Von hier und doch nicht…

Immer, wenn ich in Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal bin, fragen mich die Leute nach dem Weg, auch wenn ich gerade angekommen bin und mich selbst noch sortieren und orientieren muss, kaum aus dem Flugzeug, der Bahn oder dem Auto gestiegen.

Sie erkundigen sich nach der nächsten Métro, wenn die Linie gerade streikt (zum Beispiel in Paris) oder wegen Gasaustritts gesperrt ist (Marseille), dem Weg zum Kino (Italien), zu einer Behörde (Paris, Barcelona), zu einem Arzt (Barcelona), einer bestimmten Straße oder Hausnummer (überall). Même si je ne suis pas du coin, désolée, auch wenn ich direkt neben einem Friedhof nach dem Weg gefragt werde. Lach! Manchmal kann ich aber sogar helfen, wie etwa in Porto Maurizio in Ligurien, da war ich nämlich kurz vorher an eben jenem gesuchtem Kino vorbeigekommen.

In Deutschland passiert mir das nicht ganz so häufig, aber oft werde ich auch dann von Ausländern angesprochen, ob von Engländern, Franzosen oder Indern. Aber im Südwesten Europas assimiliere ich mich anscheinend, werde eins mit der Umgebung und sehe dort wohl eher wie eine Einheimische aus als hier, wo ich durchaus schon mal gefragt wurde (unter anderem von einer Italienerin), woher ich denn käme. Türkin war ich hier auch schon. Kleiner Ausrutscher: Ein Japaner im Zug von Hannover gen Süden hielt mich für eine Schweizerin, genauer: für eine Frau aus Basel. Da wohnte ich noch nicht mal in Freiburg, also ganz weit weg. Und fühlte mich so gar nicht erkannt.

Ich bin eben nicht einzuordnen, die Portugiesen halten mich für eine Spanierin, die Spanier für eine Französin, die Italiener… Ich bin alles und nichts. Ich bin alle und keine. Nur nicht von hier. Dabei müsste sich doch schon rumgesprochen haben, dass deutsche Frauen nicht alle groß, blond und blauäugig sind und möglicherweise noch walkürenhaft aussehen.

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Man erzählt mir auch viel, ungefragt. In einem Fahrstuhl in Paris fragte mich ein Schwarzer, aus welchem Land ich käme. Er hatte wohl eine Ahnung, nachdem er mich ein paar Wörter in meiner Sprache reden hörte. Als er Deutschland vernahm, erzählte er mir sofort, dass er auch mal hier war und sogar nicht weit von mir, in Stuttgart. Vor dem Fahrstuhl ging es dann ans Eingemachte, er war sehr mitteilungsfreudig. Seinen Bruder habe er besucht, dort im Schwäbischen, doch der sei nicht zurückgekommen. Nun ja, schon, aber tot. Aus Eifersucht. Was für eine Geschichte! Wenn ich nicht weiter gemusst hätte, der Mann hätte mir noch viel mehr erzählt und ich hätte einen Krimi schreiben können. Gleich an der nächsten Ecke fragte mich eine arabische Frau nach dem Weg, einen Tag später an fast gleicher Stelle erkundigte sich ein junger Franzose bei mir nach einer Straße. Leider musste ich jeweils passen. Zwei Tage später kam ich mit einer Frau auf einem Flohmarkt ins Gespräch, als ich Fotos machte von ihrem Stand.

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Tiana, die Schmuckdesignerin, hatte einen deutschen Vater (schon wieder Stuttgart, auch Köln und Berlin sowie Straßburg wurden genannt) und eine Mutter aus den französischen Kolonien. Wir tauschten Adressen und sie bot mir ihre Wohnung an, falls ich mal wieder Paris besuchen sollte. Selbst hat sie vor, ins Elsass zu ziehen, weil sie die laute unruhige Metropole leid ist und würde mich gern besuchen hier im Dreiländereck, um herauszufinden, wo sie leben möchte. „Zufallsbegegnungen“.

Sicher sehe ich aus wie eine, die zu Hause ist. Wenn auch weniger hier. Die sich überall wie selbstverständlich bewegt. Mal da, mal dort. Eine, die sich nicht fremd fühlt und deshalb nicht als Fremde erkannt wird. Und so fühle ich mich ja auch: ohne Heimat und deshalb überall zu Hause. Ich bin gern unterwegs. Eigentlich bin ich am liebsten auf Reisen, wobei es übrigens keine Rolle spielt, ob allein oder zu zweit.

Mein Vater sagte immer, ich hätte Hummeln im Hintern. Aber da war ich noch nicht gereist, sondern nur auf dem Sofa in der Wohnküche herumgesprungen oder hatte mich von Wand zu Wand gehangelt, an Vorsprüngen und auf Schränken entlang, um nur nicht den Boden zu berühren. Ein spannendes Spiel. Nur nicht auftreten. Von der Welt, den Menschen und deren Art hatte ich noch nicht die geringste Ahnung.

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Die 38. Woche, 2014

Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.

(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

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Die Politik sagt: “Seid klug wie die Schlangen!” Die Moral setzt hinzu: “Und ohne Falsch wie die Tauben!”

(Immanuel Kant)

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Les amants du Pont Neuf / Die Liebenden vom Pont Neuf, ein Film

Jetzt erst (zugegebenermaßen – ein Versäumnis, das ich mir nicht erklären kann) habe ich den Film «Les amants du Pont Neuf» (Die Liebenden vom Pont Neuf) aus dem Jahr 1991 auf arte gesehen, davor immer wieder verpasst, obwohl ich ihn unbedingt anschauen wollte.

Die Dialoge, sowieso schon pure Poesie – on dirait la poésie crue – habe ich neu zusammengestellt und mit eigenen Gedankensplittern vermischt:

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Nichts bleibt erspart

Ausgespart

Gemäldegesichter

Ein Fluss voller Schmerzen

Lass uns spazieren gehen

Barfuß im Dreck

Hand in Hand

Ja, sogar das

Doch blende mich nicht

Die ganze Stadt schläft schon

Noch erkenn‘ ich die Brücke

Lass mich dich zeichnen

Der Himmel ist weiß

Doch die Wolken sind schwarz.

Ich werd‘ dir beibringen zu schlafen

Ohne etwas zu nehmen

Mit mir

Solang ich dich seh‘

Versuch’ nicht so zu leiden

Ich hab Lust

Mit dir zu leben

Mach das nie wieder

Du musst dich öffnen

Wirst du mein Blindenhund sein?

Sogar von nahem sehe ich nicht mehr

Die kleinen Dinge

Du musst deutlich lächeln

Du musst alles in Groß machen

Damit ich dich seh‘

Avis de recherche

Jeder Tag zählt

Siehst du mich?

Komm, wir trinken zusammen

Ich werde nie vergessen, was war

Selbst nicht mit dir

Es wird Herbst

Halt mich fest.

Vergiss mich.

Ich hab dir nie was erzählt von mir.

Ich hab auf dich gewartet.

Ich hinke nicht mehr.

Wirst du mich lieben?

Ich sehe wieder.

Wir werden im Bett frühstücken

Wie oft machen Sie Liebe?

Mit Krümeln in den Schamhaaren?

Alles Lüge

Die Strömung ist zu stark

Wohin fahren Sie?

Nach Le Havre.

Was meinen Sie?

Auch ohne cadenas

Bis zum Ende.

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Neun, 2014

September1

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Die 36. Woche, 2014

Die Menschen verstummen oft, schockiert und verwirrt, wenn jemand eine Meinung äußert,
die weder in ihr Raster passt noch in das der “Gegenseite”.

(Rotewelt, 3. September 2014)

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Über (Un)Geduld und Geschwindigkeit

Früher waren die Menschen geduldig. Es blieb ihnen nichts anderes übrig. Wer einen Brief versandte, konnte nicht auf baldige Antwort hoffen. Postkutschen brauchten lange zwischen Städten und zwischen Ländern noch mehr. Zwischen Kontinenten verkehrten nur Schiffe.

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Kein Klick brachte die baldig erwartete, die ersehnte oder gefürchtete Reaktion, kein Handyton und kein Telefonklingeln. Tage, Wochen, manchmal Monate hieß es warten. Wer so lange ausharrte, glätteten sich dessen Emotionen nicht zwangsläufig, verwischten, verwuschen, ließen nach? Verpuffte das, was gestern Zorn war, allmählich? Versandete Verzweiflung zur Gleichgültigkeit? Versickerte Trauer in der Zeit? Verblassten Nach- und Vorfreude und Sehnsucht mit den Wochen oder intensivierten sie sich durch den Mangel? Blieben Gefühle beständiger, weil sie nicht von beständig neuen Nachrichten und Informationen durchgewirbelt wurden? War der Mensch gelassener, ruhte er mehr in sich? Blieben Verbindungen beständiger durch die langsame Art der Kommunikation?

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Ich weiß nicht, ob die Menschen früher gnädiger waren, großzügiger und-mütiger. Aber ich stelle mir vor, dass sie milder waren, weil sie soviel Zeit hatten, über ihre Freundschaften und Liebesbeziehungen in der Ferne zu reflektieren. Es war damals nicht so einfach, impulsiv zu sein. Bis ein Brief, vielleicht im Affekt formuliert, mit der Feder fertiggeschrieben war, verging allein schon Zeit, ihn dann noch zur nächsten Postkutschenstation zu bringen, erforderte einige Mühe. So mancher Brief wurde vermutlich gar nicht abgeschickt, sondern letztlich doch zerrissen. Heute geht vieles unredigiert und unreflektiert raus – es braucht keine Siegel, Stempel und Marken mehr – und ist nicht zurückzuholen, mit allen Konsequenzen, die das nach sich ziehen kann.

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Heute ist alles schneller und wir sind ungeduldige Zeitgenossen geworden. Immer mehr Menschen sind mit ihren Smartphones verwachsen, starren permanent auf’s Display und machen den ganzen Tag nichts anderes als auf Nachrichten zu warten und zu antworten, neben der Arbeit, beim Essen zu Zweit und wer weiß wobei und mit wem sonst noch. Es könnte ja ein Like auf Facebook gekommen sein, das wichtiger ist als alles andere.

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Schreiben wir eine Mail oder SMS, erwarten wir eine baldige Rückmeldung. Weil es geht. Ich ertappe mich selbst manchmal bei dieser Ungeduld, empfinde es als unhöflich, nicht wenigstens nach ein paar Tagen bald ein Zeichen „habe es gelesen“ zu bekommen und bin auch manchmal gekränkt. Und wehe, die Technik spielt einmal nicht mit, das Internet steigt aus oder der Handy-Akku ist leer – da gerät der nichtsahnend Wartende schon mal in Zweifel und ergeht sich in schlimmsten Vermutungen. Aber ich bin nicht mit allen ungeduldig, ich mache da ziemliche Unterschiede und das ist auch nicht fair. Meinen FreundInnen gegenüber bin ich ziemlich großzügig und verständnisvoll.

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Und gleichzeitig erfülle ich die Erwartungen anderer nach Schnelligkeit oft nicht. Es sind gerade die persönlichsten „Briefe“, für deren Beantwortung ich am längsten brauche. Früher habe ich stets sofort reagiert, aus Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl heraus, auch wenn ich keine Zeit hatte, ich habe sie mir abgeknappst und anderes liegengelassen. Nicht nur, wenn jemand in Not war.

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Nun wartet eine „alte“ Freundin seit Wochen auf Antwort von mir, auf eine Mail oder einen Anruf, und ich bin noch nicht so weit. Wenn ich ihr schreibe oder mir ihr spreche (sie telefoniert sowieso lieber und dann meist stundenlang, dazu muss ich bereit sein), möchte ich auch wirklich auf das eingehen, was sie mir geschrieben hat, auf die Fotos, die sie geschickt hat, auf denen Menschen zu sehen sind, die ich wiedererkannt habe und die mich mit ihr, mit gemeinsamen früheren Zeiten verbinden. Aber ich hätte ihr wenigstens kurz danke sagen und mitteilen können, dass ich ihre Mail erhalten habe und ihr später ausführlich antworten bzw. sie anrufen werde. Das habe ich in diesem Fall versäumt, zu doof, aus diversen Gründen – keine Zeit, selbst zuviel im Kopf – immer wieder aufgeschoben, dann vergessen, schließlich war es für eine solche Kurznachricht zu spät. Ich schäme mich dafür, finde mein Verhalten nicht okay, so möchte ich auch nicht behandelt werden.

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Mit einer anderen Freundin ging es mir immer so, selbst wenn ich ihr schrieb, was mein Innerstes bewegte, wenn ich mal Probleme hatte und eine Art Hilferuf schickte, kam wochen- oder monatelang nichts von ihr und dann, wenn überhaupt, nur ein Satz zu mir und ansonsten ihr Eigenes, das immer wichtiger und viel schlimmer war als meins. Aber mich durfte sie um drei Uhr nachts anrufen, um mir heulend ihr Leid zu klagen. Nun, das ist ein anderes Thema; es gibt eben Menschen, die sich nur selbst wichtig nehmen und sich nicht in andere einfühlen können. Mit solchen Menschen kann man sich trotzdem gut verstehen, auf bestimmten lockeren Ebenen, zum Beispiel wenn man Dinge gemeinsam unternimmt, Essengehen, Weinproben, Sport, Ausflüge – gemeinsame Urlaube können aber schon mal in die Hose gehen… Um wahre Freundschaft handelt es sich aber im Grunde nicht.

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Gestern las ich auf Facebook eine Art Ausbruch von Meryl Streep, die darin schilderte, ihre Geduld sei am Ende, mit solchen Menschen und allen, die ihr nicht gut tun. Mir geht es genauso, heute habe ich den Mut, mich von Menschen fernzuhalten oder zu trennen, die emotionale Blutsauger sind und die mich nach jedem Kontakt erschöpfen. Aber es war ein langer Weg dahin. Zuviel Geduld in allen Dingen ist eben auch nicht gut, etwas mehr Gelassenheit aber kann nicht schaden, sie wünschte ich mir für mich schon manchmal.

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Früher aber war ich wahrhaft engelsgeduldig, mit allem und jedem, dabei aber schneller als heute, sehr fix in vielem, ob beim Gehen, Kochen, Lesen oder Gartenumgraben. Ich merke seit einiger Zeit, dass ich das nicht mehr mag, überhaupt will ich keine Hektik mehr. Dazu hat sicher auch mein zweites Freiberuflerdasein beigetragen (das erste war noch hektischer als das Angestelltendasein davor, oft drei Wochen ohne freien Tag durchgearbeitet bei immensem Termindruck und viel zu großer Arbeitsbelastung), vielleicht hat es mich verdorben, bequem und ein wenig faul gemacht (mir geht es mit diesen Gedanken nicht alleine so, wie ich weiß. Zum Beispiel du, Soso, wenn du das liest, gehst dir da sehr selbstkritisch auf den Grund und hinterfragst dich). Aber vielleicht ist es auch genau das richtige für mich, vielleicht ist das meine ureigene Art. Oder sie ist es jetzt und ich habe mich schlicht verändert mit den Jahren und gestehe mir nun mehr Langsamkeit zu, mehr Freiheit und Selbstbestimmung, Zeiteinteilung nach meinem Rhythmus, die ich ja auch früher schon ersehnte. Und das damals war nur ein Irrtum, eine Ablenkung, denn in gewisser Weise war ich eine Getriebene, voller innerer Unruhe, bin Ansprüchen und Bildern hinterhergerannt, die gar nicht zu meinem Wesen passen.

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Manchmal ertappe ich mich heute dabei, dass ich es hasse, durch die menschengefüllte Fußgängerzone und volle Geschäfte zu gehen. Dann habe ich die Stadt und ihr Gewusel plötzlich so satt und träume vom einsamen ruhigen Leben auf dem Land, mit Garten und Weitblick in die Natur oder – noch schöner – auf’s Meer. Aber natürlich mit Internet und E-Mail – und wehe, man antwortet mir nicht umgehend, dann werde ich ungeduldig! ;-)

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Sehnsuchtsbilder aus Marseille, ohne Meer

Der Herbst naht und damit Wehmut – vor allem im Anschluss an einen Sommer, der keiner war, auch wenn uns die Meteorologen anhand errechneter Werte sagen, er sei wärmer gewesen als im Durchschnitt. Aber eben nicht gefühlt. Und mit dem Wermut, pardon, der Wehmut (hatte zunächst die Artikel verwechselt und es kam mir falsch vor – übrigens mag ich Wermut nicht, höchstens als Noilly Prat im Essen), kommt Lust auf Reisen in wärmere Gefilde, doch da sich das nicht immer mal eben so machen lässt, kramt das Hirn vergangene Reisen und Kurztrips hervor, um sich wenigstens an erinnerten Bildern zu erfreuen. Heute ziehe ich beim Blick ins Grau Marseille aus der Erinnerungsschublade  hervor. Da war ich zuletzt vor zwei Jahren im März.

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Auf der Fahrt im TGV, der direkt von Mulhouse nach Marseille fährt und nur 4 Stunden 40 Minuten dafür braucht, merkt man irgendwann der Landschaft an, dass man im Süden ist.

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Auch wenn ich um die gute Lage meiner Ferienwohnung wusste: Der abendliche Blick von der Terrasse auf die berühmte Kirche Notre Dame de la Garde war doch etwas Besonderes.

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Aber auch zu anderen Tageszeiten genoss ich die Sicht, ob auf die Kirche…

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… oder den Blick zur Linken mit den Bergen im Hintergrund.

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In der Morgensonne machte das Studieren des Stadtplans Spaß. Überhaupt war das Licht magisch.

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Am Vormittag beleuchtete es die Hüte auf dem Markt, während der Schatten das Gesicht der gut gelauntenf Verkäuferin kaschierte.

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Das bleu du ciel konkurrierte mit dem Lack azurblauer Autos am Platz der Präfektur.

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Hunde verlustierten sich in öffentlichen Brunnen und hübsche junge Frauen mit ihrer Elektronik.

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Die Tiere hatten mindestens soviel Spaß am Glitzern.

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Weiter Richtung des Alten Hafens faszinierten mich osteopathische und andere bunt angerichtete Briefkästen

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Die Einwohner, davon unberührt, bevölkerten die märzsonnigen Cafés und Restaurants, Kinder tobten sich in Sichtweite aus,

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auch wenn das mittägliche Gegenlicht das Erkennen Einzelner erschwerte.

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Viele waren mit luftigsommerlichen Motorrollern gekommen.

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Symbolische Schiffsbuge ragen, Fassaden verlängernd, vor das meerfarbene Himmelsblau.

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Gegenüber macht sich figurative theatralische Dramatik breit

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Und überhaupt ist die Stadt durchsetzt von Symbolik, auch barock-üppiger Art. An versteckten Orten findet sich wunderschöner alter Figurenschmuck an Fassaden,

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…nicht selten in Kontrast zum Neuen, Banalen, Praktischen.

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Reizende Figuren schmücken auch viele der Brunnen,

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an denen nicht minder schöne Marseillaises vorbeispazieren.

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Tauben sind fast immer dabei.

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Kurz vor der Abenddämmerung,

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wenn die Menschen aus der Metro strömen, färben sich die Fassaden.

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Zur blauen Stunde bekommen sie einen rosa-ockerfarbenen Hauch

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Das ist die Zeit, in der die Tauben am schönsten sind und sich mit den Statuen verbrüdern.

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Auf dem Heimweg vom Hafen aus nahm ich manchmal die Rue Paradies mit klassischen Profilen,

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bevors ich rechts in meine Straße einbog,

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den Code eingab, die Zwischentür öffnete und das schöne alte Treppenhaus betrat.

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Bis zur Wohnung im vierten Stock waren es über 80 Stufen.

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Auf der Terrasse konnte ich mir eine erfrischende und stärkende Belohnung nach den langen Stadtbummeln genehmigen.

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In der Nacht – wie sehr ich doch das gelbe Licht der französischen Straßenlaternen mag – dachte ich mir aus, was sich wohl hinter den Fassaden der anderen Häuser abspielen mochte im schon frühlingshaften Märzleben…,

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…bevor mich am Abreisetag schon nach der Hälfte der Fahrt wieder nackte Erde erschreckte und in den Spätwinter zurückbrachte.

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Kurz vor fünf

Vor fünf Jahren sah ich um Vieles jünger aus

Vor fünf Jahren sah ich nicht viele Jüngere

Vor fünf Jahren sah ich noch nicht so viel

Vor fünf Jahren schien die Welt heiler

Vor fünf Jahren sah ich mich anders

Vor fünf war es noch nicht dunkel

Vor fünf ist nicht mehr

Vor fünf.

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Ein neues Foto auf Pixartix…

Zum aktuellen Themenzyklus das zweite Bild von mir:

http://pixartix.wordpress.com/2014/08/24/villen-wellen-wollen-15-aber-die-wellen-kommen/

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Die 35. Woche, 2014

Die Sonnenblume
Le tournesol
Dreht sich
Mit der Sonne
Nach ihr
Verrenkt sie sich
Nie.

(Rotewelt, August 2014)

Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern.

(Sophia Loren)

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