Wie wäre Venedig im November…

Gerade stoße ich beim Thema November auf einen WordPress-Beitrag von mir vom 25. November 2014. Anne alias (La)Nanef ist nun schon bald zwei Jahre nicht mehr lebendig. Sie war einfach verschwunden, disparue.

Es bleibt ihr Kommentar, es bleibt ihr Blog „Ici, là et ailleurs“ – Hier, dort und anderswo.

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Des mots inspirés par des photos de Venise accompagné d’un poême d’Anne Faucher sur Facebook (angeregt von Venedig-Fotos und Worten der Facebook-Freundin Anne Faucher):

Ni rien ni…

Portes mi-closes
Portes indécises
Sur un canal, une vie

Derrière les façades fanées
Persistent pour toujours
Les mystères
Ainsi que les secrets
Importants ou pas
Dans l’ancien palais
Au sol de marbre
Et ailleurs
Peuplé de fantômes
D’histoires
Et leurs ombres
Aux ailes qui battent
Inlassablement
Pour éviter la chute finale
Vie étrange
Ville mystérieuse
D’un autre monde
Que tu es
Que même le carnaval
Ne peut pas
Démasquer
En ce mois
Si nébuleux.

Venedig

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Lindner und Konsorten

Schon lange frage ich mich, warum im angeblichen Wohlfahrtsstaat Deutschland niemand mehr auf die Barrikaden geht – und wenn, sind nur die Rechten laut. Das war doch mal anders, in den 80ern zum Beispiel, die ja eigentlich als unpolitisch galten. Na, wenn das Jahrzehnt und das nächste unpolitisch war, was ist dann dieses…? Der Neoliberalismus feiert überall Erfolge, vor allem in Gestalt von narzisstischen Typen wie dem französischen Shooting Star Macron und dem billigen Möchtegernimitat Christian Lindner, der ebenfalls sein Egospiel durchzieht, sich dann aber aus der Verantwortung stiehlt, weil er nie Bock zum Regieren/Arbeiten hatte – wobei ich auf diese Art von Politik auch prima verzichten kann. Komische Welt jedenfalls. Und die SPD, leider, liefert weiter ein Jammerspiel. Die Grünen reden von „Recht und Ordnung“ und „Patriotismus“ und kriechen auf Muttis Schleimspur. Was soll bloß werden?

Neue Männer –  pardon, Menschen braucht das Land  (hatte nur gerade den Song von Ina Deter im Kopf und nein: Ich bin weder Feministin noch Emanze, sondern zufällig weiblich).

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Roma

Alle Wege führen nach Rom.

Mit Fragen kommt man gen Rom.

Wer nach Rom gehet, sucht das erstemal einen Schelm, das zweitemal findet er ihn, und das drittemal bringt er ihn heim.

(Alles deutsche Sprichwörter)

Ich war erst einmal in der „ewigen“ Stadt und das ist auch fast ewig her: Interrail. Stazione Termini. Zwischen Madrid, Andalusien und Paris. Drei oder vier Tage. Viele – köstliche – Pizzastücke auf die Hand als billige Grundernährung. Heiße Milch im Hochsommer, weil ich mit 18 noch nicht wusste, dass caldo nicht kalt bedeutet. Bunte Getränke – rot, grün, orange, gelb – in allen Cafés und Bars, das widerlichste fettigste Omelette aller Zeiten in einem Gewölbekeller in der Nähe des Vatikans, glaube ich. Antike Ruinen und Olympiastätten, Colosseum und die Jugendherberge mit dem besten Frühstück der Welt, allerdings mit kalten Wasser Haare waschen und einmal in der Toilette eingesperrt sein und von einer Amerikanerin gerettet werden. Mal sehen, was das zweite Mal bringen wird und ob sich der Schelm schon zeigt – und ob ich Antworten auf meine Fragen bekomme.

Was nützt mir in Rom der beste Stadtplan von Paris?

(Walter Ludin)

Ich vermute, gar nichts.

Deutschland kann sich nicht entlaufen und wenn es nach Rom liefe, überall wird es von der Platitüde begleitet, wie der Engländer von seinem Theekessel.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Klingt irgendwie trist, aber schau’n wir mal. Auf jeden Fall brauche ich wie der Engländer meinen Tee, geht aber auch ohne Kessel.

Die alten Rom-Bilder sind nicht digitalisiert, neue habe ich bisher nicht und anonyme Fotos will ich nicht. Daher ist die Kategorie „Reiseimpressionen“ noch falsch und bleibt unbebildert, aber mir fällt keine bessere ein. „Reisepläne“ wäre ja auch doof. Mehr  zu gegebener Zeit.

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Die 45. Woche, 2017

Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor, weil das Auge im Herbst den Himmel, im Frühjahr aber die Erde sucht.

(Søren Aabye Kierkegaard)

Hmmm, ich muss überlegen. Erstens ziehe ich das Frühjahr dem Herbst vor und zweitens suche ich auch im Frühjahr nicht nur Krokusse, sondern auch den Himmel (hier im Bild herbstlich-südburgundisch, ebenso wie die Erde).

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Man muss ja nicht mit allen viel-oh-so-fischen Äußerungen einverstanden sein.

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Retour

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Wo gestern noch Grün war

Triumphiert, hübsch belichtet, nun Braun

Dazwischen noch Gelb

Schwarze Äste auch hier

Wo eben die See gleißte

Blenden Dächer aus Teer

Wo gerade noch Weite war

Beschützt jetzt ein Vorhang.

Was will man, Meer.

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Joy Fleming, eine Stimme weniger

Sie war wohl eine der am meisten unterschätzten und/oder am wenigsten gewürdigten grandiosen Sängerinnen in Deutschland. Bekannt wurde Joy Fleming, mit Geburtsnamen Erna Liebenow geb. Raad, dooferweise ausgerechnet durch den Tralala-Eurovision Song Contest, bei dem sie mit ihrem Song „Ein Lied kann eine Brücke sein“ nur auf Platz 17 von 19 kam. Zwar waren Stück und Interpretation um Klassen besser als der andere dort präsentierte 0815-Mist, aber das Millionenpublikum wollte halt keine guten Stimmen hören, sondern noch deutlichere Schlager.

Der Song wurde Joy und ihren Fähigkeiten sowieso nicht gerecht, am ehesten noch ihrer grandiosen kraftvollen Stimme. Mehr auf den Leib geschneidert war ihr der in tiefstem Mannemerisch intonierte Neckarbrückenblues. Leider kam Joy niemals groß raus, sicher, weil sie sich zu sehr abhob vom gewünschten Wohnstuben-Einerlei, aber auch, weil sie nicht nur stimmlich, sondern auch physisch nicht in die herrschenden Barbiepuppen-Idealvorstellungen passte. Ich habe nie verstanden, warum sie einer breiteren Öffentlichkeit verborgen war, obwohl sie bis zum Schluss noch aufgetreten ist, aber eben nur vor kleinerem Publikum oder ignoriert von den Kritikern. Um sie wurde eben kein Hype gemacht, dabei hätte sie es verdient und wäre trotzdem so bodenständig geblieben wie sie immer war. So sang sie hin und wieder auch sowas wie Schlager, obwohl ihr der Blues, der Soul und der Jazz auf den Leib geschnitten waren, was man schon in ihren Anfängen hört:

Nun ist sie schon mit 72 Jahren gegangen.

Ich hoffe und wünsche ihr, dass sie wirlich nie Groll hegte…

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Keine Wahlverwandtschaften

„Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten“, O-Ton Raute. Bingo. Na, das sagt ja alles. Sie hat nichts begriffen und regiert schon lange blind und taub und reichlich arrogant-weltfremd an den Bundesbürgern vorbei. Im Grunde sitzt sie noch mehr aus als ihr Ziehvater Kohl. Die SPD hat auch nichts verstanden, denn einfach nur diffus von „Gerechtigkeit“ zu labern, überzeugt nicht. Schade. Den Grünen sind Klima, Tierschutz, Ausländer und Adoption für Homos wichtiger als Soziales und allgemeine Gerechtigkeit hierzulande und der Menschenschutz an sich – und die FDP möchte vor allem die Digitalisierung (ei, woher kommt sie denn, ist das Schicksal, vom Himmel aufgedrückt?) beschleunigen, damit wir im Wettbewerb mithalten und möglichst viele Menschen arbeitslos werden – und wie immer der Wirtschaft und den Reichen dienen. Die Linke wurde in der öffentlichen Meinung – und zwar von allen Seiten – unter anderem als Putin-freundlich (pfui Teufel, Trump-freundlich ist bestimmt besser) diffamiert oder als Partei, die die DDR und den Kommunismus wiederhaben will. Die AfD und deren Vertreter sind peinlich, doch das schlimmste ist, dass die Anhänger dieser Partei zu doof sind zu begreifen, dass diese extrem rechte und ausländerfeindliche Partei nichts für die deutsche Unter- und Mittelschicht tun will, sondern wie CDU/CSU und FDP die Reichen pampern und also gar nicht für Hartzer und kleine Angestellte – die Mehrheit der Wähler dieser Partei – tun möchte. Viele AfD-Politiker kommen ja aus adligem oder großbürgerlichem Milieu, andere sind einfach übrig gebliebene Nazis oder hirnbefreit. Aber die politische und mediale Volksverdummung ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Man beachte nur das tägliche Fernsehprogramm.

Jamaika klingt so schön bunt, aber die Grünen sind eh schon in vielen Punkten auf CDU-Seite und die FDP sowieso. Also gibt es nicht mehr Hoffnung als wenn CDU/CSU und SPD einfach weitermachen würden wie bisher. Wie wär’s denn statt Jamaica mit Rot-Rot-Grün-Gelb (gibt’s dafür auch ne Flagge?)? Sind auch „nur“ vier Parteien, aber mit ordentlich Zünd- und Diskussionsstoff und vielleicht interessanten Denkanstößen in die richtige Richtung? Soziale Gerechtigkeit und Natur- und Klimaschutz, aber ohne absurde Verbote auf Kosten unschuldiger Verbraucher und Bevormundung – Europa ja, aber nicht um jeden Preis undsoweiter – na ja, Träumerei. Und die SPD hat sich ja eh rausgestohlen, sie hatte ja auch nichts mehr beizutragen.

Sicher nimmt die Union bald Frauke Petri und deren Gatten auf, um die Flanke nach rechts ein bisschen zu stärken… Schon vergessen, der Schießbefehl auf Flüchtlinge, denn Petri will sich durch den AfD-Austritt offenbar gemäßigter geben und das Schlimme ist, dass das von vielen Seiten auch so interpretiert und verbreitet wird…

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Le grand feu, la grande fureur et la grande tristesse

Man ist es ja schon fast gewohnt, dass jeden Sommer in Südeuropa Feuer ausbrechen. Nun hat es meine zwei Lieblingsorte in Südfrankreich an der Côte d’Azur erwischt: die Gegend um La Croix-Valmer/Gigaro und die Küste bei Bormes les Mimosas. Das nimmt mich nun doch besonders mit.

Wie friedlich der kleine Weiler Cabasson bei Bormes les Mimosas doch immer war. https://rotewelt.wordpress.com/2015/01/05/hameau-de-cabasson-bormes-les-mimosas/

Jetzt wurden in der Gegend 10.000 Menschen wegen der „ausgebrochenen“ Waldbrände evakuiert. Ob es auch das schöne Weingut ganz in der Nähe des Fort de Brégançon erwischt hat?

Auch mein allerliebster Ort an der Côte ist schwer betroffen. Hier Impressionen des Oktoberurlaubs 2014.

Ende September dieses Jahres fahren wir genau dorthin, in das gleiche Haus. Von der Terrasse des kleinen Reihen-Mas, versteckt im Grünen auf dem Hügel, hatte man den schönsten Blick auf die Ausläufer des Naturschutzgebiets am Cap Lardier, auf die saftig grünen Pinienhaine. Vielleicht schaut man jetzt nur noch auf verkohlte Baumstümpfe. Die Hausverwalterin deutete schon an, dass die Zerstörung der Natur immens ist. Ein bisschen Angst habe ich vor dem Urlaub. Wie trist müssen auch die Spaziergänge entlang der Küste nun sein, mit all der verbrannten Erde? Sollte der Anblick unerträglich sein, würde ich nicht bleiben wollen, zu schmerzhaft.

Links unten im Video des Twitterers Mario M. Marti unser Lieblingsrestaurant am Strand von Gigaro. Links oben die versteckt liegenden kleinen Ferienhäuschen – mal mit Blick auf die saftig grünen Pinien. Nein, ich versinke nicht in Selbstmitleid, weil meine Urlaubsfreuden voraussichtlich getrübt sein werden. Es gibt auch andere schöne Reiseziele in anderen Ländern und ich will da jetzt durch, die Unterkunft ist ja schließlich gebucht. Ich bin vor allem wütend und tieftraurig über die Zerstörung der für mich schönsten – und noch unverdorbenen, weil geschützten Küstenlandschaften der Côte d’Azur.

Mir kann niemand erzählen, dass es nur die andauernde Trockenheit ist, die die Brände auslöst und ein paar Zigarettenkippen, die sehr dumme Menschen auf den Boden fallen lassen. Es können auch nicht nur Pyromanen sein. So viele Brände gleichzeitig in Südfrankreich und oft beginnen sie am Abend, in der Dunkelheit, wenn die Löschflugzeuge nicht mehr fliegen können und die – beabsichtigte? – Zerstörung umso größer sein wird. Was für Menschen sind das nur, die die Auslöschung der schönsten Landschaften auslösen, auch in Portugal, Italien und Spanien? Die weder Respekt gegenüber der Natur noch Mitleid mit den Menschen haben, sondern sich vielleicht ganz groß fühlen, wenn sie hören, dass schon 5000 Hektar vernichtet sind. Der Mistral und andere Winde fachen weiter an, sind aber wohl kaum die Auslöser.

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Was tun und wohin?

Schon lange lagen mir so viele Worte auf der Zunge, doch bis zur Tastatur fanden sie es nicht. Auch jetzt bin ich nicht besonders gesprächig, so kommt mir nur wenig über die Lippen in diesen Tagen und all das auch wenig präzise.

Ich bin müde, das Weltgeschehen strengt mich an und erschöpft mich, wenigstens seit zwei, drei Jahren, seit ich eine allgemeine Änderung verspüre. Dass Macron der neue französische Präsident werden würde, war ja klar und wurde schon lange vorbereitet. Die Deutschen jubeln und Brüssel jubelt auch. Alle, pardon, viele freuen sich, dass die rechte Marine Le Pen es nicht geschafft hat. Auch ich bin froh und erleichtert darüber, doch für Freude sehe ich trotzdem keinen Anlass. Pest oder Cholera, das scheint neuerdings bei Wahlen übrigzubleiben.

Schade, dass Mélenchon und Hamon sich nicht zusammengetan hatten im Vorhinein, sonst hätte Mélenchon (hierzulande als extremer Linker bezeichnet) vielleicht im Finale gestanden gegen Le Pen oder Macron. Nun hat Macron das Rennen gemacht, wie vorhergesagt und medial herbeibewirkt. So jung, so modern, so europafreundlich und trotzdem für „Reformen“, wow, was für ein Kerl, der für mich nur ein ferngesteuerter Milchbubi ist, pardon, und damit meine ich keine Geheimdienste oder so. Er sieht gut aus, er kann so schön lächeln, sagten viele Franzosen. Dabei sind seine Augen eiskalt.

Heute erklang es in den deutschen TV-Leitmedien, er sei ja so ehrlich und authentisch. Zum Glück dreht sich mein Magen nicht so schnell um. Na ja, wie auch immer, nun haben die Franzosen einen ehemaligen Rothschild-Investmentbanker als Präsidenten. Am meisten lachen muss ich immer darüber, dass die deutschen Medien ihn permanent und ziemlich unverfroren als „sozialliberal“ oder „linksliberal“ bezeichnen. Wo dieser „Politiker“ sozial oder gar links sein soll, erschließt sich wohl niemandem, der sich etwas näher mit ihm befasst. Selbst er bezeichnet sich nicht so. Nun, er will Steuererleichterungen für die Reichen, Stellen im Öffentlichen Dienst streichen und wer weiß, wo sonst noch, weniger Schulden machen und gleichzeitig, trotz einiger Kritikpunkte an Deutschland als europäischem Oberfinanzaufseher, mit Mutti zusammenarbeiten.

Wie gesagt, mein Magen dreht sich nicht so schnell um, aber dass es mit Frankreich, Deutschland und Europa nun weiter bergab gehen wird, macht mir schon zu schaffen. Die Armen und auch die Mittelschicht werden weitere Einbußen erleiden müssen. Aufwärts geht es nur mit den Spitzenmanagern, der Wirtschaft und der Finanzwelt. Mit allen anderen geht es abwärts. Schöne neue Welt.

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Es wird

Eineinhalb Stunden Flugzeit und aus Graubraun wird Multicolor. Aus Nachtfrost inklusive Autofreikratzen werden 18 Grad. Aus Nichtaroma bis Abgasgestank wird Eukalyptus-, Pinien- und Macchiaduft. Aus Baulärm und Kirchengeläut wird Meeresrauschen, aus monotonem Spatzentschilpen wird Hahnen- und Möwenschrei, Taubengurren, Spechtklopfen, Eulenheulen und der Telephonebird in zwei Singvarianten ist auch da (drei- und viertonig).

Dann noch der Meerblick und der Besuchskater, der einem selbst dann nicht von der Seite weicht, als er noch gar nicht gefüttert wird (schließlich hat er „Besitzer“ oder gelegentliche Dosenöffner nebenan, die aber nur manchmal da sind und vielleicht gar nicht wissen, wie sprech- und schmusebedürftig er ist). Dafür bringt er gleich am Morgen des zweiten Tages ein Geschenk und platziert es auf der Fußmatte vor der Haustür: ein Herz und andere Innereien, säuberlich ausgelöst. An zwei anderen Morgen vorm Frühstück verzehrt er vor unseren Augen jeweils den Rest eines Kaninchens, offenbar beginnt er vorn und endet bei den Hinterläufen. Da kann man nichts machen, da spricht wohl die Natur. Erstaunlich, wie wenig von der Beute übrigbleibt. Natürlich wird auch das störende Selbst- und Fremdhaar direkt auf der Fußmatte ausgewürgt. Nach regelmäßiger und von den Ferienhausbesitzern verbotener Fütterung wird der Kater dann doch etwas jagdfaul und genießt wie wir und mit uns gemeinsam das dolce far niente. Kehren wir von einem Ausflug zurück, begrüßt er uns an der Gartenpforte wie „unser“ Kater. Ach, ich vermisse den Tiger so. Heul.

Der alte zottelige Esel ist auch noch da. Ob er uns wiedererkennt? Was für ein Gedächtnis haben Esel? Er reagiert sofort, als wir uns dem Gatter seiner diesmal frischgrünen Koppel  nähern. Nimmt aber einen Umweg und nähert sich mit gemessenem Schritt. Nach der Begrüßung und ein paar Streicheleinheiten (zuviel mag er nicht, dann wirkt es so, als wolle er gern zubeißen) wendet er uns den Kopf seitlich zu und beginnt ein Schauspiel, wie ich es noch nie erlebt habe: Der Esel schnauft und ächzt, als bekäme er keine Luft und als wolle er vor unseren Augen das Zeitliche segnen. Dabei hängt ihm die Zunge raus (weiter unten und hinten fährt er parallel auch noch was aus). Nach einer Weile entlädt sich ein markerschütternder Schrei, der sicher über viele Kilometer hörbar ist und fast unser Trommelfell platzen lässt. Sicher hat auch er lange niemanden gesehen und keine Gelegenheit zum Reden gehabt, so war die Stimme eingerostet und musste sich erst freibrüllen. Dann, endlich: IiiAaa! Geschafft. Aug in Aug schnaubt er mir noch ein paar Tropfen ins Gesicht. Natur kann ja so schön sein. Beim nächsten Besuch kam er schnell und ohne Umschweife ans Gatter, nur das IA schaffte er nicht, war ihm aber auch nicht mehr so wichtig, lieber fraß er gesellig zu unseren Füßen. Vor zwei Jahren war ein Großteil seines „Grundstücks“ abgebrannt gewesen, so hatten wir ihm Grünzeug über den Zaun gereicht. Immer wenn wir aufhören wollten, hatte er mit den Hufen aufgestampft. Diesmal musste er nicht protestieren.

Aus Arbeitsverpflichtungen und diversen diffusen Zukunftssorgen wird endlich Entspannung und Gleichmut. Abwarten, wird schon alles, irgendwie. Zwischen stressigen Nachrichten aus der unendlichen Ferne kommen auch gute. Dann habe ich tatsächlich doch ein Buch gelesen, trotz des mir genügenden Blicks aufs Meer. Keines der mitgebrachten, sondern eines aus dem Regal des Ferienhauses: „Die kleine Bijou“ von Patrick Modiano. Ich mag Modiano und es war gerade richtig.

Nur der Mond war nie zu sehen, dafür viele bekannte Sternbilder und unzählige namenlose dahinter.

Chicas, todo bien? Si, so ziemlich! Hasta luego!

Hier noch ein bisschen Blütenmeer.

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