Man kann sie schwer erreichen…

Woher kommen diese diffusen Ängste, die Menschen dazu bewegen, Ausländer zu hassen und gegen sie zu demonstrieren, selbst Leute “aus der Mitte” des Volkes, die sich der unsäglichen Pegida-Bewegung anschließen?  Hier ein Ausschnitt mit Erklärungsversuchen aus einem Artikel, dessen Link ich eben bei Denise gefunden habe, die ihn wiederum bei Sherry gefunden hat:

„Es gilt immer noch, was Bodo Morshäuser Anfang der 1990er Jahre anlässlich der damaligen Pogrome geschrieben hat: „Wenn der Schlips vor Scheinwerfern ‚Ausländerbegrenzung‘ fordert, löst der Stiefel sie in der Dunkelheit ein. Dass aus Wörtern Taten geworden sind, will der Schlips danach nicht mit sich selbst in Zusammenhang gebracht wissen.““

Der gesamte Artikel ist interessant:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24336

Allmählich wird es mir unheimlich hier.

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Geflohen, in die Fremde

Jenseits aller politischen Nachrichten aus allen Richtungen drücken sich entwurzelte Kinder aus Syrien und dem Irak in ihren provisorischen Flüchtlingsunterkünften die Nasen an den Fenstern platt oder treten für Minuten mal schüchtern vor die Tür. Außer der Kleidung, die sie auf ihrer Flucht am Leibe trugen, haben sie nichts oder kaum etwas. Von Spielsachen ganz zu schweigen. Während gegenüber ihrer unwirtlichen und zum Teil einsehbaren Stockbettzimmer die Smartphone-Displays deutscher Schüler auf dem morgendlichen Schulweg das Dunkel durchbrechen. Die Müllabfuhr – erst die gelben Säcke, dann die Biotonne, gefolgt von der grünen Papiertonne und schließlich der grauen Restmülltonne – wird begleitet von den christlich-katholischen Glocken des Münsters und anderer Kirchen, das läutet die Tage der Neuankömmlinge ein, die aus ganz anderen Welten kommen. Manche Frauen tragen ihr Haar offen, andere von Kopftüchern verhüllt, manche Erwachsene tragen Strümpfe, andere nur Badelatschen, im Dezember, der zum Glück noch mild ist. Ein alter leicht gehbehinderter Mann kehrt mit einem neuen Besen den nicht vorhandenen Schmutz vor der Unterkunft weg, die im ehemaligen Verwaltungsgebäude eines Altenheims eingerichtet wurde.

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Die 51. Woche, 2014

Die Ausnahmen von der Regel machen den Märchenzauber des Daseins aus.
(Marcel Proust)

Schwarze Schafe sind deshalb so begehrt, weil sie leicht auszumachen sind.
(Hans Horst Skupy)

Seltenheit ziert.
(A. Michael Bussek)

Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein. Aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein.
(Peter Altenberg)

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Flaumesk

Fedrig

Fühlst du dich

Manchmal

Wenn im Keller

Dein Leben

Längst

Gekachelt wurde.

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Die 50. Woche, 2014

Einsicht ist überall willkommen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Du hast sehr viel Einsicht in dir, es wird aber auch viel Verständnis von dir verlangt werden.
(Hildegard von Bingen)

Die Einsicht eines Menschen verleiht ihre Flügel keinem anderen.
(Khalil Gibran)

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Friedhofsgeheimnis

Gestern war ich wieder mit einem Bild dabei auf Pixartix (von Sofasophia und Irgendlink, diesmal moderiert von Ulli) zum Thema „Geheimnis“:

http://pixartix.wordpress.com/2014/12/07/geheimnis-34-friedhofsgeheimnnis/

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Christoph ist verschwunden

Christoph ist verschwunden. Als ich das hörte, war ich nicht sonderlich überrascht. Er war ein Sonderling, fast immer gut drauf und gleichzeitig stoisch, jemand, der sowohl äußerlich als auch innerlich kompakt wirkte, dabei rund und wendig. Selten hatte er plötzlich kleine Wutanfälle, die aber immer schnell in sich zusammenfielen.

Ungefähr ein Jahr lang sah ich ihn fast täglich, es war unkompliziert, mit ihm zusammenzuarbeiten. Nur einmal hatte ich Gelegenheit, seine Wohnung sehen zu dürfen, die wohl ein Provisorium war, für den Übergang gedacht, nicht zum lange Bleiben. So ging es uns allen. Während ich jedoch meine Unterkunft und auch die der anderen noch genau vor Augen habe, bleibt von seiner nichts, was hängenblieb. Das einzige, woran ich mich erinnern kann, ist die Küchenspüle. Zusammen mit Silvia war ich dazu verdammt worden, Unmengen sandigen Feldsalates in winterkaltem Wasser zu waschen. Christoph kümmerte sich um die Champignons und briet sie in einer Pfanne. Wenn ich gedanklich hochblicke vom Spülbecken, mich umdrehe und in den Raum schaue, ist da nur eine diffuse verschwommene Leere.

Nach dem gemeinsamen Jahr verliefen sich unsere Spuren allmählich. Einmal sah ich Christoph noch mit den anderen, wir aßen griechisch am Rhein, frischten noch frische Erinnerungen auf und ich trank roten Domestica. Mit einigen der anderen hatte ich noch jahrelang Kontakt, doch Christoph war bald wie vom Boden verschluckt. Niemand wusste, wo er lebte und was er machte. Wie er lebte und ob er jemanden hatte, dem er zugetan war, hat keiner von uns je erfahren. So ist er nun also wieder verschwunden. Irgendwann wird er wieder auftauchen, vielleicht, für andere, und…

Wer etwas über den Verbleib von Christoph weiß oder ihn kannte, wende sich bitte mit literarischen Hinweisen an Jutta.

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Chistoph ist verschwunden – literarische Hinweise dringend erbeten!

Ursprünglich veröffentlicht auf Über das Schreiben von Geschichten:

Kürzlich hatte ich hier im Blog davon berichtet, dass mir über die langjährige Arbeit am Roman “Wiederholte Verdächtigungen” (erscheint im Februar 2015 bei Klöpfer & Meyer) der erste Satz verloren gegangen war: Christoph ist verschwunden. Und vermutlich, um mir den Abschied zu erleichtern, hatte mir Dorothea eine kleine Notiz zu Christoph geschenkt, was mich nun auf die Idee bringt, dass es großartig wäre, eine Sammlung von (eher) kurzen Texten, Spekulationen, Hinweisen oder Such-Tipps hier im Blog zu sammeln – die alle mit dem Satz vom verlorenen Christoph beginnen. Der dann immerhin nicht verschwunden wäre …

Bin sehr gespannt, ob und wo ihr Christoph gesehen habt? Hat er vor, wiederzukommen? Wie geht es ihm? Und reden wir wirklich über denselben Christoph?

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Eine kleine Spende bitte!!!

Ich hasse die Spendenaufrufe zu Weihnachten, auf die Tränenrüsen drückend, die Post, die meinen Briefkasten verstopft, ab Ende November, von grünlinks bis erzkonservativ, das ganze vorweihnachtliche Geseiher: „Ach, sei doch bitte einmal im Jahr ein guter Mensch, spende wenigstens ein bisschen (dass oft vor allem die (Non)Profit-Organisationen davon profitieren und weder Geld- noch Sachspenden da ankommen, wo sie am nötigsten gebraucht werden, wird natürlich tunlichst verschwiegen; erst recht, dass das alles nichts an den Zuständen ändert).

Spende, spende, spende und zwar jetzt, denn sonst bist du ein schlechter Mensch, jawohl! Verhungernde Kinder da, Fuß- oder Mundmalerei dort, all die Armen auf der Welt, plötzlich, ach?! Und die Boat-People, die von Januar bis Dezember vor Folter und Mord flüchten? Zählen die nicht? Zählen die nicht? Und all die anderen Notleidenden? Sondern nur im Dezember, weil Weihnachten ist? Ich finde das einfach nur widerlich. Warum wird nur anlässlich dieses ach so christlichen Festes der Armen der Welt gedacht (die ja übrigens oft oder meist anderen Glaubensrichtungen angehören) an unsere Hilfsbereitschaft appelliert?

Na ja, auch die Hilfe ist schon lange zum Geschäft mutiert, ist ja bekannt. Und überhaupt liegt die Lösung woanders. Unsere paar Kröten sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und ändern fast nichts. Die Verantwortung für das Elend wird verlagert. Und wir sollen uns schuldig fühlen, wenn wir nicht für jeden Aufruf und jeden Bettler am Straßenrand Geld übrig haben. Ironie der Gegenwart.

Elend ist immer und überall, unabhängig von Jahreszeiten.

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Die 49. Woche, 2014

Ein Pflasterstein,
Der war einmal
Und wurde viel beschritten.
Er schrie: “Ich bin ein Mineral
Und muß mir ein für allemal
Dergleichen streng verbitten!”
Jedoch den Menschen fiel’s nicht ein,
Mit ihm sich zu befassen,
Denn Pflasterstein bleibt Pflasterstein
Und muß sich treten lassen.

(Joachim Ringelnatz)

 

Man bleibt nur gut, wenn man vergisst.

(Friedrich Nietzsche)

 

Es wäre verlorene Mühe, wollte man den Mond aus dem Wasser fischen.

(Fernöstliche Weisheit)

 

katz

Aufgenommen im Hexental.

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