbst finde ich, dass der Sommer ein richtiger Sommer war, endlich mal wieder, lang und warm, aber dann doch meist zu heiß und schwül (wenn auch nicht so schlimm wie 2003) und ich ihn deshalb gar nicht wirklich mitgekriegt habe (abgesehen von den immerhin zwei Wochen in Apulien im Juni), was ich jetzt sehr bedaure. Wochenlang arbeiten in der abgedunkelten Wohnung (das hat man nun vom Freiberuflerdasein im sogenannten Home Office ohne Klimaanlage), keine nächtliche Abkühlung, schlechter Schlaf, Erschöpfung. Die letzten Wochen wenigstens schulfrei nebenan und zwischendurch sogar zwei Wochen Bauferien an der Großbaustelle gegenüber. Die Presslufthammer, Rüttler & Co sind schon wieder in Betrieb und am Montag kommen die brüllenden und kreischenden Schüler zurück. Noch zwei Tage die Ruhe genießen. Doch Melancholie schwingt mit.

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Die 35. Woche, 2018

Obwohl heute erst (schon, ganz plötzlich) September ist, fühlt es sich an wie Oktober. Jacke, Tuch, Stiefeletten.

Vorgestern Temperatursturz von über zehn Grad innerhalb eines Tages. Seitdem Schwarzwaldausläufer wolkennebelverhangen bis ins Tal. Kastanien- und anderes gebräuntes Laub bedeckt die Straßen, bevor die Früchte reif sind. Luft riecht anders, wenn auch noch nicht ganz nach Herbst. Aber man spürt ihn. Fühle mich wie mittendrin.

Menschenkleidung (wieder) überwiegend grau-braun-dunkel. Sicher bin ich zu farbig-rot mit meiner Hose, meinem Schal und der Tasche.

Aber wohl doch genug Signal für ein älteres Paar, er im Rollstuhl, sie an dessen Steuer. Wobei ich ja immer und in jedem Land nach dem Weg gefragt werde, selbst auf Friedhöfen. Sie fragen mich durcheinander nach dem nächsten Café und zeigen dabei in entgegengesetzte Richtungen. Ich kann zwei Cafés aufzählen, eines garantiert rollstuhltauglich und am nächsten gelegen, doch ausgerechnet dorthin wollen sie nicht, will sie nicht. Was er will, wird nicht klar. Er hat keine Chance, sich zu artikulieren. Das zweite Café hat leider ein paar Stufen. Mir fällt das Café des noch näherliegenden Hotels (ebenerdig) ein, der gute Espresso eines italienischen Ladens, vor dem man zumindest draußen sitzen kann, fast ebenso nah, doch nichts überzeugt die Frau. Für das nächste müssten sie nur eine Ampel überqueren. Das ist ihr erst recht zuviel. „Dann gehen wir halt wieder nach Hause“, sagt sie, während ich ihrem leicht verwirrt erscheinenden, doch sehr wachäugigen Mann anmerke, dass er doch gern irgendwo einkehren würde. Er hat aber nichts zu sagen, wird übertönt. Sie wollen genau da vorbeigehen, wo das erstgenannte Café liegt, das sie aber nicht besuchen will. Ich bin nicht schlau aus ihnen geworden. Warum hat sie mich überhaupt gefragt?

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Hintergründe oder: Was wäre, wenn…

Ein Kommentar zu den Ereignissen in Chemnitz, den ich nur unterschreiben kann:

https://form7.wordpress.com/2018/08/31/chemnitz-und-der-casino-kapitalismus/

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