Kurz vor fünf

Vor fünf Jahren sah ich um Vieles jünger aus

Vor fünf Jahren sah ich nicht viele Jüngere

Vor fünf Jahren sah ich noch nicht so viel

Vor fünf Jahren schien die Welt heiler

Vor fünf Jahren sah ich mich anders

Vor fünf war es noch nicht dunkel

Vor fünf ist nicht mehr

Vor fünf.

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Ein neues Foto auf Pixartix…

Zum aktuellen Themenzyklus das zweite Bild von mir:

http://pixartix.wordpress.com/2014/08/24/villen-wellen-wollen-15-aber-die-wellen-kommen/

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Die 35. Woche, 2014

Die Sonnenblume
Le tournesol
Dreht sich
Mit der Sonne
Nach ihr
Verrenkt sie sich
Nie.

(Rotewelt, August 2014)

Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern.

(Sophia Loren)

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Bratwurst verbindet

Kaum ein Durchkommen zu den Wurstbratern am Münstermarkt! Habe gerade so einen kurzen Blick erhascht zwischen all den Anstehenden.

Im Juli/August geht es hier auf dem Markt am Freiburger Münster multikulturell zu, so dass man glaubt, in einer weltoffenen Stadt zu leben (sind die Touris weg, verschwindet auch die importierte Heiterkeit und Lässigkeit).

Aber jetzt sind sie hier und alle wollen die Freiburger Wurst essen, Skandinavier, Holländer, die nebenan lebenden Schweizer und Franzosen sowieso, aber auch Russen, Italiener, Spanier, Amerikaner, Asiaten und viele mehr! Ein Engländer in strahlender Vorfreude zu seiner Frau auf dem Weg zum Markt: “The best saucage in the world!” Tja, so berühmt sind sie, die Freiburger Würstchen, vor allem die lange rote. Sie schmecken ja auch gut und der Duft ist verführerisch.

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Die Würste gibt es das ganze Jahr über. Aber dies ist die Zeit, in der Freiburg lebendig, heiter und lässig wird und in der ich die Stadt, etwas naiv, getestet habe, bevor ich hierher zog.

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Die 34. Woche (schon), 2014

Nochmal Leben, wieder anders

Manche leben mit einer so erstaunlichen Routine, dass es schwerfällt zu glauben, sie lebten zum ersten Male. (Stanislaw Jerzy Lec)

Die wahren Lebenskünstler sind bereits glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind. (Jean Anouilh)

Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr. (Vincent van Gogh)

Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens. (Armin Mueller-Stahl)

Entweder man lebt, oder man ist konsequent. (Erich Kästner)

Lebenskunst ist nicht zuletzt die Fähigkeit, auf etwas Notwendiges zu verzichten, um sich etwas Überflüssiges zu leisten. (Vittorio de Sica)

Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave. (Friedrich Nietzsche)

Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues, und man glaubt, man sei im Himmel. (Édith Piaf)

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen. (Albert Schweitzer)

Wir glauben, Erfahrungen zu machen, aber die Erfahrungen machen uns. (Eugène Ionesco)

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Wieder auf Pixartix

Soso und Irgendlink haben auf ihrer Pixartix-Seite einen neuen Bilderzyklus gestartet, diesmal zum Thema “Villen-Wellen-Wollen”. Ich freue mich, wieder mitmachen zu dürfen, merci! Gestern gab es das erste Foto von mir zu sehen: Frühlingshaftes Wollen

 

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Aberwitz

Vor dem Haus

Steht ein Auto aus Sigmaringen

In zweiter Reihe und rot

Bringt es in mir Töne zum Klingen

Letzten Oktober, beinah

Erinneringen

Fast wär‘ ich da raus

Gewesen zum zweisamen Singen

Noch nicht ganz tot

Nun stürmt es herbstlich wie 2013

Und ich weiß

Es wird mich dort

Nichts mehr hinzieh‘n

Die Zeit überschritten

Ich seh‘ keine Burg

Nur das Kennzeichen

Statt auf Céline

Warte ich auf den Boten

Den mit der Pizza, komme

Er bald daher geritten

Möglichst ohne Zoten

Letztes Jahr floh ich nach Konstanz

Nun lass ich das Ausweichen

Ganz.

 

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Good bye, Robin

Manche Tode von Fremden gehen einem näher als andere… Robin Williams war einer meiner Lieblingsschauspieler. Unvergessen bleibt er für mich vor allem in seiner Lehrerrolle im Film “Club der toten Dichter”. Oh Captain, my Captain…

Ich wusste nicht, dass er alkoholkrank und depressiv war.  Wie heißt es doch: Hinter vielen Clowns steckt ein trauriger Mensch…. und natürlich ist das wahr. Ich mochte ihn in seinen nicht so laut-lustigen Rollen am liebsten. Vielleicht, weil er mir da am echtesten erschien…

Wenn es helfen würde, würde ich jetzt mit anderen auf’s Pult steigen…

Fly, robin, fly… (Ich glaube, man würde es mir jetzt übel nehmen und falsch verstehen, womöglich als diskreditierend, ausgerechnet einen Konservensound wie Fly, robin, fly von Silver Convention hier zu verlinken, also lasse ich es, obwohl es mich dazu drängt, zumal es nach meiner Meinung keine Diskreditierung wäre, im Gegenteil, aber ich kenne ja meine strengen Landsleute und ihre Befindlichkeiten. Also, liebes Rotkehlchen oder liebe Wanderdrossel, mögest du in bessere Welten und Zeiten davonfliegen, das wünsche ich dir!)

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Die 33. Woche, 2014

Städtische Sommernacht

Unten macht sich aller Abend grauer,
und das ist schon Nacht, was da als lauer
Lappen sich um die Laternen hängt.
Aber höher, plötzlich ungenauer,
wird die leere leichte Feuermauer
eines Hinterhauses in die Schauer
einer Nacht hinaufgedrängt,
welche Vollmond hat und nichts als Mond.

Und dann gleitet oben eine Weite
weiter, welche heil ist und geschont,
und die Fenster an der ganzen Seite
werden weiß und unbewohnt.

(Rainer Maria Rilke)

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Tropea zur blauen Stunde

Abendliche Impressionen aus einer kleinen kalabrischen Stadt am Stiefelrist Italiens

Willst du mitkommen, mit mir abhauen, weg von hier, con questo tempo grigio? Vieni via con me! Für ein leichteres, wärmeres und herzlicheres Lebensgefühl…

 

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Bevor es Abend wird, hier im tiefsten Mezzogiorno, fahre nicht nur ich von einem Ausflug in die Wildnis nach Tropea zurück, sondern auch die Ziegen, mit denen ich mir die Straße teile, scheint es zurück in ihren Stall zu ziehen.

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Gleich werden sie die Mauerlücke nutzen und mutig den steilen Hang herunterklettern.

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Die Tiere und ich haben einen wunderschönen Blick auf das sich glitzernd verdunkelnde Meer.

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Jetzt ist die richtige Zeit für einen Aperitif auf der zentralen Piazza der kleinen Altstadt. Langsam finden sich Bewohner und ein paar Touristen ein. Vater, Mutter, Kind, alle versammeln sich…,

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…Großeltern mit ihren Enkeln auch.

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Bestellt man ein Glas in einer Bar, bekommt man ungefragt einen Teller mit schmackhaften kleinen Knabbereien dazu – natürlich im sehr günstigen Preis inbegriffen. Jedes Mal sind andere Köstlichkeiten auf dem Teller, warme und kalte. Manchmal brauche ich gar kein Abendessen mehr.

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Von hier aus lässt es sich gut gucken. Überall bilden sich Grüppchen, die eine Weile auf einem Fleck stehen- oder sitzenbleiben, dafür gestikulieren die Hände und das Standbild ist nie statisch. Es ist wie in einem öffentlichen Wohnzimmer, hier fühlt man sich zugehörig, selbst wenn man niemanden kennt, so ein fröhliches Treiben herrscht hier und die Kinder spielen Ball über den Köpfen der Flaneure.

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Die Jungs versammelt sich an Denkmälern…,

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…die auch schon mal erklettert werden.

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An anderen Abenden gehört das Denkmal den Mädchen, die, auf dem Weg zur Frau, unbewusst mit den Haarsträhnen spielen.

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Die nur wenige Jahre älteren schönen jungen und zum Glück (noch) nicht blondierten schwarzhaarigen Italienerinnen kommen in knallengen Hosen und auf rasant hohen Absätzen daher gestöckelt und überragen fast ihre Begleiter. Aber da sie meist stehen – parlando, parlando -, lässt es sich wohl aushalten. Schließlich kommt es ja sowieso nur darauf an di fare bella figura  wie bei der überall in Italien üblichen abendlichen Passeggiata auf der Piazza. Vor allem ältere signori tragen auch schon mal elegante Anzüge zu dieser Gelegenheit.

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Bekanntlich sind Italiener Meister im Flirten, es wird viel geguckt und gelächelt… und als Frau fühlt man sich verehrter und begehrter als anderswo…, selbst von jüngeren – und nicht nur solchen mit Bäuchlein…

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Die Souvenirläden sind selbstverständlich lange geöffnet. Der alte Herr, den ich auch schon tagsüber mit seinem Sohn fotografiert habe, sitzt von morgens bis abends vor seinem Geschäft.

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Und wer vergessen hat einzukaufen, bekommt selbst am Sonntagabend in einem kleinen Minimarket noch so gut wie alles und wird dabei freundlichst bedient.

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In den vielen kleinen Restaurants, von denen einige sehr versteckt in Seitengassen liegen, haben schon gedeckt und warten auf den Ansturm, der noch auf sich warten lässt, denn erst muss ausgiebig promeniert werden.

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Irgendwann treibt es die Gruppen zum balcone, zum Aussichtspunkt am Ende der Fußgängerzone.

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Dort bleibt man am Geländer stehen, gern paarweise, und schaut lange auf das Meer.

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Auch hier gibt es schon die ersten Liebesschlösser.

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Wer die Einsamkeit sucht, lässt den Ort über sich, der im Abendrot golden strahlt…

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…und fährt hinunter an einen der Strände, die Tropea zu Füßen liegen. Hier ist es jetzt schön leer, jedenfalls im Mai.

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Dabei überbieten sich manche Abende darin, den schönsten Sonnenuntergang zu liefern.

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Nur wenige Menschen streifen am Strand entlang, finden sich zu einem Picknick ein oder zu einer privaten Fotosession im Gegenlicht. Ich habe aber ein Auge darauf, dass mir der beredt-redselige gelockte Galerist aus Florenz mit den leuchtend grünen Augen nicht doch noch begegnet, der eines Abends am Strand so hartnäckig war, dass ich mich lieber losgeeist habe nach dem gemeinsamen Aperitif in der Strandbar…

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Wer will bei diesem Anblick von Kitsch sprechen? Es ist einfach nur wunderbar, meraviglioso!

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Und dann, wie erwartet, versinkt die Sonne im Meer. Und die Ndràngheta, die kalabrische Mafia, ist ganz weit weg.

Gianmaria Testa “Come le onde dal mare”

 

 

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